Jātaka 547

Die Erzählung von Vessantara (Vessantara-Jātaka)

„O Phusati, im Glanz erstrahlend“

Dies erzählte der Meister, da er bei Kapilavatthu im Nigrodha-Park verweilte, mit Beziehung auf einen Regenschauer. Als nämlich der Meister das Rad der Lehre in Bewegung gesetzt hatte, war er allmählich nach Rājagaha gekommen und hatte dort den Winter verbracht. Dann begab er sich mit dem Thera Udayi als Wegweiser, umgeben von zwanzigtausend Mönchen, bei denen die Sinnenlust zerstört war, auf seiner ersten Reise nach Kapilavatthu.—Damals dachten die Sakiya-Könige: „Wir wollen unsern ältesten Verwandten sehen“; sie versammelten sich und suchten nach einem Aufenthaltsort für den Erhabenen. Da verstanden sie: „Der Nigrodha-Park des Gottes Sakka ist lieblich.“ Sie veranstalteten jede Art der Bewachung, zogen mit wohlriechenden Substanzen, Blumen u. dgl. in der Hand ihm entgegen und sandten zuerst mit allem Schmuck geziert die ganz jungen Knaben und Mädchen der Stadtbewohner zu ihm hin, dann die königlichen Prinzen und Prinzessinnen. Unter diesen brachten sie von selbst mit wohlriechenden Blumen und duftendem Staub dem Meister ihre Verehrung dar und begaben sich mit dem Erhabenen nach dem Nigrodha-Parke. Dort ließ sich der Erhabene, umgeben von den zwanzigtausend Mönchen, die die Lüste ertötet hatten, auf dem hergerichteten Buddha-Sitze nieder.

Die Sakiyas aber waren im Stolz auf ihre Abstammung hochmütig; sie dachten: „Der Prinz Siddhattha ist jünger als wir; er ist unser jüngerer Bruder, Neffe, Sohn, Enkel.“ Daher sagten sie zu den ganz jungen Prinzen: „Bezeiget ihm Verehrung; wir werden uns hinter euch niedersetzen.“ Als sie so dasaßen, ohne ihm ihre Verehrung bezeigt zu haben, beobachtete der Erhabene ihre Absicht und merkte: „Meine Verwandten bezeigen mir nicht ihre Verehrung; wohlan, jetzt werde ich sie dazu bringen, mich zu verehren!“ Er erzeugte in sich die Ekstase, die auf der übernatürlichen Erkenntnis fußt, erhob sich, stieg in die Luft empor und wirkte so, indem er gewissermaßen über ihre Häupter den Staub von seinen Füßen herabstreute, ein Wunder, das dem Doppelwunder am Fuße des Knotenmangobaumes ähnlich war.Als der König dies Wunder sah, sagte er: „Ehrwürdiger Herr, als Ihr am Tage Eurer Geburt herbeigetragen wurdet zur Verehrung des Kalade-vala und als ich da sah, wie Ihr die Füße umdrehtet und auf dem Haupte des Brahmanen standet, da brachte ich Euch meine Verehrung dar. Dies war meine erste Verehrung. Als Ihr am Tage des Pflugfestes im Schatten des Mangobaumes auf dem fürstlichen Lager saßet und ich sah, wie für Euch der Schatten des Mangobaumes sich nicht drehte,da verehrte ich Eure Füße; das war meine zweite Verehrung. Jetzt aber, wo ich ein noch nie gesehenes Wunder erblicke, verehre ich auch Eure Füße; dies ist meine dritte Verehrung.“ Als aber vom Könige die Verehrung dargebracht wurde, war kein einziger Sakiya im Stande, stehen zu bleiben und nicht auch seine Verehrung zu bezeigen; sie alle brachten ihm ihre Verehrung dar.

Nachdem so der Erhabene seine Verwandten veranlasst hatte, ihn zu verehren, stieg er aus der Luft herunter und ließ sich auf dem hergerichteten Sitze nieder. Als aber der Erhabene dasaß, war die Versammlung seiner Verwandten zum Wissen gelangt; sie alle setzten sich einträchtigen Sinnes nieder. Da erhob sich eine große Wolke und ließ einen Regenschauer herabströmen. Kupferfarbig floss das Wasser herunter mit lautem Geräusch. Wer nass werden wollte, der wurde nass; wer aber nicht nass werden wollte, auf dessen Körper fiel kein einziger Tropfen. Als sie dies sahen, wurden sie alle erstaunt über das noch nie gesehene Wunder und sie begannen ein Gespräch, indem sie sagten: „Ach dies Wunder, ach dies noch nie da Gewesene, ach diese Macht der Buddhas, bei deren Verwandtenzusammenkunft ein solcher Regenschauer hernieder kam!“ Als dies der Meister hörte, sagte er: „Nicht nur jetzt, ihr Mönche, sondern auch früher schon ließ bei der Zusammenkunft meiner Verwandten eine große Wolke einen Regenschauer herabströmen.“ Und nach diesen Worten erzählte er auf ihre Bitte folgende Begebenheit aus der Vergangenheit.

1. Die Strophen von den zehn Wünschen (Dasavaragatha)

Als ehedem im Reiche Sivi in der Stadt Jetuttara der Großkönig Sivi regierte, erhielt er einen Sohn mit Namen Sanjaya. Er führte diesem, als er herangewachsen war, die Tochter des Königs von Madda, Prinzessin Phusati mit Namen, als Frau zu, übergab ihm die Herrschaft und machte Phusati zu seiner ersten Gemahlin. Die Vorexistenz von dieser war folgende: Im einundneunzigsten Weltalter von hier aus erstand in der Welt ein Meister namens Vipassi. Während dieser in der Stadt Bandhumatī in dem Tierpark Khema sich aufhielt, schickte einmal ein König dem König Bandhuma neben unschätzbarem Sandelholz eine goldene Kette im Werte von hunderttausend Geldstücken. Der König aber hatte zwei Töchter. Da er jenes Geschenk diesen zu geben wünschte, gab er das kostbare Sandelholz der älteren und den goldenen Kranz der jüngeren. Die beiden aber dachten: „Wir wollen dies nicht für unsern eigenen Körper benützen, sondern wir wollen nur dem Meister damit unsere Verehrung darbringen“, und sie sprachen zum König: „Vater, mit dem kostbaren Sandelholz sowohl wie mit dem goldenen Kranze wollen wir den mit den zehn Kräften Ausgestatteten verehren.“ Als dies der König hörte, gab er mit dem Worte: „Gut“, seine Zustimmung.

Jetzt machte die Ältere Sandelpulver, füllte damit einen goldenen Korb und ließ diesen mitnehmen; die jüngere Schwester aber machte den goldenen Kranz zu einem Brustschmuck und ließ ihn auch in einem goldenen Korbe mitnehmen. So begaben sich die beiden im Tierpark nach der Einsiedelei. Die Ältere verehrte den goldfarbenen Körper des mit den zehn Kräften Ausgestatteten mit dem Sandelpulver; die übrigen Körner streute sie in seinem duftenden Gemach aus und äußerte dann folgenden Wunsch: „Herr, in der Zukunft möchte ich die Mutter eines Buddha, wie Ihr es seid, werden.“ Die Jüngere verehrte den goldfarbenen Körper des Vollendeten mit dem aus der goldenen Kette gemachten Brustschmuck und sprach dann folgenden Wunsch aus: „Herr, bis ich die Heiligkeit erlange, soll dieser Schmuck von meinem Körper nicht vergehen.“ Der Meister stattete ihnen seinen Dank ab.

Nachdem die beiden, solange es ihnen bestimmt war, gelebt hatten, wurden sie in der Götterwelt wiedergeboren. Die ältere der beiden Schwestern wanderte in ihren Wiedergeburten von der Götterwelt in die Menschenwelt und von der Menschenwelt wieder in die Götterwelt und wurde am Ende des einundneunzigsten Weltalters die Buddhamutter Maya. Die jüngere Schwester aber hatte dieselben Wiedergeburten und wurde dann zur Zeit, da Kassapa der Buddha war,als Tochter des Königs Kiki wiedergeboren. Weil sie aber geboren war, die Brust mit einem Brustschmuck geziert, der wie mit Malerei gefertigt war, wurde sie Prinzessin Uracchada (= Brustverzierung) genannt. Als sie im Alter von sechzehn Jahren einmal hörte, wie der Meister seinen Dank für das Mahl abstattete, gelangte sie zur Stufe der Bekehrung; in der Folgezeit erreichte sie an dem Tage, da ihr Vater, als er die Danksagung für das Mahl anhörte, zur Frucht der Bekehrung gelangte, die Heiligkeit, betätigte die Weltflucht und ging dann zum völligen Nirvana ein.

Der König Kiki aber erhielt noch sieben andere Töchter; diese hießen:

„Samanī, Samanā, Guttā,
die Nonne Bhikkhudāsikā,
Dhammā dazu und Sudhammā,
Samghadāsī als siebente.“

Diese waren bei diesem Erscheinen des Buddha:

Khemā und Uppalavannā,
Patācārā und Gotamā,
Dhammadinnā, Mahāmāyā,
Visākhā als die siebente.

Von diesen hatte Phusati den Namen Sudhammā; sie tat gute Werke wie Almosen Geben u. dgl. und wandelte in ihren Wiedergeburten unter den Göttern und unter den Menschen mit einem Körper, der durch die Frucht der unter dem Buddha Vipassi betätigten Sandelpulver-Verehrung wie mit rotem Sandelpulver bestreut war. In der Folgezeit nahm sie ihre Wiedergeburt als die erste Gemahlin des Götterkönigs Sakka. Als sie dort, solange es ihr bestimmt war, gelebt hatte, erkannte der Götterkönig Sakka, da die fünf Vorzeichen eintrafen, dass ihre Existenz beendigt sei. Mit großer Pracht begab er sich mit ihr nach dem Nandana-Parke; als sie dort auf einem reich geschmückten Bette lag, setzte er sich selbst auf die Seite des Lagers und sagte zu ihr: „Liebe Phusati, ich gewähre dir zehn Wünsche; nimm sie an!“ Dazu sprach er folgende erste Strophe in diesem mit tausend Strophen ausgeschmückten großen Vessantara-Jātaka:

„O Phusati, im Glanz erstrahlend,
wähle dir zehnmal einen Wunsch,
was auf der Erde deinem Sinne
ist angenehm, Schöngliedrige!“

So ist diese Darstellung des großen Vessantara-Jātaka in der Götterwelt begründet.

Da sie nicht wusste, dass es ihr bestimmt war zu scheiden, sprach sie ermattet folgende zweite Strophe:

„O Götterfürst, Verehrung dir!
Was hab ich Böses denn getan?
Vom schönen Ort vertreibst du mich
so wie der Wind den Erdenbaum.“

Als Sakka merkte, wie sie darüber ermattet war, sprach er folgende zwei Strophen:

„Nichts Böses hast du mir getan,
auch unlieb wurdest du mir nicht;
zu Ende sind die guten Werke
und darum sprech ich so zu dir.

Ganz nahe ist dir schon der Tod,
du wirst dich von mir trennen müssen;
nimm darum diese Wünsche hin,
die zehn, die ich dir jetzt gewährte.“

Als sie Sakkas Wort vernommen hatte und bestimmt erkannte, dass ihr der Tod bevorstehe, sprach sie, um einen Wunsch zu nennen, folgendes:

„Wenn du mir einen Wunsch gewährst,
Sakka, Beherrscher aller Wesen,
so möcht ich in des Königs Sivi
Palaste wohnen; Heil sei dir!

Mit schwarzen Augen, schwarzen Brauen,
schwarzäugig so wie die Gazelle,
den Namen Phusati soll man
mir geben dort, Purindada.

Und einen Sohn möcht ich erhalten,
freigebig Bittenden, nicht geizig,
geehrt von andren Königen,
berühmt und ruhmreich soll er sein.

Und wenn ich meine Frucht dann trage,
sei meine Mitte unverändert
und nicht erhöhet sei mein Leib,
gleich wie ein Bogen schön geschnitzt.

Die Brüste sollen mir nicht sinken,
nicht graue Haare, Vasava;
am Körper möge Schmutz nicht haften,
den Todeswürd'gen mach ich frei.

Umtönt von Pfauen und von Reihern,
bedient von schöner Frauen Scharen,
umschwärmt von Buckligen und Dienern,
gelobt von Dichtern und von Sängern,

wenn man an bunte Türen klopft
und auffordert zu Fleisch und Branntwein,
da möchte ich von König Sivi
die erste Gattin sein; Heil dir!“

Sakka erwiderte:

„Diese zehn Wünsche,die ich dir
gewähre, du vollkommen Schöne,
im Reich des Königs Sivi wirst
du diese Wünsche all erhalten.“

Nachdem so Maghava gesprochen,
Sujampati, der Götterkönig,
gewährt' er Phusati den Wunsch;
darüber freut sich Vasava.

Ende der Strophen von den zehn Wünschen.

Der Abschnitt von der Verbannung

Nachdem sie diese Wünsche ausgesprochen, starb sie dort und nahm im Schoße der ersten Gemahlin des Königs Madda ihre Wiedergeburt. Weil sie aber, als sie geboren wurde, mit einem Körper, der wie mit Sandelpulver bestreut war, geboren wurde, gab man ihr am Namengebungstage den Namen Phusati. Unter großer Ehrung wuchs sie heran und war im Alter von sechzehn Jahren von höchster Schönheit. Da führte sie der Großkönig Sivi für seinen Sohn, den Prinzen Sanjaya, heim, ließ über ihn den weißen Sonnenschirm ausspannen, machte sie zur rangältesten seiner sechzehntausend Frauen und gab ihr so den Platz seiner ersten Gemahlin. Darum heißt es:

„Dortselbst gestorben Phusati
kam in ein fürstliches Geschlecht
und in der Stadt Jetuttara
vereint' sie sich mit Sanjaya.“

Sie war Sanjaya lieb und hold.—Beim Überlegen merkte aber Gott Sakka: „Von den Wünschen, die ich Phusati gewährte, sind neun Wünsche erfüllt“, und er dachte bei sich: „Der eine Wunsch nach einem Sohne aber ist bisher noch nicht erfüllt; auch ihn werde ich ihr erfüllen.“—Damals weilte der Bodhisattva im Himmel der dreiunddreißig Götter und seine Lebenszeit war zu Ende. Als dies Sakka erkannte, ging er zu ihm hin und sagte zu ihm: „Ehrwürdiger, du musst in die Menschenwelt gehen; dort musst du im Schoße von Phusati, der ersten Gemahlin des Königs Sivi, deine Wiedergeburt nehmen.“ Nachdem er die Zustimmung von ihm und von anderen sechzigtausend Göttersöhnen, die auch zum Sterben bestimmt waren, erhalten hatte, kehrte er an seinen Ort zurück.

Das große Wesen aber starb dort und kam hierher; auch die übrigen Göttersöhne wurden in den Häusern von sechzigtausend Hofleuten wiedergeboren. Als aber das große Wesen in ihren Schoß eingegangen war, bekam Phusati ein Gelüste; sie wollte an den vier Stadttoren, in der Mitte der Stadt und am Tore des Palastes, an diesen sechs Orten sechs Almosenhallen errichten lassen und mit dem Aufwand von hunderttausend Geldstücken täglich Almosen spenden. Als der König von ihrem Gelüste erfuhr, fragte er die Zeichendeuter und erfuhr von ihnen folgendes: „O Großkönig, das Wesen, das in den Schoß der Königin gekommen ist, hat seine Freude am Almosen Spenden und wird am Almosen Geben sich nicht ersättigen.“ Darauf setzte er hocherfreut auf die angegebene Art Almosenspenden fest.

Seitdem aber der Bodhisattva seine Wiedergeburt genommen hatte, waren die Schätze des Königs unermesslich; infolge der übernatürlichen Macht seiner Tugend schickten die Könige in ganz Indien Geschenke.—Die Königin trug unter großer Ehrung ihre Leibesfrucht. Als zehn Monate vollendet waren, bekam sie Lust, die Stadt zu sehen, und meldete dies dem Könige. Der König befahl, die Stadt wie eine Götterstadt zu schmücken; dann ließ er die Fürstin einen herrlichen Wagen besteigen und die Stadt von rechts umfahren. Als sie in die Mitte der Vessa-Straße gekommen war, entstanden in ihr die Wehen. Dies meldete man dem Könige. Darauf errichtete dieser gerade in der Vessa-Straße ein Gebärhaus für sie und ließ sie dasselbe beziehen. Sie aber gebar dort einen Sohn; darum wurde gesagt:

„Da sie zehn Monat mich getragen,
umzogen sie die Stadt von rechts;
und mitten in der Vessa-Straße
hat mich geboren Phusati.“

Als aber das große Wesen den Schoß seiner Mutter verließ, kam es kühn hervor mit geöffneten Augen. Während es noch hervorkam, streckte es zu seiner Mutter die Hand aus und sagte: „Mutter, ich möchte Almosen spenden; ist etwas da?“ Da legte sie ihm mit den Worten: „Mein Sohn, gib nach Lust Almosen“, eine Börse mit tausend Geldstücken in die ausgestreckte Hand.—Das große Wesen redete an drei Stellen, nämlich im Ummagga-Jātaka, in diesem Jātaka und bei seiner letzten Existenz sogleich nach seiner Geburt.—Am Namengebungstage gab man ihm, weil er in der Vessa-Straße geboren war, den Namen Vessantara. Darum wird gesagt:

„Ich heiß nicht von der Mutter her,
auch nicht nach meines Vaters Willen;
im Vessa-Weg bin ich geboren,
drum hieß man mich Vessantara.“

Noch am Tage seiner Geburt aber brachte ein durch die Luft fliegendes Elefantenweibchen einen festlich geehrten, ganz weißen jungen Elefanten herbei, stellte ihn an die Stelle des königlichen Leibelefanten und entfernte sich. Weil dieser gekommen war, um dem großen Wesen als Hilfsmittel zu dienen, nannte man ihn nur Paccaya (d. h. Hilfsmittel).

Der König aber stellte für das große Wesen, indem er dabei die Fehler der allzu großen Länge usw. vermied, vierundsechzig Ammen mit süßer Milch auf; auch den mit jenem zugleich geborenen sechzigtausend Knaben ließ er Ammen geben. So wuchs jener zusammen mit den sechzigtausend Knaben unter großer Ehrung auf.

Es ließ aber der König für ihn einen hunderttausend Geldstücke kostenden Prinzenschmuck machen und gab ihm denselben; als er jedoch vier oder fünf Jahre alt war, machte er ihn los und schenkte ihn seinen Ammen. Als diese ihm den Schmuck wiedergaben, nahm er ihn nicht an. Darauf meldeten diese die Begebenheit dem Könige; dieser erwiderte: „Was von meinem Sohn gegeben wurde, ist wohl gegeben; es soll eine Brahma-Gabe sein“, und ließ einen andern Schmuck anfertigen. Der Prinz gab, als er noch ein Knabe war, auch diesen seinen Ammen; so schenkte er neunmal seinen Schmuck her.

Als er aber acht Jahre alt war, dachte er einmal, als er auf seinem Lager lag: „Ich gebe nur äußere Geschenke. Wenn mich einer um mein Herz bäte, so würde ich meine Brust öffnen, mein Herz herausnehmen und es ihm geben. Wenn mich einer um meine Augen bäte, so würde ich mir die Augen herausreißen und sie hergeben; wenn mich einer um das Fleisch meines Leibes bäte, so würde ich von meinem ganzen Körper das Fleisch herunterschneiden und es ihm geben.“ Während er nach seiner Natur und nach dem Wesen seines Herzens nachdachte, erzitterte diese Erde, die doch hunderttausend Yojanas und vier Nahutas dick ist, indem sie raste wie ein brünstiger starker Elefant; der Berg-König Sineru beugte sich herab wie ein stark erhitzter Baumspross und stellte sich, wie wenn er tanzte, gegen die Stadt Jetuttara hin gewendet auf. Bei dem Erdröhnen der Erde donnerte es und es fiel augenblicklich Regen hernieder; Blitze leuchteten auf, das Meer trat über, der Götterkönig Sakka klappte mit den Fingern, der große Brahma gab seinen Beifall, bis zur Brahmawelt war alles mit Geräusch erfüllt. Darum wird auch folgendes gesagt:

„Als ich ein kleiner Knabe war,
im Alter von acht Jahren stand,
da, als ich im Palaste lag,
dacht ich das Gabenspenden aus:

‚Das Herz gäbe ich her, das Auge,
mein Fleisch und auch mein Blut dazu,
den ganzen Körper würd ich geben,
wenn jemand mich darum ersuchte.‘

Da ich dies ernstlich bei mir dachte,
ohne zu zittern, festbegründet,
da fing die Erde an zu zittern
mit dem Sineru, Wäldern, Bäumen.“—

Im Alter von sechzehn Jahren war der Bodhisattva zur Vollendung in allen Künsten gelangt. Da ihm sein Vater die Herrschaft übergeben wollte, besprach er sich mit seiner Mutter und führte aus der Familie des Königs Madda die Tochter seines Oheims, Maddi mit Namen, herbei. Diese machte er zur rangältesten ersten Gemahlin unter den sechzehntausend Frauen und weihte dann das große Wesen zum König. Seitdem das große Wesen aber den Thron bestiegen hatte, spendete es reiche Almosen, indem es täglich hunderttausend Geldstücke dafür ausgab. In der Folgezeit gebar die Königin Maddi einen Sohn; diesen fingen sie in einem goldenen Netze auf. Darum gab man ihm den Namen Prinz Jali (d. h. der mit dem Netz). Als er schon auf eigenen Füßen stehen konnte, gebar sie eine Tochter. Diese fingen sie in einem schwarzen Fell auf; daher nannte man sie Kanhajina (das heißt Schwarzfell). Das große Wesen aber besuchte jeden Monat sechsmal die sechs Almosenhallen, auf den Schultern seines reichgeschmückten Elefanten sitzend.—

Damals herrschte im Reiche Kalinga Trockenheit; das Getreide gedieh nicht. Es entstand eine große Hungersnot. Da die Menschen nicht leben konnten, übten sie Räubereien aus. Die von Nahrungsmangel gequälten Landbewohner versammelten sich im Hofe des königlichen Palastes und machten Lärm. Als dies der König hörte und fragte: „Was wollt ihr, ihr Lieben?“, meldeten sie ihm die Begebenheit. Der König erwiderte: „Gut, ihr Lieben, ich werde veranlassen, dass der Gott regnen lassen wird.“ Damit entließ er sie. Obwohl er aber ein Gelübde auf sich nahm und das Uposatha hielt, konnte er den Gott nicht veranlassen, Regen zu senden. Da ließ er die Städter zusammenkommen und fragte sie: „Ich habe ein Gelübde gemacht und sieben Tage lang das Uposatha gehalten und konnte trotzdem den Gott nicht veranlassen, dass er Regen sendet; was ist da zu tun?“ Sie antworteten: „O Fürst, wenn du den Gott nicht veranlassen kannst, dass er regnen lässt,—da ist in der Stadt Jetuttara Vessantara, der Sohn des Königs Sanjaya, der am Almosen Spenden seine Freude hat. Dieser hat einen ganz weißen Leibelefanten; wohin dieser geht, dort regnet es. Schickt Brahmanen aus, lasst ihn um den Elefanten bitten und bringt ihn her!“ Der König gab seine Zustimmung; er versammelte die Brahmanen, wählte unter ihnen acht Leute aus, gab ihnen Lohn und schickte sie fort mit den Worten: „Geht, bittet Vessantara um seinen Elefanten und bringt diesen her!“

Nachdem die Brahmanen allmählich bis zur Stadt Jetuttara gekommen waren, verzehrten sie in der Almosenhalle Almosenspeise und machten ihren Körper schmutzbefleckt und staubbedeckt. Da sie am Vollmondstage den König um den Elefanten bitten wollten, gingen sie zur Zeit, da der König in die Almosenhalle kommen sollte, nach dem Osttore. Der König aber hatte gedacht: „Ich will die Almosenhalle besuchen“; er hatte sich in der Frühe mit sechzehn Töpfen duftenden Wassers gewaschen, dann sein Mahl verzehrt und sich geschmückt. Hierauf ritt er, auf der Schulter seines reich gezierten Elefanten sitzend, nach dem Osttor. Als dort die Brahmanen keine Gelegenheit fanden, gingen sie an das Südtor, stellten sich auf einen erhöhten Platz, und als der König am Osttore das Almosen Spenden betrachtet hatte und zu dem Südtore kam, streckten sie die Hände aus und riefen: „Siegen möge der Herr Vessantara.“ Als das große Wesen die Brahmanen sah, trieb es den Elefanten nach dem Orte, wo sie standen, und sprach, während es so auf der Schulter des Elefanten saß, folgende erste Strophe:

„Mit haar'gen Schultern, langen Nägeln,
mit schmutz'gen Zähnen, staub'gen Köpfen,
die rechten Arme ausgestreckt:
um was bitten mich die Brahmanen?“

Als dies die Brahmanen hörten, sprachen sie:

„Um eine Kostbarkeit wir bitten,
o Fürst, der Sivis Reichsvermehrer;
gib diesen prächt'gen Elefanten,
den hohen, mit den Deichselzähnen.“

Als dies das große Wesen hörte, da dachte es bei sich: „Ich möchte von meinem Haupte angefangen mein ganzes Ich hergeben. Diese bitten nur um einen äußerlichen Besitz; ich werde ihren Wunsch erfüllen.“ Und auf den Schultern des Elefanten sitzend sprach es:

„Ich zittre nicht, sondern ich gebe,
um was mich die Brahmanen bitten,
den zahngeschmückten Elefanten,
den wilden, dieses beste Reittier.“

Und nachdem er dies zugestanden hatte,

vom Elefanten stieg herab
der König, nur an Opfer denkend,
und den Brahmanen schenkte ihn
des Sivi-Landes Reichsvermehrer.

An den vier Füßen des Elefanten war der Schmuck vierhunderttausend Geldstücke wert, an beiden Seiten war er zweihunderttausend wert. Unter seinem Bauche war eine Decke, hunderttausend wert; auf seinem Rücken war ein Perlennetz, ein Goldnetz und ein Edelsteinnetz, diese drei Netze waren dreihunderttausend wert. An beiden Ohren war Schmuck im Werte von zweihunderttausend, die auf seinem Rücken ausgebreitete Decke war hunderttausend wert, der Schmuck an seiner Stirngeschwulst hunderttausend, die drei Schnurteile dreihunderttausend, der kleine Ohrschmuck zweihunderttausend, der Schmuck der beiden Zähne zweihunderttausend, der Glücksschmuck des Rüssels hunderttausend, der Schwanzschmuck hunderttausend, außer dem unschätzbaren Wert des an seinem Körper befestigten Schmuckes zweiundzwanzig mal hunderttausend; die Leiter zum Hinaufsteigen hunderttausend, sein Speisegefäß hunderttausend: dies so viele war also vierundzwanzig mal hunderttausend wert. Oben auf dem Sonnenschirm aber war ein Juwel, ein Juwel in dem Diadem, in der Perlenschnur ein Juwel, in dem Stachel ein Juwel, in der Perlenschnur, die den Hals des Elefanten bedeckte, war ein Juwel und auf der Stirngeschwulst des Elefanten war ein Juwel: diese sechs waren unschätzbar, auch der Elefant war unschätzbar. So waren es mit dem Elefanten zusammen sieben unschätzbare Dinge. Diese gab er alle den Brahmanen; dazu fünfhundert Familien, die den Elefanten bedienten, mit Elefantenwärtern und Elefantenhütern. Infolge dieser seiner Spende aber entstand auf die oben angegebene Art ein Erzittern der Erde usw.

Um dies zu verkünden, sprach der Meister:

Damals geschah, was furchtbar war,
worüber sich die Haare sträubten:
da er den Elefanten schenkte,
erzitterte zugleich die Erde.

Damals geschah, was furchtbar war,
worüber sich die Haare sträubten:
da er den Elefanten schenkte,
erregte sich die ganze Stadt.

Versammelt war die ganze Stadt
und lauter, großer Lärm erscholl,
da er den Elefanten schenkte,
des Sivi-Landes Reichsvermehrer.

Die Stadt Jetuttara war aufgeregt.Denn als die Brahmanen am Südtor den Elefanten erhalten hatten, setzten sie sich auf seinen Rücken und zogen, von einer großen Menschenmenge umgeben, durch die Mitte der Stadt. Als dies die Menge sah, rief sie: „Holla, ihr Brahmanen, warum seid ihr auf unsern Elefanten gestiegen und führt unsern Elefanten fort?“ Die Brahmanen aber erwiderten: „Vom Großkönig Vessantara wurde uns der Elefant geschenkt; wer seid ihr?“ Und indem sie die Menge durch Zeichen mit den Händen und dergleichen verspotteten, zogen sie durch die Mitte der Stadt und verließen sie durch das Nordtor. Die Städter aber wurden durch göttliche Fügung zornig auf den Bodhisattva; sie versammelten sich am Tore des Königspalastes und machten großen Lärm.

Um dies zu verkündigen, sprach der Meister:

Doch da entstand ein großer Lärm,
ein lauter, Furcht erregender;
als hergeschenkt der Elefant,
erzitterte zugleich die Erde.

Doch da entstand ein großer Lärm,
ein lauter, Furcht erregender;
als hergeschenkt der Elefant,
erregte sich die ganze Stadt.

Doch da entstand ein großer Lärm,
ein lauter, Furcht erregender,
als er den Elefanten schenkte,
des Sivi-Landes Reichsvermehrer.

Da aber die Stadtbewohner sich aufregten wegen dieser Spendung, meldeten sie dies dem Könige; darum heißt es:

„Die Uggas und die Königssöhne,
die Vessas und auch die Brahmanen,
die Garde, Elefantenreiter,
die Wagenkämpfer, Fußsoldaten,

der ganzen Stadt Bewohner auch,
die Sivis kamen all zusammen;
als fortgeführt den Elefanten
sie sahen, meldeten sie dem König:

‚Zerstört, o König, ist dein Reich;
wie konnt dein Sohn Vessantara
hergeben unsern Elefanten,
der von dem ganzen Reich verehrt?

Wie gab er unsern Elefanten,
den hohen mit den Deichselzähnen,
der stets im Kampf kannt das Gelände,
das schönste Tier, ganz weiß von Farbe,

mit gelben Tüchern ganz bedeckt,
den wilden, der zertrat die Feinde,
mit seinen Hauern, mit dem Wedel,
den weißen, dem Kelasa gleich,

mitsamt dem Sonnenschirm und Schmuck,
mit seinem Arzt und seinen Hütern,
das schönste Reittier für den König,
den Schatz gab er an die Brahmanen.‘“

Nachdem sie aber so gesagt, sprachen sie weiter:

„Wer Trank und Speise geben würde,
auch Kleider, Wohnungen und Sitze,
der gäbe passende Almosen,
die für Brahmanen sich geziemen.

Doch dieser König deines Stammes,
des Sivi-Landes Reichsvermehrer,
warum schenkt, Sanjaya, dein Sohn
Vessantara den Elefanten?

Doch wenn du jetzt nicht handeln wirst
nach diesem Wort der Sivi-Leute,
so werden, glaub ich, samt dem Sohn
die Sivis dich gefangen nehmen.“

Als dies der König hörte, meinte er, sie wünschten Vessantara zu töten, und sprach deshalb:

„Mein Land soll lieber nicht mehr sein,
die Königsherrschaft geh verloren,
doch werd ich nach der Sivis Wort
den unschuldigen Königssohn
nicht aus dem eignen Reich vertreiben;
denn er ist ja mein eigner Sohn.

Mein Land soll lieber nicht mehr sein,
die Königsherrschaft geh verloren,
doch werd ich nach der Sivis Wort
den unschuldigen Königssohn
nicht aus dem eignen Reich vertreiben;
denn er ist ja mein einz'ger Sohn.

An ihm will ich Verrat nicht üben,
denn edler Tugend ist er voll;
in schlechten Ruf käm ich dadurch,
an großem Übel wär ich schuld.
Wie könnt ich mit dem Schwerte töten
jetzt meinen Sohn Vessantara?“

Die Sivis antworteten:

„Nicht mit dem Stab oder dem Schwerte,
denn Bande hat er nicht verdient;
vertreib ihn nur aus deinem Reiche,
er wohne auf dem Vamka-Berg!“

Der König erwiderte:

„Wenn dies der Sivis Wille ist,
verwerfen wir den Willen nicht.
Noch diese Nacht möge er bleiben
und seine Freuden noch genießen.

Doch wenn die Nacht vergangen ist
und wenn die Sonne sich erhebt,
die Sivis sollen sich versammeln
und ihn aus diesem Reich verbannen.“

Sie nahmen das Wort des Königs an, indem sie sagten: „Nur noch eine Nacht soll er bleiben.“ Nachdem er sie dann fortgeschickt hatte, wandte er sich, um seinem Sohne Nachricht zu senden, an einen Minister und schickte ihn zu jenem hin. Dieser gab seine Zustimmung, begab sich nach dem Palast des Vessantara und erzählte ihm diese Begebenheit.

Um dies zu verkünden, wurden folgende Strophen gesprochen:

„Steh auf, Minister, gehe rasch
hin zu Vessantara und sprich:
‚Die Sivis zürnen dir, o Fürst,
die Städter, die zusammenkamen,

die Uggas und die Königssöhne,
die Vessas und auch die Brahmanen,
die Garde, Elefantenreiter,
die Wagenkämpfer, Fußsoldaten,
der ganzen Stadt Bewohner auch,
die Sivis haben sich versammelt.
versammelt.

Wenn diese Nacht vergangen ist
und wenn die Sonne sich erhebt,
die Sivis werden sich versammeln
und dich aus diesem Reich verbannen.‘“

Rasch ging jetzt der Minister fort,
vom Sivi-König ausgeschickt;
mit reichem Schmuck geziert die Hände,
mit schönen Kleidern, sandelduftend,

mit Wasser seinen Kopf gereinigt,
geschmückt mit Edelsteinohrringen
ging er zu der lieblichen Stadt,
in den Palast Vessantaras.

Dort sah den Prinzen er, wie dieser
sich in der eignen Stadt erfreute,
von seinen Hofleuten umgeben
wie Vasava von den Dreiunddreißig.

Dorthin gelangt sprach der Minister
nun eilig zu Vessantara:
„Ein Unglück muss ich dir verkünden,
zürne mir nicht, du Landesfürst!“

Mit Ehrfurcht er ihn grüßt' und weinend
sprach zu dem König der Minister:
„Mein Herr bist du, du großer König,
der alle Wünsche mir erfüllte.
Ein Unglück muss ich dir verkünden,
darüber soll man trösten mich.

Die Sivis zürnen dir, o Fürst,
die Städter, die zusammenkamen,
die Uggas und die Königssöhne,
die Vessas und auch die Brahmanen,

die Garde, Elefantenreiter,
die Wagenkämpfer, Fußsoldaten,
der ganzen Stadt Bewohner auch,
die Sivis haben sich versammelt.

Wenn diese Nacht vergangen ist
und wenn die Sonne sich erhebt,
die Sivis werden sich versammeln
und dich aus deinem Reich verbannen.“

Das große Wesen erwiderte:

„Warum denn zürnen mir die Sivis?
Ich weiß nicht, was ich Böses tat.
Verkündige mir dies, Minister:
Warum wollen sie mich verbannen?“

Der Minister antwortete:

„Die Uggas und die Königssöhne,
die Vessas und auch die Brahmanen,
die Garde, Elefantenreiter,
die Wagenkämpfer, Fußsoldaten
zürnen ob der Elefantenspende;
darum wollen sie dich verbannen.“

Als dies das große Wesen hörte, sprach es voll Freude:

„Das Herz, das Auge würd ich geben;
was ist mir eine äußre Gabe,
was edles Gold und Edelsteine,
Perlen und Lapislazuli?

Die rechte Hand oder den Arm,
wenn Bittende ich kommen sähe,
ich gäbe ohne zu erzittern;
am Spenden sich erfreut mein Herz.

Gern mögen mich die Sivis alle
verbannen oder töten auch,
das Spenden geb ich drum nicht auf;
gern solln sie mich in Stücke schlagen.“

Als dies der Minister hörte, verkündete er ihm einen weiteren Befehl, der weder vom Könige noch von den Sivis gegeben war, sondern nach seinem eignen Gedanken, und sprach:

„So sagen dir vom Lande Sivi
die Leute und vereint die Städter:
Am Ufer von Kontimara
gegen den Berg Aranjara
den Weg, den die Verbannten gehen,
den soll auch gehn der Tugendreiche.“

So sagte dieser, von einer Gottheit dazu gezwungen. Als dies der Bodhisattva hörte, dachte er: „Gut, ich werde auf dem Wege gehen, den sonst die Übeltäter zu benützen pflegen. Mich verbannen aber die Stadtbewohner wegen keiner andern Schuld, sondern sie verbannen mich, weil ich den Elefanten herschenkte. Da sich dies so verhält, werde ich ein großes Almosen von siebenhundert Dingen spenden. Die Stadtbewohner sollen mir Erlaubnis geben, noch einen Tag Almosen zu geben; wenn ich morgen Gaben gespendet, werde ich am dritten Tage fortgehen.“ Und er sprach:

„Den Weg werde ich also nehmen,
auf dem die Übeltäter gehen;
doch lasset mir noch Nacht und Tag,
bis ich noch Almosen gespendet.“

Der Minister versetzte: „Gut, o Fürst, ich werde es den Stadtbewohnern mitteilen“, und entfernte sich. Als das große Wesen diesen entlassen hatte, rief es einen Heerwächter zu sich und sagte zu ihm: „Ich werde morgen ein aus siebenhundert Dingen bestehendes Almosen spenden. Richte siebenhundert Elefanten, siebenhundert Rosse, siebenhundert Wagen, siebenhundert Weiber, siebenhundert Kühe, siebenhundert Sklavinnen und siebenhundert Sklaven her; lasse auch mancherlei Arten Speise und Trank, bis zum Branntwein herunter alles, was sich zu geben ziemt, aufstellen.“ Nachdem so das große Wesen die siebenhundertfache große Spende angeordnet und seine Hofleute entlassen hatte, begab er sich allein nach der Wohnung seiner Gattin Maddi, setzte sich auf sein fürstliches Lager und begann mit ihr eine Unterredung.

Um dies zu verkünden, sprach der Meister:

Es sprach der König nun zu Maddi,
die in vollkommner Schönheit strahlte:
„Was ich dir etwa gab an Schätzen,
was an Geschmeide ist vorhanden,

auch helles oder dunkles Gold,
Perlen und Lapislazuli,
das alles sollst du niederlegen
und auch dein väterliches Gut.“

Zu ihm sprach drauf die Königstochter
Maddi, in voller Schönheit strahlend:
„Wohin, o Fürst, soll ich es legen?
Das sage mir auf meine Frage!“

Vessantara antwortete:

„Den Tugendhaften sollst du geben
die Spende, Maddi, wie 's gebührt;
denn besser als Almosen gibt
es keinen Schutz für alle Wesen.“

Sie stimmte mit dem Worte: „Gut“, seiner Rede zu. Darauf sprach er, um sie noch weiter zu ermahnen:

„Sei gütig zu den Kindern, Maddi,
zu Schwiegermutter, Schwiegervater;
und auch dem Gatten, der dich ehrt,
dem diene mit Aufmerksamkeit.

Doch wenn dich nicht dein Gatte ehrt,
nachdem ich mich von dir getrennt,
so such dir einen andern Gatten;
werde nicht mager ohne mich.“

Da dachte Maddi: „Warum sagt wohl dieser Vessantara ein solches Wort?“, und fragte ihn: „Weshalb, o Fürst, redest du ein so unziemliches Wort?“ Das große Wesen erwiderte: „Liebe, weil ich den Elefanten herschenkte, sind die Sivis zornig und verbannen mich aus dem Lande. Morgen werde ich noch ein siebenhundertfaches großes Almosen spenden und am dritten Tage die Stadt verlassen.“ Und er sprach:

„Ich gehe nämlich in den Wald,
den furchtbaren, voll Raubtieren;
das Leben ist mir zweifelhaft,
wenn ich allein im großen Walde.“

Doch ihm versetzt' die Königstochter
Maddi, in voller Schönheit strahlend:
„Unmögliches hast du gesagt,
ein böses Wort sprichst du fürwahr.

Dies ist nicht richtig, großer König,
dass du allein fortgehen sollst;
auch ich werde nur dahin gehen,
wohin du gehn wirst, edler Fürst.

Entweder soll ich mit dir sterben
oder jetzt leben ohne dich;
da ist es besser doch zu sterben,
als dass ich lebe ohne dich.

Man zünde nur ein Feuer an,
das brennt in einer einz'gen Flamme;
darin zu sterben ist doch besser,
als dass ich lebe ohne dich.

Wie dem zahnstarken Elefanten
des Waldes folgt sein Weibchen nach,
wenn er im Bergesdickicht wandelt,
auf ebnem und unebnem Grund;

gerade so will ich dir folgen
mit meinen Kindern hinterdrein;
leicht zu ertragen werd ich sein,
nicht schwer hast du an mir zu tragen.“

2. Die Schilderung des Himalaya (Himavantavannana)

Nachdem sie aber so gesagt, sprach sie, indem sie das Himalayagebirge schilderte, als wenn sie es schon zuvor gesehen hätte:

„Wenn du dort diese Kinder siehst,
die schönen, Liebes redenden,
wie sie im Waldesdickicht sitzen,
wirst an dein Reich du nicht gedenken.

Wenn du dort diese Kinder siehst,
die schönen, Liebes redenden,
wie sie ermüdet sind im Walde,
wirst an dein Reich du nicht gedenken.

Wenn du dort diese Kinder siehst,
die schönen, Liebes redenden,
in der lieblichen Einsiedlei,
wirst an dein Reich du nicht gedenken.

Wenn du dort diese Kinder siehst,
die schönen, Liebes redenden,
müd in der schönen Einsiedlei,
wirst an dein Reich du nicht gedenken.

Wenn du dort diese Kinder siehst,
die Kränze tragenden, geschmückten,
in der lieblichen Einsiedlei,
wirst an dein Reich du nicht gedenken.

Wenn du dort diese Kinder siehst,
die Kränze tragenden, geschmückten,
müd in der schönen Einsiedlei,
wirst an dein Reich du nicht gedenken.

Wenn du sie tanzen sehen wirst,
die Kinder dein, die Kränze tragen,
in der lieblichen Einsiedlei,
wirst an dein Reich du nicht gedenken.

Wenn du sie tanzen sehen wirst,
die Kinder dein, die Kränze tragen,
müd in der schönen Einsiedlei,
wirst an dein Reich du nicht gedenken.

Wenn du den Elefanten siehst,
den starken, sechzigjährigen,
wie er allein im Walde wandelt,
wirst an dein Reich du nicht gedenken.

Wenn du den Elefanten siehst,
den starken, sechzigjährigen,
wie er herumgeht abends, morgens,
wirst an dein Reich du nicht gedenken.

Wenn vor der Elefantenweibchen Herde
voraus schreitet der Elefant
und stoßet aus den Reiherton,
der Elefant von sechzig Jahren:
wenn diesen Schrei du von ihm hörst,
wirst an dein Reich du nicht gedenken.

Wenn du auf beiden Seiten siehst
in Einsamkeit, von Freud erfüllt,
die Raubtiere im Wald gedrängt,
wirst an dein Reich du nicht gedenken.

Wenn du das Wild am Abend siehst
auf dich zukommen in fünf Reihen,
wie dort die Feenmännchen tanzen,
wirst an dein Reich du nicht gedenken.

Wenn du das Rauschen hören wirst
des Stromes, wie er leise fließt,
und den Gesang der Feenmännchen,
wirst an dein Reich du nicht gedenken.

Wenn du das Rufen hören wirst
der Eule, die in Bergeshöhlen verweilt,
wie ihren Schrei sie ausstößt,
wirst an dein Reich du nicht gedenken.

Wenn du den Löwen hören wirst,
Tiger, Rhinozeros und Büffel,
wie diese Tiere schrein im Walde,
wirst an dein Reich du nicht gedenken.

Wenn du umringt von Pfauenweibchen
auf Bergesspitze sitzen siehst
den Pfau mit seinem Schweife tanzend,
wirst an dein Reich du nicht gedenken.

Wenn du umringt von Pfauenweibchen
den Pfau dort tanzen sehen wirst,
den eigebornen, bunt beschwingten,
wirst an dein Reich du nicht gedenken.

Wenn du umringt von Pfauenweibchen
den Pfau dort tanzen sehen wirst
mit blauem Halse, großem Schopfe,
wirst an dein Reich du nicht gedenken.

Wenn du im Winter sehen wirst
die erdentsprossnen Bäume blühen,
wie sie aushauchen süßen Duft,
wirst an dein Reich du nicht gedenken.

Wenn du dort in dem Wintermonat
die grüne Erde sehen wirst,
bedeckt mit kleinen roten Tierchen,
wirst an dein Reich du nicht gedenken.

Wenn du im Winter sehen wirst
die erdentsprossnen Bäume blühen,
den Kutaja, den Bimbajala
und den Haarlotos auch in Blüte,
wie sie aushauchen süßen Duft,
wirst an dein Reich du nicht gedenken.

Wenn du dort in dem Wintermonat
den Wald in Blüte stehen siehst,
den Lotos auch mit seinen Blumen,
wirst an dein Reich du nicht gedenken.“

So pries Maddi, als wäre sie eine Bewohnerin des Himalaya, mit so vielen Strophen die Schönheit des Himalaya.

Ende der Schilderung des Himalaya

3. Das Kapitel von dem Almosen Spenden (Danakanda)

Die Fürstin Phusati aber hatte gedacht: „Von meinem Sohne ist ein schmerzlicher Bericht gekommen. Was tut er denn? Ich will hingehen und es erfahren.“ In einem verhüllten Wagen fuhr sie hin; und als sie an der Türe des fürstlichen Schlafgemaches stehend jene ihre Unterhaltung hörte, begann sie erbärmlich zu klagen.

Um dies zu verkünden, sprach der Meister:

Da sie das Stammeln hört' von ihnen,
vom Sohn und von der Schwiegertochter,
da fing erbärmlich an zu klagen
die ruhmerfüllte Königstochter.

„Viel besser hätt ich Gift verzehrt
und in den Abgrund mich gestürzt,
oder ich stürb am Stricke hängend:
warum verbannen sie meinen Sohn
Vessantara, der ohne Schuld?

Ihn, den Freigebigen, Gelehrten,
leicht zu erbitten, ohne Geiz,
geehrt von andern Königen,
allseits geehrt, des Ruhmes voll:
warum verbannen sie meinen Sohn
Vessantara, der ohne Schuld?

Den Mann, der seine Eltern schützte,
geehrt als Ältster der Familie:
warum verbannen sie meinen Sohn
Vessantara, der ohne Schuld?

Dem König und der Kön'gin nützlich,
nützlich den Freunden und Verwandten,
nützlich dem ganzen Königreiche:
warum verbannen sie meinen Sohn
Vessantara, der ohne Schuld?“

Nachdem sie so zum Erbarmen geklagt, tröstete sie ihren Sohn und ihre Schwiegertochter, begab sich zum Könige und sprach:

„Wie Honig, der herabgelaufen,
wie Mangos, die zu Boden fielen,
so wird dies Königreich auch werden;
den Unschuldigen sie verbannen.

So wie im wasserlosen Teiche
ein Schwan, bei dem zerstört die Flügel,
von den Ministern nicht umgeben
wirst einsam du als König hausen.

Das sage ich dir, großer König,
lass deinen Nutzen nicht entfliehen;
befolge nicht das Wort der Sivis,
den Unschuldigen nicht verbanne!“

Als dies der König hörte, sprach er:

„Dem Rechte Ehrung ich erweise,
wenn ich der Sivis Banner strafe.
Den eignen Sohn verbanne ich;
er ist mir lieber als das Leben.“

Da dies die Fürstin hörte, sprach sie jammernd:

„Er, den zuvor die Flaggenspitzen
gleich blühnden Kanikara-Blumen
bei seinem Gehen stets geleitet,
der wird fortgehen heut allein.

Er, den zuvor die Flaggenspitzen
gleich blühnden Kanikara-Wäldern
bei seinem Gehen stets geleitet,
der wird fortgehen heut allein.

Er, den zuvor die ganzen Heere
gleich blühnden Kanikara-Blumen
bei seinem Gehen stets geleitet,
der wird fortgehen heut allein.

Er, den zuvor die ganzen Heere
gleich blühnden Kanikara-Wäldern
bei seinem Gehen stets geleitet,
der wird fortgehen heut allein.

In scharlachroter Farbe glänzend,
mit gelben Kleidern aus Gandhara
begleiteten sie ihn beim Gehen;
heut wird er fortgehn ganz allein.

Der früher ritt den Elefanten,
der in der Sänfte fuhr, im Wagen,
wie kann König Vessantara
zu Fuße heute vorwärtskommen?

Wie kann er, der besprengt mit Sandel,
der Tanz und Lieder sonst erregte,
das raue Fell, dazu die Axt,
das Bündel und die Stange tragen?

Warum bringt man ihm nicht herbei
gelbe Gewänder, Ziegenfelle?
Wenn in den großen Wald er zieht,
was bindet man nicht Bast zusammen?

Wie tragen sie wohl Bastgewänder,
die aus dem Reich verbannten Leute?
Wie wird das Kleid, aus Gras gemacht,
Maddi um ihren Körper legen?

Nachdem sie trug Kasi-Gewänder
und Linnen aus Kodumbara,
wie wird es da wohl Maddi machen,
wenn sie Graskleider tragen muss?

Die früher nur mit Pferden fuhr,
in einer Sänfte, in dem Wagen,
wie soll sie mit den schönen Gliedern
den Weg zu Fuße heute machen?

Sie, deren Hände sind so weich,
die immer nur im Glück gewandelt,
wie soll sie mit den schönen Gliedern
gehn in den Wald, die Furchtsame?

Sie, deren Füße sind so weich,
die immer nur im Glück gewandelt,
die sonst auf goldene Sandalen
gestützt einherzugehen pflegte,
wie soll sie mit den schönen Gliedern
den Weg zu Fuße heute machen?

Die sonst umringt mit einer Kette
von tausend Frauen pflegt' zu gehn,
wie soll sie mit den schönen Gliedern
gehn in den Wald, die Furchtsame?

Die, wenn sie sonst den Schakal hörte,
sonst augenblicklich war erschreckt,
wie soll sie mit den schönen Gliedern
gehn in den Wald, die Furchtsame?

Sie, die aus Indras Stamm entsprossen,
und die, wenn eine Eule schrie,
beim Hören dieses Rufs sich fürchtet'
und zitterte wie Varuni,
wie soll sie mit den schönen Gliedern
gehn in den Wald, die Furchtsame?

Wie 's Vogelweibchen, dem die Jungen
geraubt sind, wenn es leer sein Nest sieht,
werd ich mich lang in Leid verzehren,
wenn in die leere Stadt ich komme.

Wie 's Vogelweibchen, dem die Jungen
geraubt sind, wenn es leer sein Nest sieht,
werde ich gelb und mager werden,
wenn ich nicht seh die lieben Kinder.

Wie 's Vogelweibchen, dem die Jungen
geraubt sind, wenn es leer das Nest sieht,
werd überallhin ich entlaufen,
wenn ich nicht seh die lieben Kinder.

Wie das Seeadlerweibchen, wenn ihm
geraubt die Jungen, leer das Nest sieht,
werd ich mich lang in Leid verzehren,
wenn in die leere Stadt ich komme.

Wie das Seeadlerweibchen, wenn ihm
geraubt die Jungen, leer das Nest sieht,
werde ich gelb und mager werden,
wenn ich nicht seh die lieben Kinder.

Wie das Seeadlerweibchen, wenn ihm
geraubt die Jungen, leer das Nest sieht,
werd überallhin ich entlaufen,
wenn ich nicht seh die lieben Kinder.

So wie des wilden Schwanes Weibchen
im Teiche, der von Wasser leer,
werd ich mich lang in Leid verzehren,
wenn in die leere Stadt ich komme.

So wie des wilden Schwanes Weibchen
im Teiche, der von Wasser leer,
werde ich gelb und mager werden,
wenn ich nicht seh die lieben Kinder.

So wie des wilden Schwanes Weibchen
im Teiche, der vom Wasser leer,
werd überallhin ich entlaufen,
wenn ich nicht seh die lieben Kinder.

Wenn du trotz dieser meiner Klagen
den unschuldigen Königssohn
treibst in den Wald aus deinem Reiche,
werd ich, glaub ich, das Leben lassen.“

Um dies zu erklären, sprach der Meister:

Als sie das Jammern dieser hörten,
streckten im Harem all die vielen
die Arme aus und weinten laut,
die Sivi-Mädchen, die versammelt.

Wie Sala-Bäume, die zerschmettert,
die von dem Wind herabgestürzt,
lagen die Kinder und die Frauen
in dem Palast Vessantaras.

Als dann die Nacht zu Ende war
und als die Sonne sich erhob,
da kam König Vessantara
herbei, um Almosen zu spenden:

„Kleider gebt dem, der Kleider will,
Branntwein verschenket an die Trinker,
gebt Speise denen, die sie brauchen,
spendet und gebet vollständig.

Verweigert auch den Bettelleuten
gar nichts, die hierher sind gekommen;
befriedigt sie mit Trank und Speise,
sie sollen gehn, wieder geehrt.“

Zusammenstürzten da berauscht
und müde diese Bettelleute,
als nun auszog der große König,
der Sivi-Leute Reichsvermehrer.

Da fällten sie fürwahr den Baum,
der mannigfache Früchte trug,
wie sie aus seinem Reich vertrieben
den schuldlosen Vessantara.

Da fällten sie fürwahr den Baum,
der aller Wünsche konnt erfüllen,
wie sie aus seinem Reich vertrieben
den schuldlosen Vessantara.

Da fällten sie fürwahr den Baum,
der allen Lust gab, Wohlgeschmack,
als sie aus seinem Reich vertrieben
den schuldlosen Vessantara.

Die Alten da und auch die Jungen
und die, die von mittlerem Alter,
streckten die Arme aus und weinten,
als nun fortzog der große König,
der Sivi-Leute Reichsvermehrer.

Die Wahrsager und die Eunuchen,
die fürstlichen Haremsbewohner
streckten die Arme aus und weinten,
als nun fortzog der große König,
der Sivi-Leute Reichsvermehrer.

Die Weiber auch, sie weinten da,
die sich in dieser Stadt aufhielten,
als nun fortzog der große König,
der Sivi-Leute Reichsvermehrer.

Die dort Brahmanen und Asketen
und auch sonstige Bettler waren,
streckten die Arme aus und weinten:
„Unrecht fürwahr ist dieses doch,

wie jetzt Vessantara, der König,
weil er in eigner Stadt gespendet,
um eines Worts der Sivis willen
aus seinem Reiche wird vertrieben.

Weil siebenhundert Elefanten
er gab, geziert mit allem Schmuck,
die Tiere mit den goldnen Leibern,
die Kopfschmuck tragen auch von Gold,

welche bestiegen sind von Wärtern
mit Speer und Haken in der Hand,
drum wird Vessantara der König
aus seinem eignen Reich vertrieben.

Weil siebenhundert Rosse er
hergab, geziert mit allem Schmuck,
die edel sind von Abstammung,
die Sindhu-Rosse windesschnell,

welche bestiegen sind von Kriegern
mit Speer und Bogen in der Hand,
drum wird Vessantara der König
aus seinem eignen Reich vertrieben.

Weil er gab siebenhundert Wagen
gepanzert, ausgespannt die Fahnen,
mit Panter- und mit Tigerfellen,
mit allem Zierrat reich geschmückt,

welche bestiegen sind von Kriegern,
gerüstet, Bogen in den Händen,
drum wird Vessantara der König
aus seinem eignen Reich vertrieben.

Weil er gab siebenhundert Frauen,
jede auf einem Wagen stehend,
gegürtet rings mit Goldesstrahlen
und reich geschmückt mit hellem Gold,

mit gelbem Schmuck und gelben Kleidern,
mit gelbem Schmuckgehäng geziert,
mit großen Augen, lieblich lächelnd,
mit schönen Hüften, schlanker Taille,
drum wird Vessantara der König
aus seinem eignen Reich vertrieben.

Weil er gab siebenhundert Kühe,
die alle tragen Silberschmuck,
drum wird Vessantara der König
aus seinem eignen Reich vertrieben.

Weil er gab siebenhundert Mägde
und siebenhundert Sklaven auch,
drum wird Vessantara der König
aus seinem eignen Reich vertrieben.

Weil Elefanten, Rosse, Wagen
er gab und reichgeschmückte Frauen,
drum wird Vessantara der König
aus seinem eignen Reich vertrieben.“

Damals geschah, was furchtbar war,
worüber sich die Haare sträubten;
da er die große Spende gab,
erzitterte zugleich die Erde.

Damals geschah, was furchtbar war,
worüber sich die Haare sträubten:
der König, faltend seine Hände,
ward aus dem eignen Reich vertrieben.

Es meldeten aber die Gottheiten in ganz Indien den Königen: „Der König Vessantara spendet Töchter von Edlen und andere große Gaben.“ Darum kamen die Edlen durch göttliche Macht auf dem Wagen herbei, nahmen die Töchter der Edlen u. dgl. als Geschenk von ihm und entfernten sich damit. So nahmen die Edlen, die Brahmanen, die Vessas, die Suddas und andere von ihm Geschenke und entfernten sich damit.

Während er aber so Gaben spendete, wurde es Abend. Da kehrte er in seine Wohnung zurück, und indem er dachte: „Ich werde meinen Eltern meine Verehrung bezeigen und dann morgen gehen“, begab er sich auf einem reich geschmückten Wagen nach dem Palaste seiner Eltern. Die Fürstin Maddi aber dachte: „Auch ich will mit ihm gehen und mich von seinen Eltern verabschieden“, und ging mit ihm. Nachdem aber das große Wesen seinen Vater begrüßt hatte, erzählte es den Grund seines Gehens.

Um dies zu erklären, sprach der Meister:

Er sprach zu König Sanjaya,
dem besten der gerechten Fürsten:
„Du stoßest mich hinaus, o König;
ich gehe nach dem Vamka-Berg.

Wer immer hier gelebt, o König,
und die noch später leben werden,
die kommen all in Yamas Reich,
von ihren Lüsten unbefriedigt.

Den eignen Leuten ward ich lästig,
weil ich in meiner Stadt gespendet;
um eines Worts der Sivis willen
werd ich aus meinem Reich vertrieben.

Das Leiden jetzt ich üben will
im Wald, der voll von wilden Tieren,
bewohnt von Nashörnern und Pantern.
Die guten Werke tue ich;
bleibt Ihr im Schmutz der Sünde haften!“

Nachdem so das große Wesen in diesen vier Strophen mit seinem Vater gesprochen hatte, ging es zu seiner Mutter hin und sprach, um ihre Erlaubnis zur Weltflucht zu erhalten:

„Erlaube es mir, liebe Mutter,
das Weltverlassen mir gefällt.
Den eignen Leuten ward ich lästig,
weil ich in meiner Stadt gespendet;
um eines Worts der Sivis willen
werd ich aus meinem Reich vertrieben.

Das Leiden jetzt ich üben will
im Wald, der voll von wilden Tieren,
bewohnt von Nashörnern und Pantern.
Die guten Werke tue ich;
bleibt Ihr im Schmutz der Sünde haften!“

Als dies Phusati hörte, sprach sie:

„Ich will es dir erlauben, Sohn,
die Weltflucht mögest du vollenden.
Doch diese schöne Maddi hier
mit schönen Hüften, schlanker Taille,
soll hier mit ihren Kindern bleiben;
was soll sie denn im Walde tun?“

Vessantara erwiderte:

„Selbst eine Sklavin wider Willen
trau ich mich nicht zum Wald zu führen.
Wenn sie es wünscht, soll sie mir folgen;
wenn sie es nicht wünscht, soll sie bleiben.“

Als dann der König seines Sohnes Wort vernahm, begann er sie zu bitten.

Um dies zu erklären, sprach der Meister:

Darauf begann der große König
zu bitten seine Schwiegertochter:
„Du, die mit Sandelstaub besprengt,
nimm doch nicht Staub und Schmutz auf dich!

Nachdem du Kasi-Kleider trugest,
trage jetzt nicht ein Bastgewand!
Leidvoll ist 's Wohnen in dem Walde;
gehe nicht hin, durch Schönheit glänzend!“

Zu ihm sprach drauf die Königstochter
Maddi, herrlich am ganzen Körper:
„Ich möchte mir ein Glück nicht wünschen,
dass ich fern von Vessantara.“

Ihr antwortet' der große König,
der Sivi-Leute Reichsvermehrer:
„Wohlan, Maddi, so höre jetzt,
was in dem Walde schwer erträglich.

Viel Würmer und Insekten gibt es,
auch Stechfliegen und Honigmücken;
die könnten leicht dich dort verletzen,
das wär für dich ein großes Leid.

Noch andre Qualen lass dir zeigen
für die, die nah am Strome wohnen:
Boa constrictor gibt es dort,
zwar ohne Gift, doch groß von Kraft.

Den Menschen oder auch das Tier,
das nahe ihrem Lager kommt,
umschlingen sie mit ihren Ringen
und bringen es in ihre Macht.

Noch andre böse Tiere gibt es,
die Bären, schwarz und voll von Flechten;
wenn einen Mann sie sehn, entkommt er
nicht, auch wenn auf den Baum er steigt.

Auch Büffel wandeln dort umher,
die fest mit ihren Hörnern stoßen
mit scharfen Spitzen, schwer verwundend,
dort um den Fluss Sotumbara.

Wenn du die Herden siehst der Widder,
der Rinder, die im Walde streifen,
wie eine Kuh, die nach dem Kalbe
verlangt, was wirst du, Maddi, tun?

Wenn du dort siehst die wilden Affen,
die auf der Bäume Krone fliegen,
wirst du, weil du nicht kennst die Gegend,
in große Furcht, Maddi, geraten.

Du, die beim Hören des Schakales
sogleich in Schrecken früher kamest,
was wirst du da, o Maddi, tun,
wenn du zum Berge Vamka kommst?

Mit Ausnahme der Mittagszeit,
wo alle Vögel sind in Ruhe,
ertönet laut der große Wald;
warum willst du denn dorthin gehen?“

Zu ihm sprach drauf die Königstochter

Maddi, glänzend am ganzen Körper:
„Die Dinge, die du mir da nennst,
die in dem Walde Furcht erregen,
die werd ich alle auf mich nehmen;
ich will doch gehn, du Landesherr.

Kasa, Kusa, Potakila,
Usira, Mufija, Binsengras
werde ich mit der Brust zerteilen;
dadurch werd ich nicht unglücklich.

Fürwahr durch viele Tätigkeiten
gewinnt das Mädchen sich den Gatten:
durch das Zurückhalten des Leibes,
durch das Umwickeln auch mit Kuhmist,

durch sorgsames Pflegen des Feuers,
durch das Abreiben auch mit Wasser.
Hart in der Welt ist Witwentum;
ich will doch gehn, du Landesherr.

Es ist ihr nicht einmal gestattet
das Weggeworfne zu verzehren;
wer an der Hand sie fasst, der zieht
herum sie wider ihren Willen.
Hart in der Welt ist Witwentum;
ich will doch gehn, du Landesherr.

Er packt am Haar sie, hebt sie auf,
stößt auf der Erde sie umher;
wenn er so tat, bleibt er noch stehn,
ein großes, kein geringes Leid!
Hart in der Welt ist Witwentum;
ich will doch gehn, du Landesherr.

Die Witwensöhne hell von Farbe,
die sich für glücklich halten, zieht
umher man wider ihren Willen,
so wie die Krähen ziehn die Eule.
Hart in der Welt ist Witwentum;
ich will doch gehn, du Landesherr.

Auch wenn im Hause der Verwandten
sie wohnt, das hell von Silber strahlt,
empfängt nur böse Worte sie
von Brüdern oder auch von Freunden.
Hart in der Welt ist Witwentum;
ich will doch gehn, du Landesfürst.

Nackt ist ein Fluss, der ohne Wasser,
nackt ist ein Reich, das ohne König,
nackt ist ein Weib auch, das verwitwet,
auch wenn zehn Brüder es besitzt.
Hart in der Welt ist Witwentum;
ich will doch gehn, du Landesherr.

Die Flagge ist des Wagens Zeichen,
der Rauch das Kennzeichen des Feuers,
der König ist des Reiches Zeichen,
des Weibes Zeichen ist der Mann.
Hart in der Welt ist Witwentum;
ich will doch gehn, du Landesherr.

Die, welche arm dem armen Manne,
die reich dem Reichen Ehre bringt,
ein solches Weib preisen die Götter,
denn etwas Schweres führt sie aus.

Dem Gatten will ich folgen, wenn ich
auch immer gelbe Kleider trage;
der ungeteilten Erde Herrschaft
will ich nicht ohne Vessantara.
Hart in der Welt ist Witwentum;
ich will doch gehn, du Landesherr.

Die Erde selbst, vom Ozeane
begrenzt, die viele Schätze birgt,
von manchen Kostbarkeiten voll,
will ich nicht ohne Vessantara.

Wie könnte deren Herz wohl sein?
Gar hart fürwahr sind jene Frauen,
die, wenn ihr Mann im Unglück lebt,
ein Glück begehren für sich selber.

Wenn fortzieht jetzt der große König,
der Sivi-Leute Reichsvermehrer,
so werd ich ihn gewiss begleiten;
denn alle Freuden gibt er mir.“

Darauf sagte der große König
zu Maddi, die in Schönheit strahlte:
„Doch diese deine jungen Kinder
Jali, Kanhajina, die beiden
lass hier, Vorzügliche, und geh;
wir wollen sie dann aufziehen.“

Ihm antwortet' die Königstochter
Maddi, in voller Schönheit strahlend:
„Lieb sind mir meine Kinder, Fürst,
Jali, Kanhajina, die beiden;
sie werden uns dort auch erfreuen,
wenn wir im Wald voll Kummer leben.“

Drauf sprach zu ihr der große König,
der Sivi-Leute Reichsvermehrer:
„Nachdem sie hier nur Reisbrei aßen,
feinen, mit Fleischsaft überträufelt,
wie werden da die jungen Kinder
der Bäume Früchte essen können?

Nachdem von hundertschicht'gem Silber,
von Gold verziert mit hundert Strichen
sie aßen, werden da die Kinder
aus Baumesblättern essen können?

Nachdem sie Kasi-Kleider trugen
und Linnen aus Kodumbara,
wie werden da die jungen Kinder
Rindengewänder tragen können?

Nachdem sie sonst mit Tieren fuhren,
in Sänften oder auf dem Wagen,
wie werden da die jungen Kinder
zu Fuße immer laufen können?

Nachdem sie in Palästen schliefen,
wo alle Riegel fest verschlossen,
wie werden da die jungen Kinder
am Fuß der Bäume schlafen können?

Nachdem sie sonst auf Polstern schliefen,
auf Wollenkissen bunt geziert,
wie werden da die jungen Kinder
auf dem Graspolster schlafen können?

Nachdem sie sich mit Wohlgerüchen
besprengten und mit Sandelpulver,
wie werden da die jungen Kinder
am Körper Staub und Schmutz jetzt tragen?

Da mit Yakwedeln, Pfauenfedern
sie sich gefächelt, als sie glücklich,
was werden da die Kinder machen,
wenn Bremsen sie und Mücken stechen?“

Während sie aber so zusammen redeten, verging die Nacht; und als die Nacht vergangen war, ging die Sonne auf. Man brachte für das große Wesen einen mit vier Sindhu-Rossen bespannten, reich geschmückten Wagen herbei und stellte ihn am Tore des Königspalastes auf. Nachdem Maddi ihre Schwiegereltern ehrerbietig begrüßt und sich von den übrigen Frauen verabschiedet hatte, blickte sie nicht mehr um, sondern ging mit ihren zwei Kindern vor Vessantara und stellte sich auf den Wagen.

Um dies zu erklären, sprach der Meister:

Zu jenem sprach die Königstochter
Maddi, in voller Schönheit strahlend:
„Brich nicht in Klagen aus, o Fürst,
ergib dich nicht der Traurigkeit;
so wie wir zwei das Leben führen,
so werden auch die Kinder sein.“

Nach diesen Worten sich entfernte
Maddi, in voller Schönheit strahlend;
die Sivi-Straße sie verfolgte,
die Herrliche, mit ihren Kindern.

Nachdem Vessantara der König
Gaben gespendet hatt, der Edle,
grüßt er ehrfürchtig seine Eltern,
umwandelte sie dann von rechts

und drauf bestieg er seinen Wagen,
das rasche Kriegesviergespann;
mit Weib und Kindern fuhr er nun
fort nach dem Berge Vamka hin.

Darauf König Vessantara,
dort wo viel Volk versammelt war,
zu ihnen sprach: „Wir gehen jetzt;
mögen gesund sein die Verwandten.“

Nachdem das große Wesen so die Volksmenge angeredet hatte, gab es ihnen noch die Ermahnung: „Tut ohne Unterlass gute Werke wie Almosen Geben u. dgl.“ Als es aber fort ging, dachte die Mutter des Bodhisattva: „Mein Sohn, der so sehr das Almosen Spenden liebt, soll Almosen spenden!“ Daher schickte sie Wagen mit Schmucksachen, die mit den sieben Arten der Kostbarkeiten gefüllt waren, auf beiden Seiten mit. Jener löste das Bündel Schmucksachen los, das er selbst am Körper trug, gewährte den Bittenden, die ihm begegneten, achtzehn Wünsche und gab den ganzen Rest her.

Als er nun die Stadt verlassen, wollte er sich umdrehen und zurückschauen. Wegen dieses seines Wunsches aber barst die Erde auf einem Raume, der so groß war wie der Wagen, drehte sich um und machte den Wagen nach der Stadt hin gewendet. Er betrachtete darauf den Wohnort seiner Eltern; aus diesem Grunde geschah wieder ein Erzittern der Erde u. dgl. Darum heißt es:

Nachdem er aus der Stadt gezogen,
wandt er sich um, die Stadt zu schauen.
Doch da erzitterte die Erde
mit dem Sineru, Wäldern, Bäumen.

Nachdem er aber selbst hingeschaut hatte, sprach er, um auch Maddi zum Zurückschauen zu veranlassen, folgende Strophe:

„Sieh hierher, Maddi, und gib Acht,
ein schöner Anblick beut sich dir:
der Aufenthalt des Sivi-Fürsten,
das väterliche Haus von mir.“

Darauf sah das große Wesen die mit ihm geborenen sechzigtausend Hofleute wie auch die übrige Volksmenge an und veranlasste sie zur Umkehr. Während es den Wagen vorwärts fahren ließ, sagte es zu Maddi: „Liebe, gib Acht, ob hinterdrein Bettler kommen.“ Sie setzte sich nieder und schaute.—Es waren aber vier Brahmanen, die seine aus den siebenhundert Teilen bestehende Spende nicht mehr hatten erreichen können, nach der Stadt gekommen und hatten gefragt: „Wo ist der König?“ Als sie die Antwort erhielten: „Nachdem er Almosen gespendet hat, ist er fortgezogen“, fragten sie weiter: „Hat er irgend etwas mitgenommen?“ Als sie hörten: „Er ist auf dem Wagen fortgezogen“, dachten sie: „Um die Rosse wollen wir ihn bitten“, und folgten ihm nach. Als nun Maddi sie kommen sah, meldete sie ihm: „Bettler, o Fürst!“ Das große Wesen ließ den Wagen halten. Sie kamen heran und baten es; darauf schenkte das große Wesen ihnen die vier Pferde.

Um dies zu verkünden, sprach der Meister:

„Ihm näherten sich die Brahmanen,
sie baten ihn um seine Rosse;
auf diese Bitte spendet' er
den vieren die vier edlen Pferde.“

Als aber die Rosse hergeschenkt waren, blieb das Joch des Wagens gewissermaßen in der Luft. Sobald sich nun die Brahmanen entfernt hatten, kamen vier Göttersöhne, wie rote Gazellen aussehend, nahmen es auf und gingen fort. Das große Wesen aber merkte, dass es Göttersöhne waren, und sprach folgende Strophe:

„Wohlan, Maddi, vernimm es wohl,
man sieht ihr buntes Äußre nur;
in der Gestalt von roten Rehen
fahren sie mich wie rasche Rosse.“

Während es aber so dahinfuhr, kam ein anderer Brahmane herbei und bat es um seinen Wagen; da ließ das große Wesen seine Frau und seine Kinder herabsteigen und gab jenem den Wagen. Als es aber den Wagen hergeschenkt hatte, verschwanden die Göttersöhne.

Um zu verkünden, wie der Wagen hergeschenkt wurde, sprach der Meister:

Da kam ein fünfter zu ihm hin;
um seinen Wagen bat ihn dieser.
Auf seine Bitte gab er ihn,
nicht war darob sein Herz betrübt.

Darauf König Vessantara
herab ließ steigen seine Leute
und tröstend gab er seinen Wagen
jenem habsüchtigen Brahmanen.

Von da an waren sie alle nur zu Fuße. Da sprach das große Wesen zu Maddi:

„Du, Maddi, nimm Kanhajina,
leicht ist ja diese jüngste Tochter;
ich aber werde Jali nehmen,
denn schwer ist dies ihr Brüderchen.“

Nach diesen Worten aber gingen die beiden voran, indem sie die zwei Kinder an ihrer Brust trugen.

Um dies zu verkünden, sprach der Meister:

„Der König nahm den Prinzen mit,
die Königstochter die Prinzessin;
so gingen sie voll Eintracht weiter,
einander liebe Worte sagend.“

Ende des Kapitels von dem Almosen Spenden

4. Das Kapitel von dem Eindringen in den Wald (Vanapavesanakanda)

Wenn sie Leute sahen, die ihnen entgegen kamen, fragten sie: „Wo ist der Vamka-Berg?“ Die Leute sagten: „Weit!“ Darum heißt es:

„Wenn irgendwelche Leute kamen
ihnen entgegen auf dem Wege,
dann fragten wir sie nach dem Weg:
Wo ist da wohl der Vamka-Berg?

Wenn jene uns dann so gesehen,
dann jammerten sie mitleidsvoll;
Leidvolles meldeten sie uns:
Weit ist entfernt der Vamka-Berg.“

Als nun die Kinder zu beiden Seiten des Weges die Bäume sahen, die verschiedenartige Früchte trugen, da weinten sie. Infolge der übernatürlichen Macht des großen Wesens aber neigten sich die Frucht tragenden Bäume herab und kamen herbei, dass man sie mit der Hand berühren konnte. Darauf sammelte es die reifen Früchte und gab sie ihnen. Als dies Maddi sah, verkündete sie das Wunder. Darum heißt es:

Wenn nun im Wald die Kinder sahen
die Bäume, welche Früchte trugen,
um dieser Früchte willen fingen
die Kinder da zu weinen an.

Als sie die Kinder weinen sahen,
neigten die Bäume kummervoll
in großer Menge selbst sich nieder
und kamen zu den Kindern hin.

Als Maddi dieses Wunder sah,
das haarsträubende, nie gewesne,
da gab sie ihren Beifall kund,
sie, die in voller Schönheit strahlte:

„Ein Wunder fürwahr in der Welt,
ein haarsträubendes, nie gewesnes!
Durch des Vessantara Gewalt
die Bäume neigen sich von selbst!“—

Von der Stadt Jetuttara ist der Berg Suvannagiritala fünf Yojanas entfernt, von dort ist der Fluss Kontimara fünf Yojanas entfernt, von dort der Berg Aranjaragiri fünf Yojanas, von dort das Brahmanendorf Dunivittha fünf Yojanas und von dort die Stadt ihres Oheims zehn Yojanas. So beträgt der Weg von der Stadt Jetuttara dreißig Yojanas.Die Götter aber verkürzten den Weg; in einem einzigen Tage gelangten sie in die Stadt ihres Oheims. Darum heißt es:

„Den Weg die Halbgötter verkürzten
aus Mitleid mit den kleinen Kindern;
noch an dem Tag der Abreise
sie kamen in das Ceta-Reich.“

Auf ihrer Reise aber waren sie von der Stadt Jetuttara zur Zeit des Frühmahles fortgezogen und gelangten zur Abendzeit im Reiche Ceta nach der Stadt ihres Oheims.

Um dies zu verkünden, sprach der Meister:

„Nachdem sie lange Zeit gegangen,
kamen sie in das Ceta-Reich,
das mächtige, blühende Land,
an Fleisch, Branntwein und Reisbrei reich.“

Damals wohnten in der Stadt ihres Oheims sechzigtausend Edle. Das große Wesen ging nicht in die Stadt hinein, sondern setzte sich in eine Halle am Stadttor. Nachdem nun Maddi an den Füßen des großen Wesens den Staub abgewischt und seine Füße abgerieben hatte, dachte sie: „Ich will die Ankunft des Vessantara bekannt machen.“ Sie ging aus der Halle heraus und blieb im Bereich seines Blickes stehen. Als aber die Frauen, die dort in die Stadt hineingingen oder die Stadt verließen, sie sahen, umringten sie sie.

Um dies zu verkünden, sprach der Meister:

Die Ceta-Frauen sie umringten,
als sie die Schöne sah'n gekommen:
„Gar zart fürwahr die Edle ist,
die da zu Fuße läuft umher.

Auf Wagen pflegen sonst zu fahren
die Edlen und in einer Sänfte;
und heute muss Maddi im Walde
umher als Fußgängerin laufen.“

Als die Volksmenge Maddi und Vessantara und ihre Kinder in Not gekommen sah, ging sie hin und meldete es dem Könige. Da kamen die sechzigtausend Edlen weinend und klagend zu ihm hin.

Um dies zu verkünden, sprach der Meister:

Als dies der Cetas Häupter sahen,
sie kamen weinend zu ihm hin:
„Geht es dir denn auch gut, o Fürst,
und bist du denn gesund, o Fürst?
Ist denn dein Vater auch gesund
und geht es gut dem Sivi-Volk?

Wo ist dein Heer, du großer König,
wo ist dein königlicher Wagen?
Denn ohne Rosse, ohne Wagen
bist du den weiten Weg gekommen.
Bist von den Feinden du bezwungen
in diese Gegend hergekommen?“

Um diesen Königen den Grund seiner Ankunft mitzuteilen, sprach nun das große Wesen:

„Gut geht es immer mir, mein Lieber,
und auch gesund bin ich, mein Freund.
Gesund ist auch der Vater mein
und auch den Sivis geht es wohl.

Doch ich gab meinen Elefanten,
den hohen mit den Deichselzähnen,
der stets im Kampf kannt das Gelände,
das schönste Tier, ganz weiß von Farbe,

mit gelben Tüchern ganz bedeckt,
den wilden, der zertrat die Feinde,
mit seinen Hauern, mit dem Wedel,
dem weißen, dem Kelasa gleich,

mitsamt dem Sonnenschirm und Schmuck,
mit seinem Arzt und seinen Hütern,
das schönste Reittier für den König
verschenkte ich an die Brahmanen.

Darüber zürnten mir die Sivis,
mein Vater auch war aufgebracht.
Verstoßen hat mich drum der König,
ich gehe nach dem Vamka-Berg.
Sucht, Freunde, darum einen Ort,
wo wir im Walde wohnen werden.“

Die Könige antworteten:

„Willkommen seist du, großer König,
nicht unwillkommen bist du uns.
Als Herr bist du hierher gekommen;
alles, was hier ist, wünsche dir.

Gemüse, Lotos, Honig, Fleisch
und reinen Brei von Reiskörnern
genieße jetzt, du großer König;
passend für uns bist du gekommen.“

Vessantara erwiderte:

„Ich nehme an, was ihr mir gebt,
von allem bietet ihr mir an.
Doch hat verstoßen mich mein Vater;
ich gehe nach dem Vamka-Berg.
Sucht, Freunde, darum einen Ort,
wo wir im Walde wohnen werden.“

Die Könige antworteten:

„Hier bleibe nur einstweilen wohnen
im Reiche Ceta, Landesfürst,
so lange bis die Cetas gehen
um bei dem Könige zu bitten,
um den Großkönig zu versöhnen,
des Sivi-Landes Reichsvermehrer.

Ihm werden dann die Cetas folgen
froh, weil sie ihren Zweck erreicht.
Sie werden kommen, ihn umgebend;
erkenne dieses, edler Fürst.“

Das große Wesen versetzte:

„Nicht soll gefallen euch zu gehen
zum König hin um ihn zu bitten,
um den Großkönig zu versöhnen;
der König ist ja dort nicht Herr.

Die Sivis sind ja allzu mächtig,
die Schlossbewohner und die Städter;
sie möchten auch den König selbst
vertreiben nur um meinetwillen.“

Die Könige erwiderten:

„Wenn es sich dortselbst so verhält
in deinem Reiche, Reichsvermehrer,
so führe doch die Herrschaft hier,
geehret von dem Ceta-Volke.

Mächtig und blühend ist dies Reich,
wohlhabend ist das Land und groß;
drum fasse den Entschluss, o Fürst,
das Königreich hier zu beherrschen.“

Vessantara antwortete:

„Ich fasse den Entschluss nicht gern,
das Königreich hier zu beherrschen,
wo ich vom Reich vertrieben bin;
ihr Ceta-Söhne, höret mich.

Die Sivis wären unzufrieden,
die Schlossbewohner und die Städter,
weil ich aus ihrem Reich vertrieben,
wenn Cetas mich zum König weihten.

Uneinigkeit gäb es bei euch
unendliche um meinetwillen,
dazu Zerwürfnis mit den Sivis;
und nicht gefällt mir Streitigkeit.

Und fürchterlich wär dieser Streit,
ein schrecklicher Zusammenstoß;
um meinetwillen ganz allein
würden verletzt gar viele Leute.

Ich nehme an, was ihr mir gebt;
von allem bietet ihr mir an.
Doch hat verstoßen mich mein Vater;
ich gehe nach dem Vamka-Berg.
Sucht, Freunde, darum einen Ort,
wo wir im Walde wohnen werden.“

So begehrte das große Wesen, obwohl es auf mancherlei Art darum gebeten wurde, nicht nach der Königsherrschaft; es wünschte auch nicht in die Stadt hineinzugehen. Da schmückten sie die Halle, richteten, indem sie es mit einem Zelte umgaben, ein großes Lager her und stellten sich alle zur Wache herum.—Nachdem Vessantara den einen Tag und die eine Nacht dort verbracht und unter ihrer Bewachung in der Halle gewohnt hatte, verzehrte er am nächsten Tage in der Frühe ein Mahl von verschiedenartigem, höchstem Wohlgeschmack und ging dann umgeben von den Königen aus der Halle hinaus. Sechzigtausend Edle legten mit ihm den Weg von fünfzehn Yojanas zurück; am Rande des Waldes blieben sie stehen, und um ihm den weiteren Weg von fünfzehn Yojanas zu schildern, sprachen sie:

„Wahrheitsgemäß wir wollen dir
verkünden, wie dort glücklich leben
friedlich die königlichen Weisen
einträchtig bei dem Feueropfer.

Hier dieser Fels, du großer König,
der Berg heißt Gandhamadana,
wo du mit deinen beiden Kindern
und deiner Gattin ruhen wirst.“

Dies lehrten ihn die Cetas, tränen-
erfüllt das Auge, heftig weinend:
„Geh von hier weiter, großer König,
gerad nach Norden hingewendet.

Dort wirst du sehen, Heil sei dir,
den Berg mit Namen Vipula,
bedeckt mit mannigfachen Bäumen,
mit kühlem Schatten, herzerquickend.

Wenn du ihn überschritten hast,
dann wirst du dort ein Wasser sehen,
den Fluss Ketumati genannt,
tief, aus der Bergeshöhle kommend,

belebt von vielen schupp'gen Fischen,
mit guten Furten, reich an Wasser.
Dort wasche dich und trinke Wasser,
erquicke dich mit deinen Kindern.

Dann wirst du sehen, Heil sei dir,
einen Nigrodha süß von Früchten,
mit lieblichem Wipfel versehen,
mit kühlem Schatten, herzerquickend.

Dann wirst du sehen, Heil sei dir,
den Berg mit Namen Nalika
voll mannigfacher Vogelscharen,
den Felsen, der belebt von Feen.

Von diesem nach Nordosten liegt
ein See mit Namen Mucalinda,
bedeckt mit weißen Lotosblumen,
mit weißen Wasserlilien auch.

In diesen Wald, der Wolken gleicht,
der dicht bedeckt mit grünem Gras,
dem Löwen gleich, der Beute sieht,
gehe hinein in diesen Wald,
bedeckt mit Bäumen voll von Blüten
und von Fruchtbäumen beiderseits.

Dort gibt es viele schöne Vögel,
in Scharen fliegend, bunt von Farbe,
sie stoßen ihre Schreie aus
am Baum, der blüht zu seiner Zeit.

Wenn du dann an die Quelle kommst
der Flüsse, die dem Berg entspringen,
so siehst du einen Lotosteich
voll Karanjas und Kakudhas,

erfüllt von vielen schupp'gen Fischen,
mit guten Furten, reich an Wasser,
gleich und viereckig, angenehm
und ohne widrigen Geruch.

Vor diesem Teiche im Nordosten
erbaue dir die Blätterhütte;
wenn du die Laubhütte errichtet,
dann strengt euch an mit Nahrung Suchen.“

Nachdem ihm die Könige so den weiteren Weg von fünfzehn Meilen geschildert, entließen sie ihn. Um aber Vessantara die Furcht vor einer Gefahr zu nehmen, dachten sie: „Kein Feind soll hier Gelegenheit finden“, und stellten darum einen geschickten, wohl unterrichteten jungen Ceta zur Wache am Eingang des Waldes auf, indem sie ihm den Auftrag gaben: „Beobachte du die Gehenden sowohl wie die Kommenden.“ Darauf kehrten sie in ihre Stadt zurück.

Vessantara aber ging mit Frau und Kindern nach dem Gandhamadana und verbrachte dort die Nacht. Dann ging er nach Norden gewendet auf dem Wege nach dem Vipula-Berge, setzte sich am Ufer des Flusses Ketumati nieder und verzehrte das süße Fleisch, das ihm ein Jäger gegeben hatte; dafür schenkte er ihm eine goldene Nadel. Nachdem er gebadet und getrunken, ging er beruhigt vom Leid über den Fluss, setzte sich am Fuße des Nigrodha-Baumes, der auf dem Gipfel des Tafelberges stand, ein wenig nieder und verzehrte Nigrodha-Früchte. Dann erhob er sich von seinem Sitze und gelangte an den Berg Nalika. Während er sich von da aus weiter bewegte, kam er am Ufer des Mucalinda-Sees an die Nordostecke und ging auf einem Fußpfade in den Urwald hinein; diesen durchschritt er und kam an den schwer zugänglichen Quellen der Bergströme vorbei nach jenem viereckigen Lotosteiche.

In diesem Augenblicke dachte gerade der Götterkönig Sakka nach und bemerkte dies. Da dachte er: „Nachdem das große Wesen in den Himalaya eingedrungen ist, muss es eine Wohnung erhalten.“ Er rief Vissakamma zu sich her und sagte zu diesem: „Gehe, mein Lieber, errichte im Innern des Vamka-Berges an einem entzückenden Platze eine Einsiedelei und komme dann wieder!“ Dieser ging dorthin und erbaute zwei Laubhütten, zwei Wandelgänge, Plätze für den Aufenthalt bei Tag und bei Nacht; am Ende des Wandelganges ließ er allenthalben Dickichte von verschiedenartigen Blumen und Bananenhaine wachsen. Auch richtete er alle Ausrüstungsgegenstände für Weltflüchtlinge her und schrieb Buchstaben hin: „Wer immer Lust hat, die Weltflucht zu betätigen, soll sie nehmen.“ Nachdem er dann noch die Dämonen und die Tiere und Vögel mit Furcht erregender Stimme von dort entfernt hatte, kehrte er an seinen Ort zurück.Als nun das große Wesen den Fußpfad sah, dachte es: „Es wird ein Wohnort für Weltflüchtlinge sein“; es ließ Maddi und die beiden Kinder am Eingange der Einsiedelei warten und ging selbst in die Einsiedelei hinein. Da erblickte es die Buchstaben und merkte: „Sakka hat mich gesehen.“ Es öffnete die Türe der Laubhütte, ging hinein, legte Schwert und Bogen beiseite, zog sein Gewand aus und nahm die Büßerkleidung. Mit dem Stabe in der Hand ging es aus der Einsiedelei hinaus, stieg den Wandelgang hinauf und wandelte ein paar Mal auf und ab. Dann ging es mit einer einem Paccekabuddha gleichenden Ruhe zu seiner Frau und seinen Kindern. Maddi fiel dem großen Wesen unter Tränen zu Füßen und betrat zusammen mit ihm die Einsiedelei; sie ging in ihre eigene Laubhütte und nahm die Büßerkleidung. Hierauf machten sie auch ihre Kinder zu jungen Asketen. So wohnten die vier Edlen im Innern des Vamka-Berges. Da äußerte Maddi gegen das große Wesen folgenden Wunsch: „O Fürst, Ihr sollt nicht fortgehen, um Waldfrüchte zu holen, sondern bleibt da mit den Kindern; ich werde die Früchte herbeibringen.“ Von da an holte sie aus dem Walde die Waldfrüchte und ernährte damit die drei Leute. Der Bodhisattva aber äußerte folgenden Wunsch: „Maddi, wir sind doch von jetzt an Weltflüchtlinge; ein Weib aber ist Befleckung beim heiligen Wandel. Komme von jetzt an nicht mehr zur Unzeit zu mir!“ Sie stimmte zu.—Durch die übernatürliche Macht der Liebe des großen Wesens aber empfanden überall im Umkreis von drei Yojanas auch alle Tiere Liebe zu einander.

Die Fürstin Maddi stand in der Frühe auf, stellte Wasser zum Genusse bereit, holte Waschwasser, gab Zahnstocher dazu und fegte die Einsiedelei aus; dann ließ sie ihre beiden Kinder bei deren Vater und ging mit einem Korbe, einer Haue und einem Haken in den Wald. Mit den Wurzeln und Früchten des Waldes füllte sie ihren Korb, kehrte dann am Abend zurück und badete die Kinder, indem sie sagte: „Man soll baden.“ Darauf setzten sich die vier Edlen an die Türe der Laubhütte und verzehrten die Waldfrüchte. Hierauf ging Maddi mit den Königskindern in ihre eigene Laubhütte. Auf diese Weise wohnten sie im Innern des Gebirges sieben Monate.

Ende des Kapitels von dem Eindringen in den Wald

5. Das Kapitel von Jujaka (Jujakakanda)

Damals war im Reiche Kalinga ein Brahmane, Jujaka mit Namen, der in dem Brahmanendorf Duni-vittha wohnte. Dieser hatte beim Almosen Sammeln hundert Kahapanas erhalten, diese bei einer Brahmanenfamilie niedergelegt und war dann wieder fortgegangen, um Geld zu sammeln. Als er lange ausblieb, gaben die Angehörigen der Brahmanenfamilie das Geld aus. Als aber der andere wiederkam und sie, von ihm gedrängt, die Summe nicht zurückgeben konnten, gaben sie ihm ihre Tochter mit Namen Amittatapana.Jener ging mit ihr in das Brahmanendorf Dunivittha im Reiche Kalinga und wohnte dort. Amittatapana diente mit Eifer dem Brahmanen. Als nun andere Brahmanen, die noch jung waren, ihr so tugendhaftes Verhalten wahrnahmen, sagten sie: „Diese pflegt sorgsam den alten Brahmanen; warum seid ihr gegen uns so nachlässig?“, und schalten so ihre Gattinnen. Diese dachten: „Wir werden diese Amittatapana aus diesem Dorfe forttreiben“; wenn sie an den Furten des Flusses und an ähnlichen Stellen beisammen waren, zankten sie sie.

Um dies zu erklären, sprach der Meister:

Es wohnte im Kalinga-Reiche
Jujaka, ein Brahmane, einst;
der hatte eine junge Gattin
namens Amittatapana.

Die Frauen, wenn sie Wasser holten
und darum gingen zu dem Fluss,
die schalten sie, wenn sie zusammen
dort kamen, voller Leidenschaft:

„Feindlich fürwahr war deine Mutter
und feindlich war dein Vater auch,
die dich dem alten Manne gaben,
während du selbst so jung noch bist.

Unpassendes fürwahr ersannen
deine Verwandten insgeheim,
die dich dem alten Manne gaben,
während du selbst so jung noch bist.

Schwer zu Ertragendes ersannen
deine Verwandten insgeheim,
die dich dem alten Manne gaben,
während du selbst so jung noch bist.

Fürwahr gar Schlimmes doch ersannen
deine Verwandten insgeheim,
die dich dem alten Manne gaben,
während du selbst so jung noch bist.

Gar Hässliches fürwahr ersannen
deine Verwandten insgeheim,
die dich dem alten Manne gaben,
während du selbst so jung noch bist.

Hässlich ist dein Zusammenwohnen,
während du selbst so jung noch bist,
dass du bei einem Alten wohnst;
Tod ist da besser als das Leben.

Haben denn nicht für dich, du Schöne,
Vater und Mutter, Glänzende,
gefunden einen andern Gatten,
die dich dem alten Manne gaben,
während du selbst so jung noch bist?

Schlecht war dein Opfer an dem Neunten,
übel getan das Feueropfer,
weil sie dem alten Mann dich gaben,
während du selbst so jung noch bist.

Asketen und Brahmanen, welche
vollendet in dem heil'gen Wandel,
hast du wohl in der Welt getadelt,
die tugendhaften, hochgelehrten,
die du bei einem Alten wohnst,
während du selbst so jung noch bist.

Nicht schlimm ist es, wenn beißt die Schlange,
nicht schlimm ist es, wenn trifft der Speer;
doch das ist schlimm und bitterlich,
dass man erblickt den alten Gatten.

Es gibt nicht Schmerz, gibt kein Vergnügen
vereint mit einem alten Gatten,
nicht gibt es hübsche Unterhaltung,
sein Lachen selbst gefällt dir nicht.

Sobald ein Junger und 'ne Junge
zusammen reden insgeheim,
vergehen alle ihre Schmerzen,
die sie in ihrem Herz gefühlt.

Jung bist du und der Schönheit voll,
von Männern auch bist du begehrt.
Geh, bleib in der Verwandten Hause;
wie kann der Alte dich erfreuen?“

Als sie bei diesen so verspottet wurde, kehrte sie mit ihrem Wasserkrug weinend nach Hause zurück. Da der Brahmane sie fragte: „Liebe, was weinst du?“, sprach sie, um es ihm anzuzeigen, folgende Strophe:

„Ich geh nicht mehr für dich, Brahmane,
hin an den Fluss zum Wasserholen.
Die Frauen schelten mich dort aus
ob deines Alters, o Brahmane.“

Jujaka erwiderte:

„Tu keine Arbeit mehr für mich,
bring mir kein Wasser mehr herbei.
Ich selbst werde das Wasser holen;
sei nicht erzürnt darüber, Herrin.“

Die Brahmanin versetzte:

„Nicht bin ich in dem Haus geboren,
dass du mir Wasser holen musst.
Erkenne dieses, o Brahmane;
ich werde nicht mehr bei dir bleiben.

Wenn einen Sklaven oder Sklavin
du mir nicht herbringst, o Brahmane,
erkenne dieses, o Brahmane,
dann werd ich nicht mehr bei dir bleiben.“

Jujaka antwortete:

„Ich habe nicht Gelehrsamkeit
noch Korn und Schätze, o Brahmanin.
Woher soll ich den Sklaven oder
die Sklavin herbringen der Herrin?
Ich werde selbst der Herrin dienen;
sei nicht, o Herrin, drob erzürnt!“

Die Brahmanin versetzte:

„Geh hin; ich werde dir verkünden,
was für ein Wort ich hab gehört.
Da wohnt dieser Vessantara,
der König, an dem Vamka-Berge.

Zu ihm geh hin und bitte ihn
um einen Sklaven und 'ne Sklavin;
auf deine Bitte wird dir geben
Sklaven und Sklavin dieser Fürst.“

Jujaka antwortete:

„Alt bin ich, habe keine Kraft,
weit ist der Weg und schwer zu gehen.
Doch klage weiter nicht, o Herrin,
und sei jetzt nicht mehr missvergnügt.
Ich werde selbst der Herrin dienen;
sei nicht, o Herrin, drob erzürnt!“

Die Brahmanin erwiderte:

„Wie einer, der zum Kampfe kommt
und dabei nicht kämpft, wird besiegt,
so ist es auch mit dir, Brahmane;
beim Kommen schon bist du besiegt.

Wenn einen Sklaven oder Sklavin
du mir nicht herbringst, o Brahmane,
erkenne, o Brahmane, dieses,
dann werd ich nicht mehr bei dir bleiben.
Was dir unlieb ist, werd ich tun;
das wird für dich ein Unglück werden.

Beim Mond- und Jahreszeitenwechsel,
wenn du mich dann siehst reich geschmückt,
wie ich mit andern mich erfreue,
wird dies für dich ein Unglück werden.

Wenn dann, weil du mich nicht mehr siehst,
als alter Mann du dich beklagst,
wirst du noch mehr gekrümmt,Brahmane,
und mehr werden die weißen Haare.“

Um dies zu erklären, sprach der Meister:

Darauf sprach furchtsam der Brahmane,
der in der Gattin Macht gekommen,
bedrängt von Gier nach Liebeslust
zu seiner Gattin folgendes:

„Bereite mir drum Reisezehrung,
festes Gebäck mit Zuckersaft,
auch gut gemachte Honigklumpen
und Gerstenkuchen, o Brahmanin.

Ich werde dir ein Paar herbringen,
zwei junge Kinder dir als Sklaven;
dich werden diese dann bedienen
bei Tag und Nacht untadelig.“

Sie machte rasch Reisezehrung zurecht und meldete es dann dem Brahmanen. Dieser machte im Hause eine beschädigte Stelle fest, besserte die Türe aus, holte Holz aus dem Walde, brachte Wasser herbei und füllte damit alle Gefäße. Dann zog er sogleich Asketenkleidung an und ermahnte seine Frau: „Liebe, von jetzt an gehe nicht zur Unzeit fort; sei sorgsam bis zu meiner Rückkehr.“ Er stieg in seine Sandalen, hängte den Korb mit der Reisezehrung über seine Schultern, umwandelte Amittatapana von rechts und ging dann mit tränenerfüllten Augen fort.

Um dies zu erklären, sprach der Meister:

Nachdem dies der Brahmane tat,
zog er sich die Sandalen an;
dann redet' er zu seiner Frau,
umwandelte sie noch von rechts

und fortzog, tränenvoll die Augen,
mit seinem Vorsatz der Brahmane,
zur blühnden Stadt der Sivis wandelnd,
um sich dort Sklaven auszusuchen.

Als er in diese Stadt kam, fragte er das versammelte Volk: „Wo ist Vessantara?“

Um dies zu erklären, sprach der Meister:

Als er dorthin kam, fragte er
die, welche dort versammelt waren:
„Wo ist König Vessantara?
Wo können wir den Edlen sehen?“

Die Leute ihm antworteten,
die grade dort versammelt waren:
„Von euch belästigt, o Brahmane,
ob zu viel Spendens ward der Edle
aus seinem eignen Reich vertrieben;
er wohnt jetzt auf dem Vamka-Berg.

Von euch belästigt, du Brahmane,
der Edle wegen zu viel Spendens
mit seiner Gattin, seinen Kindern
wohnt er jetzt auf dem Vamka-Berg.“

„Nachdem du so unsern König ins Verderben gestürzt hast, bist du jetzt wieder gekommen? Bleibe hier stehen!“, sagten sie und verfolgten den Brahmanen mit Erdschollen und Stöcken in den Händen. Er aber stand unter dem Schutze der Götter und nahm den Weg nach dem Vamka-Berg.

Um dies zu erklären, sprach der Meister:

Von seiner Gattin angetrieben
der lustbegierige Brahmane
erduldete dies Leid im Walde,
der von Raubtieren war erfüllt,
belebt von Nashörnern und Pantern.

Mit seinem Stab aus Vilva-Holz
und seinem Topf zum Feueropfer
ging in den Urwald er hinein,
wo er den Wünschespender wusste.

Doch als den Urwald er betreten,
umringten ihn daselbst die Wölfe;
da sprang weit weg der Elende
und kam gar weit vom Wege ab.

Darauf ging der Brahmane weiter,
der unbezähmte Schätzejäger;
da er den Weg zum Vamka-Berge
verloren, sprach er diese Strophen:

„Den mannbezwingenden Königssohn,
den siegreichen, niemals besiegten,
der Ruhe bringt in den Gefahren,
wer zeigt mir den Vessantara?

Der für die Bittenden war Hilfe
wie für die Wesen diese Erde,
den König, der der Erd vergleichbar,
wer zeigt mir den Vessantara?

Der für die Bittenden war Zuflucht,
wie für die Flüsse ist das Meer,
den König, der der See vergleichbar,
wer zeigt mir den Vessantara?

Den König, der dem Teich vergleichbar,
leicht zugänglich und gut zu trinken,
mit kühlem Wasser, herzerfreuend,
bedeckt mit weißen Lotosblumen,
erfüllt mit Blütenstaub und Fasern,
wer zeigt mir den Vessantara?

Dem Bo-Baum,der am Wege wächst,
mit kühlem Schatten, herzerfreuend,
der die Ermatteten beruhigt
und der den Müden Zuflucht gibt,
den diesem Baume gleichen König,
wer zeigt mir den Vessantara?

Dem am Weg wachsenden Nigrodha
mit kühlem Schatten, herzerfreuend,
der die Ermatteten beruhigt
und der den Müden Zuflucht gibt,
den diesem Baume gleichen König,
wer zeigt mir den Vessantara?

Dem Mango, der am Wege wächst,
mit kühlem Schatten, herzerfreuend,
der die Ermatteten beruhigt
und der den Müden Zuflucht gibt,
den diesem Baume gleichen König,
wer zeigt mir den Vessantara?

Dem Sala, der am Wege wächst,
mit kühlem Schatten, herzerfreuend,
der die Ermatteten beruhigt
und der den Müden Zuflucht gibt,
den diesem Baume gleichen König,
wer zeigt mir den Vessantara?

Dem Baume, der am Wege wächst,
mit kühlem Schatten, herzerfreuend,
der die Ermatteten beruhigt
und der den Müden Zuflucht gibt,
den diesem Baume gleichen König,
wer zeigt mir den Vessantara?

Und während ich so klagend lalle,
der in den Urwald ich gedrungen,
wer sagte: ‚Ja, ich kenne ihn‘,
der würde meine Freud erregen.

Und wer, während ich hier so klage,
der in den Urwald ich gedrungen,
wer sagte: ‚Ja, ich kenne ihn‘,
mit diesem einen Worte würd er
ein großes gutes Werk vollbringen.“

Dessen Klagelaute hörte der zur Wache aufgestellte junge Ceta, der als Wildjäger im Walde umherging. Da dachte er: „Dieser Brahmane jammert wegen des Aufenthaltsortes von Vessantara. Er ist aber nicht in guter Absicht wegen seiner Gerechtigkeit hierher gekommen, sondern er wird um Maddi oder um die Kinder bitten. Sogleich werde ich ihn töten.“ Er ging auf ihn zu, und indem er mit den Worten: „Brahmane, ich werde dir nicht das Leben schenken“, seinen Bogen spannte, jagte er ihm Furcht ein.

Um dies zu erklären, sprach der Meister:

Der Ceta hörte seine Stimme,
der in dem Walde weilt' als Jäger:
„Von euch belästigt, du Brahmane,
ob zu viel Spendens ward der Edle
aus seinem eignen Reich vertrieben
und wohnt jetzt auf dem Vamka-Berg.

Von euch belästigt, du Brahmane,
der Edle wegen zu viel Spendens
mit seiner Gattin, seinen Kindern
wohnt er jetzt er auf dem Vamka-Berg.

Du Bösestuer, Unverständ'ger
bist von dem Land zum Wald gekommen
um nach dem Königssohn zu suchen
wie ein Kranich den Fisch im Wasser.

Darum werde ich dir das Leben
nicht weiter schenken, du Brahmane;
denn dieser Pfeil, den ich auf dich
abschieße, wird dein Blut jetzt trinken.

Das Haupt werde ich dir zerschmettern,
das Herz durchbohren samt den Sehnen;
der Wegegottheit werd ich opfern
mit deinem Fleische, du Brahmane.

Mit deinem Fleisch, mit deinem Fett
und deinem Kopfe, du Brahmane,
werd ich ein Opfer darbringen,
nachdem ich dir das Herz durchbohrt.

Das ist für mich ein gutes Opfer
mit deinem Fleische, du Brahmane;
nicht wirst du von dem Königssohne
die Frau und Kinder mit dir nehmen.“

Als jener dessen Wort vernahm, sprach er, von Todesfurcht erfasst, folgende Unwahrheit:

„Ich bin ein Bote unverletzlich,
du junger Ceta, höre mich;
darum tötet man nicht den Boten,
dies ist doch ein beständig Recht.

Bekehrt haben sich alle Sivis,
sein Vater ihn zu sehn verlangt
und seine Mutter ist jetzt krank;
bald wird die Augen sie verlieren.

Sie haben mich gesandt als Boten;
du junger Ceta, höre mich.
Den Königssohn will heim ich führen;
wenn du es weißt, belehre mich!“

Da dachte der junge Ceta: „Er kommt ja, um den Vessantara heimzuführen!“ Voll Freude band er seine Hunde an und legte sie fest; den Brahmanen ließ er heruntersteigen und in den Zweigen sich niedersetzen. Hierauf sprach er folgende Strophe:

„Lieb ist der Bote des mir Lieben,
die volle Schüssel geb ich dir,
dieses Gefäß voll Honig auch
und eine Lende von dem Wild.
Die Gegend will ich dir verkünden,
wo sich aufhält der Freudenspender.“

Ende des Kapitels von Jujaka

6. Die kleine Schilderung des Waldes (Cullavanavannana)

Nachdem der junge Ceta den Brahmanen bewirtet hatte, gab er ihm zur Reisezehrung einen Honigkürbis und eine gebratene Wildlende; dann stellte er ihn auf den rechten Weg, hob seine rechte Hand auf und sprach, um ihm den Wohnort des großen Wesens zu verkünden, folgendes:

„Hier dieser Fels, großer Brahmane,
der Berg heißt Gandhamadana,
woselbst Vessantara der König
zusammen mit den Kindern weilt.

Er trägt das Aussehen des Brahmanen,
hat Feuer, Schale, Haarflechten;
in Fell gehüllt liegt er am Boden
und betet so das Feuer an.

Da sieht man diese dunklen Bäume,
die mannigfache Früchte tragen,
so hoch wie dunkle Berge, denen
die Gipfel in die Wolken ragen.

Dhavas, Assakannas, Akazien,
Salas, Phandanas,Schlingpflanzen,
sie werden von dem Wind geschüttelt
wie Jünglinge, die einmal trunken.

Und oben an der Bäume Kronen
hört man der Vögel Lied erschallen,
Najjuhas,Kuckucke in Scharen,
die flattern dort von Baum zu Baum.

Den Gehenden sie dort begrüßen
auf Zweigen und auf Blättern hüpfend;
den Ankommenden sie erfreuen
und den Bewohner sie ergötzen,
dort wo König Vessantara
zusammen mit den Kindern weilt.

Er trägt das Aussehn des Brahmanen,
hat Feuer, Schale, Haarflechten;
in Fell gehüllt liegt er am Boden
und betet so das Feuer an.“

Um dann noch mehr die Einsiedelei zu preisen, sprach er:

„Mangos, Kapitthas, Panasas,
Salas, Jambus, Vibhitakas,
Haritakas, Amalakas,
Assatthas und auch Padaras,

auch schöne Timba-Bäume sind dort,
Nigrodhas und Kapitthanas,
die strömen süßen Honig aus,
und immer reife Feigenbäume.

Auch schöne Datteln gibt es dort
und Trauben süß wie Honigsaft;
den besten Honig kann man dort
mitnehmen und verzehren selbst.

Die einen Mangos stehn in Blüte,
die andern Mangos sind noch kahl,
die einen unreif, andre reif,
wie Frösche grün in beiden Fällen.

Darunter aber kann ein Mann
die reifen Mangofrüchte nehmen,
die unreifen wie auch die reifen
von höchster Schönheit, Duft, Geschmack.

Doch dort erscheint ein Wunder mir,
ein Goldglanz leuchtet mir dort auf;
er glänzt so wie der Götter Wohnung,
dem Nandana-Palast vergleichbar.

Palmyra-Bäume, Kokospalmen
im Wald mit wilden Dattelbäumen
stehn da wie angereihte Ketten,
wie Flaggenspitzen sehn sie aus,
mit den verschiedenfarb'gen Blüten
dem sternbesetzten Himmel gleichend.

Kutajis, Kutthatagaris,
Trompetenblumen auch in Blüte,
Punnagas, dazu Bergpunnagas
und Kovijaras auch in Blüte,

Uddalakas und Soma-Bäume,
auch Sandel- und Nussbäume viel,
Puttajivas und Kakudhas,
dazu blühende Asanas,

Kutajas, Salalas, Nipas,
Kosamba-Labujas, Dhavas,
auch Salas stehen dort in Blüte
und glänzen so wie faules Stroh.

Unweit von dort ein Lotosteich
an einem schönen Plätzchen ist,
bedeckt mit weiß und blauem Lotos
wie in dem Nandana der Götter.

Dort von der Blüten Duft berauscht
sind Kuckucke mit süßer Stimme;
die Luft durchtönen sie auf Bäumen,
die nach der Jahreszeit in Blüte.

Vom Blütennektar fällt der Honig
beständig auf die Lotospflanzen.
Es wehen aber dort die Winde
von Süden und danach von Westen;
so von dem Staub der Lotosfasern
bedeckt ist die Einsiedelei.

Dicke Simghatakas sind hier,
Samsadis und Pasadiyas,
Fische und mancherlei Schildkröten
und Krebse gibt 's in großer Zahl;
der Honig fließt dort aus den Blumen,
Butter und Milch aus Lotosstängeln.

Ein süßer Duft weht durch den Wald,
erregt von mancherlei Gerüchen,
und er erfüllt mit Wohlgeruch
den Wald mit Blüten und mit Zweigen.

Die Bienen ob der Blüten Duft
sie summen überall herum.
Aber auch Vögel gibt es dort,
gar viele Vögel bunt von Farbe;
mit ihren Weibchen sie sich freuen,
indem sie zu einander singen:

‚O welche Freude, meine Jungen,
o meine Jungen sind uns lieb.
Lieb sind die Jungen, lieb die Freuden,
die Vögel, die im Teiche wohnen.‘

Wie angereihte Kränze stehn sie,
wie Flaggenspitzen sehn sie aus,
mit ihren buntfarbigen Blumen,
den schönen, duften sie so süß,
dort, wo König Vessantara
zusammen mit den Kindern wohnt.
Er trägt das Aussehn des Brahmanen,
hat Feuer, Schale, Haarflechten;
in Fell gehüllt liegt er am Boden
und betet so das Feuer an.“

Als so der junge Ceta den Wohnort Vessantaras anzeigte, fing Jujaka erfreut eine freundliche Unterhaltung an und sprach folgende Strophe:

„Hier diesen meinen Gerstenbrei
mit süßem Honig zubereitet
und diese guten Honigklumpen,
den Gerstenbrei gebe ich dir.“

Als dies der junge Ceta hörte, antwortete er:

„Dein bleibe nur der Reisevorrat,
ich wünsche deinen Vorrat nicht;
nimm es nur wieder, o Brahmane,
geh fort, Brahmane, wie du willst.

Hier dieser Fußpfad führet hin,
gerad nach der Einsiedelei;
dort wohnt der Büßer Accuta
mit schmutz'gen Zähnen, staub'gem Haupte,

indem er trägt Brahmanentracht,
hat Feuer, Schale, Haarflechten;
in Fell gehüllt liegt er am Boden
und betet so das Feuer an.
Du geh dorthin und frage ihn;
er wird dir dann den Weg verkünden.“

Als dieses der Brahmane hörte,
umging den Ceta er von rechts
und frohen Herzens ging er dorthin,
wo Accuta der Büßer war.

Ende der kleinen Schilderung des Waldes

7. Die großen Schilderung des Waldes (Mahavanavannana)

Als Bharadvaja weiter ging,
sah er den Büßer Accuta;
als diesen Bharadvaja sah,
begrüßte er sich mit dem Büßer:

„Geht es denn auch dem Herren gut
und ist denn auch der Herr gesund?
Nährt Ihr Euch von gelesnen Ähren,
gibt es auch viele Frücht und Wurzeln?

Gibt es Stechfliegen hier und Mücken
und Schlangen in geringer Zahl?
Im Wald, der von Raubtieren voll,
wird nicht Verletzung Euch zuteil?“

Der Asket antwortete:

„Nur gut geht es uns, o Brahmane,
und auch gesund, Brahmane, sind wir.
Gelesne Ähren wir verzehren,
auch gibt es Frücht und Wurzeln viel.

Stechfliegen gibt es hier und Mücken
und Schlangen in geringer Zahl.
Im Wald, der von Raubtieren voll,
wird uns Verletzung nicht zuteil.

Schon viele, viele Jahre hab ich
in der Einsiedelei verbracht;
doch nicht erinnr' ich mich, dass Krankheit
oder Unliebes mir begegnet.

Willkommen dir, großer Brahmane,
nicht unwillkommen kamst du her.
Tritt in die Höhle, Heil sei dir,
und wasche dir die Füße ab.

Tinduka- und Piyala-Blätter
und süße Kasumari-Früchte;
klein sind die Früchte nur und wenig,
doch iss, Brahmane, nur nach Wunsch.

Hier ist auch kühles Wasser da,
geholt aus einer Bergeshöhle;
davon trinke, großer Brahmane,
wenn du danach Verlangen hast.“

Jujaka antwortete:

„Wir nehmen deine Gaben an
und was du alles würdig tatest.
Um des Sanjaya eignen Sohn,
der von den Sivis ward verbannt,
um ihn zu sehn, bin ich gekommen;
wenn du es weißt, belehre mich.“

Der Asket versetzte:

„Nicht kommst in guter Absicht du,
den Sivi-König zu besuchen;
ich glaube, du strebst nach des Königs
Gattin, nach der gehorsamen.

Ich glaub, du wünschst Kanhajina
als Sklavin und Jali als Sklaven,
oder die Mutter und die Kinder,
die drei, vom Wald zu holen kommst du;
er hat ja keine Schätze mehr,
nicht Gold noch Korn mehr, o Brahmane.“

Als dies Jujaka hörte, sprach er:

„Ich zürne dafür nicht dem Herrn,
zum Betteln bin ich nicht gekommen;
gut ist es, Edle zu besuchen,
und ihr Verkehr ist stets ein Glück.

Noch nie sah ich den Sivi-König,
der von den Sivis ward verbannt.
Um ihn zu sehn, bin ich gekommen;
wenn du es weißt, belehre mich!“

Jener glaubte ihm und versetzte: „Gut, ich will dich belehren. Heute aber bleibe noch da.“ Nachdem er ihn mit Waldfrüchten gesättigt, zeigte er ihm am nächsten Tage den Weg und sprach, indem er die Hand ausstreckte:

„Hier dieser Fels, großer Brahman,
der Berg heißt Gandhamadana,
woselbst Vessantara der König
zusammen mit den Kindern weilt.

Er trägt das Aussehn des Brahmanen,
hat Feuer, Schale, Haarflechten;
in Fell gehüllt ruht er am Boden
und betet so das Feuer an.

Da sieht man diese dunklen Bäume,
die mannigfache Früchte tragen,
so hoch wie dunkle Berge, denen
die Gipfel in die Wolken ragen.
Dhavas, Assakannas, Akazien,
Salas, Phandanas, Schlingpflanzen,
sie werden dort vom Wind geschüttelt
wie Jünglinge, die einmal trunken.

Und oben an der Bäume Kronen
hört man der Vögel Lied erschallen,
Najjuhas, Kuckucke in Scharen,
die flattern dort von Baum zu Baum.

Den Gehenden sie dort begrüßen
auf Zweigen und auf Blättern hüpfend;
den Ankommenden sie erfreuen
und den Bewohner sie ergötzen,
dort wo König Vessantara
zusammen mit den Kindern weilt.

Er trägt des Aussehn des Brahmanen,
hat Feuer, Schale, Haarflechten;
in Fell gehüllt liegt er am Boden
und betet so das Feuer an.

Kareri-Kränze hängen dort
an diesem schönen Erdenfleckchen;
grasig und grün ist dort der Boden
und nicht erhebt sich dort der Staub.

Dem Pfauenhalse gleich erglänzend,
wie Baumwolle weich anzurühren
sind Gräser dort; nicht überschreiten
das Viereck sie nach allen Seiten.
Auch Mangos, Jambus, Kapitthas
und immer reife Feigenbäume,
die Bäume, die zum Essen reizen,
stehn in dem Wald, der mehrt die Freude.

Glänzend wie Lapislazuli,
von Fische-Scharen angefüllt,
ist rein und wohlriechend das Wasser;
fließendes Wasser gibt 's dort auch.

Unweit von dort ein Lotosteich
an einem schönen Plätzchen ist;
bedeckt mit weiß und blauem Lotos
wie Nandana, die Götterhalle.

Drei Lotosarten wachsen dort
in diesem Teiche, o Brahmane;
bunt ist der Teich von grünem Lotos,
von weißem manchmal auch und rotem.“

Nachdem er so den viereckigen Lotosteich geschildert, sprach er weiter um den Mucalinda-See zu preisen:

„Dem Flachse gleich ist dort der Lotos;
mit weißblühenden, die schön duften,
Kalambakas ist auch bedeckt
der See, der Mucalinda heißt.

Dort sieht man voll erblühten Lotos,
ohne dass es ein Ende nimmt,
im Sommer wie im Winter blühend,
zur Kniehöhe ragt er empor.

Liebliche Düfte wehen dort
und bunte Blumen sind verstreut;
die Bienen ob des Blumenduftes
summen dort überall umher.

Am Ende dieses Wassers aber
viel Bäume stehen, o Brahmane:
Kadambas, Patalis in Blüte,
und blühende Kovilaras;

Amkolas und Kaccikaras
und blühende Parijannas,
auch Elefantenlagerbäume
stehen am Mucalinda-See.

Sirisas, weiße Varisas,
gar lieblich duften Lotosblumen,
Niggundis, prächtige Niggundis,
Asana-Bäume auch in Blüte,

Panguras, Vakulas und Salas,
blühende Sobhanjanakas,
Ketakas, Kanikaras auch
und blühende Mahanamas,

Ajjunas und Ajjukannas
und blühende Mahanamas,
mit Blütenkronen stehen dort
gar hell erstrahlend Kimsukas.

Setapannis und Siebenblättler,
Kadalis und Kusumbaras,
Bogen-Takkaris stehn in Blüte,
auch Simsapas und Varanas,

den Strahlen gleich die Seidenbäume
und Sallakis in voller Blüte,
Setagerus und Tagaras,
Mamsikutchas, Kulavaras:

ganz junge Bäume wie auch alte
grade gewachsen blühen dort,
beiderseits um die Einsiedlei
rings stehn sie um das Feuerhaus.

Dort ferner in dem Wasser drinnen
da wachsen viel Phanijjakas,
viel Karasis und Bohnenarten,
Sevalas viel und Simsakas.

Nach oben aber dringt das Wogen
der scharlachnetzbedeckten Fliegen;
viel Dasimas und Kancakas
gibt 's dort und stets Kalambakas.

Mit Elambarakas bedeckt
stehn dort die Bäume, o Brahmane;
wenn man sie sieben Tage trägt,
hört doch ihr Wohlgeruch nicht auf.

Zu beiden Seiten dieses Sees
Mucalinda stehn prächt'ge Blumen;
mit blauen Lotosblumen ist
bedeckt der Wald, der so geschmückt;
trägt man sie einen halben Monat,
hört doch ihr Wohlgeruch nicht auf.

Die dunklen Blumen dort versprengend
in Blüte stehn die Bogenspitzen;
mit Mattenbäumen ist bedeckt
der Wald und mit Tulasi-Sträuchern.

Mit seinem Wohlgeruch betäubt
mit Blütenzweigen dieser Wald;
und ob des Blumenduftes summen
die Bienen überall herum.

Drei Gurkenarten wachsen dort
auf diesem Teiche, o Brahmane;
so groß wie Töpfe sind die einen,
wie Tamburine die zwei andern.

Dort gibt es auch viel wilden Senf,
den Flusssenf und den gelben Senf;
die Asi-Bäume stehn wie Palmen,
zum Abpflücken der blaue Lotos.

Jasmin und Sonnenschlinggewächse
und Sandelbäume honigduftend,
entzückende Asokabäume
und Schlingpflanzen mit kleinen Blüten,

Korandakas und Anajas,
blühende Elefantenranken
stehn dort, herauf kletternd am Baume,
erblühte Kimsuka-Schlingpflanzen.

Kateruhas und Vasantis
in Scharen, süß wie Honig duftend;
dunkler Jasmin und Bhandi-Blumen
erglänzen wie der schönste Lotos.

Trompetenblumen, Meerbaumwolle,
blühende Kanikara-Bäume,
wie goldne Netze sehn sie aus,
glänzend, vergleichbar Feuerspitzen.

Und welche Blumen es nur gibt
am Lande wachsend und im Wasser,
die kann man alle dort erblicken:
so lieblich ist der große See.

In diesem Lotosteiche aber
leben auch viele Wassertiere:
Rohitas, Nalapis, Singus,
Krokodile, Makaras, Susus.

Honig und Honigsprossen gibt es,
Talisas und Piyarigu-Pflanzen,
Unnakas und Bhaddamuttas
und Lolupas mit hundert Blüten,

duftende Bäume, Tagaras
und viele Tungavantakas,
Padmakas, Naradas, Kutthas,
Jamakas und Harenukas,

Gelbwurz und Gandhasilas auch,
Hiriveras und Bdellium-Pflanzen,
Palmyra-Bäume, Diebesblumen,
Kutthas, Kampfer und Kalimgus.

Löwen und Tiger gibt 's und Weibchen
von Elefanten, Männer suchend,
Gazellen und Fleckantilopen,
rote und Sarabha-Gazellen.

Schakalhunde und Sulopis,
Fliegfüchse, hell wie Rohr erglänzend,
Yaks und springende Antilopen,
Brandaffen wie auch Baumwollaffen.

Krebse und Fleckenantilopen,
Bären und viele wilde Rinder,
Nashörner, Eber und Ichneumons,
schwarze Gazellen auch in Menge,

Büffel und Hunde und Schakale
und Loriaffen überall,
Rieseneidechsen, Zittertiere,
auch bunte Panter gibt es dort,

Hasen, die sich von Resten nähren,
Löwen und Wölfe, sowie Eulen,
Achtfüßler gibt 's und Haartiere,
weiße Schwäne, Kukutthakas,

Camkoras,Hähne sowie Schlangen,
die schreien zu einander hin,
auch Reiherarten, Najjuhas,
Dindibhas, die wie Reiher schreien,

Habichte auch mit rotem Rücken,
Fasanenarten, Loriaffen,
dann Haselhühner und Rebhühner,
Kulavas, Patikuttakas,

Maddalakas und Cedaketus,
Bhandu-Rebhühner, so genannte,
Celavakas und Pingulas,
Eidechsen, Angahetukas,

Karaviyas und Saggas auch,
Eulen und dazu Seeadler,
belebt von manchen Vögelscharen,
durchtönt von mannigfachen Lauten.

Es gibt aber auch Vögel dort
von dunkler Farbe, lieblich singend;
sie freuen sich mit ihren Weibchen,
indem sie zueinander zwitschern.

Es gibt aber auch Vögel dort
mit süßer Stimme, weiß von Farbe,
mit weißen Streifen, schönen Augen,
die Vögel mit den bunten Flügeln.

Es gibt aber auch Vögel dort
mit süßer Stimme, weiß von Farbe,
mit blauen Hälsen wie die Pfauen,
die lieblich zueinander zwitschern,

Kukutthakas, Kalirakas,
Kotthas, Pokkharasatakas,
Kalameyyas, Baliyakkhas,
Kadambas, Stare, Papageien

von gelber, roter, weißer Farbe;
auch viele Rohrvögel gibt es,
El'fantenvögl mit roten Streifen,
Kadambas, Stare, Papageien,

Kukkusas, Seeadler und Schwäne,
Asas, Parivadantikas,
auch übergroße Paka-Schwäne,
Najjuhas und Fasanenarten,

Tauben und dazu Sonnenschwäne,
Wildgänse, die im Flusse schwimmen,
schön singend' Elefantenvögel,
zu allen Zeiten lieblich tönend.

Es gibt aber auch Vögel dort
von mannigfacher Farbe, viele;
sie freuen sich mit ihren Weibchen,
indem sie zueinander zwitschern.

Es gibt aber auch Vögel dort
von mannigfacher Farbe, viele;
die singen alle süße Lieder
rings um den Mucalinda-See.

Es gibt aber auch Vögel dort,
Kuckucke heißen diese Vögel;
die freuen sich mit ihren Weibchen,
indem sie zu einander zwitschern.

Es gibt aber auch Vögel dort,
Kuckucke heißen diese Vögel;
die singen alle süße Lieder
rings um den Mucalinda-See.

Voll von gefleckten Antilopen,
von Schlangen ist belebt der Wald,
von Ranken mancher Art bedeckt,
erfüllt mit Kadali-Gazellen.

Senfpflanzen gibt es dort in Menge,
auch wilden Reis und Bohnen viel,
und Reis, der reif wird ohne Pflügen,
auch Zuckerrohr im Überfluss.

Hier dieser Fußpfad führet hin,
grad geht er zur Einsiedelei;
Hunger und Durst und Missvergnügen
findet der nicht, der dorthin kam,
wo jetzt König Vessantara
zusammen mit den Kindern weilt.

Er trägt das Aussehn des Brahmanen,
hat Feuer, Schale, Haarflechten;
in Fell gehüllt ruht er am Boden
und betet so das Feuer an.“

Als dies vernommen der Brahmane,
den Seher er umging von rechts
und frohen Sinnes wandelt' er
dorthin, wo war Vessantara.—

Ende der großen Schilderung des Waldes

8. Der Abschnitt von den Kindern (Kumarapabba)

Jujaka aber ging auf dem Weg, den ihm der Asket Accuta angezeigt hatte. Als er an den viereckigen Lotosteich kam, dachte er: „Heute ist es schon zu spät. Jetzt wird Maddi vom Walde zurückkommen; ein Weib aber kann Hindernisse bereiten. Wenn sie morgen in den Wald gegangen ist, werde ich mich nach der Einsiedelei begeben, den Vessantara um seine Kinder bitten und, ehe sie noch zurückgekehrt ist, mit ihnen fortgehen.“ Unweit von dort stieg er auf einen flachen Hügel und legte sich dort an einem passenden Platze nieder.—

In dieser Nacht, zur Zeit der Morgendämmerung, hatte Maddi einen Traum. Folgendermaßen war dieser Traum: Ein schwarzer Mann, der zwei gelbe Gewänder angelegt und sich an beiden Ohren mit roten Kränzen geschmückt hatte, kam mit bewaffneter Hand Furcht einflößend daher. Er ging in die Laubhütte hinein, fasste Maddi an ihren Flechten, schleifte sie umher und warf sie ausgestreckt auf den Boden. Dann stach er ihr, während sie schrie, die beiden Augen aus, hieb ihr die beiden Arme ab, öffnete ihr die Brust, nahm ihr das von Blut tropfende Herz heraus und ging damit fort. Erwacht dachte sie voll Furcht: „Einen bösen Traum habe ich gehabt; ich habe aber keinen Traumdeuter, der dem Vessantara gleicht. Ich werde ihn fragen.“ Sie ging zu der Laubhütte hin und klopfte an die Türe der Laubhütte des großen Wesens. Dieses fragte: „Wer ist da?“ „Ich, o Fürst, Maddi“, antwortete sie. Ihr Gatte fuhr fort: „Liebe, warum brichst du unser verabredetes Gelübde und kommst zur Unzeit?“ Doch sie erwiderte: „O Fürst, ich komme nicht aus sinnlicher Lust, sondern ich habe einen bösen Traum gehabt.“ „Erzähle also, Maddi“, sagte jener. Darauf erzählte sie ihm, wie sie den Traum gesehen hatte.

Das große Wesen überdachte den Traum und dachte: „Meine Vollendung im Almosen Spenden wird sich erfüllen. Morgen wird ein Bettler zu mir kommen und mich um meine zwei Kinder bitten. Ich werde Maddi trösten und fortschicken.“ Und es sagte zu ihr: „Maddi, dein Geist wird durch schlechtes Lager oder durch schlechte Speisen beunruhigt sein; fürchte dich nicht!“ So betörte es sie, tröstete sie und schickte sie fort. Als nun die Nacht vergangen war, tat sie alles, was ihr zu tun oblag, umarmte dann ihre beiden Kinder, küsste sie auf das Haupt und sagte: „Heute habe ich einen bösen Traum gehabt; seid auf eurer Hut, ihr Lieben!“ Hierauf übergab sie die beiden Kinder dem großen Wesen, nahm ihren Korb und die anderen Werkzeuge und ging, indem sie sich die Augen wischte, in den Wald um Wurzeln und Früchte zu holen.

Jujaka aber dachte: „Jetzt wird sie gegangen sein“; er stieg von dem flachen Hügel herab und ging auf dem Fußpfad nach der Einsiedelei zu gewendet.—Auch das große Wesen hatte die Laubhütte verlassen und sich auf eine Steinfläche niedergesetzt, einer goldenen Schüssel gleichend. Indem es dachte: „Jetzt wird der Bettler kommen“, saß es da und betrachtete den Weg, auf dem er kommen sollte, wie ein durstiger Branntweintrinker. Seine Kinder aber spielten zu seinen Füßen. Als es nun den Weg betrachtete und den Brahmanen kommen sah, dachte es, indem es gewissermaßen die sieben Monate lang niedergelegte Pflicht des Almosen Gebens wieder aufnahm: „Komm nur, Brahmane!“; und voll Freude wandte es sich an den Prinzen Jali und sprach folgende Strophe:

„Steh auf, o Jali, stell dich her,
ein Anblick wie aus alter Zeit!
Etwas wie 'nen Brahmanen seh ich;
die Freude überwältigt mich.“

Als dies der Knabe hörte, sagte er:

„Auch ich erblick ihn, lieber Vater,
wie ein Brahmane sieht er aus.
Er kommt wie einer, der was will,
er wird wohl werden unser Gast.“

Nach diesen Worten aber erhob sich der Knabe, um jenem Ehrung zu erweisen, von seinem Sitze, ging dem Brahmanen entgegen und bat ihn um Erlaubnis, sein Gepäck nehmen zu dürfen. Der Brahmane betrachtete ihn und dachte: „Dies wird der Sohn des Vessantara, der Prinz Jali sein; von Anfang an werde ich ihm ein barsches Wort sagen“; und indem er rief: „Geh fort, geh fort“, klappte er mit den Fingern. Der Knabe kam zurück und dachte: „Dieser Brahmane ist allzu grob; was ist denn dies?“ Er betrachtete dessen Körper und bemerkte an ihm die achtzehn Fehler eines Mannes.

Der Brahmane aber ging zu dem Bodhisattva hin und sprach, indem er eine liebenswürdige Unterhaltung begann:

(Die Strophen 436–439 und 441–443 entsprechen wörtlich den Strophen 357–360 und 362–364)

„Geht es denn auch dem Herren gut
und ist wohl auch der Herr gesund?
Nährt Ihr Euch von gelesnen Ähren,
gibt es auch Früchte viel und Wurzeln?

Gibt es Stechfliegen hier und Mücken
und Schlangen nur gering an Zahl?
Im Wald, der voll von wilden Tieren,
wird Euch Verletzung nicht zuteil?“

Der Bodhisattva erwiderte, indem auch er sich liebenswürdig mit ihm unterhielt:

„Nur gut geht es uns, o Brahmane,
und auch gesund, Brahmane, sind wir.
Gelesne Ähren wir verzehren;
auch gibt es Frücht und Wurzeln viel.

Stechfliegen gibt es hier und Mücken
und Schlangen wenig nur an Zahl.
Im Wald, der voll von wilden Tieren,
wird uns Verletzung nicht zuteil.

Wir weilen sieben Monate
in diesem Walde hier besorgt;
doch jetzt zum ersten Male sehn wir
einen Brahmanen göttergleich.

Willkommen dir, großer Brahmane,
nicht unwillkommen kommst du her.
Trete nur ein hier, Heil sei dir,
und wasche deine Füße ab!

Tinduka- und Piyala-Blätter
und süße Kasumari-Früchte:
klein sind die Früchte nur und wenig,
doch iss, Brahmane, nur nach Wunsch.

Hier ist auch kaltes Wasser noch,
geholt aus einer Bergeshöhle;
davon trinke, großer Brahmane,
wenn du danach Verlangen hast.“

Nach diesen Worten aber dachte das große Wesen: „Dieser Brahmane ist nicht ohne Grund in diesen Urwald gekommen; um den Grund seines Kommens zu erfahren, werde ich ihn ohne Zögern fragen.“ Und es sprach folgende Strophe:

„Aber aus welchem Grunde wohl
oder aus welcher Ursache
bist in den Urwald du gekommen?
Sage mir dies auf meine Frage!“

Jujaka erwiderte:

„So wie der volle Ozean
zu aller Zeit wird nicht erschöpft,
so kam ich her um dich zu bitten;
auf meine Bitte gib die Kinder!“

Als dies das große Wesen hörte, wurde es von Freude erfüllt; wie wenn es eine Geldbörse mit tausend Geldstücken auf die ausgestreckte Hand legte, sprach es, indem es den Fuß des Berges widerhallen ließ, folgende Strophen:

„Ich geb sie dir und zittre nicht;
als Herr führe sie weg, Brahmane.
Die Königstochter, die am Morgen
wegging, kommt abends heim vom Sammeln.

Die eine Nacht bleibe bei uns
und geh am Morgen, o Brahmane.
Wenn sie gebadet und geküsst
die Kinder, dann mit den bekränzten,—

bleibe die eine Nacht noch da
und geh am Morgen, o Brahmane,—
mit mancherlei Blumen bedeckten,
mit manchem Wohlgeruch besprengten,
mit Frucht und Wurzeln viel beladnen
gehe dann, o Brahmane, fort!“

Jujaka antwortete:

„Am Bleiben hab ich keine Freude,
das Fortgehen gefällt mir nur.
Mir könnt ein Hindernis entstehen;
ich will jetzt gehn, du Landesfürst.

Sie geben nicht der Bitte nach,
sie schaffen Hindernisse nur;
auf List die Frauen sich verstehen
und alles nehmen sie von links.

Wenn du aus Glauben Gaben spendest,
soll es nicht ihre Mutter sehn.
Ein Hindernis könnt sie bereiten;
ich will jetzt gehn, du Landesfürst.

Sprich du mit deinen Kindern jetzt,
nicht sollen sie die Mutter sehn;
wenn du aus Glauben Gaben spendest,
wächst so für dich das große Werk.

Sprich du mit deinen Kindern jetzt,
nicht sollen sie die Mutter sehn;
wenn meinesgleichen du gespendest,
wirst, König, du zum Himmel kommen.“

Vessantara versetzte:

„Wenn du jetzt nicht zu sehen wünschst
meine gehorsame Gemahlin,
so zeige ihrem Großvater
Jali, Kanhajina, die zwei.

Denn wenn er diese Kinder sieht,
die schönen, Liebes redenden,
erfreut, beseligt und entzückt
wird er dir viel Geld dafür geben.“

Jujaka erwiderte:

„Vor der Wegnahme fürcht ich mich;
höre mich an, du Königssohn.
Bestrafen könnte mich der König,
verkaufen oder töten auch.
Wenn ich verloren Geld und Sklaven,
wär ich zu tadeln von der Gattin.“

Vessantara antwortete:

„Wenn jener diese Kinder sieht,
die schönen, Liebes redenden,
wird der gerechte große König,
des Sivi-Landes Reichsvermehrer,
wenn große Freude er empfindet,
deshalb dir viel Geld dafür geben.“

Jujaka erwiderte:

„Ich werde dieses nicht so tun,
wie du es mir hast angeraten;
die beiden Kinder werd ich bringen
als Sklaven hin zu meiner Gattin.“—

Als die Kinder dessen barsches Wort hörten, gingen sie zu der hinteren Laubhütte; dann liefen sie auch von der hinteren Laubhütte davon und verbargen sich in einem Dickicht. Da sie nun meinten, Jujaka komme auch dahin, und sich schon für gefangen hielten, zitterten sie, und indem sie nirgendwo stehen bleiben konnten, liefen sie überall umher. Sie kamen an das Ufer des viereckigen Lotosteiches, zogen ihr Bastgewand fest an, stiegen in das Wasser hinab und blieben verborgen im Wasser stehen, indem sie ein Lotosblatt auf ihren Kopf legten.

Um dies zu erklären, sprach der Meister:

Als nun die Kinder so geängstigt
des rauhen Mannes Wort vernahmen,
da liefen überall sie hin,
Jali, Kanhajina, die zwei.

Als aber Jujaka die Kinder nicht sah, schalt er den Bodhisattva: „Holla, Vessantara, du hattest mir doch eben erst die Kinder geschenkt. Als ich nun sagte: ‚Ich werde nicht nach der Stadt Jetuttara gehen, sondern sie meiner Gattin als Diener zuführen,‘ hast du ihnen einen Wink gegeben, damit deine Kinder davonliefen, und sitzest jetzt da, als wüsstest du von nichts. In der Welt, glaub ich, gibt es keinen, der so lügt wie du.“ Als dies der Bodhisattva hörte, wurde er ängstlich und dachte: „Sie werden davon gelaufen sein.“ Mit den Worten: „Brahmane, sei unbesorgt; ich bringe dir die Kinder“, stand er auf und ging nach der hinteren Laubhütte. Da merkte er, dass sie in das Waldesdickicht eingedrungen seien; er ging ihrer Spur nach an das Ufer des Lotosteiches. Als er sah, wie ihre Spur ins Wasser hinabführte, erkannte er: „Sie werden ins Wasser hinabgestiegen sein und darin stehen“; und indem er rief: „Mein Sohn Jali!“, sprach er folgendes Strophenpaar:

„Komm her, mein Sohn, mein liebes Kind,
erfüllet meinen höchsten Wunsch!
Gebt meinem Herzen jetzt Erquickung
und folget meinen Worten jetzt!

Werdet für mich ein festes Schiff
im Ozean der Existenzen;
ans andre Ufer will ich kommen,
eingehen will ich in den Himmel.“

„Mein Sohn Jali“, rief er. Als der Knabe seines Vaters Stimme hörte, dachte er bei sich: „Der Brahmane soll mit mir tun, wie er will; ich werde mit meinem Vater nicht zwei Worte reden.“ Er streckte den Kopf heraus, entfernte die Lotosblätter und stieg aus dem Wasser herauf. Er warf sich vor den rechten Fuß des großen Wesens, umfasste fest seinen Knöchel und begann zu weinen. Darauf sagte zu ihm das große Wesen: „Mein Sohn, wo ist deine Schwester?“ Er antwortete: „Vater, diese Wesen schützen nur sich selbst, wenn Gefahr kommt.“ Da merkte das große Wesen: „Meine Kinder werden sich verabredet haben“; es rief: „Komm, meine Tochter Kanha!“, und sprach folgendes Strophenpaar:

„Komm, Liebe, meine teure Tochter,
erfüllet meinen höchsten Wunsch!
Gebt meinem Herzen jetzt Erquickung
und folget meinen Worten jetzt!

Werdet für mich ein festes Schiff
im Ozean der Existenzen;
ans andre Ufer will ich kommen,
eingehen will ich in den Himmel.“

Auch sie dachte: „Ich will meinen Vater nicht zweimal reden lassen“; sie stieg sogleich aus dem Wasser heraus, warf sich vor den linken Fuß des großen Wesens, umfasste fest seinen Knöchel und begann zu weinen. Die Tränen der beiden fielen auf die Füße des großen Wesens, die die Farbe einer voll erblühten Lotosblume hatten; die Tränen des Vaters aber fielen auf ihren Rücken, der einer goldenen Schale glich. Darauf ließ das große Wesen die Kinder aufstehen und sagte um sie zu trösten: „Mein Sohn Jali, warum erkennst du nicht, dass ich dich als ein Gut verschenkt habe? Lasse meinen Wunsch zu seiner Erfüllung gelangen, mein Sohn!“ Und wie wenn es Rinder abschätzte, so schätzte es, während es dort stand, die Kinder ab. Es wandte sich nämlich an seinen Sohn und sprach: „Mein Sohn Jali, wenn du ein Freigelassener werden willst, so gib dem Brahmanen tausend Nikkhas Gold und werde dann frei. Deine Schwester aber ist von höchster Schönheit. Kein Niedriggeborener darf dem Brahmanen irgendwelches Geld geben, deine Schwester damit frei machen und so ihre edle Abstammung zerstören. Außer dem König gibt es niemand, der von allen Dingen hundert gibt; darum soll deine Schwester, wenn sie frei gelassen werden will, dem Brahmanen hundert Sklaven, hundert Sklavinnen, hundert Elefanten, hundert Rosse, hundert Stiere, hundert Nikkhas Gold, alles hundertfach geben und so eine Freigelassene werden.“ Nachdem es so die Kinder abgeschätzt, tröstete es sie und führte sie nach der Einsiedelei. Dann nahm es Wasser in einem Wasserkrug, sagte: „Komm doch her, he, du Brahmane“, und erklärte, indem es das Wasser ausgoss, seinen Wunsch nach der Erkenntnis der Allwissenheit, indem es sprach: „Hundertmal und tausendmal und hunderttausendmal lieber als mein Sohn ist mir die Erkenntnis der Allwissenheit!“ Indem es so die Erde widerhallen ließ, gab es dem Brahmanen seine lieben Kinder als Geschenk.

Um dies zu erklären, sprach der Meister:

Darauf mit seinen beiden Kindern,
mit Jali und Kanhajina,
macht dem Brahmanen ein Geschenk
des Sivi-Landes Reichsvermehrer.

Darauf mit seinen beiden Kindern,
mit Jali und Kanhajina,
gab dem Brahmanen er voll Freude
die Kinder als höchstes Geschenk.

Damals geschah, was furchtbar war,
worüber sich die Haare sträubten;
als er die Kinder hergeschenkt,
erzitterte zugleich die Erde.

Damals geschah, was furchtbar war,
worüber sich die Haare sträubten,
als Hände faltend jetzt der König
die Kinder, die so gut erwachsen,
gab dem Brahmanen zum Geschenk
des Sivi-Landes Reichsvermehrer.

Nachdem das große Wesen die Gabe gespendet, wurde es mit Freude erfüllt, indem es dachte: „Gut gespendet ist die Gabe“, und blieb stehen, indem es den Kindern nachschaute. Jujaka aber ging in das Walddickicht hinein, zerriss eine Schlingpflanze mit den Zähnen und band damit die rechte Hand des Knaben mit der linken Hand des Mädchens zusammen, und indem er sie mit den Enden der Schlingpflanze schlug, zog er mit ihnen fort.

Um dies zu erklären, sprach der Meister:

Darauf der grausame Brahmane
zerriss 'ne Ranke mit den Zähnen;
die Hände band er mit der Ranke
und trieb sie mit der Ranke fort.

Darauf ergriff er diesen Strick
und seinen Stock, und der Brahmane
trieb auf sie einschlagend sie fort
noch vor des Sivi-Königs Augen.

Wo sie aber getroffen wurden, da zersprang ihre Haut und Blut floss hervor; während er sie schlug, wandten sie einander den Rücken zu. An einer unebenen Stelle aber strauchelte der Brahmane und fiel hin; von den zarten Händen der Kinder glitt die starke Schlingpflanze ab und fiel herunter. Weinend liefen sie davon und kehrten zu dem großen Wesen zurück.

Um dies zu erklären, sprach der Meister:

Darauf die Kinder eilten fort,
von dem Brahmanen loszukommen;
mit Augen, die von Tränen voll,
schaute er seinen Vater an.

Zitternd wie ein Assattha-Blatt
verehrt' er seines Vaters Füße;
nachdem die Füße er verehrt,
sprach er zu ihm folgende Worte:

„Die Mutter ist ja fort, o Vater,
und du willst, Vater, uns verschenken?
Bis wir die Mutter noch gesehen,
dann kannst du, Vater, uns verschenken.

Die Mutter ist ja fort, o Vater,
und du willst, Vater, uns verschenken?
Verschenke uns nicht, lieber Vater,
bis unsre Mutter zu uns kommt;
dann kann dieser Brahmane uns
nach Lust verkaufen oder töten.

Mit breiten Füßen, halben Nägeln,
die Klumpen hängen ihm herunter,
mit langer Oberlippe, zappelnd,
lohfarbig, mit zerbrochner Nase,

Bauch wie ein Fass, gekrümmter Rücken,
die Augen stehen ungleich ihm,
mit rotem Bart und gelben Haaren,
von Falten und von Flecken voll,

braungelb gefärbt, gebückt den Körper,
ganz ungestalt und groß und wild,
mit Ziegenfellen ist bekleidet
der Unmensch, dieser Furchtbare,

ein Mensch oder ein Dämon auch,
der sich von Fleisch und Blut ernährt;
vom Dorf ist er zum Wald gekommen
und bittet dich um Schätze, Vater.
Wie kannst du zusehn, Vater, wie wir
vom Unhold werden fortgeführt?

Ist denn dein Herz jetzt nur ein Stein,
ist es von Erz und festgebunden,
der du nicht merkst, wie uns gefesselt
hat der geldgierige Brahmane,
dieser verbrecherische Räuber,
der uns wie Rinder vor sich stößt?

Hier soll Kanha zurück jetzt bleiben,
denn sie versteht sich noch auf nichts;
sie weint wie ein von seiner Herde
verlassnes Reh, das Milch begehrt.“

Auf diese Worte sagte das große Wesen gar nichts. Darauf sprach der Knabe, indem er wegen Vater und Mutter klagte:

„Nicht dies ist mir so unliebsam;
auch dieses muss ein Mann ertragen.
Doch dass ich nicht mehr seh die Mutter,
ist mir viel härter noch als dies.

Nicht dies ist mir so unliebsam;
auch dieses muss ein Mann ertragen.
Doch dass ich nicht mehr seh den Vater,
ist mir viel härter noch als dies.

Und diese arme Mutter wird
jetzt lange Zeit bitterlich weinen,
wenn sie Kanhajina nicht sieht,
das Mädchen mit den schönen Augen.

Und dieser arme Vater wird
jetzt lange Zeit bitterlich weinen,
wenn er Kanhajina nicht sieht,
das Mädchen mit den schönen Augen.

Und diese arme Mutter wird
in der Einsiedelei lang weinen,
wenn sie Kanhajina nicht sieht,
das Mädchen mit den schönen Augen.

Und dieser arme Vater wird
in der Einsiedelei lang weinen,
wenn er Kanhajina nicht sieht,
das Mädchen mit den schönen Augen.

Und diese arme Mutter wird
jetzt lange Zeit bitterlich weinen
zur Mitternacht und gegen Morgen;
sie trocknet aus gleich einem Fluss.

Und dieser arme Vater wird
jetzt lange Zeit bitterlich weinen
zur Mitternacht und gegen Morgen;
er trocknet aus gleich einem Fluss.

Hier diese Rosenapfelbäume,
mit ihren Bänken Sindhuvaras,
diese verschiednen Baumesarten,
sie müssen heute wir verlassen.

Die Feigen- und die Brotfruchtbäume,
Bananenbäume, Kapitthanas,
all die verschiednen Früchtearten,
die müssen heute wir verlassen.

Hier stehen diese Freudengärten,
hier ist der Fluss mit kühlem Wasser,
wo früher immer wir gespielt;
sie müssen heute wir verlassen.

Die mannigfachen Blumenarten
oben auf dieses Berges Spitze,
die früher wir zu tragen pflegten,
die müssen heute wir verlassen.

Die mannigfachen Früchtearten
oben auf dieses Berges Spitze,
die früher wir zu essen pflegten,
die müssen heute wir verlassen.

Die kleinen Elefanten hier,
die Pferde und die Ochsen auch,
mit denen früher wir gespielt,
die müssen heute wir verlassen.“

Als er so klagte mit seiner Schwester zusammen, kam Jujaka wieder, nahm sie unter Schlägen mit und ging fort.

Um dies zu erklären, sprach der Meister:

Als weggeführt die Kinder wurden,
sprachen sie so zu ihrem Vater:
„Wünsche der Mutter die Gesundheit
und bleibe glücklich selbst, o Vater.

Doch diese unsre Elefanten
und unsre Rosse, unsre Ochsen
die gib nur unsrer lieben Mutter;
damit wird ihren Schmerz sie stillen.

Und diese unsre Elefanten
und unsre Rosse, unsre Ochsen,
wenn diese ansieht unsre Mutter,
wird ihren Schmerz sie unterdrücken.“

In dem großen Wesen aber stieg um seiner Kinder willen ein starker Schmerz auf; sein Herz wurde heiß. Wie ein brünstiger Elefant, den ein Mähnenlöwe erfasst, oder wie der Mond, wenn er in Rahus Rachen eingegangen, zitterte es und konnte von sich selbst den Schmerz nicht ertragen, sondern mit tränenerfüllten Augen ging es in die Laubhütte hinein und klagte zum Erbarmen.

Um dies zu erklären, sprach der Meister:

Nachdem König Vessantara,
der Edle, diese Gab gespendet,
ging zur Laubhütte er hinein
und jammerte dort zum Erbarmen.

Die folgenden Strophen enthalten die Klage des großen Wesens:

„Wie werden heut die Kinder weinen,
die hungrigen, die so erschrocken?
Am Abend zu der Zeit des Mahles
wer wird da ihnen Speise geben?

Wie werden heut die Kinder weinen,
die hungrigen, die so erschrocken?
Abends, zur Zeit des Mahls sie sagen:
‚Mutter, gebt uns, denn wir sind hungrig!‘

Wie werden ihren Weg sie gehen
mit bloßem Fuße, ohne Schuhe,
mit ihren angsterfüllten Füßen;
wer wird sie führen an der Hand?

Wie kann sich dieser denn nicht schämen,
dass er sie schlägt vor meinen Augen?
Gegen die unschuldigen Kinder
ist wahrlich schamlos der Brahmane.

Wenn wer auch Sklavin oder Sklave
von mir oder ein andrer Diener,
wenn der auch ganz verlassen wäre,
wer würd ihn, wenn er Scham hat, schlagen?

Gleichwie wenn ich ein Fisch jetzt wäre
gefangen in des Netzes Tiefe,
schilt er und schlägt er meine Kinder,
die lieben, während ich es sehe.“

Darauf stieg in dem großen Wesen infolge der Liebe zu seinen Kindern folgendes Bedenken auf: „Dieser Brahmane verletzt meine Kinder allzu sehr.“ Da es seinen Schmerz nicht zu tragen vermochte, dachte es: „Ich will den Brahmanen verfolgen, ihn töten und die Kinder zurückführen.“ Doch da kam ihm folgender Gedanke: „Dies ist unpassend! Ein Reuegedanke: ‚Die Bedrückung der Kinder ist zu schmerzlich‘, ist, nachdem man sie hergeschenkt, nicht die Art der Weisen!“ Um aber dies zu beleuchten, stehen hier folgende zwei Strophen mit Vorwürfen:

„Soll ich den Bogen jetzt ergreifen,
die Linke mit dem Schwert umgürten?
Ich bringe meine Kinder wieder,
der Kinder Tod wäre ein Unglück!

Gewiss ist dies ein Leid für mich,
dass umgebracht die Kinder werden;
doch wenn man kennt der Weisen Art,
wen reut es dann, wenn er geschenkt?“

Jujaka aber trieb unter Schlägen die Kinder weiter. Da sprach klagend der Knabe:

„Die Wahrheit sprachen da fürwahr
so manche Männer, wenn sie sagten:
‚Wer keine eigne Mutter hat, der ist,
als hätt er keinen Vater.‘

Komm, Kanha, komm, wir wollen sterben;
nach Leben uns nicht mehr verlangt.
Verschenkt wir wurden von dem König
an den geldgierigen Brahmanen,
an den verbrecherischen Räuber,
der uns wie Rinder vor sich stößt.

Hier diese Rosenapfelbäume,
mit ihren Bänken Sindhuvaras,
diese verschiedenen Baumesarten,
sie müssen heute wir verlassen.

Die Feigen- und die Brotfruchtbäume,
Bananenbäume, Kapitthanas,
all die verschiednen Früchtearten,
die müssen heute wir verlassen.

Hier stehen diese Freudengärten,
hier ist der Fluss mit kühlem Wasser,
wo früher immer wir gespielt;
sie müssen heute wir verlassen.

Die mannigfachen Blumenarten
oben auf dieses Berges Spitze,
die früher wir zu tragen pflegten,
die müssen heute wir verlassen.

Die mannigfachen Früchtearten
oben auf dieses Berges Spitze,
die früher wir zu essen pflegten,
die müssen heute wir verlassen.

Auch diese unsre Elefanten
und unsre Pferde, unsre Ochsen,
mit denen früher wir gespielt,
die müssen heute wir verlassen.“

Abermals strauchelte der Brahmane an einer unebenen Stelle und fiel hin; aus seiner Hand löste sich die Fessel und verschwand. Da liefen die Kinder zitternd wie geschlagene Hähne davon und liefen mit aller Schnelligkeit zu ihrem Vater hin.

Um dies zu erklären, sprach der Meister:

Als aber die geführten Kinder
von dem Brahmanen losgekommen,
da liefen überall sie hin,
Jali, Kanhajina, die zwei.

Jujaka aber stand rasch auf und kam mit dem Strick und dem Stock in der Hand, schnaubend wie das Feuer am Anfang einer Weltzerstörungsperiode,zurück; mit den Worten: „Ihr seid allzu geschickt im Davonlaufen“, band er ihnen die Hände und führte sie abermals fort.

Um dies zu erklären, sprach der Meister:

Dann mit dem Stricke in der Hand
und seinem Stock kam der Brahmane
und führt' sie unter Schlägen fort
noch vor des Sivi-Königs Augen.

Während sie aber so fortgeführt wurden, drehte sich Kanha um und sprach zurückschauend mit ihrem Vater.

Um dies zu erklären, sprach der Meister:

Zu ihm sprach da Kanhajina:
„Dieser Brahmane, lieber Vater,
schlägt mich mit seiner Schlingpflanze
wie eine Magd im Haus geboren.

Dieser ist kein Brahmane, Vater;
denn tugendhaft sind die Brahmanen.
Ein Dämon mit Brahmanenaussehn
führt uns zum Fraße, Vater, fort.
Wie kannst du zusehen, o Vater,
wie uns der Unhold von hier führt?“

Während das zarte Mädchen so klagte und zitternd weiter ging, stieg in dem großen Wesen ein tiefer Schmerz auf. Weil seine Nase nicht ausreichte, stieß es aus dem Munde tiefe Atemzüge aus und ein. Die Tränen wurden zu Blutstropfen und flossen ihm so aus den Augen. Dieser so große Schmerz aber entstand in ihm nur durch die Schuld seiner Liebe, aus keiner anderen Ursache. Aber indem Vessantara dachte: „Man darf keine Liebe empfinden, sondern muss gleichgültig bleiben“, überwand er einen solchen Schmerzenspfeil durch die Kraft seiner Einsicht und setzte sich wieder nieder in seiner gewöhnlichen Art.—Als aber der Eingang zu den Bergen noch nicht erreicht war, ging das Mädchen weiter, indem es klagte:

„Es schmerzen diese unsre Füße;
lang ist der Weg und schwer zu gehn.
Beständig sinkt die Sonne weiter
und der Brahmane treibt uns fort.

Wir gehn vorbei an allen Geistern,
an Bergen und an Wäldern auch;
die Seegottheiten wir verehren
und die des zugänglichen Flusses.

Gräser und Sträucher und ihr Kräuter,
ihr Berge und ihr Wälder auch,
wünschet Gesundheit unsrer Mutter;
dieser Brahmane führt uns fort.

Die Herren sollen zu der Mutter,
zu Maddi, unsrer Mutter, sagen:
‚Wenn du uns nachzueilen wünschst,
dann kannst du uns geschwind erreichen.

Hier dieser schmale Fußpfad führt
gerad nach der Einsiedelei;
diesem brauchst du nur nachzugehen,
dann wirst du leicht uns wiedersehen.‘

Ach, holla, Flechtenträgerin,
die Waldwurzeln und Früchte holt,
wenn leer du siehst die Einsiedlei,
wird dies für dich ein großes Leid.

Zu lange Zeit hat unsre Mutter
Früchte gesammelt nicht zu wenig,
weil sie nicht weiß, dass wir gefesselt
von dem geldgierigen Brahmanen,
diesem verbrecherischen Räuber,
der uns wie Rinder vor sich stößt.

Heut wollen wir die Mutter sehen,
ach, die am Abend kommt vom Sammeln;
es soll die Mutter dem Brahmanen
geben das Obst, gemischt mit Honig.

Wenn er dann satt ist und ist fröhlich,
würd er uns nicht so fest forttreiben.
Ganz feucht fürwahr sind unsre Füße;
gar arg treibt der Brahmane uns.“

So jammerten damals die Kinder, da nach der Mutter sie begehrten.

Ende des Abschnitts von den Kindern

9. Der Abschnitt von Maddi (Maddipabba)

Weil aber der König dem Brahmanen seine Kinder geschenkt, wobei er die Erde davon widerhallen ließ, war bis zur Brahmawelt alles von dem Lärm hiervon erfüllt. Als nun die im Himalaya wohnenden Gottheiten, deren Herz davon erschüttert war, das Klagen der Kinder hörten, wie sie von dem Brahmanen fortgeführt wurden, da besprachen sie sich folgendermaßen: „Wenn Maddi noch zur rechten Zeit in die Einsiedelei zurückkehrt und dort ihre Kinder nicht sieht, wird sie Vessantara fragen und von ihm hören, dass er sie dem Brahmanen geschenkt hat. Dann wird sie in ihrer starken Liebe ihren Spuren nachlaufen und großes Leid erdulden.“ Darum gaben sie drei Göttersöhnen folgenden Befehl: „Nehmt ihr die Gestalt eines Löwen, eines Tigers und eines Panters an, versperrt den Weg, den die Fürstin kommt, und gebt ihr, auch wenn sie euch bittet, den Weg nicht frei. Damit sie dann bei Mondschein in die Einsiedelei hineinkommt, bietet ihr einen Schutz, um sie vor Löwen und anderen Tieren zu bewahren.“

Um dies zu erklären, sprach der Meister:

Als sie der Kinder Klagen hörten,
drei wilde Tiere in dem Walde,
ein Löw, ein Tiger und ein Panter
sagten einander dieses Wort:

„Nicht soll uns diese Königstochter
abends vom Sammeln heimkommen;
nicht sollen sie in unserm Reiche,
im Walde Tiere auch verletzen.

Denn wenn ein Löwe sie verletzte,
ein Tiger, Panter diese Schöne,
würde Prinz Jali daran sterben;
wie viel mehr erst Kanhajina?
Die beiden würde sie verlieren,
Gatten und Kinder auch die Schöne.“

Die Göttersöhne willigten in das Wort dieser Gottheiten ein, wurden ein Löwe, ein Tiger und ein Panter und legten sich auf dem Wege, wo jene kommen musste, der Reihe nach nieder.—Maddi aber dachte: „Heute habe ich einen bösen Traum gehabt; ganz zur rechten Zeit will ich mit den Wurzeln und Früchten in die Einsiedelei zurückkehren“, und zitternd suchte sie nach Wurzeln und Früchten. Da fiel ihr die Hacke aus der Hand, dann fiel ihr von der Schulter das Gefäß; ihr rechtes Auge fing an zu zittern, die Fruchtbäume erschienen ihr wie fruchtlose Bäume und die fruchtlosen Bäume wie Fruchtbäume; die zehn Himmelsgegenden waren ihr nicht mehr deutlich. Da dachte sie: „Was ist denn heute dies, was mir noch niemals war?“ Und sie sprach:

„Die Hacke fällt mir aus der Hand,
das rechte Auge zittert mir;
fruchtlos erscheinen die Fruchtbäume,
die Himmelsrichtung ist verwirrt.“

Als sie darauf zur Abendzeit
zurückkehrte zur Einsiedlei,
zur Zeit, da unterging die Sonne,
standen Raubtiere ihr am Wege.

„Beständig sinkt die Sonne weiter,
weit ist fürwahr die Einsiedlei,
und was ich ihnen von hier bringe,
das müssen sie als Speise nehmen.

Der edle Fürst, da liegt er jetzt
in seiner Laubhütte allein,
die hungerigen Kinder tröstend,
wenn er mich nicht gekommen sieht.

Und diese meine kleinen Kinder
von mir, der Armen, Elenden,
am Abend, wenn es Essenszeit,
liegen sie da, dürstend nach Milch.

Und diese meine kleinen Kinder
von mir, der Armen, Elenden,
am Abend, wenn es Essenszeit,
liegen sie da, nach Wasser dürstend.

Und diese meine kleinen Kinder
von mir, der Armen, Elenden,
sie stehen mir entgegengehend
wie dumme Kälblein ihrer Mutter.

Und diese meine kleinen Kinder
von mir, der Armen, Elenden,
sie stehen mir entgegengehend
wie Schwäne über einem Teich.

Und diese meine kleinen Kinder
von mir, der Armen, Elenden,
sie stehen mir entgegengehend
unweit von der Einsiedelei.

Der eine Weg, der eine Pfad,
die Teiche, Höhlen hier zur Seite;
ich sehe keinen andern Weg,
auf dem ich käm zur Einsiedlei.

Ihr Tiere, sei Verehrung euch,
ihr mächt'gen Könige des Waldes,
seid in Gerechtigkeit mir Brüder;
gebt mir den Weg frei, da ich bitte.

Eines Verstoßnen Gattin bin ich,
des hochberühmten Königssohnes;
und diesen will ich nicht verachten
wie Rama die folgsame Sita.

Ihr seht ja eure Kinder auch
am Abend, wenn es Essenszeit;
auch ich möcht meine Kinder sehen,
Jali, Kanhajina, die beiden.

Viel Wurzeln hab ich hier und Früchte,
kein ganz geringes Mahl ist dieses;
davon will ich die Hälft euch geben.
Gebt mir den Weg frei, da ich bitte.

Ein Königskind war unsre Mutter,
ein Königssohn ist unser Vater.
Seid in Gerechtigkeit mir Brüder;
gebt mir den Weg frei, da ich bitte.“

Da betrachteten die Göttersöhne die Zeit, und als sie erkannten: „Jetzt ist es Zeit, ihr den Weg freizugeben“, erhoben sie sich und gingen fort.

Um dies zu erklären, sprach der Meister:

Als sie von ihr, der Klagenden,
das viel Mitleid erregende
untadelige Wort gehört,
die Tiere gingen ab vom Weg.

Als sich aber die Raubtiere entfernt hatten, ging sie in die Einsiedelei. Damals war gerade das Vollmond-Uposatha. Als sie nun an das Ende des Wandelganges kam und ihre Kinder an den Orten, wo sie sie sonst zu sehen pflegte, nicht fand, sprach sie:

„An eben dieser Stelle stehen
sonst meine Kinder, matt vom Staube,
indem sie mir entgegengehen,
wie junge Kälblein ihrer Mutter.

An eben dieser Stelle stehen
sonst meine Kinder, matt vom Staube,
indem sie mir entgegengehen,
wie Schwäne über einem Teich.

An eben dieser Stelle stehen
sonst meine Kinder, matt vom Staube,
indem sie mir entgegengehen,
unweit von der Einsiedelei.

Wie Rehe mit gespitzten Ohren
laufen sie überall umher,
von Freude voll und voll Entzücken
zittern sie ganz bei ihrem Springen;
doch heute seh ich nicht die Kinder,
Jali, Kanhajina, die zwei.

Wie eine Ziege von dem Jungen,
wie ein vom Käfig freier Vogel
ging fort ich und verließ die Kinder,
wie eine fleischbegier'ge Löwin;
doch heute seh ich nicht die Kinder,
Jali, Kanhajina, die beiden.

Dieses ist doch die Spur von ihnen
gleich der von Schlangen auf dem Berg;
die Häufchen haben sie getürmt
unweit der Einsiedelei.
Doch heute seh ich nicht die Kinder,
Jali, Kanhajina, die zwei.

Von Sand auch sind sie ganz bespritzt
die Kinderchen, vom Staube matt,
sie laufen überall umher;
doch heut seh ich die Kinder nicht.

Die früher mir entgegensprangen,
wenn ich vom Wald von weitem kam,
die Kinder seh ich heute nicht,
Jali, Kanhajina, die beiden.

Wie einer Ziege ihre Jungen,
sie kamen von der Einsiedlei
entgegen, sahen mich von weitem;
doch heut seh ich die Kinder nicht.

Hier liegt ihr Spielzeug noch am Boden,
gemacht von gelbem Vilva-Holz;
doch heute seh ich nicht die Kinder,
Jali, Kanhajina, die zwei.

Hier diese meine vollen Brüste,
mein Herz auch auseinander birst;
und heute seh ich nicht die Kinder,
Jali, Kanhajina, die zwei.

In meinem Schoße suchten sie,
an meine Brust hängte sich eines;
doch heute seh ich nicht die Kinder,
Jali, Kanhajina, die zwei.

Die sonst, wenn dann der Abend kam,
die Kinder mein, vom Staube matt,
in meinem Schoß umher sich wälzten,
die Kinder seh ich heute nicht.

Diese Einsiedelei erschien
mir sonst gleich einem Festesort;
doch da ich heut nicht seh die Kinder,
da wankt gleichsam die Einsiedlei.

Was ist denn dies? Wie lautlos gleichsam
erscheint mir die Einsiedelei;
die Raben selbst, sie krächzen nicht.
Sind denn jetzt meine Kinder tot?

Was ist denn dies? Wie lautlos gleichsam
erscheint mir die Einsiedelei;
die Vögel selbst, sie schreien nicht.
Sind denn jetzt meine Kinder tot?“

Während sie so klagte, kam sie zu dem großen Wesen hin und stellte ihren Korb ab. Als sie das große Wesen still dasitzen sah und ihre Kinder nicht in seiner Nähe bemerkte, sprach sie:

„Warum bist du so still geworden?
An meinen Traum gedenke ich.
Die Raben selbst, sie schreien nicht;
sind meine Kinder denn erschlagen?

Warum bist du so still geworden?
An meinen Traum gedenke ich.
Die Vögel selbst, sie schreien nicht;
sind denn jetzt meine Kinder tot?

Fraßen vielleicht, du Sohn des Edlen,
die wilden Tiere meine Kinder?
Im Walde, in der wüsten Wildnis
wer hat die Kinder mir entführt?

Hast du als Boten sie geschickt
oder schlafen sie, Liebes redend,
oder sind sie hinaus gegangen
oder treiben sie mit dir Scherz?

Man sieht von ihm nicht 'mal die Haare,
die Händ und Füße auch von Jali;
die Vögel sind emporgeflogen,
wer hat die Kinder mir entführt?“

Auch auf dieses hin sagte das große Wesen gar nichts. Darauf sagte jene zu ihm: „Fürst, warum redest du nicht mit mir? Was habe ich für eine Schuld?“ Und sie sprach:

„Dies ist leidvoller noch als jenes
gleich einer pfeilgeschlagnen Wunde;
die Kinder seh ich heute nicht,
Jali, Kanhajina, die zwei.

Doch dieses ist der zweite Pfeil,
der mir das Herz erbeben macht;
die Kinder seh ich heute nicht
und du redest mich gar nicht an.

Gerade heut in dieser Nacht
sprichst du zu mir nicht, Königssohn.
Ich glaub, mein Leben ist vorbei;
am Morgen wirst du tot mich sehen.“

Da dachte das große Wesen: „Durch ein barsches Wort will ich sie zum Aufgeben ihres Schmerzes um ihre Kinder veranlassen“; und es sprach folgende Strophen:

„Nun Maddi, du vornehme Frau,
du ruhmerfüllte Königstochter,
am Morgen gingst du fort zum Sammeln;
warum kommst du so spät am Abend?

Hörtest die Stimme du von Tieren,
die kamen zu dem Teich zur Tränke,
etwa das Brüllen eines Löwen
oder des Tigers laut Geschrei?“

„Ein Vorzeichen erschien mir, als ich
herumging in dem großen Walde;
die Hacke fiel mir aus der Hand,
der Korb dazu von meiner Schulter.

Da ward ich furchtsam, angsterfüllt,
die Hände faltete ich oft;
die Gegenden verehrt' ich alle,
ob mir von dorther Rettung käme.

‚Dass uns doch nicht den Königssohn
tötet' ein Löwe oder Panter,
oder die Kinder sind zerfleischt
von Bären, Wölfen und Hyänen.‘

Ein Löw, ein Tiger und ein Panter,
diese drei Raubtiere im Walde
hielten vom Wege mich zurück;
darum kam ist erst abends spät.“

Nachdem aber das große Wesen nur jenes kurze Wort mit ihr gesprochen, redete es bis zum Erscheinen der Morgenröte nichts mehr. Darauf sagte Maddi, indem sie auf mancherlei Art klagte, folgendes:

„Ich hab dem Gatten und den Kindern
so wie ein Jüngling seinem Lehrer
treulich gedient bei Tag und Nacht
als Flechten tragende Asketin.

Ich kleidet mich in Ziegenfelle,
des Waldes Frücht und Wurzeln holt ich,
bei Tag und Nacht geh ich umher
aus Liebe nur zu euch, ihr Kinder.

Die goldne Gelbwurz holte ich,
ich brachte gelbes Vilva-Holz,
der Bäume Früchte trug ich her:
‚Dies sei ein Spielzeug für euch Kinder.‘

Hier dieses Stück vom Lotosstängel,
mit braunem Saft die Lilienwurzel,
verzehre sie vermischt mit Honig
zusammen mit den Kindern, Fürst.

Die Lotospflanze gib dem Jali,
die Wasserlilie dem Mädchen.
Sieh, wie sie tanzen, kranzgeschmückt;
ruf ihnen, Sivi: Meine Kinder!

Hernach auch auf Kanhajina
sei aufmerksam, du Landesfürst,
wie sie schön mit der süßen Stimme
hingeht zu der Einsiedelei.

Mit gleichem Glück und Unglück wurden
wir beide aus dem Reich vertrieben;
sahst du die Kinder nicht, o Sivi,
Jali, Kanhajina, die beiden?

Asketen und Brahmanen, welche
vollendet sind im heil'gen Wandel,
hab ich belästigt wohl auf Erden,
die tugendhaften, hochgelehrten,
weil ich die Kinder heut nicht sehe,
Jali, Kanhajina, die beiden.“

Während sie so jammerte, sagte das große Wesen gar nichts. Als es nichts sagte, suchte sie zitternd beim Mondschein ihre Kinder; und wenn sie an alle die Orte kam, wo sie an Rosenapfelbäumen u. dgl. früher gespielt hatten, da sprach sie klagend:

„Hier diese Rosenapfelbäume,
die Sindhuvaras mit den Kronen,
all die verschiednen Baumesarten:
die Kinder sehe ich nicht mehr.

Die Feigen- und die Brotfruchtbäume,
Bananenbäume, Kapitthanas,
all die verschiednen Früchtearten:
die Kinder sehe ich nicht mehr.

Da stehen diese Gärten hier,
der Fluss hier mit dem kühlen Wasser,
wo früher immer sie gespielt:
die Kinder sehe ich nicht mehr.

Hier die verschiednen Blumenarten
oben am Gipfel dieses Berges,
die sie vordem zu tragen pflegten:
die Kinder sehe ich nicht mehr.

Hier die verschiednen Früchtearten
oben am Gipfel dieses Berges,
die sie vordem zu essen pflegten:
die Kinder sehe ich nicht mehr.

Hier diese kleinen Elefanten,
die Rosse und die Ochsen auch,
mit denen sie sonst immer spielten:
die Kinder sehe ich nicht mehr.

Ihr Schwarzgazellen, Hasen, Eulen,
Kadali-Antilopen viel,
mit denen sie sonst immer spielten:
die Kinder sehe ich nicht mehr.

Hier diese Schwäne, diese Reiher,
die Pfauen mit den bunten Federn,
mit denen sie sonst immer spielten:
die Kinder sehe ich nicht mehr.“

Als sie in der Einsiedelei ihre lieben Kinder nicht fand, ging sie hinaus, betrat das blühende Waldesgestrüpp und sprach, indem sie die und die Stelle betrachtete:

„Hier diese Waldesdickichte,
die Blüten tragen jederzeit,
wo sie fürwahr sonst immer spielten:
die Kinder sehe ich nicht mehr.

Hier diese schönen Lotosteiche,
umtönt von Scharen wilder Gänse,
bedeckt mit den Korallenblumen,
mit Lotos auch und Wasserlilien,
wo sie fürwahr sonst immer spielten:
die Kinder sehe ich nicht mehr.“

Als sie aber nirgendwo ihre Kinder fand, kehrte sie wieder zu dem großen Wesen zurück, und da sie dieses traurig sah, sprach sie:

„Du hast die Hölzer nicht gespalten,
du hast das Wasser nicht geholt,
das Feuer hast du nicht entzündet;
was liegst du denn so träge da?

Wenn lieb ich zu dem Lieben komme,
so nimmt ein Ende meine Pein;
doch heute seh ich nicht die Kinder,
Jali, Kanhajina, die zwei.“

Auch als sie so sprach, blieb das große Wesen stumm sitzen. Da es aber nichts redete, zitterte sie von Schmerz überwältigt wie eine verwundete Henne; sie ging wieder an die Stellen, wo sie schon zuerst gewandelt war, kehrte dann zurück und sprach:

„Ich kann durchaus nicht finden, Fürst,
wo du die Toten aufgehoben.
Die Raben selbst, sie krächzen nicht;
erschlagen sind jetzt meine Kinder.

Ich kann durchaus nicht finden, Fürst,
wo du die Toten aufgehoben.
Die Vögel selbst, sie schreien nicht;
tot sind jetzt wohl die Kinder mein.“

Auch auf diese Worte hin sagte das große Wesen nichts. Aus Schmerz um ihre Kinder aber suchte sie ihre Kinder und wandelte zum dritten Male mit Windeseile an jenen Stellen umher. Die Strecke, die sie in der einen Nacht beim Suchen zurücklegte, betrug volle fünfzehn Yojanas. Es verging aber die Nacht. Als die Morgenröte anbrach, da kehrte sie zurück, trat zu dem großen Wesen hin und klagte.

Um dies zu erklären, sprach der Meister:

Nachdem sie dort gejammert hatte
auf Bergen und in Wäldern auch,
kam sie zur Einsiedlei zurück
und weinte hier vor ihrem Gatten:

„Ich kann durchaus nicht finden, Fürst,
wo du die Toten aufgehoben.
Die Raben selbst, sie krächzen nicht;
erschlagen sind jetzt meine Kinder.

Ich kann durchaus nicht finden, Fürst,
wo du die Toten aufgehoben.
Die Vögel selbst, sie schreien nicht;
tot sind jetzt wohl die Kinder mein.

Ich kann durchaus nicht finden, Fürst,
wo du die Toten aufgehoben,
obwohl ich sucht am Fuß der Bäume,
auf Bergen und in Höhlen auch.“

Als Maddi, die vornehme Frau,
die ruhmerfüllte Königstochter,
die Arm ausstreckend so geweint,
stürzte sie dortselbst auf die Erde.

Das große Wesen meinte, sie sei tot, und zitternd dachte es: „Am unrechten Orte, am falschen Platze ist Maddi gestorben. Wenn nämlich in der Stadt Jetuttara ihr Tod stattgefunden hätte, wäre ihr große Ehrung zuteil geworden; zwei Reiche hätten getrauert. Ich aber bin allein im Walde; was soll ich jetzt tun?“ Und es versank in tiefen Schmerz. Dann aber kehrte ihm die Besinnung zurück; es dachte: „Ich will es sogleich untersuchen“, stand auf und legte die Hand auf ihr Herz. Da merkte es, dass sie noch warm war; in dem Wasserkruge holte es Wasser herbei. Obwohl es sieben Monate lang sie nicht mehr am Körper berührt hatte, konnte es infolge seines tiefen Schmerzes seine Eigenschaft als Weltflüchtiger nicht mehr verstehen, sondern mit tränenerfüllten Augen hob es ihren Kopf in die Höhe, legte ihn in seinen Schoß, besprengte sie mit Wasser und setzte sich nieder, indem es ihr Antlitz und Herz rieb. Maddi erlangte nach kurzer Zeit die Besinnung wieder, erhob sich und empfand wieder Schamgefühl. Sie bezeigte dem großen Wesen ihre Verehrung und fragte dann: „Herr Vessantara, wohin sind die Kinder gegangen?“ Er antwortete: „Ich habe sie einem Brahmanen geschenkt.“

Um dies zu erklären, sprach der Meister:

Die ohnmächtige Königstochter
besprengte er sogleich mit Wasser;
als er sie wieder atmen sah,
da sprach er zu ihr dieses Wort.

Als sie darauf fragte: „O Fürst, als du die Kinder dem Brahmanen gegeben hattest und ich die ganze Nacht klagend umherging, warum hast du es mir da nicht gesagt?“, sprach das große Wesen:

„Im Anfang gleich wollte ich, Maddi,
dir dieses Unglück nicht bereiten.
In dieses Haus kam ein Brahmane,
ein armer, alter Bittender;
diesem gab ich die Kinder mein.
Sei furchtlos, Maddi, sei getrost.

Sieh mich an, Maddi, nicht die Kinder,
und jammere nicht mehr so stark.
Die Kinder werden wir erhalten,
wenn wir noch leben, und gesunden.

Kinder und Vieh und das Getreide,
und was an Schätzen sonst im Hause,
gebe der weise Mann als Spende,
wenn Bittende er kommen sieht.
Sei nur mit mir zufrieden, Maddi;
die Kinder sind die höchste Gabe.“

Maddi antwortete:

„Ich billige dein Tun, o Fürst;
die Kinder sind die höchste Gabe.
Gib und befriedige dein Herz
und sei noch mehr ein Gabenspender,

der du, Herrscher, da doch die Menschen
in Habsucht alle sind versunken,
gabst dem Brahmanen diese Spende,
des Sivi-Landes Reichsvermehrer.“

Nach diesen Worten sprach das große Wesen: „Maddi, was sagst du da? Wenn ich nämlich durch das Herschenken meiner Kinder mein Herz nicht befriedigt hätte, würden mich da nicht diese Wunderzeichen bewegt haben?“ Und es erzählte ihr alle die Wunder, angefangen von dem Ertönen der Erde. Um diese Wunder zu preisen, sprach darauf Maddi, indem sie seine Gabe lobte:

„Ertönen ließest du die Erde,
dein Laut drang in den Götterhimmel;
von überall her kamen Blitze
zurückgeworfen von den Bergen.“

Es lobten diese seine Tat
Narada, Pabbata, die beiden;
(auch Indra, Brahma und Pajāpati,
Soma, Yama und König Vessavana).
es lobten diese alle Götter,
die Dreiunddreißig mit Gott Indra.

Drauf Maddi, die vornehme Frau,
die ruhmerfüllte Königstochter,
lobte die Tat Vessantaras:
„Die Kinder sind die höchste Spende.“

Als so das große Wesen seine eigenen Spenden gepriesen, drehte Maddi die Sache herum und sprach: „O Großkönig Vessantara, gut gespendet ist ja deine Gabe.“ Nachdem sie so auch diese Gabe gepriesen, setzte sie sich dankend nieder; darum sagte der Meister die Strophe:

Drauf Maddi, die vornehme Frau,
die ruhmerfüllte Königstochter,
lobte die Tat Vessantaras:
„Die Kinder sind die höchste Spende.“

Ende des Abschnitts von Maddi

10. Der Abschnitt von Sakka (Sakkapabba)

Während diese so zu einander einträchtige Worte sprachen, dachte Gott Sakka: „Der König Vessantara hat gestern dem Jujaka seine Kinder geschenkt, so dass die Erde dabei ertönte. Jetzt könnte irgend ein niedriger Mensch ihn aufsuchen, ihn um die mit allen Abzeichen der Schönheit geschmückte Maddi bitten, so den König einsam machen und mit Maddi fortgehen. Dann wäre er schutzlos und ohne Hilfsmittel. Ich werde zu ihm hingehen, ihn um Maddi bitten und ihn dadurch den Gipfel der Vollendung erreichen lassen. Dann werde ich sie ihm wiedergeben, indem ich sie an niemand herschenkbar mache, und danach hierher zurückkehren.“ Und zur Zeit des Sonnenaufgangs ging er zu ihm hin.

Um dies zu erklären, sprach der Meister:

Als dann die Nacht zu Ende war,
so gegen Sonnenaufgang hin
ließ Sakka im Brahmanenaussehn
am Morgen sich vor ihnen sehen.

Als er so in sichtbarer Gestalt vor die beiden hingetreten war, sprach er, um eine liebenswürdige Unterhaltung zu beginnen:

„Geht es vielleicht dem Herren gut
und ist wohl auch der Herr gesund?
Nährt Ihr Euch von gelesnen Ähren,
gibt es auch viele Frücht und Wurzeln?

Gibt es Stechfliegen hier und Mücken
und Schlangen nur gering an Zahl?
Im Wald, der voll von wilden Tieren,
wird Euch Verletzung nicht zuteil?“

Das große Wesen antwortete:

„Nur gut geht es uns, o Brahmane,
und auch gesund, Brahmane, sind wir.
Gelesne Ähren wir verzehren,
auch gibt es Frücht und Wurzeln viel.

Stechfliegen gibt es hier und Mücken
und Schlangen wenig nur an Zahl.
Im Wald, der voll von wilden Tieren,
wird uns Verletzung nicht zuteil.

Während wir sieben Monat lang
im Walde weilten hier besorgt,
sehen wir erst zum zweiten Male
einen Brahmanen göttergleich
mit seinem Stock aus Vilva-Holz,
gekleidet in ein Ziegenfell.

Willkommen dir, großer Brahmane,
nicht unwillkommen bist du mir;
geh nur hinein und Heil sei dir!
Die Füße wasche drinnen ab.

Tinduka- und Piyala-Blätter
und süße Kasumari-Früchte:
klein sind die Früchte nur und wenig,
doch iss, Brahmane, nur nach Wunsch.

Hier ist auch kühles Wasser noch,
geholt aus einer Bergeshöhle;
trink nur davon, großer Brahmane,
wenn du danach Verlangen hast.“

Nachdem es so liebenswürdig mit ihm geredet, fragte es ihn nach dem Grunde seines Kommens, indem es sprach:

„Aber aus welcher Ursache
oder aus welchem Grunde wohl
kamst du hier in den großen Wald?
Sage mir dies auf meine Frage!“

Da erwiderte ihm Sakka: „O Großkönig, als ich Alter hierher kam, bin ich gekommen, um dich um deine Gattin Maddi zu bitten; gib sie mir!“ Und er sprach folgende Strophe:

„So wie ein voller Wasserstrom
die ganze Zeit niemals versiegt,
so kam ich hierher dich zu bitten
um deine Gattin; gib sie mir!“

Auf diese Worte sagte das große Wesen nicht: „Gestern habe ich dem Brahmanen meine Kinder gegeben; wie kann ich dir Maddi geben und ganz allein im Walde bleiben?“, sondern als ob es gewissermaßen auf die ausgestreckte Hand eine Geldbörse mit tausend Geldstücken legen wollte, sprach es ohne Vorbereitung, ohne Fessel und den Geist von Anhänglichkeit frei, indem es dabei den Berg ertönen ließ, folgende Strophe:

„Ich will dir geben ohne Zittern,
was du von mir, Brahmane, bittest.
Was mein Besitz, verhehl ich nicht;
am Schenken sich mein Herz erfreut.“

Nach diesen Worten aber holte es rasch mit dem Wasserkruge Wasser, ließ es auf seine Hände fallen und gab so seine Gattin dem Brahmanen. In demselben Augenblicke erschienen wieder sämtliche Wunderzeichen in der Art wie oben erzählt.

Um dies zu erklären, sprach der Meister:

Er fasste Maddi an der Hand
und nahm den Wasserkrug voll Wasser,
gab als Geschenk sie dem Brahmanen,
des Sivi-Landes Reichsvermehrer.

Damals geschah, was furchtbar war,
worüber sich die Haare sträubten;
als Maddi er zum Opfer gab,
erzitterte die große Erde.

Doch Maddi runzelt' nicht die Brauen,
erregt' sich nicht und weinte nicht;
nur schweigend schaute sie und dachte:
„Er weiß wohl, was das beste ist.“

Darum heißt es auch:

„Jali, Kanhajina, die Tochter,
auch Maddi, die folgsame Fürstin,
gab ich auf ohne all Bedenken,
nur um Erkenntnis zu erwerben.

Nicht wertvoll sind mir beide Kinder,
die Fürstin Maddi ist nicht wertvoll.
Lieb ist mir die Allwissenheit;
darum geb ich die Lieben her.“

Das große Wesen aber dachte: „Wie verhält sich Maddi?“, und betrachtete ihr Antlitz; sie aber sagte: „Was schaust du mich an, Fürst?“, und sprach, indem sie den Löwenruf ausstieß, folgende Strophe:

„Von dem als Mädchen ich war Gattin,
Gebieter ist mir mein Gemahl.
Wenn er nur will, soll er mich geben,
verkaufen oder töten auch.“

Da aber Gott Sakka ihre ausgezeichnete Absicht merkte, lobte er sie.

Um dies zu erklären, sprach der Meister:

Als ihre Denkungsart erkannte
der Götterfürst, da sprach er so:
„Besiegt hast du die Hindernisse,
die göttlich und die menschlich, alle.

Ertönen ließest du die Erde,
dein Laut drang in den Götterhimmel;
von überall her kamen Blitze,
zurückgeworfen von den Bergen.

Es lobten diese deine Tat
Narada, Pabbata, die beiden;
(auch Indra, Brahma und Pajāpati,
Soma, Yama und König Vessavana),
es lobten diese alle Götter,
die Dreiunddreißig mit Gott Indra.

Schwer ist das Geben für den Geber,
schwer für den Täter ist die Tat.
Die Bösen ahmen es nicht nach;
der Guten Art ist schwer zu folgen.

Darum für Gute und für Böse
verschieden ist der Weg von hier:
die Bösen kommen in die Hölle,
die Guten gehen ein zum Himmel.

Dass du die Kinder hergeschenkt,
die Gattin auch, im Walde wohnend,
vom heil'gen Wege nicht abweichend,
im Himmel reif dir dessen Frucht!“

Nachdem ihm so Sakka gedankt hatte, dachte er: „Jetzt muss ich ohne Zögern ihm hier diese zurückgeben und fortgehen.“ Und er sprach:

„Ich schenke dir deine Gemahlin
Maddi, in voller Schönheit glänzend.
Du bist allein für Maddi passend
und Maddi passt für ihren Gatten.

So wie das Wasser und die Muschel
sind beide von derselben Farbe,
so seid auch ihr, Maddi und du,
von gleichem Herzen, gleichem Sinn.

Verstoßen lebt ihr hier im Walde
in der gewählten Einsiedlei,
Fürsten aus vornehmem Geschlecht,
gleich edel von den Eltern her,
damit ihr gute Werke übet
und unaufhörlich Gaben spendet.“

Nach diesen Worten verkündete er, wer er sei, und sprach, um ihnen einen Wunsch zu gewähren:

„Sakka bin ich, der Götterfürst,
zu dir hin bin ich jetzt gekommen.
Wähl einen Wunsch, fürstlicher Weiser;
der Wünsche acht gewähr ich dir.“

Während er so sprach, stand er in göttlicher Gestalt in der Luft, glänzend wie die junge Sonne. Darauf sagte der Bodhisattva, um einen Wunsch zu äußern:

„Wenn du mir einen Wunsch gewährst,
Sakka, Beherrscher aller Wesen:
Mein Vater soll mich lieb begrüßen,
wenn ich von hier komm in mein Haus;
er soll mich einladen zu sitzen.
Als ersten Wunsch wähle ich dies.

Nicht mög ich lieben Mannestötung;
den Bösewicht, der Tod verdient,
möcht ich vom Tode doch befreien;
dies wähl ich mir als zweiten Wunsch.

Die, welche alt sind, und die Jungen,
die Leute auch mittleren Alters
mögen durch mich ihr Leben haben;
dies wähl ich mir als dritten Wunsch.

Des Nächsten Weib mög ich nicht nahen,
die eigne Gattin will ich lieben,
in Weibes Macht will ich nicht kommen;
dies wähl ich mir als vierten Wunsch.

Ein Sohn werd, Sakka, mir geboren
und dieser soll recht lange leben,
mit Recht beherrsche er die Erde;
dies wähl ich mir als fünften Wunsch.

Wenn dann die Nacht vergangen ist
und wenn die Sonne sich erhebt,
soll uns ein göttlich Mahl sich zeigen;
dies wähl ich mir als sechsten Wunsch.

Wenn ich schenke, hör es nicht auf,
wenn ich geschenkt, reu es mich nicht,
schenkend befried'ge ich mein Herz;
dies wähl ich mir als siebten Wunsch.

Von hier geschieden möchte ich
zum Himmel eingehen, zum Höchsten,
von dort will ich nicht wiederkehren;
dies wähl ich mir als achten Wunsch.“

Als dieses Wort von ihm gehört
der Götterfürst, da sprach er so:
„In kurzer Zeit fürwahr wird schon
dein Vater kommen dich zu sehen.“

„Wenn er aber kommt, wird er dir den weißen Sonnenschirm geben und dich in die Stadt Jetuttara zurückführen. Alle deine Wünsche werden in Erfüllung gehen; sei unbekümmert. Lasse nicht nach, o Großkönig!“ Nachdem Sakka dem großen Wesen diese Ermahnung gegeben, kehrte er an seinen Wohnort zurück.

Um dies zu erklären, sprach der Meister:

Nachdem so Maghava gesprochen,
der Götterfürst Sujampati,
gewährte er Vessantara
den Wunsch und ging in seinen Himmel.

Ende des Abschnitts von Sakka

11. Der Abschnitt von dem Großkönig (Maharajapabba)

Der Bodhisattva aber und Maddi lebten einträchtig in der ihnen von Sakka geschenkten Einsiedelei.—

Jujaka legte mit den Kindern einen Weg von sechzig Yojanas zurück; die Götter aber besorgten die Bewachung der Kinder. Nach Sonnenuntergang band Jujaka die Kinder an einen Strauch und ließ sie sich auf den Boden legen; er selbst stieg aus Furcht vor den wilden Raubtieren auf einen Baum und legte sich in das Geäste. In diesem Augenblick kam ein Göttersohn in der Gestalt von Vessantara und eine Göttertochter in der Gestalt von Maddi herbei; sie machten die Kinder los, rieben ihnen Hände und Füße, wuschen und schmückten sie, gaben ihnen Speise und legten sie auf ein göttliches Lager. Zur Zeit der Morgendämmerung legten sie dieselben wieder so hin, dass sie aussahen, als wären sie gebunden, und verschwanden wieder. So blieben sie durch die Begünstigung der Götter auf ihrem Marsche gesund.

Jujaka aber dachte durch die Götter beeinflusst: „Ich will in das Reich Kalinga gehen“, und kam in einem halben Monat nach Jetuttara. An diesem Tage hatte auch der Sivi-König Sanjaya einen Traum; folgendermaßen war der Traum: Während der König auf seinem Richterstuhle saß, brachte ein Mann zwei Lotosblumen und legte sie dem König in die Hand. Der König schmückte sich damit an den beiden Ohren. Von ihnen flog der Blütenstaub ab und fiel dem König in den Magen. Da erwachte er und fragte gleich am frühen Morgen die Brahmanen; diese gaben ihm den Bescheid: „Deine lange abwesenden Verwandten, o Fürst, werden zurückkommen.“—Als er nun am Morgen ein Mahl von verschiedenartigem, höchstem Wohlgeschmack verzehrt hatte, setzte er sich auf seinen Richterstuhl. Die Gottheiten führten den Brahmanen herbei und stellten ihn in den Hof des Königspalastes. In demselben Augenblicke schaute der König hin, sah die Kinder und sprach:

„Vom wem erglänzt dies Angesicht
so wie das Gold, erhitzt im Feuer,
so wie ein Nikkha edlen Goldes,
das man über die Fackel hält?

Die beiden sind sich gleich an Gliedern,
an Abzeichen sind beide gleich;
dem Jali ähnlich ist der eine,
die andre gleicht Kanhajina.

Wie Löwen, wenn sie ihre Höhle
verlassen, gleichen beide sich;
als wären sie aus Gold gemacht,
so sehen diese Kinder aus.“

Nachdem so der König mit diesen drei Strophen die Kinder gepriesen, gab er einem Minister folgenden Auftrag: „Gehe und führe den Brahmanen mit den Kindern hierher!“ Dieser ging rasch hin und brachte sie her. Darauf sprach der König zu dem Brahmanen:

„Von woher bringst, Herr Bharadvaja,
du diese Kinder hier herbei?“

Jujaka antwortete:

„Mir wurden diese Kinder, König,
geschenkt freiwillig, Sanjaya.
Heut ist es die fünfzehnte Nacht,
seit mir geschenkt die Kinder wurden.“

Der König sprach weiter:

„Durch welches liebe Wort bewegt
auf rechtem Weg vertraut' er dir?
Wer hat dir dies Geschenk gegeben,
die Kinder, diese höchste Gabe?“

Jujaka antwortete:

„Der für die Bittenden ist Hilfe,
wie für die Wesen diese Erde,
König Vessantara gab mir
die Kinder, der im Walde wohnt.

Der für die Bittenden ist Zuflucht,
wie für die Ströme ist 's das Meer,
König Vessantara gab mir
die Kinder, der im Walde wohnt.“

Als dies die Minister hörten, sprachen sie, indem sie Vessantara tadelten:

„Schlimm ist 's fürwahr für einen König,
der gläubig auf sein Haus bedacht;
wie kann er seine Kinder schenken,
die in dem Wald verstoßen sind?

Vernehmet alle dies, ihr Herren,
so viel ihr hier versammelt seid;
wie gab König Vessantara
die Kinder her, im Walde wohnend?

Sklaven und Sklavin könnt er geben,
ein Pferd, ein Maultier, einen Wagen,
auch einen starken Elefanten;
wie kann er seine Kinder schenken?“

Als dies der Knabe hörte, vermochte er den Tadel seines Vaters nicht zu ertragen; sondern als ob er den vom Winde getroffenen Sineru-Berg mit dem Arme wegstoßen wollte,sprach er folgende Strophe:

„Wer keinen Sklaven hat im Hause,
kein Pferd, kein Maultier, keinen Wagen
und keinen starken Elefanten:
was kann der geben, Großvater?“

Der König antwortete:

„Wir wollen seine Gabe loben
und ihn nicht tadeln, meine Kinder.
Doch wie war wohl sein Herz beschaffen,
als er euch diesem Bettler gab?“

Der Knabe erwiderte:

„Erfüllt von Kummer war sein Herz
und seine Hitze konnt man sehen;
das Aug wie Rohini gerötet
vergoss mein Vater bittre Tränen.“

Dann fuhr er fort, um auch dies Wort anzuzeigen:

„Wie zu ihm sprach Kanhajina:
‚Dieser Brahmane, lieber Vater,
schlägt mich mit einem dicken Stock
wie eine Magd im Haus geboren.

Dies ist, mein Vater, kein Brahmane,
gerecht sind die Brahmanen ja;
ein Dämon mit Brahmanenaussehn
führt uns zum Fressen, Vater, fort.
Was schaust du, Vater, uns so an,
da dieser Unhold uns entführt?‘“

Als aber der König sah, wie der Brahmane die Kinder nicht losließ, sprach er folgende Strophe:

„Ein Königskind ist eure Mutter,
ein Königssohn ist euer Vater.
Früher stiegt ihr mir auf den Schoß;
was bleibt ihr jetzt so ferne stehn?“

Der Knabe erwiderte:

„Ein Königskind ist unsre Mutter,
ein Königssohn ist unser Vater.
Wir sind die Sklaven des Brahmanen;
darum bleiben wir ferne stehn.“

Der König versetzte:

„Redet doch nicht so, meine Lieben;
das Herz entzündet sich in mir.
Dem Scheiterhaufen gleicht mein Körper;
ich kann nicht ruhig sitzen mehr.

Redet doch nicht so, meine Lieben;
noch mehr erzeugt ihr Kummer mir.
Mit Strafgeld will ich euch erkaufen;
ihr sollt nicht länger Sklaven sein.

Als wie viel wert gab euch, mein Sohn,
diesem Brahmanen euer Vater?
So wie es war, so sagt es mir;
man soll bezahlen den Brahmanen!“

Der Knabe antwortete:

„Als Tausend wert gab mich, du Lieber,
diesem Brahmanen unser Vater,
Kanhajina, das Mädchen, aber
um hundert Elefanten usw.

Um den Kaufpreis für die Kinder geben zu lassen, sprach jetzt der König:

„Erhebe dich, Minister, eilig
befriedige diesen Brahmanen.
Hundert Sklaven und Sklavinnen,
Rinder und Elefanten hundert,
auch tausend Unzen Goldes gib
als Kaufpreis für die Kinder hin.“

Darauf dieser Minister eilig
befriedigte jetzt den Brahmanen.
Hundert Sklaven und Sklavinnen,
Rinder und Elefanten hundert,
auch tausend Unzen Goldes gab er
als Kaufpreis für die Kinder hin.

Dazu gab er ihm noch einen Palast mit sieben Stockwerken; groß war die Ehrung des Brahmanen. Dieser tat das Geld beiseite, stieg in den Palast hinauf, verzehrte hier ein gutes Mahl und legte sich dann auf ein großes Lager. Die Kinder aber badeten, bewirteten und schmückten sie und nahmen sie dann auf ihren Schoß, das eine der Großvater, das andre die Großmutter.

Um dies zu erklären, sprach der Meister:

Nachdem die Kinder losgekauft,
gebadet und gespeist sie hatten,
dazu mit Schätzen reich geschmückt,
nahmen sie sie auf ihren Schoß.

Das Haupt gewaschen, schön gekleidet,
mit allen Schmucksachen geziert,
nahm sie der König auf den Schoß;
dann fragte sie der Großvater.

Mit fein polierten Ohrringen,
mit Kränzen, allem Schmuck geziert,
nahm sie der König auf den Schoß
und sprach zu ihnen dieses Wort:

„Sind denn die beiden auch gesund,
Jali, die Mutter und dein Vater?
Nähren sie sich von gelesnen Ähren,
gibt es auch Frücht und Wurzeln viel?

Gibt es auch Stechfliegen und Mücken
und Schlangen wenig nur an Zahl?
Im Wald, der voll von wilden Tieren,
droht ihnen nicht Verletzung oft?“

Der Knabe antwortete:

„Gewiss sind beide mir gesund,
die Mutter und mein Vater, Fürst.
Gelesne Ähren sie verzehren
sowie auch Frücht und Wurzeln viel.

Stechfliegen gibt es auch und Mücken
und Schlangen wenig nur an Zahl.
Im Wald, der voll von wilden Tieren,
droht ihnen nicht Verletzung oft.

Bataten und Kalambawurzeln
graben sie aus und Kätzchenknollen;
Brustbeeren,Nüsse, Vilva-Früchte
bringt sie uns und ernährt uns so.

Und was sie uns herbei dann bringt
an Waldeswurzeln, Waldesfrüchten,
das essen alle wir vereinigt
nur in der Nacht, am Tage nicht.

Die Mutter wird uns gelb und mager,
wenn sie der Bäume Früchte holt,
durch des Glutwindes Hitze, gleichwie
der zarte Lotos in der Hand.

Der Mutter gehn die Haare aus,
wenn sie im großen Walde wandelt,
im Wald, der von Raubtieren voll,
belebt von Nashörnern und Pantern.

Die Haare bindet sie zu Flechten,
in ihren Achseln trägt sie Schmutz;
in Fell gehüllt liegt sie am Boden
und betet so das Feuer an.“

Nachdem er so seiner Mutter Leidenszustand geschildert, sprach er, um seinen Großvater zu schelten, folgende Strophe:

„Die Söhne werden doch sonst lieb
den Menschen hier in dieser Welt;
ist denn in unserm Großvater
nicht Liebe zu dem Sohn erwachsen?“

Darauf erwiderte der König, um seine Schuld zu offenbaren:

„Böses hab ich getan, mein Sohn,
'nen Kindsmord habe ich verübt,
der ich wegen der Sivis Wort
den Schuldlosen vertrieben habe.

Was ich nur irgend hier besitze,
was mir gehört an Geld und Korn,
König Vessantara soll kommen
und herrschen in dem Sivi-Reich.“

Der Knabe versetzte:

„Nicht auf mein Wort hin wird, o Fürst,
der Sivis Bester wiederkommen;
du selbst nur gehe hin, o König,
mit Schätzen weih den eignen Sohn.“

Darauf zu seinem Heerführer der König Sanjaya so sprach:

„Die Elefanten, Rosse, Wagen,
das Fußheer auch sich möge rüsten;
die Städter sollen mich begleiten,
die Hauspriester und die Brahmanen.

Darauf auch sollen sechzigtausend
Soldaten, herrlich anzusehn,
geschwind gerüstet hierher kommen
mit manchen Farben schön geschmückt.

In dunkelblauer Farbe manche,
in gelber Farb gekleidet manche,
andre mit roten Diademen,
mit weißen Kleidern wieder andre,
rasch sollen sie gerüstet kommen
mit manchen Kleidern schön geschmückt.

Wie im Himalaya der Berg
Gandhāra, Gandhamadana
mit bunten Bäumen ist bedeckt,
das Heim von großen Geisterscharen,

wie von himmlischen Kräutern glänzt
und duftet diese Gegend ganz,
so sollen rasch sie hierher kommen:
die Gegend duftet und erglänzt.

Dann sollen sie von Elefanten
aufzäumen volle vierzehntausend,
die Tiere mit den goldnen Gürteln,
die Kopfschmuck tragen auch von Gold,

welche bestiegen sind von Wärtern
mit Speer und Haken in der Hand;
sie sollen rasch gerüstet kommen
auf Elefantenschultern sichtbar.

Darnach soll man anschirren auch
von Rossen volle vierzehntausend,
die edel sind von Abstammung,
die Sindhu-Rosse windesschnell,

welche bestiegen sind von Kriegern
mit Schwert und Bogen in der Hand;
sie sollen rasch gerüstet kommen
geschmückt auf ihrer Rosse Rücken.

Darnach soll man anschirren auch
von Wagen volle vierzehntausend,
die Naben wohl gemacht von Erz,
die Zierraten von Golde glänzend.

Die Flaggen sollen sie erheben,
die Felle und die Panzer auch,
auch sollen sie die Bogen spannen,
die mächtigen, die kräftig treffen;
sie sollen rasch gerüstet kommen
die Wagenlenker auf den Wagen!“

Nachdem so der König das Heer geordnet hatte, befahl er: „Macht für meinen Sohn von der Stadt Jetuttara an bis zum Vamka-Berge den Weg, den er kommen soll, acht Usabhas breit und ganz eben und tut zur Ausschmückung des Weges dies und das!“ Und er sprach:

„Die Laja-Blumen und Olopis,
Kränze, Salben und Wohlgerüche
von hohem Werte sollen sein
am Wege, den er kommen wird.

In jedem Dorfe hundert Krüge
voll Branntwein und Spirituosen
stelle man an dem Wege auf,
auf welchem Weg er kommen wird.

Fleisch, Kuchen und gemischte Speisen,
auch sauren Schleim, vermischt mit Fischen,
stelle man an dem Wege auf,
auf welchem Weg er kommen wird.

Zerlassne Butter, Öl und Molken,
Milch, Hirse, Reis und Branntwein viel
stelle man an dem Wege auf,
auf welchem Weg er kommen wird,

Speisenbereiter auch und Köche,
Tänzer, Schauspieler wie auch Sänger,
die Musikanten und die Trommler,
die sanften, die den Kummer nehmen.

Man lasse alle Lauten tönen,
die Pauken und die Tamburine,
auch die Trompeten soll man blasen
und es erschalle laut die Trommel.

Die Tamburine, kleine Trommeln,
die Muscheln, Lauten, Saitenspiele,
die Trommeln alle soll man schlagen
und die Familientrommeln auch!“

So ordnete der König die Schmückung des Weges an. Jujaka aber hatte über das gewohnte Maß gegessen; und da er dies nicht verdauen konnte, starb er auf der Stelle. Nachdem ihm der König die letzten Ehren hatte erweisen lassen, ließ er in der Stadt die Trommel herumgehen, fand aber keine Verwandten von ihm heraus; darum kam sein Geld wieder an den König.—Am siebenten Tage versammelte sich darauf das ganze Heer; der König machte unter großer Ehrung den Jali zum Wegweiser und zog fort.

Um dies zu erklären, sprach der Meister:

Das Heer war groß, das vorwärts zog,
das ganze Heer des Sivi-Landes;
mit Jali, der den Weg ihm zeigte,
zog es fort nach dem Vamka-Berg.

Trompetentöne stieß da aus
der Elefant von sechzig Jahren;
mit goldnem Gürtel fest gebunden
trompetete der Elefant.

Es wieherten die edlen Rosse,
von den Radkränzen kam ein Lärm;
die Luft wurde von Staub erfüllt,
erregt vom großen Sivi-Heere.

Das Heer, das vorwärts zog, war groß,
es führte viele Schätze mit;
mit Jali, der den Weg ihm zeigte,
zog es fort nach dem Vamka-Berg.

Den großen Wald betraten sie
mit vielen Ästen, vielen Vögeln;
mit vielen Bäumen (voll) mit Blüten
und vielen Bäumen (voll) mit Früchten;

Die vielen Vögel dicht gedrängt,
die schönen mit den bunten Farben,
die zwitscherten dort fröhlich unter
den nach der Zeit blühenden Bäumen.

Als sie den langen Weg beendet
nach Ablauf mancher Tag' und Nächte,
da kamen sie an jene Stelle,
wo sich Vessantara befand.

Ende des Abschnitts von dem Großkönig

Letzter Abschnitt

Der Knabe Jali ließ am Ufer des schönen Mucalinda-Sees ein Lager schlagen und die vierzehntausend Wagen nach dem Wege hin gewendet aufstellen, den sie gekommen waren; auch verteilte er allenthalben Wachen gegen die Löwen, Tiger, Nashörner und andere wilde Tiere. Groß war der Lärm der Elefanten und der anderen Tiere. Als dies das große Wesen hörte, dachte es: „Haben denn wohl meine Feinde meinen Vater getötet und sind sie um meinetwillen hierher gekommen?“ Von Todesfurcht erfüllt stieg es mit Maddi auf den Berg und betrachtete das Heer.

Um dies zu erklären, sprach der Meister:

Als er da ihren Lärm vernahm,
geriet Vessantara in Furcht:
ängstlich stieg er den Berg hinan
und sah sich an das große Heer.

„Holla, Maddi, höre nur an,
was für ein Lärm im Walde herrscht!
Die edlen Rosse wiehern laut
und Fahnenspitzen man erblickt.

So wie im Walde sonst die Jäger
von Antilopen ganze Scharen
mit ihren Netzen rings umstellen
und in die Gruben werfen, dann
mit lautem Schreien gleich sie töten
mit spitzen Speeren, wen sie wollen,

so sind wir, die Unschuldigen,
die wir verstoßen sind im Walde,
in unsrer Feinde Hand gelangt;
sieh, wie man tötet jetzt die Schwachen!“

Als sie seine Worte hörte, schaute sie das Heer an und dachte: „Es muss unser eigenes Heer sein.“ Um das große Wesen zu trösten, sprach sie folgende Strophe:

„Die Feinde würden uns nicht Herr
so wie das Feuer in dem Meere.
Das überlege dir genau;
vielleicht kommt Rettung uns von da.“

Darauf ließ das große Wesen seinen Kummer fahren, stieg mit ihr vom Berg herunter und setzte sich an der Tür seiner Laubhütte nieder.

Um dies zu erklären, sprach der Meister:

Darauf Vessantara der König
herabstieg wieder von dem Berge
und setzt' sich an die Blätterhütte,
nachdem er seinen Geist gestärkt.

In diesem Augenblick sprach Sanjaya zur Königin: „Liebe Phusati, wenn wir alle zusammen hingehen, wird ein großer Schmerz entstehen. Ich will jetzt zuerst gehen. Wenn du dann merkst: ‚Jetzt werden sie ihren Kummer beschwichtigt und sich niedergesetzt haben‘, dann komme mit großem Gefolge!“ Zu Jali und Kanhajina sagte er: „Nach kurzer Zeit sollen sie kommen“; den Wagen ließ er umkehren, so dass er nach dem Wege hinschaute, den sie gekommen waren. Nachdem er dann noch allenthalben Wachen verteilt hatte, setzte er sich auf den Rücken eines reich geschmückten Elefanten und begab sich zu seinem Sohne.

Um dies zu erklären, sprach der Meister:

Nachdem er umgedreht den Wagen,
sein Heer in Ordnung aufgestellt,
begab der Vater sich zum Sohne,
der in dem Walde lebt' allein.

Er stieg herab vom Elefanten;
auf einer Schulter das Gewand,
die Hände faltend, von Ministern
umringt kam er, den Sohn zu weihen.

Und da erblickt' er seinen Sohn
herrlich aussehend, ruhigen Herzens,
wie er in der Laubhütte saß
nachdenkend, ohne jede Furcht.

Als sie den Vater kommen sahen,
wie er nach seinem Sohn begehrte,
gingen Vessantara und Maddi
entgegen und begrüßten ihn.

Maddi huldigte mit dem Haupte
den Füßen ihres Schwiegervaters:
„Ich, deine Schwiegertochter Maddi,
verehre deine Füße, Fürst.“
Nachdem umarmt sie seine Füße,
rieb sie mit ihrer Hand sie ab.

Der König weinte und jammerte; als dann sein Schmerz gestillt war, redete er sie freundlich an:

„Geht es denn euch auch gut, mein Sohn,
und seid ihr auch, mein Sohn, gesund?
Nährt ihr euch von gelesnen Ähren
und gibt es Frücht und Wurzeln viel?

Gibt es auch Stechfliegen und Mücken
und Schlangen wenig nur an Zahl?
Im Wald, der voll von wilden Tieren,
wird euch Verletzung nicht zuteil?“

Als das große Wesen die Worte seines Vaters hörte, sprach es:

„Wir führen hier ein Leben, Fürst,
wie es nur immer gehen mag.
Beschwerlich ist ja unser Leben,
vom Früchte Sammeln leben wir.

So wie ein unvollkommnes Ross
der Wagenlenker bändigt, König,
sind wir gezähmt, wir Unvollkommnen;
das Unglück hat gebändigt uns.

Es ward auch mager unser Fleisch,
weil wir die Eltern nicht mehr sahen,
die wir im Wald verstoßen leben,
o großer König, kummervoll.“

Nachdem es aber so gesprochen, sagte es weiter, um nach dem Befinden seiner Kinder zu fragen:

„Die aber du, der Sivis Erster,
als Erben hattest in dem Sinn,
Jali, Kanhajina, die beiden
kamen in des Brahmanen Hand,
dieses grausamen Bösewichtes,
der sie wie Rinder vor sich stieß.

Die Kinder eines Königssohnes,
wenn Ihr sie wisst, so sagt es uns;
beglückt uns rasch wie einen Knaben,
der von der Schlange ward gebissen.“

Der König antwortete:

„Die Kinder wurden losgekauft,
Jali, Kanhajina, die beiden;
da der Brahmane ist bezahlt,
fürcht nichts, mein Sohn, und sei getrost!“

Als dies das große Wesen hörte, beruhigte es sich wieder und sprach liebevoll zu seinem Vater:

„Geht es dir denn auch gut, mein Vater,
und bist du, Vater, auch gesund?
Hat denn, o Vater, meine Mutter
ihr Aug durch Weinen nicht verloren?“

Der König erwiderte:

„Gut geht es immer mir, mein Sohn,
und auch gesund, mein Sohn, bin ich.
Auch deine Mutter hat, mein Sohn,
ihr Aug durch Weinen nicht verloren.“

Das große Wesen fuhr fort:

„Ist denn gesund auch dein Gespann
und fahren deine Tiere gut?
Stehen in Blüte deine Länder
und hört der Regen auch nicht auf?“

Der König antwortete:

„Gesund fürwahr ist mein Gespann
und meine Tiere fahren gut.
In Blüte stehen meine Länder;
der Regen hört darin nicht auf.“—

Während sie noch so zusammen redeten, merkte auch die Königin Phusati: „Jetzt werden sie ihren Schmerz klein gemacht und sich niedergesetzt haben“; und mit großem Gefolge begab sie sich zu ihrem Sohne.

Um dies zu erklären, sprach der Meister:

Während sie so zusammen sprachen,
da ließ sich ihre Mutter sehen,
am Bergestor die Königstochter
mit bloßen Füßen, ohne Schuhe.

Als sie die Mutter kommen sahen,
wie sie nach ihrem Sohn begehrte,
gingen Vessantara und Maddi
entgegen und begrüßten sie.

Maddi huldigte mit dem Haupte
den Füßen ihrer Schwiegermutter:
„Ich deine Schwiegertochter Maddi
verehre deine Füße, Edle.“

Als Maddi ihre Kinder sahen,
die von weither gesund gekommen,
da liefen weinend sie herzu
wie junge Kälber zu der Mutter.

Als Maddi ihre Kinder sah,
die von weither gesund gekommen,
erzitterte sie wie berauscht
und ihrer Brust Milch sie benetzte.

In diesem Augenblick ertönten die Berge, die Erde erzitterte, das große Meer erregte sich und der Sineru, der Berge König, neigte sich herab. Die sechs Freudengötterwelten waren ganz erfüllt von dem Schall. Da dachte der Götterkönig Sakka: „Die sechs Edlen sind samt ihrem Gefolge bewusstlos geworden. Kein einziger von ihnen ist im Stande, aufzustehen und Wasser auf den Körper von irgend einem zu spritzen. Ich werde einen Regenschauer herabströmen lassen.“ Und er ließ über die Versammlung der sechs Edlen einen Regenschauer herabströmen. Diejenigen, welche da Lust hatten, nass zu werden, wurden nass; auf den anderen aber, die nicht nass werden wollten, blieb kein einziger Tropfen stehen, sondern wie vom Lotosblatt das Wasser drehte er sich um und fiel wieder herab. So war der Regen wie ein Regenguss, der in einem Lotoswalde niedergeht. Die sechs Edlen bekamen die Besinnung wieder. Die Menschenmenge aber rief: „Bei der Versammlung der Verwandten strömte ein Regenschauer herab; die große Erde erzitterte“, und machte so das Wunder bekannt.

Um dies zu erklären, sprach der Meister:

Als die Verwandten sich versammelt,
entstand plötzlich ein großer Lärm:
die Berge tönten laut zusammen,
die Erde auch begann zu zittern.

Der Gott entsandte eine Wolke
und ließ gleich Regen niederströmen;
da kam König Vessantara
mit den Verwandten sein zusammen.

Die Enkel und die Schwiegertochter,
der Sohn, der König und die Fürstin,
als sie dortselbst zusammenkamen,
entstand damals ein Haarsträuben;
die Hände faltend sie ihn baten
weinend und furchtsam in dem Wald.

Vessantara und Maddi baten
die Völker alle, die versammelt:
„Sei du uns unser Herrscher, König;
herrschet ihr beide über uns!“

Als dies das große Wesen hörte, sprach es, seinen Vater anredend, folgende Strophe:

„Als in Gerechtigkeit ich herrschte,
vertriebet ihr mich aus dem Reich,
du und die Landbewohner auch,
die Städter alle, die versammelt.“

Darauf sprach der König, um seinen Sohn um Verzeihung zu bitten:

„Böses fürwahr hab ich getan,
'nen Kindsmord habe ich begangen,
der ich wegen der Sivis Worte
verbannte den Unschuldigen.“

Nachdem er aber diese Strophe gesprochen, sagte er, um ihn zu bitten, sein Unglück von ihm zu nehmen, folgende weitere Strophe:

„Aus irgendwelchem Grunde also
das Unglück nehme man vom Vater,
auch von der Mutter, von der Schwester,
wenn es auch gilt das eigne Leben.“

Der Bodhisattva wollte ja die Herrschaft übernehmen; als er aber noch nicht so viel gesagt hatte, fügte der König hinzu:„Es ist ja nicht schwer.“ Da gab das große Wesen mit dem Worte „Gut“, seine Zustimmung. Als aber die mit ihm geborenen sechzigtausend Hofleute seine Genehmigung gewahrten, sagten sie:

„Zeit ist 's zum Bad,du großer König;
nun rein'ge dich von Schmutz und Staub!“

Das große Wesen entgegnete: „Wartet noch ein wenig!“ Es ging in die Laubhütte hinein, zog die ganze Asketenausrüstung aus und legte sie beiseite. Dann kam es aus der Laubhütte wieder heraus und sagte: „Dies ist der Ort, wo ich neun und einen halben Monat die Asketentugend betätigte, wo ich durch Almosen Spenden den Gipfel der Vollendung erreichte und wo die Erde erzitterte.“ Es umschritt die Laubhütte dreimal von rechts, verehrte sie mit den fünf Berührungsstellen und stellte sich dann hin. Darauf besorgten ihm Barbiere und andere Leute den Bart usw. Als dann Vessantara mit allem Schmuck geziert war und wie der Götterkönig strahlte, weihten sie ihn zum Könige. Darum heißt es:

Darauf König Vessantara
entfernte von sich Staub und Schmutz.

Große Ehrung ward ihm jetzt zuteil. Jeder Ort, wohin erschaute, erzitterte; diejenigen, die festliche Worte sagen konnten, verkündeten diese; alle Arten von Instrumenten nahmen sie zur Hand. Es war ein Schall wie vom Donnern einer Wolke im Innern des Ozeans. Dann schmückte man den kostbarsten Elefanten und führte ihm denselben zu; sogleich aber umringten ihn die mit ihm geborenen sechzigtausend Hofleute, mit allem Schmucke geziert. Auch die Fürstin Maddi wuschen und schmückten sie und erteilten ihr die Weihe. Als sie aber über sie das Weihwasser ausgossen, sagten sie: „Vessantara soll dich beschützen“, und noch andere Segensworte.

Um dies zu erklären, sprach der Meister:

Das Haupt gebadet, rein gekleidet,
mit allen Schmucksachen geziert,
bestieg er den Hilfselefanten,
band um das Schwert, der Feinde Qual.

Darauf die sechzigtausend Kämpfer
umringten, lieblich anzusehen,
die einst mit ihm geboren waren,
voll Freude ihren Landesherrn.

Darauf auch Maddi badeten
die Sivi-Mädchen, die versammelt:
„Vessantara mög dich beschützen,
Jali, Kanhajina, die beiden;
und dann soll dich behüten
auch der große König Sanjaya!“

Nachdem sie diese Hilf erlangt
und ihre Liebeslust wie früher,
da wandelten sie voller Freude
in der lieblichen Bergesgegend.

Nachdem sie diese Hilf erlangt
und ihre Liebeslust wie früher,
da freute sich entzückt und fröhlich
die Schöne, da sie traf die Kinder.

Nachdem sie diese Hilf erlangt
und ihre Liebeslust wie früher,
da freute sich entzückt und fröhlich
die Herrliche mit ihren Kindern.

Da sie aber so fröhlich war, sprach sie zu ihren Kindern:

„Ein einzig Mahl nur hatt ich früher
und immer schlief ich auf dem Boden:
so war damals dies mein Gelübde
aus Liebe nur zu euch, ihr Kinder.

Dies mein Gelübd ist heut erfüllt,
da ich euch treffe, meine Kinder;
das von der Mutter mög euch schützen
und das vom Vater, liebe Kinder.
Euch aber mög jetzt auch behüten
der große König Sanjaya.

Was immer ward an guten Werken
getan von mir und eurem Vater:
durch dieser Wahrheit Vorteil möget
ihr niemals altern, niemals sterben.“

Die Fürstin Phusati aber dachte: „Von jetzt an soll meine Schwiegertochter nur meine Kleider anziehen; diesen Schmuck soll sie tragen.“ Sie füllte Körbe damit und schickte sie ihr.

Um dies zu erklären, sprach der Meister:

Stoffe aus Baumwolle und Seide
und Linnen aus Kodumbara
die Schwiegermutter schickt' der Tochter,
mit denen sich jetzt Maddi schmückte.

Darauf schickt' Leinen und Schmucksachen,
ein Armband und Juwelengürtel
die Schwiegermutter ihrer Tochter,
mit denen sich jetzt Maddi schmückte.

Darauf schickt' Leinen und Schmucksachen
und einen Halsschmuck aus Juwelen
die Schwiegermutter ihrer Tochter,
mit denen sich jetzt Maddi schmückte.

Auch einen hohen Stirnenschmuck
und vielfarbige Edelsteine
die Schwiegermutter schickt' der Tochter,
mit denen sich jetzt Maddi schmückte.

Auch einen Brustschmuck mit Verzierung
und einen Gürtel nebst Fußreifen
die Schwiegermutter schickt' der Tochter,
mit denen sich jetzt Maddi schmückte.

Mit ihren Schnüren, ihrem Schmuck
erglänzte hell die Herrliche;
die Königstochter strahlte wie
in Nandana die Göttermädchen.

Das Haupt gebadet, rein gekleidet,
mit allen Schmucksachen verziert
erglänzte hell die Königstochter
wie Nymphen in dem Götterhimmel.

Wie die vom Wind bewegt' Banane
gewachsen in Cittalata,
mit herrlichem Zähnegehege
erglänzte hell die Königstochter.

So wie ein Menschenvogelweibchen
mit bunten Flügeln fliegt dahin,
erglänzte hell die Königstochter
mit Lippen rund wie Feigenblätter.

Für sie auch einen Elefanten
man brachte, einen nicht sehr alten,
der Speer' und Pfeile konnt ertragen,
mit Deichselzähnen, hoch gewachsen.

Und Maddi drauf den Elefanten
bestieg, das nicht sehr alte Tier,
der Speer' und Pfeile konnt ertragen,
mit Deichselzähnen, hoch gewachsen.

So begaben sich die beiden mit großem Gefolge nach dem Lager. Der König Sanjaya feierte mit zwölf vollständigen Heeren einen ganzen Monat lang ein Bergfest, ein Waldfest. Durch die Kraft des großen Wesens verletzte in dem so großen Walde kein Raubtier und kein Vogel irgend jemand.

Um dies zu erklären, sprach der Meister:

In diesem ganzen großen Walde,
so viele Tiere auch dort waren,
durch des Vessantara Gewalt
verletzten sie einander nicht.

In diesem ganzen großen Walde,
soviele Vögel auch dort waren,
durch des Vessantara Gewalt
verletzten sie einander nicht.

In diesem ganzen großen Walde,
so viele Tiere auch dort waren,
versammelten sie sich einträchtig,
als sich entfernt Vessantara,
des Sivi-Landes Reichsvermehrer.

In diesem ganzen großen Walde,
so viele Vögel auch dort waren,
versammelten sie sich einträchtig,
als sich entfernt Vessantara,
des Sivi-Landes Reichsvermehrer.

In diesem ganzen großen Walde,
soviele Tiere auch dort waren,
gaben sie keinen schönen Laut,
als sich entfernt Vessantara,
des Sivi-Landes Reichsvermehrer.

In diesem ganzen großen Walde,
so viele Vögel auch dort waren,
gaben sie keinen schönen Laut,
als sich entfernt Vessantara,
des Sivi-Landes Reichsvermehrer.

Nachdem der Herrscher Sanjaya dort einen ganzen Monat sich ergangen hatte, rief er den Heerführer und fragte ihn: „Mein Lieber, wir haben lange im Walde geweilt; hast du den Weg geschmückt, auf dem mein Sohn gehen wird?“ Als dieser antwortete: „Ja, o Fürst, es ist Zeit zum Gehen“, ließ er dies Vessantara melden und zog mit dem Heere fort. Vom Innern das Vamka-Gebirges bis zur Stadt Jetuttara benützte das große Wesen den sechzig Yojanas langen, reich geschmückten Weg mit großem Gefolge.

Um dies zu erklären, sprach der Meister:

Gerichtet war der Königsweg,
verziert, mit Blumen auch bedeckt
dort, wo Vessantara gewohnt,
bis zu der Stadt Jetuttara.

Darauf die sechzigtausend Kämpfer,
die alle herrlich anzusehen,
umringten ihn auf allen Seiten,
als nun fortzog Vessantara,
des Sivi-Landes Reichsvermehrer.

Die Haremsleute und die Prinzen,
die Vesiyas und die Brahmanen
umringten ihn auf allen Seiten,
als nun fortzog Vessantara,
des Sivi-Landes Reichsvermehrer.

Elefantenreiter und Leibwächter,
die Wagenkämpfer, Fußsoldaten
umringten ihn auf allen Seiten,
als nun fortzog Vessantara,
des Sivi-Landes Reichsvermehrer.

Die Schüsselträger,die Fellträger,
die Schwerter hielten, wohl gepanzert,
gingen vor ihm her auf dem Weg,
als nun fortzog Vessantara,
des Sivi-Landes Reichsvermehrer.

Nachdem der König den sechzig Yojanas langen Weg in zwei Monaten zurückgelegt hatte, kam er nach der Stadt Jetuttara; er zog in die reich geschmückte Stadt ein und stieg in seinen Palast hinauf.

Um dies zu erklären, sprach der Meister:

Sie zogen in die schöne Stadt
mit vielen Mauern und Warttürmen,
reich angefüllt mit Speis und Trank
und beidem, Tänzen und Gesang.

Die Landbewohner waren freundlich,
die Städter auch, die sich versammelt,
als jetzt herannahte der Prinz,
des Sivi-Landes Reichsvermehrer.

Gewänder flogen in die Luft,
als der Geldspender kam herbei,
Freude durchdrang die ganze Stadt;
man rief: „Lasst die Gefangnen los!“

Ganz und gar, bis zu den Katzen herab, ließ der Großkönig Vessantara alle Wesen befreien. Noch an dem Tage aber, da er in die Stadt eingezogen war, zur Zeit der Dämmerung dachte er: „Morgen, wenn die Nacht vergangen ist, werden die Bettler kommen, die von meiner Ankunft gehört haben. Was werde ich ihnen geben?“ In diesem Augenblicke wurde der Sitz Sakkas heiß. Als dieser überlegte und die Ursache erkannte, füllte er den Hintergrund und den Vordergrund des Königspalastes bis zur Höhe der Hüfte an und ließ dafür wie eine dichte Wolke einen Regen von den sieben Arten der Kostbarkeiten niedergehen. In der großen Stadt ließ er sie herabregnen bis zur Kniehöhe. Das große Wesen ließ bei den einzelnen Häusern an den hinteren und vorderen Plätzen die Gaben herschenken, indem es sagte: „Die Schätze ringsum sollen ihnen nur gehören.“ Das Übrige ließ er nehmen und mit den Schätzen in seinem eigenen Haus zusammen in den Schatzhäusern ausbreiten und bestimmte es auch zu Almosen.

Um dies zu erklären, sprach der Meister:

Einen aus Gold bestehnden Regen
ließ sogleich regnen jetzt der Gott,
als angelangt Vessantara,
des Sivi-Landes Reichsvermehrer.

Darauf, nachdem Vessantara
der Edle Almosen gespendet,
nach dem Verfall des Körpers kam
der Weisheitsvolle in den Himmel.

Nachdem der Meister diese mit tausend Strophen geschmückte Lehrunterweisung von Vessantara beendigt hatte, verband er das Jātaka mit folgenden Worten: „Damals war Jujaka Devadatta, Amittatapana war die junge Brahmanin Cinca, der junge Ceta war Channa, der Asket Accuta war Sariputta, Sakka war Anuruddha, der Herrscher Sanjaya war der Großkönig Suddhodana, die Fürstin Phusati war die große Maya, die Fürstin Maddi war die Mutter Rāhulas, der Prinz Jali war Rāhula, Kanhajina war Uppalavanna, das übrige Gefolge war die Buddhaschar, der König Vessantara aber war ich.“

Ende der Schilderung von Vessantara