Jātaka 7

Die Erzählung von der Holzsammlerin (Katthahari-Jātaka)

„Dein Sohn, o Herrscher, der bin ich“

Dies erzählte der Meister, da er im Jetavana sich aufhielt, mit Beziehung auf die Geschichte von der Vasabha-Fürstin.

Diese Geschichte wird im zwölften Buche im Bhaddasāla-Jātaka berichtet werden (Jātaka 465).

Sie, die Tochter des Mahanama Sakka, aber von einer Sklavin geboren, war die erste Gemahlin des Königs von Kosala. Sie gebar dem Könige einen Sohn. Als aber der König nachher erfuhr, dass sie von einer Sklavin abstamme, nahm er ihr ihren Rang und ihrem Sohn Vidudabha nahm er auch seinen Rang. Beide blieben aber im Palast.

Als der Meister davon Kenntnis erhielt, begab er sich zur Zeit des Vormittags, umgeben von fünfhundert Mönchen, nach dem Palaste des Königs, ließ sich auf einem hergerichteten Sitze nieder und fragte: „O Großkönig, wo ist die Vasabha-Fürstin?“ Darauf erzählte ihm der König die Sache. Nun fragte Buddha: „O Großkönig, wessen Tochter ist die Vasabha-Fürstin?“ „Die Tochter des Mahanama, Herr.“ „Als sie sich vermählte, mit wem hat sie sich vermählt?“ „Mit mir, Herr.“ Da sprach Buddha: „O Großkönig, sie ist die Tochter eines Königs, mit einem Könige vermählt, durch den König hat sie einen Sohn bekommen. Weshalb wird dieser Sohn nicht der Herr des seinem Vater gehörigen Reiches? In früherer Zeit haben Könige, die von einer Augenblicksgattin, einer Holzsammlerin, einen Sohn bekamen, diesem Sohne das Reich gegeben.“ Der König bat den Erhabenen, dies zu offenbaren. Und der Erhabene machte die durch eine frühere Geburt verborgene Begebenheit bekannt.

Ehedem begab sich einmal der König Brahmadatta im Benares mit großem Prunke nach seinem Parke. Während er sich dort aus Lust an Blumen und Früchten aufhielt, sah er in einem Gehölz des Parkes ein Mädchen, das singend Holz auflas. Von Leidenschaft ergriffen, wohnte er ihr bei. In diesem Augenblick nahm der Bodhisattva in ihrem Leibe seine Wiedergeburt. Ihr Leib aber wurde schwer, als wenn er mit Edelsteinen gefüllt wäre. Da sie erkannte, dass eine Frucht in ihr entstanden sei, sprach sie: „Ich habe empfangen, Herr.“ Der König gab ihr einen Siegelring und sprach: „Wenn es eine Tochter ist, so gib diesen weg und ziehe sie damit auf; wenn es aber ein Sohn wird, so bringe ihn samt dem Ringe zu mir.“ Damit ging er fort.—Als nun ihre Leibesfrucht zur Reife gelangt war, gebar sie den Bodhisattva. Zur Zeit aber, da er schon herumlaufen konnte, sprachen zu ihm einige, als er auf dem Spielplatze spielte: „Wir sind von dem Vaterlosen geschlagen.“ Als das der Bodhisattva hörte, ging er zu seiner Mutter hin und fragte: „Mutter, wer ist mein Vater?“ Sie antwortete: „Lieber, du bist der Sohn des Königs von Benares.“ Er fragte weiter: „Mutter, gibt es ein Zeugnis dafür?“ Sie erwiderte: „Lieber, der König gab mir diesen Ring mit den Worten: ‚Wenn es eine Tochter ist, so gib ihn weg und ziehe sie damit auf; wenn es aber ein Sohn wird, so bringe ihn samt dem Ringe zu mir.‘“ Darauf versetzte der Knabe: „Mutter, wenn es sich so verhält, warum bringst du mich nicht zu meinem Vater?“—Als sie den Wunsch des Knaben bemerkte, begab sie sich an das Tor des königlichen Palastes und ließ dem Könige ihr Kommen mitteilen. Dieser ließ sie herbeiholen; und sie ging hinein, grüßte den König und sprach: „Dies ist dein Sohn, o König.“ Aber obwohl es der König wusste, sprach er inmitten der Versammlung aus Scham: „Es ist nicht mein Sohn.“ „Dies, o Herr, ist dein Siegelring, diesen erkennst du an.“ „Dies ist auch nicht mein Siegelring.“ Da sagte die Frau: „O König, außer der Bestätigung der Wahrheit habe ich kein andres Zeugnis. Wenn ich diesen Knaben von dir geboren habe, soll er in der Luft stehen; wenn nicht, dann soll er zu Boden fallen und sterben.“ Und sie ergriff den Bodhisattva am Fuß und warf ihn in die Luft. Der Bodhisattva setzte sich in der Luft mit gekreuzten Beinen nieder und sprach, indem er mit süßem Laute seinem Vater die Lehre verkündigte, folgende Strophe:

Dein Sohn, o König, der bin ich;
zieh du mich auf, o Völkerfürst.
Auch andre zieht ein König auf,
warum nicht seinen eigenen Sohn?

Als der König hörte, wie sein Sohn in der Luft sitzend so die Lehre verkündigte, sprach er: „Komm, Lieber, ich will dich aufziehen, ich will dich aufziehen“, und streckte seine Hand nach ihm aus. Tausend Hände streckten sich aus. Der Bodhisattva stieg aber an keines anderen Hand herab, sondern an der Hand des Königs stieg er herab und setzte sich an seiner Seite nieder. Der König machte ihn zum Vizekönig und seine Mutter zu seiner ersten Gemahlin. Nach dem Tode seines Vaters wurde er König mit Namen Katthavahana (= „Holzsammler“); und nachdem er in Gerechtigkeit seine Herrschaft geführt hatte, kam er an den Ort seiner Verdienste.

Nachdem der Meister dem König von Kosala diese Belehrung vorgetragen und die beiden Begebenheiten erzählt hatte, legte er ihre Beziehung zueinander klar und verband das Jātaka mit den Worten: „Damals war die Mutter Maya meine Mutter, der Großkönig Suddhodana war mein Vater, der König Holzsammler aber war ich.“

Ende der Erzählung von der Holzsammlerin