Jātaka 77

Die Erzählung von den großen Träumen (Mahasupina-Jātaka)

„Kürbisse versinken“

Dies erzählte der Meister, da er im Jetavana verweilte, mit Beziehung auf die sechzehn großen Träume. Als nämlich eines Tages der König von Kosala in der Nacht eingeschlafen war, sah er während der letzten Nachtwache sechzehn große Träume. Zitternd vor Furcht erwachte er und dachte: „Was wird mir jetzt geschehen, nachdem ich diese Träume geschaut?“ Und von Todesfurcht erfasst, dachte er darüber nach, auf seinem Lager liegend.—Als aber die Nacht vergangen war, kamen die Brahmanen und Hauspriester zu ihm und fragten: „Habt Ihr gut geruht, o Großkönig?“ Er antwortete: „Woher soll es mir gut gehen, ihr Lehrer? Heute zur Zeit der Morgendämmerung schaute ich sechzehn große Träume; und seitdem ich diese gesehen habe, bin ich voll Furcht. Sprecht, ihr Lehrer!“ Als sie erwiderten: „Wenn wir sie gehört, werden wir es wissen“, erzählte er den Brahmanen die Träume, die er gesehen, und fragte: „Was wird mit mir geschehen, weil ich diese Träume schaute?“ Die Brahmanen schüttelten die Hände (ein Zeichen der Trauer, wie sonst das Ringen der Hände); und als er fragte: „Warum schüttelt ihr die Hände?“, antworteten sie: „Schlimm, o Großkönig, sind die Träume.“ „Was wird ihre Erfüllung sein?“ „Ein Schaden für das Reich, ein Schaden für das Leben, ein Schaden für das Vermögen, eines von diesen dreien ist es.“ „Kann man noch abhelfen oder nicht?“ „Gewiss sind diese Träume, weil sie gar zu arg sind, ohne Abhilfe; wir aber wollen sie abhelfbar machen. Wenn wir nicht dafür eine Abhilfe schaffen können, was hat dann unser ganzes Lernen für einen Wert?“ „Was wollt ihr aber tun, um eine Abhilfe zu schaffen?“ „Wir werden an jeder Straßenkreuzung ein Opfer darbringen, o Großkönig.“ Zitternd vor Furcht sprach der König: „Ihr Lehrer, mein Leben ist also in eurer Hand; bewirkt rasch meine Rettung.“ Die Brahmanen dachten: „Wir werden viel Geld erhalten, wir werden viel feste und flüssige Speise zu essen bekommen“; und erfreut und befriedigt sagten sie: „Bekümmere dich nicht, o Großkönig.“ Nachdem sie so den König getröstet hatten, verließen sie den Palast des Königs und machten außerhalb der Stadt eine Opfergrube. Darauf holten sie ausgewählte, ausgezeichnete Mengen von Vierfüßlern, brachten Scharen von Vögeln herbei und liefen immer hin und her, indem sie sagten: „Dies und das muss man noch bekommen.“

Als aber die Fürstin Mallika diese Dinge bemerkte, ging sie zum Könige hin und fragte: „Warum, o Großkönig, laufen die Brahmanen immer herum?“ Er erwiderte: „Du bist ein Glück für uns; du merkst nicht die Schlange, die an der Ohrwurzel sich befindet.“ „Was bedeutet dies, o Großkönig?“ „Ich habe solch böse Träume gesehen; nun haben die Brahmanen gesagt: ‚Von drei Übeln wird eines geschehen; um diese zu beseitigen, wollen wir ein Opfer bringen.‘ Aus diesem Grunde laufen sie immer hin und her.“ „Hast du aber auch, o Großkönig, den nach der Abhilfe der Träume gefragt, der in der Welt der Götter und Menschen der oberste Brahmane ist?“ „Wer ist denn aber, Liebe, in der Welt der Götter und Menschen der oberste Brahmane?“ „Kennst du nicht in der Welt der Götter und Menschen den ersten Mann, den Allwissenden, Reinen, Unbefleckten, den großen Brahmanen? Der Erhabene dürfte den Inhalt des Traumes kennen; gehe hin und frage ihn, o Großkönig!“ „Es ist gut, Fürstin“, versetzte der König; und er ging in das Kloster, begrüßte den Meister und setzte sich nieder. Der Meister ließ seine süße Stimme ertönen und fragte: „Warum, o Großkönig, bist du so früh gekommen?“ (Die Zeit, um Buddha zu besuchen, war der späte Nachmittag). Der König antwortete: „Ich, Herr, sah zur Zeit der Morgendämmerung sechzehn große Träume und voll Angst teilte ich sie den Brahmanen mit. Die Brahmanen sagten: ‚Schlimm, o Großkönig, sind die Träume; um ihre Wirkung zu beseitigen, wollen wir an jeder Straßenkreuzung ein Opfer darbringen.‘ Jetzt veranstalten sie das Opfer; viele Geschöpfe sind darum von Todesfurcht erfüllt. Ihr aber seid in der Welt der Götter und Menschen der erste Mann; mit Bezug auf die Vergangenheit, Zukunft und Gegenwart gibt es nichts Erkennbares, was nicht in den Bereich Eurer Erkenntnis gelangt. Saget mir die Erfüllung dieser Träume, Erhabener.“ Buddha erwiderte: „So ist dies, o Großkönig; in der Welt der Götter und Menschen ist außer mir niemand im Stande, den Inhalt oder die Erfüllung dieser Träume zu erkennen. Ich werde es dir mitteilen; erzähle du mir aber die Träume in der Art, wie du sie gesehen.“ „Gut, Herr“, versetzte der König; und indem er die Träume in der Art, wie er sie gesehen, erzählte, sagte er:

„Stiere, Bäume, Kühe, Rinderfarren (Farren sind junge Bullen),
dann ein Ross, ein Becken, Schakalweibchen, Krug,
Lotosteich, ungarer Reis und Sandel;
Kürbisse versinken, Steine schwimmen,
Frösche dann verschlingen schwarze Schlangen,
eine Krähe ist von Gold umgeben,
aufgeregt der Wolf in Furcht vor wilden Ziegen.“

Nachdem er diese Übersicht gegeben hatte, erzählte er: „Wie, Herr? Den einen Traum sah ich folgendermaßen: Vier schwarze Stiere von der Farbe der Augenwimpernsalbe waren, um zu kämpfen, von den vier Himmelsgegenden in den Hof des Königs gekommen; und während viel Volks sich versammelt hatte, um den Stierkampf anzusehen, gaben sie sich den Anschein, als wollten sie kämpfen, schrien und brüllten, gingen aber weg, ohne gekämpft zu haben. Dies sah ich als ersten Traum; was ist seine Bedeutung?“ Buddha erwiderte: „O Großkönig, die Erfüllung dieses Traumes wird nicht zu deiner und nicht zu meiner Zeit geschehen. In der Zukunft aber, wenn die Könige ärmlich und ungerecht, wenn die Menschen unredlich sein werden, wenn die Welt sich ganz verändert hat, wenn das Gute verschwunden und das Böse angewachsen ist, zur Zeit, da sich die Welt verschlechtert hat, wird es gar nicht mehr regnen, die Füße des Sturmes werden kraftlos sein, (d. h. es werden keine Stürme mehr herankommen, die ja in Indien stets Vorboten von Regen sind) das Getreide wird vertrocknen, eine Hungersnot wird eintreten. Dann werden sich, als ob sie regnen wollten, an den vier Himmelsgegenden Wolken erheben, so dass die Frauen den Reis und andere Dinge, die sie in der Sonne ausgebreitet haben, in das Haus hineintragen aus Furcht, sie würden nass, und dass die Männer mit Spaten und Körben in den Händen hinausgehen, um die Dämme fest zu machen. Nachdem diese Wolken aber sich den Anschein gegeben, als ob sie regnen wollten, nachdem sie gedonnert und Blitze entsandt haben, werden sie wie Stiere, die nicht gekämpft, davon ziehen, ohne geregnet zu haben. Das ist die Bedeutung dieses Traumes; für dich aber entsteht durch ihn kein Schaden, sondern du hast nur in Bezug auf die Zukunft den Traum gesehen. Die Brahmanen aber sagten so, weil sie auf ihren Unterhalt bedacht waren.“

Nachdem der Meister so die Erfüllung des Traumes erzählt hatte, sprach er: „Erzähle mir den zweiten, o Großkönig!“ Der König sagte: „Den zweiten, Herr, sah ich folgendermaßen: Kleine Bäume und Sträucher durchbrachen den Erdboden; und nachdem sie eine Spanne oder eine Elle hoch geworden waren, blühten sie und trugen Frucht. Dies sah ich als zweiten Traum; was ist dessen Bedeutung?“ Buddha antwortete: „O Großkönig, die Erfüllung dieses Traumes wird zur Zeit der Weltverschlechterung eintreten, zur Zeit, da die Menschen ein kurzes Leben haben. In Zukunft nämlich werden die Wesen schärfere Gelüste haben; vor dem gehörigen Alter werden die Mädchen mit den Männern verkehren, werden sie ihre Reinigung haben, schwanger werden und Söhne und Töchter bekommen. Wie die Blüten der kleinen Bäume, so wird ihre Reinigung; wie deren Frucht, so werden ihre Söhne und Töchter sein. Auch darüber brauchst du also keine Furcht zu haben. Erzähle den dritten, o Großkönig!“

Der König sprach weiter: „Ich sah, Herr, wie Kühe die Milch von an demselben Tage geborenen Kälbern tranken. Dies ist mein dritter Traum; was ist dessen Bedeutung?“ Buddha erwiderte: „Auch dieses Traumes Erfüllung wird in der Zukunft geschehen, wenn bei den Menschen die Werke der Ehrerbietung gegen die Älteren verschwunden sind. In Zukunft nämlich werden die Wesen ihren Eltern und Schwiegereltern keine Bescheidenheit mehr entgegenbringen, sondern selbst ihre Familie regieren. Wenn sie den Alten geben wollen, so viel sie an Nahrung und Kleidung bedürfen, werden sie es geben; wenn sie es nicht geben wollen, werden sie es nicht geben. Hilflos und unselbständig werden die Alten nur durch die Gunst der Jungen leben, wie wenn große Kühe die Milch von an demselben Tage geborenen Kälblein trinken würden. Auch darüber also brauchst du keine Furcht zu haben. Erzähle den vierten!“

„Herr, ich sah, wie Fuhrleute große Ochsen, die hoch und breit waren, nicht zusammen anschirrten, sondern wie sie junge Rinderfarren an das Joch schirrten. Da diese das Joch nicht ziehen konnten, warfen sie es ab und blieben stehen und die Wagen kamen nicht vorwärts. Dies ist mein vierter Traum; was ist dessen Bedeutung?“ „Auch dieses Traumes Erfüllung wird in der Zukunft stattfinden, zur Zeit, da die Könige ungerecht sind. In der Zukunft nämlich werden die ärmlichen, ungerechten Könige den weisen Ratgebern, die des alten Brauches kundig und im Stande sind, ihre Geschäfte zu erledigen, keine Ehre erweisen; in der Gerichtshalle werden sie die weisen, gesetzeskundigen alten Minister nicht den Richterstuhl einnehmen lassen. Den diesen entgegengesetzten ganz Jungen aber werden sie Ehre erweisen und solche werden sie den Richterstuhl einnehmen lassen. Diese werden, da sie die Geschäfte des Königs und das Geziemende nicht verstehen, dieser Ehre nicht gewachsen sein und werden die Geschäfte des Königs nicht erledigen können; und infolge ihrer Unfähigkeit werden sie das Joch der Geschäfte abwerfen. Die alten, weisen Minister, denen keine Ehre erwiesen wird, obwohl sie die Geschäfte zu erledigen verständen, werden denken: ‚Was haben wir mit diesen zu tun? Wir stehen draußen; die jungen Knaben, die drinnen sind, werden es verstehen‘, und werden auch die ihnen zukommenden Angelegenheiten nicht erledigen. So wird überall für diese Könige eine Schädigung entstehen und es wird sein, wie wenn man Kälberfarren, die das Joch nicht zu ziehen im Stande sind, an das Joch anschirrt, die großen Ochsen aber nicht in der Reihe an das Joch anschirrt. Auch darüber brauchst du also keine Furcht zu haben. Erzähle den fünften!“

„Herr, ich sah ein Ross, das auf beiden Seiten ein Maul hatte. Auf zwei Seiten gab man ihm Futter und mit zwei Mäulern fraß es. Dies ist mein fünfter Traum; was ist seine Bedeutung?“ „Auch dieses Traumes Erfüllung wird in der Zukunft stattfinden zur Zeit ungerechter Könige. In Zukunft nämlich werden ungerechte und törichte Könige ungerechte und habgierige Menschen auf den Richterstuhl setzen. Wenn diese bösen, das Gute nicht berücksichtigenden, törichten Leute in der Halle sitzen und Recht sprechen, werden sie von beiden Parteien, von Freund und Feind, Geschenke annehmen, wie wenn ein Pferd mit zwei Mäulern Futter verzehrte. Auch darüber brauchst du keine Furcht zu haben. Erzähle den sechsten!“

„Herr, eine große Volksmenge reinigte eine goldene Schüssel, hunderttausend an Wert, und reichte sie dann einem alten Schakal, damit er seinen Urin hineinließe. Ich sah, wie er seinen Urin hineinließ. Dies ist mein sechster Traum; was ist seine Bedeutung?“ „Auch dieses Traumes Erfüllung wird erst in der Zukunft eintreten. In Zukunft nämlich werden ungerechte Könige trotz ihrer Abstammung den Söhnen aus guter Familie, die edler Herkunft sind, aus Verdacht keine Ehre erweisen und werden Leute aus keiner Familie erhöhen. (Mit Leuten aus keiner Familie sind wohl Kastenlose oder aus der untersten Kaste, „ohne Stammbaum“ gemeint). So werden die Leute aus edlen Familien ins Elend kommen, die Leute aus niedrigen Familien aber werden zu Herren werden. Da nun die Leute aus guter Familie sich nicht mehr erhalten können, werden sie denken: ‚Durch diese werden wir uns erhalten‘, und diesen Leuten aus keiner Familie ihre Töchter zu Frauen geben. Die Vereinigung dieser Töchter aus gutem Hause aber mit den Leuten aus keiner Familie wird sein, wie wenn man einen alten Schakal auf eine goldene Schüssel seinen Urin machen lässt. Auch darüber brauchst du keine Furcht zu haben. Erzähle den siebenten!“

„Herr, nachdem ein Mann einen Strick hin und her gedreht hatte, warf er ihn zu seinen Füßen; darauf fraß ein hungriges Schakalweibchen, das unter der Bank lag, auf der er saß, den Strick auf, ohne dass er es merkte. So sah ich. Dies war mein siebenter Traum; was ist seine Bedeutung?“ „Auch dieses Traumes Erfüllung wird erst in der Zukunft stattfinden. In Zukunft nämlich werden die Weiber gierig nach Männern, gierig nach Branntwein, gierig nach Schmuck, gierig nach der Straße, gierig nach Belustigung werden. Voll schlechten Betragens und schlechten Wandels werden sie das von ihren Gatten durch Ackerbau, Viehhüten und andere Arbeiten kümmerlich und mit Mühe erworbene Geld verschleudern, indem sie mit ihren Buhlen Branntwein trinken, Kränze, Parfüms und Salben gebrauchen, im Hause auch die drängende Arbeit nicht beachten, aus Öffnungen oben an der Umzäunung des Hauses auf ihre Buhlen herabschauen, den für morgen zur Aussaat bestimmten Samen zerstoßen, Reisschleim und Kuchen daraus machen und diese verzehren; gerade wie das hungrige Schakalweibchen, das unter der Bank lag, den hin und her gedrehten Strick, der zu Füßen des Seilers gefallen war. Auch darüber brauchst du keine Angst zu haben. Erzähle den achten!“

„Herr, am Tore des Königs sah ich einen großen, gefüllten Wasserkrug stehen, der von vielen leeren Krügen umgeben war. Es brachten aber die vier Kasten aus den vier Haupt- und den vier Nebenhimmelsgegenden beständig in Krügen Wasser herbei und füllten den vollen Krug. Das immer wieder hineingefüllte Wasser stieg heraus und lief davon; dennoch aber besprengten sie immer wieder den Krug. Nach den leeren Krügen aber sah niemand. Dies war mein achter Traum; was ist dessen Bedeutung?“ „Auch dieses Traumes Erfüllung wird erst in der Zukunft stattfinden. In der Zukunft nämlich wird die Welt sich verschlechtern; das Königtum wird matt, die Könige werden elend und ärmlich werden. Wer der Herr von ihnen ist, in dessen Schatz werden nur hunderttausend Kahapanas sein. Da es ihnen so schlecht gehen wird, werden sie alle Landleute für sie säen lassen; die geplagten Menschen werden ihre eigenen Arbeiten außer Acht lassen und nur um der Könige willen die verschiedenen Getreidearten und Hülsenfrüchte säen, behüten, abschneiden, dreschen und hereinbringen. Sie werden ferner Zuckerrohrfelder anbauen, Mühlen errichten, Mühlen treiben, Zuckersaft u. dgl. kochen; sie werden Blumengärten und Obstgärten anlegen und die an den verschiedenen Stellen gewachsenen Getreidepflanzen u. dgl. herbeiholen. Damit aber werden sie nur das Vorratshaus des Königs anfüllen; auf die Vorratskammern in ihrem eigenen Hause werden sie nicht einmal hinschauen. Dies ist gleich der Füllung des vollen Kruges, wobei man alle die leeren Krüge nicht einmal ansieht. Auch darüber brauchst du keine Angst zu haben. Erzähle den neunten!“

„Herr, ich sah einen mit fünffarbigen Lotosblumen bedeckten, tiefen, von allen Seiten zugänglichen Lotosteich; von allen Seiten her stiegen Zweifüßer und Vierfüßler dort hinab und tranken dort Wasser. In der Mitte dieses Teiches, da wo er tief war, war das Wasser trübe, in der Gegend des Ufers aber, da wo die Zweifüßer und Vierfüßler herankamen, war er klar, durchsichtig und ungetrübt. So sah ich. Dies war mein neunter Traum; was ist seine Bedeutung?“ „Auch dieses Traumes Erfüllung wird erst in der Zukunft stattfinden. In Zukunft nämlich werden die Könige ungerecht werden; infolge von Begierde u. dgl. (die vier Bestandteile üblen Wandels sind: Begierde, Hass, Verblendung und Furcht) werden sie auf üble Art ihre Regierung führen. Nicht nach der Gerechtigkeit werden sie Recht sprechen, auf Geschenke werden sie versessen sein und gierig nach Geld, gegen die Bewohner ihres Reiches werden sie nicht geduldig, liebevoll und mitleidig sein. Hart und grausam werden sie ihre Untertanen drücken wie Zuckerrohrknoten in der Zuckerrohrmühle; sie werden ihnen auf mancherlei Art Steuern auferlegen und so ihr Geld nehmen. Darauf werden die durch die Steuern gedrückten Untertanen, wenn sie nichts mehr hergeben, ihre Dörfer und Flecken und andere Wohnorte im Stiche lassen, nach der Grenze gehen und dort Wohnung nehmen. So wird die Mitte des Landes leer sein, das Grenzland aber dicht bewohnt, gleichwie im Lotosteiche in der Mitte das Wasser trübe war, außen aber klar. Auch darüber brauchst du also keine Angst zu haben. Erzähle den zehnten!“

„Herr, ich sah in einem Topfe Reis kochen, der nicht gar wurde, sondern ungar, gleich als ob er geteilt oder zerstückelt wäre. Auf drei Arten nämlich wurde er gekocht: auf der einen Seite war er zu weich, auf der andern zu hart, auf der dritten war er richtig gekocht. Dies war mein zehnter Traum; was bedeutet er?“ „Auch dieses Traumes Erfüllung wird erst in der Zukunft stattfinden. In Zukunft nämlich werden Könige ungerecht sein und auch die dem Könige ergebenen Brahmanen, Hausväter, Städter und Landleute mit Einschluss der Asketen und Brahmanen, kurz alle Menschen werden ungerecht sein. Darauf werden auch die sie beschützenden Gottheiten, die Opfer entgegennehmenden Gottheiten, die Baumgottheiten, die in der Luft wohnenden Gottheiten, diese Gottheiten werden also auch ungerecht werden. Im Reiche der ungerechten Könige werden die Winde ungleich und scharf wehen; diese werden die in der Luft befindlichen Götterpaläste erschüttern. Über diese Erschütterung erzürnt werden die Gottheiten nicht regnen lassen; wenn es aber doch regnet, wird es nicht im ganzen Reiche auf einmal regnen; wenn es doch regnet, so wird es nicht regnen zur Unterstützung der Arbeit des Pflügens und Säens. Und wie im Reiche, so wird es auch auf dem Lande, im Dorfe, ja nicht einmal in einem Teiche auf einmal regnen, sondern wenn es auf den obern Teil des Teiches regnet, wird es auf den untern Teil nicht regnen, und wenn es unten regnet, wird es oben nicht regnen. In einem Teile wird das Getreide durch allzu viel Regen zugrunde gehen, in einem andern durch das Ausbleiben des Regens verdorren, in einem dritten aber wird es durch richtigen Regen reif werden. So werden die in dem Reiche eines Königs gewachsenen Ähren ungleich sein wie Reis in demselben Topfe. Auch darüber brauchst du keine Angst zu haben. Erzähle den elften!“

„Herr, ich sah, wie man feinstes Sandelholz im Werte von hunderttausend für faule Buttermilch verkaufte. Dies war mein elfter Traum; was bedeutet er?“ „Auch dieses Traumes Erfüllung wird erst in der Zukunft stattfinden, wenn meine Disziplin sich verschlechtert. In Zukunft nämlich werden die auf die Hilfsmittel versessenen, schamlosen Mönche viele werden. Diese werden die Lehrunterweisung, die ich gab, um die Gier nach den Hilfsmitteln zu tadeln, den anderen erzählen, um Gewänder und die übrigen der vier Hilfsmittel zu erhalten. Nachdem sie sich infolge der Hilfsmittel losgemacht haben (nämlich von der richtigen Disziplin), werden sie auf der Seite der Andersgläubigen stehen und das nicht lehren können, was zum Nirvana führt. Sie werden predigen, weil sie denken, die Leute werden, wenn sie nur den Klang meiner Worte und ihren süßen Laut hören, wertvolle Gewänder u. dgl. geben und gerne geben wollen. Andere werden sich auf den Straßen, an den Straßenkreuzungen, an den Toren des Königspalastes hinsetzen und für halbe Kahapanas, für Padas, Masakas (Münzen von geringem Wert) und andere Münzen predigen. Wenn sie so die von mir verkündigte Lehre, die das Nirvana zum Preis hat, predigen, indem sie dieselbe um der vier Hilfsmittel willen für Kahapanas und halbe Kahapanas verkaufen, werden sie sein wie Leute, die kostbares Sandelholz, das hunderttausend wert ist, für faule Buttermilch verkaufen. Auch darüber brauchst du also keine Angst zu haben. Erzähle den zwölften!“

„Herr, ich sah leere Kürbisse im Wasser untersinken; was bedeutet dies?“ „Auch dieses Traumes Erfüllung wird erst in der Zukunft stattfinden zur Zeit ungerechter Könige, wenn die Welt sich verändert. Dann werden nämlich die Könige den Söhnen aus guter Familie, die edler Herkunft sind, keine Ehre erweisen, sondern nur denen von keiner Familie. Diese werden die Herren werden, die anderen aber arm. In Gegenwart des Königs, am Tore des königlichen Palastes, in Gegenwart der Minister, auf dem Richterstuhl wird die Rede der Leute von keiner Familie, die doch leeren Kürbissen gleichen, niedersinken und unbeweglich und fest dastehen. Auch bei den Versammlungen der Mönchsgemeinde, an den Orten, wo die Angelegenheiten der Gemeinde, wo die Angelegenheiten der Priesterschaft geordnet werden, an den Orten, wo gerichtet wird über Almosenschalen, Gewänder, Zellen u. dgl., wird die Rede von schlecht lebenden, bösen Menschen zur Richtschnur dienen, nicht die der schamhaften Mönche. So wird es durchaus gewissermaßen eine Zeit werden, wo leere Kürbisse untersinken. Auch darüber brauchst du also keine Angst zu haben. Erzähle den dreizehnten!“

„Herr, ich sah, wie sehr große, feste Steine von der Größe einer Pagode Schiffen gleich auf dem Wasser schwammen; was bedeutet dies?“ „Auch dieses Traumes Erfüllung wird in einer solchen Zeit stattfinden. Dann werden nämlich ungerechte Könige Leuten von keiner Familie ihre Huld schenken; diese werden die Herren werden, die Leute von Familie aber werden im Elend sein. Ihnen wird niemand Ehre erweisen, sondern nur den anderen. In Gegenwart des Königs, in Gegenwart der Minister, auf dem Richterstuhl wird die Rede der des Rechtes kundigen, festen Steinen zu vergleichenden Söhnen aus guter Familie nicht Aufnahme finden und feststehen; sondern wenn sie reden, werden die anderen sie nur verspotten, indem sie sagen: ‚Was sagen diese?‘ Auch bei den Versammlungen der Mönche, an den oben bezeichneten Orten wird man die liebenswürdigen Mönche nicht für verehrungswürdig halten und deren Rede wird nicht Aufnahme finden und feststehen. Es wird sein, wie wenn Steine schwimmen. Auch darüber brauchst du keine Angst zu haben. Erzähle den vierzehnten!“

„Herr, ich sah, wie kleine Frösche, so groß wie Honigblüten, große schwarze Schlangen rasch verfolgten, sie wie Lotosstängel zerbrachen und ihr Fleisch fraßen und verschlangen; was bedeutet dies?“ „Auch dieses Traumes Erfüllung wird erst in der Zukunft stattfinden, wenn die Welt sich verschlechtert. Dann werden die Menschen von brennenden Begierden erfüllt, von Leidenschaften beseelt sein und dadurch in die Gewalt ihrer ganz jungen Gattinnen kommen; im Hause werden die Sklaven und Diener, die Kühe und Rinder, Gold und Kostbarkeiten alle das Eigentum jener werden. Wenn diese gefragt werden: ‚Wo ist dieser und dieser Goldschmuck oder dieses Gewand?‘, werden sie sagen: ‚Wo es ist, da soll es sein. Was geht dich dies Geschäft an? Du willst wohl wissen, was in meinem Hause ist oder nicht ist!‘ Mit solchen Worten werden sie auf mancherlei Art schelten, gewissermaßen mit den Speeren des Mundes die Sklaven und Diener verwunden, sie sich unterwerfen und so ihre Herrschaft begründen. Auf diese Weise wird es sein, wie wenn junge Frösche, so groß wie Honigblüten, schwarze Schlangen verschlingen würden. Auch darüber brauchst du also keine Angst zu haben. Erzähle den fünfzehnten!“

„Herr, ich sah, wie eine mit den zehn Untugenden ausgestattete, im Dorfe sich Nahrung suchende Krähe von Goldflamingos umgeben wurde, die wegen ihres goldfarbigen Gefieders die Goldenen genannt wurden. Was bedeutet dies?“ „Auch dieses Traumes Erfüllung wird erst in der Zukunft stattfinden in der Zeit, wo die Könige schwach sind. In Zukunft nämlich werden Könige, obwohl der Kriegskunst unkundig, im Kampfe voll Selbstvertrauen sein. Aus Furcht, ihr Reich u. dgl. zu verlieren, werden sie den aus ebenbürtigem Geschlecht stammenden Söhnen von guter Familie nicht die Herrschaft geben, sondern den Leuten zu ihren Füßen, ihren Badedienern und Barbieren. Da nun die aus edlem Geschlechte stammenden Söhne von guter Familie am Hofe des Königs keine Hilfe finden, werden sie nicht im Stande sein, ihren Unterhalt zu erwerben und deshalb den in eine herrliche Stellung gelangten Leuten von geringer Herkunft, aus keiner Familie aufwarten. Es wird sein, wie wenn eine Krähe von Goldflamingos umgeben wird. Auch darüber brauchst du keine Angst zu haben. Erzähle den sechzehnten!“

„Herr, bisher verzehrten die Panter die wilden Ziegen; ich aber sah, wie wilde Ziegen die Panter verfolgten und mit Krachen auffraßen. Als dann einige furchtsame Wölfe die wilden Ziegen von ferne sahen, erzitterten sie und wurden angsterfüllt; und sie liefen aus Furcht vor den wilden Ziegen davon und versteckten sich in Busch und Dickicht. So sah ich; was bedeutet dies?“ „Auch dieses Traumes Erfüllung wird erst in der Zukunft stattfinden zur Zeit ungerechter Könige. Dann nämlich werden die Günstlinge des Königs, die aus keiner edlen Familie stammen, die Herren sein, die Leute aus guter Familie aber unangesehen und elend. Die Günstlinge des Königs werden den König ihre Rede annehmen lassen und so auf dem Richterstuhl und an anderen Stellen mächtig werden. Wenn dann die Leute von guter Familie wegen ihres Rechtes kommen und um Felder oder Kleider streiten, indem sie sagen: ‚Diese gehören uns‘, so werden jene, wenn diese kommen und vor dem Richterstuhle streiten: ‚Dies ist nicht euch, sondern uns‘, diese Leute mit Stöcken und Flechtwerk schlagen lassen, am Halse packen und fort stoßen lassen, indem sie sagen: ‚Wisst ihr nicht, was ihr wert seid? Ihr streitet mit uns? Wir werden euch jetzt dem Könige melden und euch die Hände und Füße zerbrechen lassen.‘ So werden sie dieselben mit Furcht erfüllen und aus Angst werden die anderen die ihnen gehörigen Gewänder den anderen geben und sagen: ‚Euch gehören sie; nehmt sie.‘ Und sie werden sich in ihre Häuser zurückziehen und sich furchtsam verstecken. Auch die bösen Mönche werden die braven Mönche nach Belieben misshandeln; und da die braven Mönche keinen Schutz finden, werden sie in den Wald flüchten und sich im Dickicht verstecken. Wenn so von den niedrig Geborenen und den bösen Mönchen die Söhne von edlen Familien und die braven Mönche unterdrückt werden, so wird es sein, wie wenn aus Furcht vor wilden Ziegen die Wölfe zitternd davon laufen. Auch darüber brauchst du also keine Angst zu haben, denn auch dieser Traum ist nur in Beziehung auf die Zukunft erschienen. Die Brahmanen aber haben nicht aus Rechtlichkeit oder aus Liebe zu dir so gesprochen, sondern sie dachten: ‚Wir wollen viel Geld bekommen‘, und sprachen daher so wegen ihres Erwerbes, da sie die Geldgier verblendete.“

Nachdem der Meister so die Erfüllung dieser sechzehn großen Träume erzählt hatte, sprach er: „Nicht nur jetzt hast du, o Großkönig, allein diese Träume gesehen, sondern auch schon frühere Könige sahen sie; und ebenso nahmen auch deren Träume die Brahmanen auf und benutzten sie zu Opfern. Dann aber gingen jene auf die von Weisen angegebene Art zum Bodhisattva hin und fragten ihn; und auch schon früher erklärte er ihnen diese Träume auf dieselbe Weise.“ Und nach diesen Worten erzählte er folgende Begebenheit aus der Vergangenheit.

Als ehedem zu Benares Brahmadatta regierte, hatte der Bodhisattva in einer Brahmanenfamilie des Nordens seine Wiedergeburt genommen. Als er herangewachsen war, betätigte er die Weltflucht der Weisen; und er erreichte die Erkenntnisse und die Vollkommenheiten und wohnte in der Gegend des Himalaya, des Glückes der Ekstase sich erfreuend.—Damals sah zu Benares Brahmadatta auf dieselbe Weise diese Träume und fragte die Brahmanen. Die Brahmanen begannen ebenso, ihr Opfer darzubringen.

Nun fragte der Schüler eines Hauspriesters, ein kluger und verständiger junger Brahmane, seinen Lehrer: „Lehrer, wir haben bei Euch die drei Veden erlernt; steht nicht darin: ‚Wenn man einen tötet, kann man einem andern dadurch keine Rettung bringen?‘“ Der Lehrer antwortete: „Lieber, auf diese Art wird uns viel Geld zuteil werden; du willst das Geld des Königs behüten, glaube ich.“ Der junge Brahmane erwiderte: „Tut darum, Lehrer, was Euer Geschäft ist; was soll ich bei Euch noch treiben?“ Und auf seiner Wanderung kam er in den Park des Königs.

An eben diesem Tage aber hatte der Bodhisattva diesen Sachverhalt bemerkt und bei sich gedacht: „Wenn ich heute in den Bereich des Menschen gehe, werden viele Personen von Banden erlöst werden.“ Und er nahm seinen Weg durch die Luft, stieg im Garten herab und ließ sich auf der Fläche eines herrlichen Steines nieder wie auf einer goldenen Schüssel. Der junge Brahmane ging zum Bodhisattva hin, begrüßte ihn, setzte sich neben ihn und begann eine liebevolle Unterhaltung. Nachdem der Bodhisattva mit ihm süße Rede getauscht, fragte er: „Wie, junger Brahmane, führt der König mit Gerechtigkeit seine Regierung?“ Jener erwiderte: „Herr, der König ist ja rechtschaffen, aber die Brahmanen machen ihn zum Teilnehmer an Überschreitungen. Der König hat sechzehn Träume gesehen und sie den Brahmanen mitgeteilt; darauf machten die Brahmanen sich daran, ein Opfer zu veranstalten. Kommt es Euch, Herr, nicht zu, den König zu belehren, was die Bedeutung dieser Träume ist, und so viele Personen von ihrer Todesfurcht zu befreien?“ Der Bodhisattva antwortete: „Wir kennen den König nicht, junger Brahmane, und der König kennt auch uns nicht; wenn er aber hierher käme und uns fragte, würden wir sie ihm erklären.“ Der junge Brahmane versetzte: „Ich werde ihn bringen, Herr; bleibt einen Augenblick sitzen und wartet auf meine Rückkehr!“ Nachdem er dann die Zustimmung des Bodhisattva erhalten hatte, begab er sich zum Könige und sprach zu ihm: „O Großkönig, ein in der Luft wandelnder Asket ist in Euren Garten hinabgestiegen und lässt Euch rufen, da er Euch die Bedeutung der von Euch geschauten Träume auseinandersetzen will.“

Als der König dessen Rede gehört hatte, begab er sich sofort mit großem Gefolge nach dem Parke; und er grüßte den Asketen, setzte sich neben ihn und fragte: „Kennt Ihr wohl, Herr, die Bedeutung der von mir geschauten Träume?“ „Ja, o Großkönig.“ „Erklärt sie mir also!“ „Ich erkläre sie, o Großkönig; lass mich aber zuerst die Träume hören, wie du sie sahest.“ „Gut, Herr“, versetzte der König und sprach:

„Stiere, Bäume, Kühe, Rinderfarren,
dann ein Ross, ein Becken, Schakalweibchen, Krug,
Lotosteich, ungarer Reis und Sandel;
Kürbisse versinken, Steine schwimmen,
Frösche dann verschlingen schwarze Schlangen,
eine Krähe ist von Gold umgeben,
aufgeregt der Wolf in Furcht vor Ziegen.“

Nach diesen Worten erzählte er die Träume in derselben Art wie der König Pasenadi (der König von Kosala zur Zeit Buddhas). Nachdem dann der große Mann den König mit den Worten: „Genug davon; um des willen brauchst du keine Angst, noch Bestürzung zu haben“, den König beruhigt und damit viele Personen von ihren Banden erlöst hatte, erhob er sich wieder in die Luft, gab dem Könige eine Ermahnung und befestigte ihn in den Geboten. Dann erklärte er ihm die Lehre, indem er sagte: „Von jetzt an, o Großkönig, tue dich nicht mehr mit den Brahmanen zusammen, um ein mit Tiertötung verbundenes Opfer darzubringen!“ Und er begab sich durch die Luft nach seinem Wohnorte. Der König aber blieb fest bei seiner Ermahnung; er gab Almosen und tat andere gute Werke und gelangte darauf an den Ort seiner Verdienste.

Nachdem der Meister diese Lehrunterweisung beschlossen und den König mit den Worten: „Wegen der Träume besteht keine Besorgnis für dich; unterlasse das Opfer!“, zum Unterlassen des Opfers veranlasst und dadurch vielen Personen das Leben geschenkt hatte, stellte er die gegenseitigen Beziehungen klar und verband das Jātaka mit folgenden Worten: „Damals war der König Ananda, der junge Brahmane war Sariputta, der Asket aber war ich.“

Ende der Erzählung von den großen Träumen