Jātaka 9

Die Erzählung vom König Makhadeva (Makhadeva-Jātaka)

„Hoch auf dem Haupte diese Locke“

Dies erzählte der Meister, da er im Jetavana verweilte, mit Beziehung auf seine große Weltentsagung.

Diese ist schon oben in der Nidanakatha geschildert worden.

Zu der Zeit aber hatten sich die Mönche niedergesetzt und priesen die Weltentsagung des mit den zehn Kräften Begabten. Da begab sich der Meister nach der Lehrhalle, ließ sich auf seinen Buddhasitz nieder und fragte die Mönche: „Zu welcher Unterhaltung, ihr Mönche, habt ihr euch jetzt niedergesetzt?“ Sie antworteten: „Herr, zu keiner anderen Unterhaltung haben wir uns niedergelassen, als um deine Weltentsagung zu preisen.“ Darauf sprach Buddha: „Ihr Mönche, nicht nur jetzt hat der Vollendete die Weltentsagung ausgeführt, auch früher schon hat er die Welt verlassen.“ Die Mönche baten nun den Erhabenen, ihnen dies kund zu tun. Und der Erhabene offenbarte ihnen die von einer früheren Existenz her verborgene Begebenheit.

Ehedem war im Königreich Videha zu Mithila ein König namens Makkhadeva, ein tugendhafter König der Gerechtigkeit. Dieser hatte vierundachtzigtausend Jahre lang zuerst als junger Prinz, dann als Vizekönig, dann als Großkönig gelebt.—Als er so lange Zeit zugebracht hatte, sagte er eines Tages zu seinem Barbier: „Lieber Barbier, wenn du auf meinem Haupte graue Haare sehen wirst, dann sage es mir.“ Nach langer Zeit sah der Barbier eines Tages unter den Haaren des Königs, die so schwarz waren wie ein Färbemittel für die Augenbrauen, ein einziges graues Haar und teilte dem Könige mit, dass ein graues Haar an ihm zu sehen sei. Der König sprach: „Lieber, ziehe deshalb das graue Haar heraus und lege es auf meine Hand.“ Darauf zog jener es mit einer goldenen Zange heraus und legte es auf die Hand des Königs. Damals war dem König noch eine Lebensfrist von vierundachtzigtausend Jahren übrig. Trotzdem meinte er, als er das graue Haar sah, der König des Todes sei gekommen und stehe neben ihm, und er sei in ein brennendes Blätterhaus eingetreten; und voll Aufregung dachte er: „O törichter Makkhadeva, bis ein graues Haar kommt, vermagst du nicht diese Befleckungen aufzugeben.“ Während er so über das Erscheinen des grauen Haares immer nachdachte, wurde er innen voll Glut, Schweißtropfen rannen von seinem Leibe herab und seine Gewänder bedrückten ihn und schienen ihm nicht zu ertragen. Da dachte er: „Heute noch kommt es mir zu, die Welt zu verlassen und Mönch zu werden“; und er schenkte dem Barbier ein Dorf mit Einkünften im Werte von hunderttausend. Dann ließ er seinen ältesten Sohn rufen und sprach zu ihm: „Lieber, auf meinem Haupte hat sich ein graues Haar gezeigt, ich bin alt geworden; genossen habe ich die menschlichen Freuden, jetzt werde ich die himmlischen Freuden suchen. Zeit ist es für mich, die Welt zu verlassen. Übernimm du diese Regierung; ich will Mönch werden und im Mangowalde des Makkhadeva wohnend die Asketenpflichten ausüben.“ Als er so Lust zum Mönchtum hatte, kamen seine Minister zu ihm und fragten ihn: „Herr, was hast du für einen Grund Mönch zu werden?“ Der König fasste das graue Haar mit der Hand und sagte den Ministern folgende Strophe:

„Hoch auf dem Haupte diese Locke
ist mir vom Alter jetzt gebracht
als Götterbotin mir erschienen;
zum Mönchtum ist 's jetzt Zeit für mich.“

Nach diesen Worten gab er an diesem Tage noch die Regierung auf und unterzog sich dem Mönchtum der Weisen. In dem genannten Mangowalde des Makkhadeva blieb er vierundachtzigtausend Jahre, betätigte die vier Vollkommenheiten und verharrte unaufhörlich in der Ekstase. Als er starb, wurde er im Brahma-Himmel wiedergeboren. Diesen verließ er wieder und wurde zu Mithila König mit Namen Nimi. Nachdem er sein zurückgegangenes Geschlecht wieder geeint hatte, wurde er dort in einem Mangowalde Mönch, betätigte die Vollkommenheiten und gelangte abermals in den Brahma-Himmel.

Dann sprach der Meister: „Nicht nur jetzt, ihr Mönche, hat der Vollendete die große Weltentsagung ausgeführt, sondern auch schon früher hat er die Welt verlassen.“ Nachdem er so diese Belehrung vorgetragen und erklärt hatte, verkündete er die vier Wahrheiten. Einige wurden bekehrt, einige einmal zurückkehrend, einige nichtzurückkehrend.

Als nun der Erhabene diese beiden Begebenheiten erzählt hatte, legte er ihre Beziehung zu einander klar und verband das Jātaka mit den Worten: „Damals war Ananda der Barbier, der Sohn war Rāhula, der König Makkhadeva aber war ich.“

Ende der Erzählung vom König Makkhadeva