Majjhima Nikāya 125

Dantabhūmi Sutta

Die Stufe des Gezähmten

So habe ich gehört. Einmal hielt sich der Erhabene bei Rājagaha im Bambushain, dem Eichhörnchen-Futterplatz, auf.

Bei jener Gelegenheit wohnte der Novize Aciravata in einer Waldhütte. Da ging Prinz Jayasena, während er zum Zwecke körperlicher Ertüchtigung umherging und wanderte, zum Novizen Aciravata hin und tauschte Grußformeln mit ihm aus. Nach diesen höflichen und freundlichen Worten setzte er sich seitlich nieder und sagte zum Novizen Aciravata: „Meister Aggivessana, ich habe gehört, daß ein Bhikkhu, der hier umsichtig, eifrig und entschlossen weilt, Einspitzigkeit des Herzens erlangen kann.“

„Das ist so, Prinz, das ist so. Ein Bhikkhu, der hier umsichtig, eifrig und entschlossen weilt, kann Einspitzigkeit des Herzens erlangen.“

„Es wäre gut, wenn Meister Aggivessana mich das Dhamma lehren würde, so wie er es gehört und auswendig gelernt hat.“

„Ich kann dich das Dhamma nicht lehren, Prinz, so wie ich es gehört und auswendig gelernt habe. Denn wenn ich dich das Dhamma lehren würde, so wie ich es gehört und auswendig gelernt habe, würdest du die Bedeutung meiner Worte nicht verstehen, und das würde Erschöpfung und Kränkung für mich bedeuten.“

„Meister Aggivessana lehre mich das Dhamma, so wie er es gehört und auswendig gelernt hat. Vielleicht kann ich die Bedeutung seiner Worte verstehen.“

„Ich werde dich das Dhamma lehren, Prinz, so wie ich es gehört und auswendig gelernt habe. Wenn du die Bedeutung meiner Worte verstehen kannst, dann ist es gut. Aber wenn du die Bedeutung meiner Worte nicht verstehen kannst, dann belasse es beim eigenen Standpunkt und befrage mich nicht weiter darüber.“

„Meister Aggivessana lehre mich das Dhamma, so wie er es gehört und auswendig gelernt hat. Wenn ich die Bedeutung seiner Worte verstehen kann, dann ist es gut. Aber wenn ich die Bedeutung seiner Worte nicht verstehen kann, dann werde ich es beim eigenen Standpunkt belassen und ihn nicht weiter darüber befragen.“

Dann lehrte der Novize Aciravata Prinz Jayasena das Dhamma, so wie er es gehört und auswendig gelernt hatte. Nachdem er gesprochen hatte, sagte Prinz Jayasena zu ihm: „Es ist unmöglich, Meister Aggivessana, es kann nicht geschehen, daß ein Bhikkhu, der umsichtig, eifrig und entschlossen weilt, Einspitzigkeit des Herzens erlangen kann.“ Nachdem Prinz Jayasena dem Novizen Aciravata gegenüber verkündet hatte, daß dies unmöglich sei und nicht geschehen könne, erhob er sich von seinem Sitz und nahm Abschied.

Kurz nachdem Prinz Jayasena gegangen war, ging der Novize Aciravata zum Erhabenen. Nachdem er dem Erhabenen gehuldigt hatte, setzte er sich seitlich nieder und berichtete dem Erhabenen seine gesamte Unterhaltung mit Prinz Jayasena. Nachdem er geendet hatte, sagte der Erhabene zu ihm:

„Aggivessana, wie ist es möglich, daß Prinz Jayasena, der inmitten von Sinnesvergnügen lebt, der Sinnesvergnügen genießt, der von Gedanken an Sinnesvergnügen zerfressen wird, der vom Fieber der Sinnesvergnügen verbrannt wird, der auf die Suche nach Sinnesvergnügen erpicht ist, jenes wissen, sehen, verwirklichen oder ausüben könnte, was durch Entsagung gewußt, durch Entsagung gesehen, durch Entsagung erlangt, durch Entsagung verwirklicht werden muß? Das ist unmöglich.“

„Angenommen, es gebe zwei zähmbare Elefanten oder zähmbare Pferde oder zähmbare Ochsen, die gut gezähmt und wohl diszipliniert sind, und zwei zähmbare Elefanten oder zähmbare Pferde oder zähmbare Ochsen, die ungezähmt und undiszipliniert sind. Was meinst du, Aggivessana? Würden die zwei zähmbaren Elefanten oder zähmbaren Pferde oder zähmbaren Ochsen, die gut gezähmt und wohl diszipliniert sind, dadurch, daß sie gezähmt wurden, das Verhalten eines Gezähmten annehmen, würden sie die Stufe eines Gezähmten erreichen?“—„Ja, ehrwürdiger Herr.“—„Und würden die zwei zähmbaren Elefanten oder zähmbaren Pferde oder zähmbaren Ochsen, die ungezähmt und undiszipliniert sind, dadurch, daß sie nicht gezähmt wurden, das Verhalten eines Gezähmten annehmen, würden sie die Stufe eines Gezähmten erreichen, so wie die zwei zähmbaren Elefanten oder zähmbaren Pferde oder zähmbaren Ochsen, die gut gezähmt und wohl diszipliniert sind?“—„Nein, ehrwürdiger Herr.“—„Ebenso, Aggivessana, ist es unmöglich, daß Prinz Jayasena, der inmitten von Sinnesvergnügen lebt, der Sinnesvergnügen genießt, der von Gedanken an Sinnesvergnügen zerfressen wird, der vom Fieber der Sinnesvergnügen verbrannt wird, der auf die Suche nach Sinnesvergnügen erpicht ist, jenes wissen, sehen, verwirklichen oder ausüben könnte, was durch Entsagung gewußt, durch Entsagung gesehen, durch Entsagung erlangt, durch Entsagung verwirklicht werden muß.“

„Angenommen, Aggivessana, es gebe einen hohen Berg, nicht weit von einem Dorf oder einer Stadt, und zwei Freunde würden das Dorf oder die Stadt verlassen und sich dem Berg Hand in Hand nähern. Nachdem sie ihn erreicht hatten, würde ein Freund unten am Fuß des Berges zurückbleiben, während der andere zum Gipfel klettern würde. Dann würde der Freund, der am Fuß des Berges zurückblieb, zu dem Freund, der auf dem Gipfel stand, sagen: ,Nun, mein Freund, was siehst du, während du auf dem Gipfel des Berges stehst?‘ Und der andere würde erwidern: ,Während ich auf dem Gipfel des Berges stehe, mein Freund, sehe ich liebliche Grünanlagen, liebliche Haine, liebliche Wiesen und liebliche Teiche.‘ Dann würde der erste Freund sagen: ,Es ist unmöglich, Freund, es kann nicht geschehen, daß du, während du auf dem Gipfel des Berges stehst, liebliche Grünanlagen, liebliche Haine, liebliche Wiesen und liebliche Teiche sehen solltest.‘“

„Dann würde der andere Freund zum Fuß des Berges heruntersteigen, seinen Freund am Arm nehmen und ihn veranlassen, zum Gipfel des Berges zu klettern. Nachdem er ihm einige Augenblicke gewährt hatte, um Atem zu schöpfen, würde er fragen: ,Nun, mein Freund, was siehst du, während du auf dem Gipfel des Berges stehst?‘ Und sein Freund würde erwidern: ,Während ich auf dem Gipfel des Berges stehe, mein Freund, sehe ich liebliche Grünanlagen, liebliche Haine, liebliche Wiesen und liebliche Teiche.‘ Dann würde der andere sagen: ,Mein Freund, es ist gerade erst ein Weilchen her, daß wir dich sagen hörten: ›Es ist unmöglich, Freund, es kann nicht geschehen, daß du, während du auf dem Gipfel des Berges stehst, liebliche Grünanlagen, liebliche Haine, liebliche Wiesen und liebliche Teiche sehen solltest.‹ Aber gerade eben hörten wir dich sagen: ›Während ich auf dem Gipfel des Berges stehe, mein Freund, sehe ich liebliche Grünanlagen, liebliche Haine, liebliche Wiesen und liebliche Teiche.‹‘ Dann würde der erste Freund erwidern: ,Weil ich von diesem hohen Berg in der Sicht behindert war, mein Freund, sah ich nicht, was es zu sehen gab.‘“

„Genauso, Aggivessana, ist Prinz Jayasena behindert, gehemmt, blockiert und umzingelt, von einer noch größeren Masse als dieser—von der Masse der Unwissenheit. Somit ist es unmöglich, daß Prinz Jayasena, der inmitten von Sinnesvergnügen lebt, der Sinnesvergnügen genießt, der von Gedanken an Sinnesvergnügen zerfressen wird, der vom Fieber der Sinnesvergnügen verbrannt wird, der auf die Suche nach Sinnesvergnügen erpicht ist, jenes wissen, sehen, verwirklichen oder ausüben könnte, was durch Entsagung gewußt, durch Entsagung gesehen, durch Entsagung erlangt, durch Entsagung verwirklicht werden muß.“

„Aggivessana, wenn dir diese zwei Gleichnisse in Bezug auf Prinz Jayasena eingefallen wären, hätte er spontan Vertrauen in dich erlangt, und voll Vertrauen hätte er dir sein Vertrauen erwiesen.“

„Ehrwürdiger Herr, wie hätten mir diese zwei Gleichnisse in Bezug auf Prinz Jayasena einfallen können, so wie sie dem Erhabenen einfallen, da sie doch spontan sind und man sie niemals zuvor gehört hat?“

„Angenommen, Aggivessana, ein kopfgesalbter edler König richtet sich folgendermaßen an seinen Elefanten-Forstmeister: ,Guter Elefanten-Forstmeister, besteige den Elefanten des Königs, gehe in den Elefantenwald, und wenn du einen Waldelefanten siehst, binde ihn am Hals des Elefanten des Königs an.‘ Nachdem er ,Ja, Majestät‘ erwidert hat, besteigt der Elefanten-Forstmeister den Elefanten des Königs, geht in den Elefantenwald, und wenn er einen Waldelefanten sieht, bindet er ihn am Hals des Elefanten des Königs an. Der Elefant des Königs führt ihn auf das freie Feld. Auf diese Weise gelangt ein Waldelefant heraus auf das freie Feld; denn der Waldelefant giert nach dem Elefantenwald.“

„Dann informiert der Elefanten-Forstmeister den kopfgesalbten edlen König: ,Majestät, der Waldelefant ist heraus auf das freie Feld gelangt.‘ Der König richtet sich folgendermaßen an seinen Elefantenbändiger: ,Komm, guter Elefantenbändiger, zähme den Waldelefanten. Bändige seine Waldgewohnheiten, bezähme seine Erinnerungen und Absichten des Waldlebens, dämpfe seinen Kummer, seine Erschöpfung und sein Fieber über das Verlassen des Waldes. Bringe ihn dazu, Gefallen an der Stadt zu finden, schärfe ihm Gewohnheiten ein, die zu den Menschen passen.‘ Nachdem er ,Ja, Majestät‘ erwidert hat, gräbt der Elefantenbändiger einen großen Pfosten in die Erde ein und bindet den Waldelefanten am Hals daran fest, um seine Waldgewohnheiten zu bändigen, um seine Erinnerungen und Absichten des Waldlebens zu bezähmen, um seinen Kummer, seine Erschöpfung und sein Fieber über das Verlassen des Waldes zu dämpfen, um ihn dazu zu bringen, Gefallen an der Stadt zu finden, um ihm Gewohnheiten einzuschärfen, die zu den Menschen passen.“

„Dann richtet sich der Elefantenbändiger an den Elefanten, mit Worten, die sanft, gefällig und liebenswert sind, die zu Herzen gehen, höflich sind, nach denen es viele verlangt, die vielen angenehm sind. Wenn der Waldelefant mit solchen Worten angesprochen wird, hört er zu, paßt er genau auf und setzt sein Herz ein, um zu verstehen. Als nächstes belohnt ihn der Elefantenbändiger mit Grasfutter und Wasser. Wenn der Waldelefant das Grasfutter und Wasser von ihm annimmt, weiß der Elefantenbändiger: ,Jetzt wird der Elefant des Königs am Leben bleiben.‘“

„Dann dressiert ihn der Elefantenbändiger so weiter: ,Heb auf, leg hin!‘ Wenn der Elefant des Königs den Befehlen seines Bändigers, aufzuheben und hinzulegen, gehorcht und seine Anweisungen befolgt, dann dressiert ihn der Elefantenbändiger so weiter: ,Geh vorwärts, geh zurück!‘ Wenn der Elefant des Königs den Befehlen seines Bändigers, vorwärts zu gehen und zurück zu gehen, gehorcht und seine Anweisungen befolgt, dann dressiert ihn der Elefantenbändiger so weiter: ,Stehe auf, setze dich hin!‘ Wenn der Elefant des Königs den Befehlen seines Bändigers, aufzustehen und sich hinzusetzen, gehorcht und seine Anweisungen befolgt, dann dressiert ihn der Elefantenbändiger in der Aufgabe weiter, die man Unerschütterlichkeit nennt. Er bindet ein riesiges Brett an seinen Rüssel; ein Mann mit einer Lanze in der Hand sitzt auf seinem Nacken; Männer mit Lanzen in der Hand umringen ihn von allen Seiten; und der Elefantenbändiger selbst steht vor ihm und hält einen langen Lanzenschaft. Während der Elefant in der Aufgabe der Unerschütterlichkeit dressiert wird, bewegt er die Vorderbeine nicht und auch nicht die Hinterbeine; er bewegt das Vorderteil nicht und auch nicht das Hinterteil; er bewegt den Kopf nicht, nicht die Ohren, Stoßzähne, Schwanz und Rüssel. Der Elefant des Königs ist in der Lage, Speerstiche zu ertragen, Schwerthiebe, Pfeile, Hiebe von anderen Lebewesen, und den donnernden Klang von Trommeln, Kesselpauken, Trompeten und Tamtams. Nachdem er alle Fehler und Mängel losgeworden ist, von allen Fehlern geläutert ist, ist er des Königs würdig, würdig in den Diensten eines Königs zu stehen, und wird als eines der Attribute eines Königs betrachtet.“

„Genauso, Aggivessana, erscheint da ein Tathāgata in der Welt, ein Verwirklichter, ein vollständig Erwachter, vollkommen im wahren Wissen und erhaben im Verhalten, vollendet, Kenner der Welten, unvergleichlicher Meister bezähmbarer Menschen, Lehrer himmlischer und menschlicher Wesen, ein Erwachter, ein Erhabener. Er erläutert diese Welt mit ihren Māras und Brahmās, er erläutert diese Generation mit ihren Mönchen und Brahmanen, ihren Prinzen und dem Volk, was er mit höherer Geisteskraft selbst verwirklicht hat. Er lehrt das Dhamma, das gut am Anfang, gut in der Mitte und gut am Ende ist, mit der richtigen Bedeutung und der richtigen Ausdrucksweise, er enthüllt ein heiliges Leben, das äußerst vollkommen und rein ist.“

„Ein Haushälter oder Sohn eines Haushälters oder jemand, der in einer anderen Familie geboren wird, hört jenes Dhamma. Wenn er das Dhamma hört, erlangt er Vertrauen in den Tathāgata. Im Besitz jenes Vertrauens erwägt er: ,Das Leben eines Haushälters ist eng und staubig; das Leben in der Hauslosigkeit ist weit und offen. Während man zu Hause wohnt, ist es nicht leicht, das heilige Leben zu führen, das zutiefst vollkommen und rein ist, wie eine polierte Muschel. Angenommen, ich rasiere mir das Kopfhaar und den Bart ab, ziehe die gelbe Robe an und ziehe vom Leben zu Hause fort in die Hauslosigkeit.‘ Bei späterer Gelegenheit rasiert er sich das Kopfhaar und den Bart ab, zieht die gelbe Robe an und zieht vom Leben zu Hause fort in die Hauslosigkeit. Auf diese Weise gelangt ein edler Schüler heraus auf das freie Feld; denn Götter und Menschen gieren nach den fünf Strängen sinnlichen Vergnügens.“

„Dann schult ihn der Tathāgata weiter: ,Komm, Bhikkhu, sei sittsam, zurückgehalten mit der Zurückhaltung der Pātimokkha-Regeln, sei vollkommen im Verhalten und (der Wahl des) Aufenthaltsorts, und indem du den Schrecken im kleinsten Fehler siehst, übe dich, indem du die Übungsregeln auf dich nimmst.‘“

„Aggivessana, wenn der edle Schüler sittsam ist, zurückgehalten mit der Zurückhaltung der Pātimokkha-Regeln, vollkommen im Verhalten und (der Wahl des) Aufenthaltsorts, und wenn er, indem er den Schrecken im kleinsten Fehler sieht, sich übt, indem er die Übungsregeln auf sich nimmt, dann schult ihn der Tathāgata weiter: ,Komm, Bhikkhu, beschütze deine Sinnestore. Wenn du mit dem Auge eine Form siehst, klammere dich nicht an ihre Zeichen und ihr Erscheinungsbild. Da üble, unheilsame Geisteszustände der Gier und der Trauer in dich eindringen könnten, wenn du den Sehsinn unkontrolliert läßt, übe dich in dessen Kontrolle, beschütze den Sehsinn, beschäftige dich mit der Kontrolle des Sehsinns. Wenn du mit dem Ohr einen Klang hörst, klammere dich nicht an seine Zeichen und sein Erscheinungsbild. Da üble, unheilsame Geisteszustände der Gier und der Trauer in dich eindringen könnten, wenn du den Hörsinn unkontrolliert läßt, übe dich in dessen Kontrolle, beschütze den Hörsinn, beschäftige dich mit der Kontrolle des Hörsinns. Wenn du mit der Nase einen Geruch riechst, klammere dich nicht an seine Zeichen und sein Erscheinungsbild. Da üble, unheilsame Geisteszustände der Gier und der Trauer in dich eindringen könnten, wenn du den Geruchsinn unkontrolliert läßt, übe dich in dessen Kontrolle, beschütze den Geruchsinn, beschäftige dich mit der Kontrolle des Geruchsinns. Wenn du mit der Zunge einen Geschmack schmeckst, klammere dich nicht an seine Zeichen und sein Erscheinungsbild. Da üble, unheilsame Geisteszustände der Gier und der Trauer in dich eindringen könnten, wenn du den Geschmacksinn unkontrolliert läßt, übe dich in dessen Kontrolle, beschütze den Geschmacksinn, beschäftige dich mit der Kontrolle des Geschmacksinns. Wenn du mit dem Körper ein Berührungsobjekt fühlst, klammere dich nicht an seine Zeichen und sein Erscheinungsbild. Da üble, unheilsame Geisteszustände der Gier und der Trauer in dich eindringen könnten, wenn du den Berührungssinn unkontrolliert läßt, übe dich in dessen Kontrolle, beschütze den Berührungssinn, beschäftige dich mit der Kontrolle des Berührungssinns. Wenn du mit dem Geist ein Geistesobjekt erfährst, klammere dich nicht an seine Zeichen und sein Erscheinungsbild. Da üble, unheilsame Geisteszustände der Gier und der Trauer in dich eindringen könnten, wenn du den Geistsinn unkontrolliert läßt, übe dich in dessen Kontrolle, beschütze den Geistsinn, beschäftige dich mit der Kontrolle des Geistsinns.‘“

„Aggivessana, wenn der edle Schüler seine Sinnestore beschützt, dann schult ihn der Tathāgata weiter: ,Komm, Bhikkhu, mäßige dich im Essen. Mit weiser Betrachtung solltest du Nahrung zu dir nehmen, weder zum Spaß, noch zur Berauschung, noch zum Schmücken, noch zur Verschönerung, sondern nur, um diesen Körper am Leben zu erhalten, ihn zu ernähren, um das Unbehagen des Hungers zu beenden, und um das heilige Leben zu fördern, indem du erwägst: ›So werde ich alte Gefühle (des Hungers) beenden, ohne neue Gefühle (der Übersättigung) zu erwecken, und ich werde gesund und ohne Tadel sein und ich werde ein leichtes Leben haben.‹‘“

„Aggivessana, wenn der edle Schüler im Essen gemäßigt ist, dann schult ihn der Tathāgata weiter: ,Komm, Bhikkhu, widme dich der Wachsamkeit. Am Tage läutere dein Herz beim Auf- und Abgehen und Sitzen von hinderlichen Geisteszuständen. Während der ersten Nachtwache läutere dein Herz beim Auf- und Abgehen und Sitzen von hinderlichen Geisteszuständen. In der mittleren Nachtwache solltest du dich auf der rechten Seite niederlegen, in der Löwenstellung, mit einem Fuß über dem anderen, achtsam und wissensklar, nachdem du dir die Zeit zum Aufstehen eingeprägt hast. Nach dem Aufstehen, in der dritten Nachtwache, läutere dein Herz beim Auf- und Abgehen und Sitzen von hinderlichen Geisteszuständen.‘“

„Aggivessana, wenn sich der edle Schüler der Wachsamkeit widmet, dann schult ihn der Tathāgata weiter: ,Komm, Bhikkhu, sei von Achtsamkeit und Wissensklarheit erfüllt. Handle wissensklar beim Hingehen und Zurückgehen; handle wissensklar beim Hinschauen und Wegschauen; handle wissensklar beim Beugen und Strecken der Glieder; handle wissensklar beim Tragen deiner Robe und beim Umhertragen deiner äußeren Robe und deiner Schale; handle wissensklar beim Essen, Trinken, Kauen und Schmecken; handle wissensklar beim Entleeren von Kot und Urin; handle wissensklar beim Gehen, Stehen, Sitzen, Einschlafen, Aufwachen, beim Reden und Schweigen.‘“

„Aggivessana, wenn der edle Schüler Achtsamkeit und Wissensklarheit besitzt, dann schult ihn der Tathāgata weiter: ,Komm, Bhikkhu, ziehe dich an eine abgeschiedene Lagerstätte zurück: in einen Wald, an den Fuß eines Baumes, auf einen Berg, in eine Schlucht, in eine Berghöhle, an eine Leichenstätte, in ein Dschungeldickicht, auf ein freies Feld, auf einen Strohhaufen.‘“

„Er zieht sich an eine abgeschiedene Lagerstätte zurück: in einen Wald, an den Fuß eines Baumes, auf einen Berg, in eine Schlucht, in eine Berghöhle, an eine Leichenstätte, in ein Dschungeldickicht, auf ein freies Feld, auf einen Strohhaufen. Nach der Rückkehr von seiner Almosenrunde, nach seiner Mahlzeit, setzt er sich mit gekreuzten Beinen und gerade aufgerichtetem Oberkörper hin und hält die Achtsamkeit vor sich gegenwärtig. Indem er die Habgier nach weltlichen Dingen überwindet, verweilt er mit einem Gemüt, das frei ist von Habgier; er läutert sein Herz von Habgier. Indem er Übelwollen und Haß überwindet, verweilt er mit einem Herzen, das frei ist von Übelwollen, das Mitgefühl empfindet für das Wohlergehen aller Lebewesen; er läutert sein Herz von Übelwollen und Haß. Indem er Trägheit und Mattheit überwindet, verweilt er frei von Trägheit und Mattheit, lichten Geistes, achtsam und wissensklar; er läutert sein Herz von Trägheit und Mattheit. Indem er Rastlosigkeit und Gewissensunruhe überwindet, verweilt er ausgeglichen, mit einem Herzen, das inneren Frieden hat; er läutert sein Herz von Rastlosigkeit und Gewissensunruhe. Indem er den Zweifel überwindet, verweilt er dem Zweifel entronnen, ohne Unsicherheit in Bezug auf heilsame Geisteszustände; er läutert sein Herz vom Zweifel.“

„Nachdem er so diese fünf Hindernisse, diese Unvollkommenheiten des Gemüts, die die Weisheit schwächen, überwunden hat, verweilt er, indem er den Körper als einen Körper betrachtet, eifrig, völlig achtsam und wissensklar, nachdem er Habgier und Trauer gegenüber der Welt beseitigt hat. Er verweilt, indem er Gefühle als Gefühle betrachtet, eifrig, völlig achtsam und wissensklar, nachdem er Habgier und Trauer gegenüber der Welt beseitigt hat. Er verweilt, indem er Herz als Herz betrachtet, eifrig, völlig achtsam und wissensklar, nachdem er Habgier und Trauer gegenüber der Welt beseitigt hat. Er verweilt, indem er Geistesobjekte als Geistesobjekte betrachtet, eifrig, völlig achtsam und wissensklar, nachdem er Habgier und Trauer gegenüber der Welt beseitigt hat.“

„Ebenso, Aggivessana, wie der Elefantenbändiger einen großen Pfosten in die Erde eingräbt und den Waldelefanten am Hals daran festbindet, um seine Waldgewohnheiten zu bändigen, um seine Erinnerungen und Absichten des Waldlebens zu bezähmen, um seinen Kummer, seine Erschöpfung und sein Fieber über das Verlassen des Waldes zu dämpfen, um ihn dazu zu bringen, Gefallen an der Stadt zu finden, um ihm Gewohnheiten einzuschärfen, die zu den Menschen passen, so sind diese vier Grundlagen der Achtsamkeit die Bande für das Gemüt des edlen Schülers, um seine Gewohnheiten, die auf dem Haushälterleben beruhen, zu bändigen, um seine Erinnerungen und Absichten, die auf dem Haushälterleben beruhen, zu bezähmen, um seinen Kummer, seine Erschöpfung und sein Fieber, die auf dem Haushälterleben beruhen, zu dämpfen, um ihn dazu zu bringen, den wahren Weg zu erlangen und Nibbāna zu verwirklichen.“

„Dann schult ihn der Tathāgata weiter: ,Komm, Bhikkhu, verweile, indem du den Körper als einen Körper betrachtest, aber hege keine Gedanken, die mit dem Körper verbunden sind; verweile, indem du Gefühle als Gefühle betrachtest, aber hege keine Gedanken, die mit Gefühlen verbunden sind; verweile, indem du Herz als Herz betrachtest, aber hege keine Gedanken, die mit dem Herzen verbunden sind; verweile, indem du Geistesobjekte als Geistesobjekte betrachtest, aber hege keine Gedanken, die mit Geistesobjekten verbunden sind.‘“

„Mit der Stillung der anfänglichen und anhaltenden Hinwendung des Geistes (zum Meditationsobjekt) tritt er in die zweite Vertiefung ein, die innere Beruhigung und Einheit des Gemüts enthält, ohne anfängliche und anhaltende Hinwendung des Geistes, und verweilt darin, mit Verzückung und Glückseligkeit, die aus der Konzentration entstanden sind. Mit dem Verblassen der Verzückung, in Gleichmut verweilend, achtsam und wissensklar, voll körperlich erlebter Glückseligkeit, tritt er in die dritte Vertiefung ein, von der die Edlen sagen: ,Glückselig verweilt derjenige, der voll Gleichmut und Achtsamkeit ist‘, und verweilt darin. Mit dem Überwinden von Glück und Schmerz und dem schon früheren Verschwinden von Freude und Trauer, tritt er in die vierte Vertiefung ein, die aufgrund von Gleichmut Weder-Schmerzhaftes-noch-Angenehmes und Reinheit der Achtsamkeit in sich hat, und verweilt darin.“

„Wenn sein konzentriertes Herz auf solche Weise geläutert, klar, makellos, der Unvollkommenheit ledig, gefügig, nutzbar, stetig und unerschütterlich ist, richtet er es auf das Wissen von der Erinnerung an frühere Leben. Er erinnert sich an viele frühere Leben, das heißt, an eine Geburt, zwei Geburten, drei Geburten, vier Geburten, fünf Geburten, zehn Geburten, zwanzig Geburten, dreißig Geburten, vierzig Geburten, fünfzig Geburten, hundert Geburten, tausend Geburten, hunderttausend Geburten, viele Äonen, in denen sich das Weltall zusammenzog, viele Äonen, in denen sich das Weltall ausdehnte, viele Äonen, in denen sich das Weltall zusammenzog und ausdehnte: ,Dort wurde ich soundso genannt, war von solcher Familie, mit solcher Erscheinung, solcherart war meine Nahrung, so mein Erleben von Glück und Schmerz, so meine Lebensspanne; und nachdem ich von dort verschieden war, erschien ich woanders wieder; auch dort wurde ich soundso genannt, war von solcher Familie, mit solcher Erscheinung, war meine Nahrung solcherart, so mein Erleben von Glück und Schmerz, so meine Lebensspanne; und nachdem ich von dort verschieden war, erschien ich hier wieder.‘ So erinnert er sich an viele frühere Leben mit ihren Aspekten und Besonderheiten.“

„Wenn sein konzentriertes Herz auf solche Weise geläutert, klar, makellos, der Unvollkommenheit ledig, gefügig, nutzbar, stetig und unerschütterlich ist, richtet er es auf das Wissen vom Sterben und Wiedererscheinen der Wesen. Er sieht mit dem Himmlischen Auge, das geläutert und dem menschlichen überlegen ist, die Wesen sterben und wiedererscheinen, niedrige und hohe, schöne und häßliche, in Glück und Elend. Er versteht, wie die Wesen ihren Handlungen gemäß weiterwandern: ,Diese geschätzten Wesen, die sich mit Körper, Sprache und Geist übel benommen haben, die die Edlen geschmäht haben, die falsche Ansichten hatten und diesen in ihren Taten Ausdruck verliehen, sind bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode in Umständen, die von Entbehrungen geprägt sind, wiedererschienen, an einem unglücklichen Bestimmungsort, in Verderbnis, ja sogar in der Hölle; aber jene geschätzten Wesen, die sich mit Körper, Sprache und Geist wohl benommen haben, die die Edlen nicht geschmäht haben, die richtige Ansichten hatten und diesen in ihren Taten Ausdruck verliehen, sind bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode an einem glücklichen Bestimmungsort wiedererschienen, ja sogar in der himmlischen Welt.‘ So sieht er mit dem Himmlischen Auge, das geläutert und dem menschlichen überlegen ist, die Wesen sterben und wiedererscheinen, niedrige und hohe, schöne und häßliche, in Glück und Elend, und er versteht, wie die Wesen ihren Handlungen gemäß weiterwandern.“

„Wenn sein konzentriertes Herz auf solche Weise geläutert, klar, makellos, der Unvollkommenheit ledig, gefügig, nutzbar, stetig und unerschütterlich ist, richtet er es auf das Wissen von der Vernichtung der Triebe. Er versteht der Wirklichkeit entsprechend: ,Dies ist Dukkha.‘ Er versteht der Wirklichkeit entsprechend: ,Dies ist der Ursprung von Dukkha.‘ Er versteht der Wirklichkeit entsprechend: ,Dies ist das Aufhören von Dukkha.‘ Er versteht der Wirklichkeit entsprechend: ,Dies ist der Weg, der zum Aufhören von Dukkha führt.‘ Er versteht der Wirklichkeit entsprechend: ,Dies sind die Triebe.‘ Er versteht der Wirklichkeit entsprechend: ,Dies ist der Ursprung der Triebe.‘ Er versteht der Wirklichkeit entsprechend: ,Dies ist das Aufhören der Triebe.‘ Er versteht der Wirklichkeit entsprechend: ,Dies ist der Weg, der zum Aufhören der Triebe führt.‘“

„Wenn er so weiß und sieht, ist sein Herz vom Sinnestrieb befreit, vom Werdenstrieb und vom Unwissenheitstrieb. Wenn es so befreit ist, kommt das Wissen: ,Es ist befreit.‘ Er versteht: ,Geburt ist zu Ende gebracht, das heilige Leben ist gelebt, es ist getan, was getan werden mußte, darüber hinaus gibt es nichts mehr.‘“

„Jener Bhikkhu erträgt Kälte und Hitze, Hunger und Durst, und Kontakt mit Bremsen, Moskitos, Wind, Sonne und Kriechtieren; er erträgt böswillig gesprochene, unwillkommene Worte und aufgekommene körperliche Gefühle, die schmerzhaft, scharf, hart, peinigend, unangenehm, unerfreulich und lebensbedrohlich sind. Frei von jeglicher Begierde, jeglichem Haß und jeglicher Verblendung, von den Fehlern geläutert, ist er der Geschenke würdig, würdig der Gastfreundschaft, würdig der Gaben, würdig der Ehrerbietung, ist er ein unübertreffliches Verdienstfeld für die Welt.“

„Aggivessana, wenn der Elefant des Königs im hohen Alter ungezähmt und ungeschult stirbt, dann wird er als alter Elefant, der einen ungezähmten Tod gestorben ist, betrachtet. Wenn der Elefant des Königs im mittleren Alter ungezähmt und ungeschult stirbt, dann wird er als Elefant im mittleren Alter, der einen ungezähmten Tod gestorben ist, betrachtet. Wenn der Elefant des Königs in jungen Jahren ungezähmt und ungeschult stirbt, dann wird er als junger Elefant, der einen ungezähmten Tod gestorben ist, betrachtet. Genauso, Aggivessana, wenn ein ordensälterer Bhikkhu mit noch nicht vernichteten Trieben stirbt, dann wird er als ordensälterer Bhikkhu, der einen ungezähmten Tod gestorben ist, betrachtet. Wenn ein Bhikkhu im mittleren Rang mit noch nicht vernichteten Trieben stirbt, dann wird er als Bhikkhu im mittleren Rang, der einen ungezähmten Tod gestorben ist, betrachtet. Wenn ein frisch ordinierter Bhikkhu mit noch nicht vernichteten Trieben stirbt, dann wird er als frisch ordinierter Bhikkhu, der einen ungezähmten Tod gestorben ist, betrachtet.“

„Aggivessana, wenn der Elefant des Königs im hohen Alter gut gezähmt und wohl diszipliniert stirbt, dann wird er als alter Elefant, der einen gezähmten Tod gestorben ist, betrachtet. Wenn der Elefant des Königs im mittleren Alter gut gezähmt und wohl diszipliniert stirbt, dann wird er als Elefant im mittleren Alter, der einen gezähmten Tod gestorben ist, betrachtet. Wenn der Elefant des Königs in jungen Jahren gut gezähmt und wohl diszipliniert stirbt, dann wird er als junger Elefant, der einen gezähmten Tod gestorben ist, betrachtet. Genauso, Aggivessana, wenn ein ordensälterer Bhikkhu mit vernichteten Trieben stirbt, dann wird er als ordensälterer Bhikkhu, der einen gezähmten Tod gestorben ist, betrachtet. Wenn ein Bhikkhu im mittleren Rang mit vernichteten Trieben stirbt, dann wird er als Bhikkhu im mittleren Rang, der einen gezähmten Tod gestorben ist, betrachtet. Wenn ein frisch ordinierter Bhikkhu mit vernichteten Trieben stirbt, dann wird er als frisch ordinierter Bhikkhu, der einen gezähmten Tod gestorben ist, betrachtet.“

Das ist es, was der Erhabene sagte. Der Novize Aciravata war zufrieden und entzückt über die Worte des Erhabenen.