Cūḷavagga

Pañ­casati­kak­khan­dhaka

1. Saṅgītinidāna

Des erste Konzil

Mahākassapo wandte sich an die Mönche: „Brüder, ich bin auf der Landstraße von Pāvā nach Kusināra mit einer großen Schar von Mönchen gegangen, mit 500 Mönchen. Ich war zur Seite gegangen und hatte mich unter einen Baum gesetzt, da ging ein nackter Pilger (ājīvika) auf der Landstraße auf Pāvā zu, der hatte eine Blüte vom Korallenbaum (Mandārava) von Pāvā gepflückt. Diesen nackten Pilger habe ich von weitem kommen sehen und habe ihn gefragt: ‚Verehrter, weißt du etwas über unserem Meister?‘—ja, Verehrter, ich weiß etwas: Heute vor einer Woche ist der Asket Gotamo vollkommen erloschen. Deshalb habe ich diese Blüte hier mitgenommen.‘—

Da haben einige von den Mönchen, die noch nicht triebbefreit waren, mit erhobenen Armen ge­weint, sind zu Boden gestürzt, vorwärts- und rückwärts-geschwankt, haben sich abgewandt (und geklagt): ‚Allzu früh ist der Erhabene erloschen, allzu früh ist der Wohlfinder erloschen, allzu früh ist das Weltenauge dahingeschwunden.‘

Die Mönche aber, die triebbefreit waren, in Wahrheitsgegenwart, klarbewußt, faßten sich in Geduld: ‚Unbeständig ist alles Zusammengesetz­te; was wäre da anderes möglich!‘ Da habe ich, Brüder, zu den Mönchen gesagt: ‚Genug damit, Freunde, klagt nicht und jam­mert nicht; denn ist vom Erhabenen nicht immer wieder ver­kündet worden: Alles, was einem lieb und erfreulich ist, muß zerrieseln, muß losgetrennt werden, muß anders werden! Was wäre da anderes möglich, als daß Geborenes, Gewordenes, Zu­sammengesetztes, dem Zerfall unterworfen ist; daß es nicht zer­fallt, das ist unmöglich.‘

Unterdes, Brüder, saß in dieser Schar einer namens Subhaddo, der war erst in vorgerückten Jahren in die Hauslosigkeit gezogen. Da sagte dieser Subhaddo, der erst in vorgerückten Jahren in die Hauslosigkeit gezogen war, zu den Mönchen: ‚Hört doch auf mit dem Klagen und Jammern, jetzt sind wir endlich die­sen großen Asketen los, der uns immer geplagt hat mit seinem: Dies ist euch erlaubt; jenes ist euch nicht erlaubt‘. Jetzt aber werden wir tun, was wir wollen, und was wir nicht wollen, das tun wir nicht.‘

Kommt, Brüder, laßt uns die Lehre und die Ordensregel rezi­tieren, ehe das, was nicht der Lehre entspricht, durchkommt und die Lehre in den Hintergrund tritt, ehe das, was nicht der Ordensregel entspricht, durchkommt, und die Ordensregel in den Hintergrund tritt, ehe die Lehrer des Nichtlehrgemäßen erstarken und die Lehrer der Wahrheit geschwächt werden. Kommt, Verehrte, laßt den Ordenslehrer Mönche auswählen.“

Nun wählte der ehrwürdige Mahākassapo 500 geheilte Mönche aus. Die Mönche baten den ehrwürdigen Mahākassapo: „Herr, dieser ehrwürdige Ānando hat zwar noch zu kämpfen, aber er kann nicht mehr aus Gier, Haß Blendung oder Angst einen falschen Weg gehen und er hat aus seinem Beisammensein mit dem Erhabenen viel an Lehre und Ordensregel behalten. Komm, Herr, auch der Ordensältere Ānando sollte gewählt werden.“

Da wählte der ehrwürdige Mahākassapo auch den ehrwürdi­gen Ānando aus.

Nun überlegten die ordensälteren Mönche: „Wo könnten wir Lehre und Ordensregel rezitieren?“ und kamen zu dem Schluß: „Rājagaha bietet reichlich Nahrung und hat genug Unterkunft. Wir könnten die Regenzeit in Rājagaha verbringen und dort Lehre und Ordensregel rezitieren, und kein anderer Mönch soll die Regenzeit in Rājagaha verbringen.“

Der ehrwürdige Mahākassapo setzte den Orden davon in Kenntnis: „Brüder, der Orden möge mich hören: Wenn es dem Orden recht ist, so möge der Orden damit einverstanden sein, daß diese 500 Mönche die Regenzeit in Rājagaha verbringen und dort Lehre und Ordensregel rezitieren, und kein anderer Mönch soll die Regenzeit in Rājagaha verbringen. Das ist der Beschlußvorschlag (ñatti).... Wer von den Ehrwürdigen einverstanden ist, der schweige, wer nicht einverstanden ist, möge es sagen.... Der Orden ist einverstanden, deshalb schweigt er. So habe ich das verstanden.“

Nun begaben sich die ordensälteren Mönche nach Rājagaha, um dort Lehre und Ordensregel zu rezitieren. Da kam ihnen der Gedanke: „Der Erhabene hat Wert daraufgelegt, daß zerbroche­ne und beschädigte Teile instandgesetzt werden. Auf, Brüder, laßt uns im ersten Monat die zerbrochenen und beschädigten Teile instand setzen(sannipatitvā) und im mittleren Monat Lehre und Ordens­regel rezitieren.“ So reparierten die ordensälteren Mönche im ersten Monat die zerbrochenen und beschädigten Teile.

Der ehrwürdige Ānando indessen dachte: „Morgen beginnt die Versammlung. Es gehört sich nicht für mich, daß ich als einer hingehe, der immer noch zu kämpfen hat,“ und er ver­brachte die ganze Nacht in Achtsamkeit auf den Körper. Als die Nacht schon fast verstrichen war und der Morgen zu däm­mern begann, dachte er: „ich will mich ein wenig hinlegen“ und winkelte dazu den Körper an; als der Kopf noch nicht die Matratze erreicht hatte und die Füße noch über dem Boden schwebten—in diesem Augenblick wurde das Herz hanglos von den Trieben befreit. Nun ging der ehrwürdige Ānando als ein Geheilter zur Versammlung.

Der ehrwürdige Mahākassapo setzte den Orden in Kenntnis: „Brüder, der Orden möge mich hören: Wenn es dem Orden recht ist, so werde ich den ehrwürdigen Upāli über die Ordensregel abfragen.“ Der ehrwürdige Upāli setzte den Orden in Kenntnis: „Brüder, der Orden möge mich hören: Wenn es dem Orden recht ist, so werde ich auf Befragen des ehrwürdigen Mahākassapo die Ordensregel vortragen.“

Nun fragte der ehrwürdige Mahākassapo den ehrwürdigen Upāli: „Bruder Upāli; wo ist die erste Verfehlung festgelegt wor­den, die den Ausschluß(pārājika)bedeutet?“—„In Vesāli, Herr“—„In Beziehung auf wen?“—„In Beziehung auf Sudinno Kalanda­putto.“—„Aus welchem Grund?“—„Wegen Geschlechtsver­kehrs. „—So hat der ehrwürdige Mahākassapo den ehrwürdigen Upāli nach dem Gegenstand der ersten Verfehlung befragt, die den Ausschluß bedeutet, hat ihn nach dem Tatort befragt, nach dem Täter, nach dem, was festgelegt worden ist, den Aus­führungsbestimmungen dazu und nach den Erläuterungen dar­über, was eine Verfehlung ist und was nicht.

„Bruder Upāli; wo ist die zweite Verfehlung festgelegt wor­den, die den Ausschluß bedeutet?“—„In Rājagaha, Herr“—„In Beziehung auf wen?“—„In Beziehung auf Dhaniyo, den Töpfersohn.“—„Aus welchem Grund?“—„Wegen Nehmens von Nichtgegebenem.“—So hat der ehrwürdige Mahākassapo den ehrwürdigen Upāli nach dem Gegenstand der zweiten Ver­fehlung befragt, die den Ausschluß bedeutet, hat ihn nach dem Tatort befragt, nach dem Täter, nach dem, was festgelegt wor­den ist, den Ausführungsbestimmungen dazu und nach den Erläuterungen darüber, was eine Verfehlung ist und was nicht.

„Bruder Upāli, wo ist die dritte Verfehlung festgelegt worden, die den Ausschluß bedeutet?“—„In Vesāli, Herr“—„In Bezie­hung auf wen?“—„In Beziehung auf eine vielköpfige Schar von Mönchen. „—„Aus welchem Grund?“—„Wegen Tötung eines Menschen „—So hat der ehrwürdige Mahākassapo den ehrwürdi­gen Upāli nach dem Gegenstand der dritten Verfehlung befragt, die den Ausschluß bedeutet, hat ihn nach dem Tatort befragt, nach dem Täter, nach dem, was festgelegt worden ist, den Aus­führungsbestimmungen dazu und nach den Erläuterungen dar­über, was eine Verfehlung ist und was nicht.

„Bruder Upāli, wo ist die vierte Verfehlung festgelegt worden, die den Ausschluß bedeutet?“—„In Vesāli, Herr.“—„In Bezie­hung auf wen?“—„In Beziehung auf Mönche vom Ufer der Vaggumudā.“—„Aus welchem Grund?“—„Wegen falscher An­maßung übermenschlicher Fähigkeiten.“—So hat der ehrwürdi­ge Mahākassapo den ehrwürdigen Upāli nach dem Gegenstand der vierten Verfehlung befragt, die den Ausschluß bedeutet, hat ihn nach dem Tatort befragt, nach dem Täter, nach dem, was festgelegt worden ist, den Ausführungsbestimmungen dazu und nach den Erläuterungen darüber, was eine Verfehlung ist und was nicht.

In gleicher Weise befragte der ehrwürdige Mahākas­sapo den ehrwürdigen Upāli nach beiden Ordensregeln, (ubhatovinaye) und Frage um Frage gab der ehrwürdige Upāli die Darlegung.

Nun setzte der ehrwürdige Mahākassapo den Orden in Kennt­nis: „Brüder, der Orden möge mich hören: Wenn es dem Or­den recht ist, so werde ich den ehrwürdigen Ānando über die Lehre abfragen.“

Der ehrwürdige Ānando setzte den Orden in Kenntnis: „Brü­der, der Orden möge mich hören: Wenn es dem Orden recht ist, so werde ich auf Befragen des ehrwürdigen Mahākassapo die Lehre vortragen.“ Nun fragte der ehrwürdige Mahākassapo den ehrwürdigen Ānando: „Bruder Ānando, wo ist die Lehrrede ‚Das Priesternetz‘ (Brahmajāla), gehalten worden?“—„Zwischen Rājagaham und Nālanda, im königlichen Gartenhaus von Ambalatthikā, Herr.“—„Vor wem?“—„Vor dem Pilger Suppiyo und dem jungen Brahmanen Brahmadatta, Herr.“ Nun fragte der ehrwürdige Mahākassapo den ehrwürdigen Ānando auch nach dem Anlaß und den Zuhörern.

Darauf fragte der ehrwürdige Mahākassapo den ehrwürdigen Ānando: „Wo ist die Lehrrede ‚Lohn der Asketenschaft‘ (Sāmaññaphala), gehal­ten worden? „In Rājagaha, Herr, in Jivakos Mangohain.“—„Vor wem?“—„Vor Ajātasattu, dem Sohn der Videherin.“

Nun fragte der ehrwürdige Mahākassapo den ehrwürdigen Ānando auch nach dem Anlaß und den Zuhörern. In gleicher Weise fragte er ihn nach allen fünf Lehrredensammlungen (Nikāya) und Frage um Frage gab der ehrwürdige Ānando Antwort.

2. Khuddānukhuddakasikkhāpadakathā

Danach sprach der ehrwürdige Ānando zu den ordensälteren Mönchen: „Der Erhabene Herr hat mir in der Stunde des Er­löschens gesagt: Ānando, der Orden kann, wenn er will, nach meinem Hinscheiden die kleineren, weniger wichtigen Regeln aufheben.‘“—„Aber, Ānando, hast du denn den Erhabenen gefragt: was sind denn die kleineren, weniger wichtigen Regeln?“—„Nein, Herr, das habe ich den Erhabenen nicht gefragt.“ Einige Ordensälteren sagten: „Außer den Regeln über den Aus­schluß sind alle übrigen kleinere, weniger wichtige Regeln.“—Einige Ordensälteren sagten: „Außer den Regeln über den Aus­schluß und außer den Regeln über die dreizehn Verfehlungen, die eine Ordensversammlung erforderlich machen (samghadisesa) sind alle übrigen kleinere, weniger wichtige Regeln.“—Einige Ordens­ältere sagten: „Außer diesen Regeln und außer den beiden nicht näher erklärten Regeln (aniyata) sind alle übrigen kleinere, weniger wichtige Regeln.“—Einige Ordensältere sagten: „Außer diesen Regeln und den dreißig Vergehen, die die Einziehung (der Tatgegen­stände) nach sich ziehen, (nissaggiya) sind alle übrigen kleinere, weniger wichtige Regeln.“—Einige Ordensältere sagten: „Außer diesen Regeln und den 92 Regeln, die Beichte erforderlich machen, (pācittiya) sind alle übrigen kleinere, weniger wichtige Regeln.“

Einige Ordensältere sagten: „Außer den Regeln über den Aus­schluß, denen über die dreizehn Verfehlungen, die eine Or­densversammlung erforderlich machen, den beiden nicht nä­her erklärten Regeln, den 30 Vergehen, die die Einziehung (der Tatgegenstände) einschließen, den 92 Regeln, die Wiedergut­machung nach sich ziehen, und den vier Verfehlungen die der Täter nur sich selber gestehen muß sind alle übrigen kleinere, weniger wichtige Regeln.“

Da stellte der ehrwürdige Mahākassapo folgenden Antrag: „Brüder, der Orden möge mich anhören: Es gibt bei uns Übungs­regeln, die Auswirkungen auf häuslich Lebende haben. Und häuslich Lebende wissen von uns: Dies ist unter den Asketen, den Sakyersöhnen, sicher erlaubt, jenes ist ihnen sicher nicht erlaubt.‘ Wollten wir nun kleinere, weniger wichtige Regeln aufheben, dann gäbe es Leute, die würden sagen: Solange seine Leiche noch nicht verbrannt war, haben die Asketen von den für sie vom Asketen Gotamo verkündeten Übungsregeln sich gesagt: So wie es der Meister festgelegt hat, so wollen wir es üben.‘ Kaum ist ihr Meister erloschen, üben sie sich nicht mehr auf diesen Übungspfaden. Wenn es dem Orden recht ist, dann sollte der Orden nichts festlegen, was noch nicht festgelegt ist, und was festgelegt ist, nicht aufheben, sondern er sollte nach den festgelegten Übungsregeln weitermachen. Wer von den Ehr­würdigen einverstanden ist, der schweige, wer nicht einverstan­den ist, möge es sagen... Der Orden ist einverstanden, deshalb schweigt er. So habe ich das verstanden.“

Darauf sprachen Ordensältere zum ehrwürdigen Ānando:

  • „Bruder Ānando, das war ein Fehler von dir, daß du den Erhabe­nen nicht gefragt hast: ‚was sind denn die kleineren, weniger wichtigen Regeln?‘ Gib diesen Fehler zu.“—„Aus Unachtsam­keit habe ich den Erhabenen nicht gefragt: ‚was sind denn die kleineren, weniger wichtigen Regeln?‘ Ich habe diesen Fehler nicht gesehen. Aber aus Vertrauen zu den Ehrwürdigen gebe ich einen Fehler zu.“—
  • „Bruder Ānando, auch das war ein Fehler von dir, daß du Gewänder des Erhabenen für die Regen­zeit genäht hast, nachdem du darauf getreten warst. Gib diesen Fehler zu.“—„Ihr Herren, nicht aus mangelnder Verehrung gegenüber dem Erhabenen habe ich Gewänder des Erhabenen für die Regenzeit genäht, nachdem ich darauf getreten war. Ich habe keinen Fehler gesehen. Aber aus Vertrauen zu den Ehr­würdigen gebe ich einen Fehler zu.“—
  • „Bruder Ānando, auch das war ein Fehler von dir, daß du den Leichnam des Erhabe­nen zuerst von Frauen hast verehren lassen; weil sie weinten, wurde sein Leichnam von Tränen benetzt.“—„Ihr Herren, ich habe gedacht, die Frauen sollten nicht zu unpassender Zeit kom­men, deshalb habe ich es zugelassen, daß sein Leichnam zuerst von Frauen verehrt wurde. Einen Fehler habe ich darin nicht gesehen. Aber aus Vertrauen zu den Ehrwürdigen gebe ich ei­nen Fehler zu.“—
  • „Bruder Ānando, auch das war ein Fehler von dir, daß du trotz eines so deutlichen Winks des Erhabenen, eines so deutlichen Zeichens den Erhabenen nicht gebeten hast: ‚Möge der Erhabene, möge der Wohlfinder ein Weltzeitalter hindurch bestehen bleiben zum Segen vieler, zum Wohle vieler, aus Erbarmen mit der Welt, zum Wohle und zum Segen von Göttern und Menschen‘. Gib diesen Fehler zu.“—„Ihr Her­ren, weil mein Herz von Māro besessen war, habe ich den Erha­benen nicht gebeten. Diesen Fehler habe ich nicht gesehen. Aber aus Vertrauen zu den Ehrwürdigen gebe ich einen Fehler zu.“—
  • „Bruder Ānando, auch das war ein Fehler von dir, daß du dich beim Erhabenen dafür eingesetzt hast, daß Frauen nach der vom Erhabenen verkündeten Lehre und Ordensregel in die Hauslosigkeit ziehen dürfen. Gib diesen Fehler zu.“—„Ihr Her­ren, Mahāpajāpati war des Erhabenen Tante, seine Pflegemut­ter, seine Ernährerin, die ihn mit ihrer eigenen Milch säugte, als seine Mutter gestorben war; für sie habe ich mich beim Erhabenen dafür eingesetzt, daß eine Frau in der vom Erhabe­nen verkündeten Lehre und Ordensregel in die Hauslosigkeit ziehen darf. Einen Fehler sehe ich darin nicht. Aber aus Ver­trauen zu den Ehrwürdigen gebe ich einen Fehler zu.“

In dieser Zeit ging der ehrwürdige Purāno in den südlichen Hügeln auf Almosen mit einer großen Mönchsgemeinschaft, mit 500 Mönchen. Nachdem die Ordensälteren Lehre und Or­densregeln rezitiert hatten, wanderte der ehrwürdige Purāno nach Rājagaha zum Bambuspark, zum Hügel der Eichhörn­chen, zu den ordensälteren Mönchen. Er ging zu ihnen, wech­selte freundliche Begrüßungsworte mit ihnen und setzte sich seitwärts. Zu dem seitwärts sitzenden ehrwürdigen Purāno spra­chen die ordensälteren Mönche: „Von den ordensälteren Mön­chen sind Lehre und Ordensregeln rezitiert worden. Schließe dich dieser Rezitation an.“—„Brüder, wohl rezitiert worden sind sicher von den Ordensälteren Lehre und Ordensregeln. Aber ich habe die Lehre vom Erhabenen von Angesicht zu Angesicht gehört und aufgenommen. So will ich sie bewahren.“

3. Brahmadaṇḍakathā

Nun wandte sich der ehrwürdige Ānando an die Ordensälteren: „In der Stunde seines Erlöschens hat mir der Erhabene noch gesagt: Höre, Ānando, der Orden soll nach meinem Hinschei­den über den Mönch Channo die Brahmastrafe verhängen.“ „Hast du denn den Erhabenen gefragt, Bruder Anado, was die Brahmastrafe ist?“—„Ich habe den erhabenen Herrn gefragt, ihr Herren, was die Brahmastrafe ist: ‚Channo, der Mönch, Ānando, kann sagen, was er will: Der Mönch Channo ist weder anzusprechen noch zu kritisieren noch anzuleiten.“—„Nun, Bruder Ānando, dann verkünde du dem Mönch Channo die Brahmastrafe.“—„Ihr Herren, wie soll ich dem Mönch Channo die Brahmastrafe verkünden? Dieser Mönch ist hitzig und rauh.”—„Gut, Bruder Ānando, dann gehe mit vielen Mönchen zu­sammen.“—„Ja, ihr Herren,“ stimmte der ehrwürdige Ānando den ordensälteren Mönchen zu und mit einer großen Mönchs­gemeinschaft, mit fünfhundert Mönchen, fuhr er mit einem Boot stromaufwärts nach Kosambi und setzte sich an der Land­straße in der Nähe des Lustgartens des Königs Udeno unter einen Baum.

Zur gleichen Zeit aber streifte König Udeno mit seinen Ge­spielinnen in dem Lustgarten umher. Da erfuhren die Gespie­linnen: „Unser verehrter Lehrer Ānando sitzt nicht weit vom Lustgarten unter einem Baum!“ Sie sprachen zu König Udeno: „Majestät, es heißt, da sitzt unser verehrter Lehrer Ānando nicht weit vom Lustgarten unter einem Baum, wir möchten den ver­ehrten Ānando gern besuchen.“—„Gut, dann besucht den As­keten Ānando.“

Da begaben sich die Gespielinnen des Königs Udeno zum ehrwürdigen Ānando, grüßten den ehrwürdigen Ānando ehrerbietig und setzten sich seitwärts. Die seitwärts sit­zenden Gespielinnen des Königs Udeno unterwies und ermun­terte, begeisterte und beglückte der ehrwürdige Ānando mit ei­ner Lehrdarlegung. Hoch glücklich, vom ehrwürdigen Ānando mit einer Lehrdarlegung unterwiesen und ermuntert, begeistert und beglückt worden zu sein, spendeten die Gespielinnen des Königs Udeno dem ehrwürdigen Ānando fünfhundert Unter­gewänder. Dann, beseligt und erhoben von den Worten des ehrwürdigen Ānando, erhoben sich die Gespielinnen des Kö­nigs Udeno von ihren Sitzen, umwandelten den ehrwürdigen Ānando nach rechts und kehrten zu König Udeno zurück.

König Udeno sah sie kommen und fragte sie: „Nun, habt ihr den Asketen Ānando getroffen?“—„Wir haben ihn getroffen, Maje­stät.“—„Habt ihr ihm auch etwas gespendet?“—„Wir haben dem ehrwürdigen Ānando fünfhundert Untergewänder gespen­det.“ König Udeno beanstandete das, kritisierte es, war verär­gert: „Wie kann dieser Asket Ānando 500 Untergewänder an­nehmen! Will er denn einen Kleiderhandel betreiben oder will er sie im Laden zum Verkauf feilhalten?“

König Udeno begab sich zum ehrwürdigen Ānando, wechselte höfliche, freundliche Begrüßungsworte mit ihm und setzte sich seitwärts. Seitwärts sitzend sprach König Udeno zum ehrwürdigen Ānando: „Herr Ānando, sind meine Gespielinnen zu dir gekommen?“—„Ja, deine Gespielinnen sind zu mir gekommen, großer König:“—„Aber haben sie denn dem Herrn Ānando etwas geschenkt?“—„Ja, großer König, sie haben mir etwas geschenkt. Fünfhundert Untergewänder haben sie mir geschenkt, großer König.“—„Aber was willst du denn mit so vielen Gewändern anfangen, Herr Ānando?“—„Die will ich unter den Mönchen verteilen, deren Gewänder abgewetzt sind, großer König:“ „Aber was willst du mit den abgewetzten Gewändern machen, Herr Ānando?“—„Die will ich zu Umhängen umarbeiten lassen.“—„Und was willst du mit den alten Umhängen machen?“—„Daraus will ich Matratzenauflagen machen lassen.“—„Aber was willst du mit den alten Matratzenauflagen machen lassen?“—„Kissenbezüge, großer König“—„Und aus den alten Kissenbezügen“—„Boden­beläge, großer König,“—„aus den alten Bodenbelägen?“—„Fußabtreter, großer König.“—„Und aus den alten Fußabtre­tern, Herr Ānando?“—„Putzlappen, großer König.“—„Und was machst du mit den alten Putzlappen? Herr Ānando?“—„Die lasse ich zu Fasern zerfasern, mit Lehm verkneten und Fußböden damit bestreichen, großer König.“

Da sagte sich König Udeno: „Diese Asketen, die Sakyersöhne, verwerten alles gründlich und lassen nichts umkommen!“ Und er spendete dem ehrwürdigen Ānando weitere 500 gewobene Gewänder. Das war das erste Mal, daß der ehrwürdige Ānando eine Kleiderspende von 1000 Gewändern erhielt.

Nun zog der ehrwürdige Ānando zum Ghositakloster. Der ehrwürdige Channo trat zum ehrwürdigen Ānando hin, grüßte ihn ehrerbietig und setzte sich seitwärts. Zu dem seitwärts sit­zenden ehrwürdigen Channo sprach der ehrwürdige Ānando: „Im Namen des Ordens ist dir hiermit die Brahmastrafe ver­kündet.“—„Aber Herr Ānando, was ist die Brahmastrafe?“—„Du, Bruder Channo, kannst zu einem Mönch sagen, was du willst: Von einem Mönch bist du weder anzusprechen noch zu kritisieren noch anzuleiten.“ Mit dem Aufschrei: „Aber dann bin ich doch vernichtet, wenn ich von einem Mönch weder anzusprechen noch zu kritisieren noch anzuleiten bin“, stürzte der ehrwürdige Channo auf der Stelle ohnmächtig nieder.

Nun aber, erschüttert, beschämt, entsetzt über die Brahma­strafe, einsam, unermüdlich, voll glühenden Eifers, entschlos­sen ausharrend, erreichte der ehrwürdige Channo jenes Ziel, um dessentwillen edle Söhne aus dem Haus in die Hauslosigkeit ziehen, machte sich die Vollendung des Höchsten Wandels noch zu Lebzeiten offenbar, hatte es in eigener weltüberlegener Kennt­nis verwirklicht auf ewig: ‚Versiegt ist die Geburt, vollendet der Höchste Wandel, gewirkt, was zu wirken war, nichts weiter mehr über dies hinaus‘—das wußte er nun. Auch einer der Heiligen war nun der ehrwürdige Channo. Nachdem er den Heilsstand erreicht hatte, begab er sich zum ehrwürdigen Ānando und sprach zu ihm: „Herr Ānando, hebe die Brahmastrafe auf:“—„Von dem Augenblick an, in welchem du den Heilsstand er­reicht hast, Bruder Channo, ist die Brahmastrafe gegenstands­los geworden.“

(Weil bei der Rezitation der Ordensregeln fünfhundert Mön­che zugegen waren—keiner mehr und keiner weniger—wird dieses Konzil das Konzil der Fünfhundert genannt.)