­Das Buch der Charaktere

Dreier-Darstellung

Die Hoffnung

Welcher Mensch gilt als „hoffnungslos“?

Da ist ein Mensch sittenlos, dem Bösen ergeben, unrein, von argwöhnischem Wesen, von versteckter Tat, ein falscher Asket, sich als Asketen ausgebend, ein falscher Jünger, sich als Jünger ausgebend, ist innerlich verdorben, befleckten Herzens, voll von Unrat. Der erfährt: ,Ein Mönch mit solchem Namen hat durch Vernichtung des Wahns noch bei Lebzeiten die wahnlose Gemütserlösung und Weisheitserlösung erlangt, sie selber erkannt und verwirklicht.‘ Da denkt er nicht: ,Wann werde denn auch ich durch Vernichtung des Wahns noch bei Lebzeiten die wahnlose Gemütserlösung und Weisheitserlösung erlangen, sie selber erkennen und verwirklichen?‘ Diesen Menschen nennt man hoffnungslos.

Welcher Mensch gilt als „hoffnungsvoll“?

Da ist ein Mensch sittenrein, dem Guten ergeben. Der erfährt: ,Ein Mönch mit solchem Namen hat durch Vernichtung des Wahns noch bei Lebzeiten die wahnlose Gemütserlösung und Weisheitserlösung erlangt, sie selber erkannt und verwirklicht.‘ Da ist ihm also zumute: ,Wann werde denn auch ich durch Vernichtung des Wahns noch bei Lebzeiten die wahnlose Gemütserlösung und Weisheitserlösung erlangen, sie selber erkennen und verwirklichen?‘ Diesen Menschen nennt man hoffnungsvoll.

Welcher Mensch gilt als „hoffnungsgestillt“?

Da hat ein Mensch durch Vernichtung des Wahns noch bei Lebzeiten die wahnlose Gemütserlösung und Weisheitserlösung erlangt, sie selber erkannt und verwirklicht. Der erfährt: ,Ein Mönch mit solchem Namen hat durch Vernichtung des Wahns noch bei Lebzeiten die wahnlose Gemütserlösung und Weisheitserlösung erlangt, sie selber erkannt und verwirklicht.‘ Da denkt er nicht: Wann werde denn auch ich durch Vernichtung des Wahns noch bei Lebzeiten die wahnlose Gemütserlösung und Weisheitserlösung erlangen, sie selber erkennen und verwirklichen ?‘ Und warum nicht? Was da einst in ihm, dem Unerlösten, an Erlösungsdurst bestanden hatte, das ist in ihm gestillt. Diesen Menschen nennt man hoffnungsgestillt.

Die drei Kranken

Was sind da die drei den Kranken ähnliche Menschen und was die drei Kranken?

Mag da ein gewisser Kranker zuträgliche Speisen erhalten oder nicht erhalten, mag er zuträgliche Arzneien erhalten oder nicht erhalten, mag er einen tüchtigen Wärter erhalten oder nicht erhalten: er genest eben nicht von seiner Krankheit.

Mag da ein gewisser Kranker zuträgliche Speisen erhalten oder nicht erhalten, mag er zuträgliche Arzneien erhalten oder nicht erhalten, mag er einen tüchtigen Wärter erhalten oder nicht erhalten: er genest eben von seiner Krankheit.

Ein anderer Kranker aber genest nur dann von seiner Krankheit, wenn er zuträgliche Speisen erhält und es ihm daran nicht fehlt, wenn er zuträgliche Arzneien erhält und es ihm daran nicht fehlt, wenn er einen tüchtigen Wärter erhält und es ihm daran nicht fehlt.

Für jenen Kranken nun, der nur dann von seiner Krankheit genest, wenn er zuträgliche Speisen, zuträgliche Arzneien und einen tüchtigen Wärter erhält und es ihm daran nicht fehlt: für jenen Kranken wird Krankenkost verordnet, wird Krankenarznei verordnet, wird ein Krankenwärter verordnet. Neben diesem Kranken aber hat man auch den anderen Kranken aufzuwarten.

Ebenso nun auch sind drei den Kranken ähnliche Menschen in der Welt anzutreffen: welche drei?

Mag da ein gewisser Mensch den Vollendeten zu sehen bekommen oder nicht zu sehen bekommen, mag er die vom Vollendeten verkündete Lehre und Ordnung zu hören bekommen oder nicht zu hören bekommen: er gewinnt eben nicht den rechten Pfad, die Vollkommenheit im Guten.

Mag da ein gewisser Mensch den Vollendeten zu sehen bekommen oder nicht zu sehen bekommen, mag er die vom Vollendeten verkündete Lehre und Ordnung zu hören bekommen oder nicht zu hören bekommen: er gewinnt eben den rechten Pfad, die Vollkommenheit im Guten.

Ein anderer Mensch aber gewinnt nur dann den rechten Pfad, die Vollkommenheit im Guten, wenn er den Vollendeten zu sehen bekommt und es ihm daran nicht fehlt, wenn er die vom Vollendeten verkündete Lehre und Ordnung zu hören bekommt und es ihm daran nicht fehlt.

Für jenen Menschen nun, der nur dann den rechten Pfad, die Vollkommenheit im Guten gewinnt, wenn er den Vollendeten zu sehen bekommt und es ihm daran nicht fehlt, wenn er die vom Vollendeten verkündete Lehre und Ordnung zu hören bekommt und es ihm daran nicht fehlt: für jenen Menschen hat der Vollendete den Vortrag der Lehre verordnet. Neben diesem Menschen aber ist auch den anderen die Lehre vorzutragen.

Diese drei den Kranken ähnliche Menschen sind in der Welt anzutreffen.

(Genaue Wiederholung von Nr. 32—34.)

Die Worte

Welcher Mensch spricht Worte, die dem Kote gleichen?

Da spricht ein Mensch die Unwahrheit. Kommt er in eine Gesellschaft oder unter Leute oder unter Verwandte oder in eine Versammlung, oder wird er vor Gericht geladen und als Zeuge befragt: ,Komm, lieber Mann, was du weißt, das sage aus‘, so antwortet er, wenn er nichts weiß: ,Ich weiß es‘; oder wenn er etwas weiß, so antwortet er: ,Ich weiß nichts‘. Wenn er nichts gesehen hat, so antwortet er: ,Ich habe es gesehen‘; oder wenn er etwas gesehen hat, so antwortet er: ,Ich habe nichts gesehen‘. So spricht er um seiner selbst willen oder um eines anderen willen oder um irgend eines Vorteils willen eine bewußte Lüge. Dieser Mensch, sagt man, spricht Worte, die dem Kote gleichen.

Welcher Mensch spricht Worte, die den Blumen gleichen?

Da hat ein Mensch das Lügen verworfen, vom Lügen hält er sich fern. Kommt er in eine Gesellschaft oder unter Leute oder unter Verwandte oder in eine Versammlung, oder wird er vor Gericht geladen und als Zeuge befragt: ,Komm“ lieber Mann, was du weißt, das sage aus‘, so antwortet er, wenn er nichts weiß: ,Ich weiß nichts‘; oder wenn er etwas weiß, so antwortet er: ,Ich weiß es‘. Wenn er nichts gesehen hat, so antwortet er: ,Ich habe nichts gesehen‘; oder wenn er etwas gesehen hat, so antwortet er: ,Ich habe es gesehen‘. So spricht er weder um seiner selbst willen, noch um eines anderen willen, noch um irgend eines Vorteils willen eine bewußte Lüge. Dieser Mensch, sagt man, spricht Worte, die den Blumen gleichen.

Welcher Mensch aber spricht Worte, die dem Nektar gleichen?

Da spricht ein Mensch solche Worte, die edel sind, dem Ohr wohltuend, liebreich, zum Herzen dringend, höflich, vielen lieb und angenehm. Dieser Mensch, sagt man, spricht Worte, die dem Nektar gleichen.

Die Herzen

Welcher Mensch besitzt ein Herz, das einem Geschwüre gleicht?

Da ist ein Mensch jähzornig und äußerst erregbar. Wenn man ihm auch nur das Geringste sagt, so wird er ärgerlich, gerät in Zorn und Wut, wird eigensinnig, legt Verstimmung, Groll und Mißtrauen an den Tag.

Gleichwie da nämlich ein schlimmes Geschwür, mit einem Span oder einer Scherbe angestoßen, heftig Eiter absondert: ebenso ist da ein Mensch jähzornig und äußerst erregbar. Wenn man ihm auch nur das Geringste sagt, so wird er ärgerlich, gerät in Zorn und Wut, wird eigensinnig, legt Verstimmung, Groll und Mißtrauen an den Tag. Dieser Mensch, sagt man, besitzt ein Herz, das einem Geschwüre gleicht.

Welcher Mensch aber besitzt ein Herz, das dem Blitze gleicht?

Da erkennt ein Mensch der Wirklichkeit gemäß: ,Dies ist das Leiden‘; erkennt der Wirklichkeit gemäß: ,Dies ist die Entstehung des Leidens‘; erkennt der Wirklichkeit gemäß: ,Dies ist die Aufhebung des Leidens‘; erkennt der Wirklichkeit gemäß: ,Dies ist der zur Aufhebung des Leidens führende Pfad‘.

Gleichwie da nämlich ein Mensch in der Dunkelheit und Finsternis der Nacht beim plötzlichen Aufleuchten des Blitzes mit seinen Augen die Gegenstände erkennen möchte: ebenso auch erkennt da ein Mensch der Wirklichkeit gemäß: ,Dies ist das Leiden‘; erkennt der Wirklichkeit gemäß: ,Dies ist die Entstehung des Leidens‘; erkennt der Wirklichkeit gemäß: ,Dies ist die Aufhebung des Leidens‘; erkennt der Wirklichkeit gemäß: ,Dies ist der zur Aufhebung des Leidens führende Pfad‘. Dieser Mensch, sagt man, besitzt ein Herz, das dem Blitze gleicht.

Welcher Mensch aber besitzt ein Herz, das dem Diamanten gleicht?

Da erlangt ein Mensch durch Zerstörung des Wahns noch bei Lebzeiten die wahnlose Gemütserlösung und Weisheitserlösung, sie selber erkennend und verwirklichend.

Gleichwie es nämlich für den Diamanten nichts gibt, was unzerstörbar wäre, weder Perle noch Stein: ebenso auch erlangt da ein Mensch durch Zerstörung des Wahns noch bei Lebzeiten die wahnlose Gemütserlösung und Weisheitserlösung, sie selber erkennend und verwirklichend. Dieser Mensch, sagt man, besitzt ein Herz, das dem Diamanten gleicht.

Die Augen

Welcher Mensch gilt als „Blinder“?

Da fehlt einem Menschen ein solches Auge, das ihn befähigt, die noch unerrungenen Reichtümer zu erringen und die errungenen Reichtümer zu vermehren. Und es fehlt ihm ein solches Auge, das ihn befähigt, das Heilsame und Unheilsame zu erkennen, das Verwerfliche und das Untadelige, das Gemeine und das Edle, den Gegensatz von Gut und Böse. Diesen Menschen bezeichnet man als Blinden.

Welcher Mensch aber gilt als „Einäugiger“?

Da besitzt ein Mensch ein solches Auge, das ihn befähigt, die noch nicht errungenen Reichtümer zu erringen und die errungenen Reichtümer zu vermehren. Aber es fehlt ihm ein solches Auge, das ihn befähigt, das Heilsame und das Unheilsame zu erkennen, das Verwerfliche und das Untadelige, das Gemeine und das Edle, den Gegensatz von Gut und Böse. Diesen Menschen bezeichnet man als Einäugigen.

Welcher Mensch aber gilt als „Zweiäugiger“?

Da besitzt ein Mensch ein solches Auge, das ihn befähigt, die noch nicht errungenen Reichtümer zu erringen und die errungenen Reichtümer zu vermehren.

Und er besitzt ein solches Auge, das ihn befähigt, das Heilsame und Unheilsame zu erkennen, das Verwerfliche und das Untadelige, das Gemeine und das Edle, den Gegensatz von Gut und Böse. Diesen Menschen bezeichnet man als Zweiäugigen.

Dreierlei Zuhörer

Welcher Mensch hat einen Verstand, der dem umgestülpten Topfe gleicht?

Da begibt sich ein Mensch häufig zum Kloster, um bei den Mönchen die Lehre zu hören. Und die Mönche tragen ihm die Lehre vor, die im Anfang erhabene, in der Mitte erhabene, am Ende erhabene, dem Sinne wie dem Wortlaut nach, verkünden ein durchaus vollkommenes, geläutertes Asketentum. Während er aber dort auf seinem Platze sitzt, denkt er weder über den Anfang, noch die Mitte, noch das Ende jener Rede nach. Und auch, wenn er sich von jenem Platze erhoben hat, denkt er weder über den Anfang, noch die Mitte, noch das Ende jener Rede nach.

Gleichwie aus einem umgestülpten Topfe das darin eingefüllte Wasser wieder herausläuft, nicht drinnen bleibt: genau so ist es, wenn sich da ein Mensch häufig zum Kloster begibt, um bei den Mönchen die Lehre zu hören. Und die Mönche tragen ihm die Lehre vor, die im Anfang erhabene, in der Mitte erhabene, am Ende erhabene, dem Sinne wie dem Wortlaut nach, verkünden ein durchaus vollkommenes, geläutertes Asketentum. Während er aber dort auf seinem Platze sitzt, denkt er weder über den Anfang, noch die Mitte, noch das Ende jener Rede nach. Und auch, wenn er sich von jenem Platze erhoben hat, denkt er weder über den Anfang, noch die Mitte, noch das Ende jener Rede nach. Dieser Mensch, sagt man, hat einen Verstand, der dem umgestülpten Topfe gleicht.

Welcher Mensch hat einen Verstand, der dem Schosse gleicht?

Da begibt sich ein Mensch häufig zum Kloster, um bei den Mönchen die Lehre zu hören. Und die Mönche tragen ihm die Lehre vor, die im Anfang erhabene, in der Mitte erhabene, am Ende erhabene, dem Sinne wie dem Wortlaut nach, verkünden ein durchaus vollkommenes, geläutertes Asketentum. Während er zwar dort auf seinem Platze sitzt, denkt er sowohl über den Anfang, als auch die Mitte, als auch das Ende jener Rede nach. Hat er sich aber von jenem Platze erhoben, so denkt er weder über den Anfang, noch die Mitte, noch das Ende jener Rede nach.

Gleichwie ein Mann, auf dessen Schosse mancherlei Eßwaren, wie Sesam, Reis, Süßigkeiten und Brustbeeren ausgebreitet sind, beim Aufstehen von seinem Platze, jene aus Gedankenlosigkeit wegwerfen möchte: genau so ist es, wenn sich da ein Mensch häufig zum Kloster begibt, um bei den Mönchen die Lehre zu hören. Und die Mönche tragen ihm die Lehre vor, die im Anfang erhabene, in der Mitte erhabene, am Ende erhabene, dem Sinne wie dem Wortlaut nach, verkünden ein durchaus vollkommenes, geläutertes Asketentum. Während er zwar dort auf seinem Platze sitzt, denkt er sowohl über den Anfang, als auch die Mitte, als auch das Ende jener Rede nach. Hat er sich aber von jenem Platze erhoben, so denkt er weder über den Anfang, noch die Mitte, noch das Ende jener Rede nach. Dieser Mensch, sagt man, hat einen Verstand, der dem Schosse gleicht.

Welcher Mensch hat einen Verstand, der dem aufgerichteten Topfe gleicht?

Da begibt sich ein Mensch häufig zum Kloster, um bei den Mönchen die Lehre zu hören. Und die Mönche tragen ihm die Lehre vor, die im Anfang erhabene, in der Mitte erhabene, am Ende erhabene, dem Sinne wie dem Wortlaut nach, verkünden ein durchaus vollkommenes, geläutertes Asketentum. Während er nun dort auf seinem Platze sitzt, denkt er sowohl über den Anfang, als auch die Mitte, als auch das Ende jener Rede nach. Und auch, wenn er sich von jenem Platze erhoben hat, denkt er sowohl über den Anfang, als auch die Mitte, als auch das Ende jener Rede nach.

Gleichwie in einem aufgerichteten Topfe das eingefüllte Wasser drinnen bleibt, nicht herausläuft: genau so ist, wenn sich da ein Mensch häufig zum Kloster begibt, um bei den Mönchen die Lehre zu hören. Und die Mönche tragen ihm die Lehre vor, die im Anfang erhabene, in der Mitte erhabene, am Ende erhabene, dem Sinne wie dem Wortlaut nach, verkünden ein durchaus vollkommenes, geläutertes Asketentum. Während er nun dort auf seinem Platze sitzt, denkt er sowohl über den Anfang, als auch die Mitte, als auch das Ende jener Rede nach. Und auch, wenn er sich von jenem Platze erhoben hat, denkt er sowohl über den Anfang, als auch die Mitte, als auch das Ende jener Rede nach. Dieser Mensch, sagt man, hat einen Verstand, der dem aufgerichteten Topfe gleicht.

Das Begehren nach Sinnlichkeit und Dasein

Welcher Mensch ist nicht frei von Begehren nach Sinnlichkeit und Dasein?

Der „in den Strom Eingetretene“ (sotāpanno) und der „Einmal-Wiederkehrende“ (sakadāgāmí): diese Menschen, sagt man, sind nicht frei von Begehren nach Sinnlichkeit und Dasein.

Welcher Mensch ist frei von Begehren nach Sinnlichkeit, aber nicht frei von Begehren nach Dasein?

Der „Nie-Wiederkehrende“ (anāgāmí): dieser Mensch, sagt man, ist frei von Begehren nach Sinnlichkeit, aber nicht frei von Begehren nach Dasein.

Welcher Mensch ist frei von Begehren nach Sinnlichkeit und Dasein?

Der „Vollkommen-Heilige“ (arahāt): dieser Mensch, sagt man, ist frei von Begehren nach Sinnlichkeit und Dasein.

Die drei Spuren

Welcher Mensch gleicht der Spur im Steine?

Da gerät ein Mensch häufig in Zorn, und jener Zorn haftet ihm lange an. Gleichwie nämlich die Spur in einem Steine nicht so bald vergeht, weder durch Wind noch durch Wasser, sondern lange bleibt: ebenso auch gerät da ein Mensch häufig in Zorn, und jener Zorn haftet ihm lange an. Dieser Mensch, sagt man, gleicht der Spur im Steine.

Welcher Mensch aber gleicht der Spur auf dem Erdboden?

Da gerät ein Mensch zwar häufig in Zorn, aber jener Zorn haftet ihm nicht lange an. Gleichwie nämlich die Spur auf dem Erdboden gar bald vergeht, sei‘s durch Wind oder Wasser, und nicht lange bleibt: ebenso auch gerät da ein Mensch zwar häufig in Zorn, aber jener Zorn haftet ihm nicht lange an. Dieser Mensch, sagt man, gleicht der Spur auf dem Erdboden.

Welcher Mensch aber gleicht der Spur im Wasser?

Da trachtet ein Mensch, selbst wenn er hart, grob und unliebsam angefahren wird, nach Einigkeit, ist versöhnlich und freundlich. Gleichwie nämlich die Spur im Wasser gar bald vergeht, nicht lange bleibt: ebenso auch trachtet da ein Mensch, selbst wenn er hart, roh und unliebsam angefahren wird, nach Einigkeit, ist versöhnlich und freundlich. Dieser Mensch, sagt man, gleicht der Spur im Wasser.

Die drei Lodentücher

Was sind da die drei den Lodentüchern ähnlichen Menschen und was die drei Lodentücher?

Sowohl ein neues Lodentuch, als auch ein gebrauchtes Lodentuch, als auch ein altes Lodentuch ist von häßlicher Farbe, rauh beim Berühren und von geringem Werte. Überdies gebraucht man ein altes Lodentuch zum Auswischen eines Topfes, oder man wirft es auf den Kehrichthaufen. Ebenso nun auch sind drei den Lodentüchern ähnliche Menschen unter den Jüngern anzutreffen: welche drei?

Insofern da ein neu aufgenommener Mönch oder ein Mönch mittlerer Jahre oder auch ein älterer Mönch sittenlos ist, dem Bösen ergeben, so gilt das an ihm als häßliche Farbe. Und jenem Lodentuch von häßlicher Farbe, dem zu vergleichen ist ein solcher Mensch. Die aber mit ihm Umgang und Verkehr pflegen, sich ihm zugesellen und seinem Beispiele folgen, denen gereicht das lange zum Unheil und Leiden: das gilt an ihm als rauhe Berührung. Und jenem Lodentuch, das sich rauh anfühlt, dem zu vergleichen ist ein solcher Mensch. Von dem er aber das Nötige an Gewand, Almosenspeise, Lagerstatt und die für Krankheiten erforderliche Arznei empfängt, denen bringt das keine große Frucht, keinen hohen Lohn: das gilt an ihm als geringer Wert. Und jenem Lodentuch von geringem Werte, dem zu vergleichen ist ein solcher Mensch.

Wenn nun selbst ein solcher älterer Mönch inmitten der Jüngerschaft etwas sagt, so entgegnen ihm die Mönche: ,Was brauchen wir eine Ermahnung von dir, einem Toren, einem Unverständigen! Du glaubst wohl, etwas sagen zu müssen?‘ Und voll Erregung und Verdruß äußert er derartige Worte, daß ihn die Jüngerschaft verstößt, gleichwie man jenes Lodentuch auf den Kehrichthaufen wirft.

Diese drei den Lodentüchern ähnliche Menschen sind unter den Jüngern anzutreffen.

Die drei Seidentücher

Was sind da die drei den Seidentüchern ähnliche Menschen und was die drei Seidentücher?

Sowohl ein neues Seidentuch, als auch ein gebrauchtes Seidentuch, als auch ein altes Seidentuch ist von schöner Farbe, angenehm beim Berühren und von hohem Werte. Überdies gebraucht man selbst ein altes Seidentuch zum Einwickeln von Kleinodien, oder man bewahrt es in einem Riechkästchen auf. Ebenso nun auch sind drei den Seidentüchern ähnliche Menschen unter den Jüngern anzutreffen: welche drei?

Insofern da ein neu aufgenommener Mönch oder ein Mönch mittlerer Jahre oder auch ein älterer Mönch sittenrein ist, dem Guten ergeben, so gilt das an ihm als schöne Farbe. Und jenem Seidentuch von schöner Farbe, dem zu vergleichen ist ein solcher Mensch. Die aber mit ihm Umgang und Verkehr pflegen, sich ihm zugesellen und seinem Beispiele folgen, denen gereicht das lange zum Heil und Segen: das gilt an ihm als angenehme Berührung. Und jenem Seidentuch, das sich angenehm anfühlt, dem zu vergleichen ist ein solcher Mensch. Von denen er aber das Nötige an Gewand, Almosenspeise, Lagerstatt und die für Krankheiten erforderliche Arznei empfängt, denen bringt das große Frucht, hohen Lohn: das gilt an ihm als hoher Wert. Und jenem Seidentuch von hohem Werte, dem zu vergleichen ist ein solcher Mensch.

Wenn nun gar ein solcher älterer Mönch inmitten der Jüngerschaft etwas sagt, so ermahnen die Mönche also: ,Macht kein Geräusch Verehrte! Ein älterer Mönch trägt die Lehre und Ordnung vor.‘ Seine Worte aber bewahrt man im Gedächtnis, gleichwie man jenes Seidentuch in einem Riechkästchen aufbewahrt.

Diese drei den Seidentüchern ähnliche Menschen sind unter den Jüngern anzutreffen.

Leicht ermesslich, schwer ermesslich, unermeßlich

Welcher Mensch gilt als „leicht ermeßlich“? Da ist ein Mensch zerstreut, aufgeblasen, unstet, schwatzhaft, ein zerfahrener Plauderer, gedankenlos, ohne klares Wissen, ohne Sammlung, hin und her schweifenden Geistes, hält seine Sinne nicht im Zaume. Diesen Menschen nennt man leicht ermesslich.

Welcher Mensch aber gilt als „schwer ermesslich“?

Da ist ein Mensch nicht zerstreut, aufgeblasen, unstet und schwatzhaft, kein zerfahrener Plauderer, der Besinnung gewärtig, wissensklar, gesammelt, geeinten Geistes, sinnesbezähmt. Diesen Menschen nennt man schwer ermesslich.

Welcher Mensch aber gilt als „unermeßlich“?

Da hat ein Mensch durch Vernichtung des Wahns noch bei Lebzeiten die wahnlose Gemütserlösung und Weisheitserlösung erlangt, sie selber erkannt und verwirklicht. Diesen Menschen nennt man unermeßlich.

Der Verkehr I

Mit welchem Menschen soll man nicht umgehen und verkehren, keine Gesellschaft pflegen?

Da steht ein Mensch tiefer im Wandel, in Vertiefung und in Einsicht: mit einem solchen Menschen soll man nicht umgehen und verkehren, keine Gesellschaft pflegen, sei es denn aus Liebe und Mitleid.

Mit welchem Menschen soll man umgehen, verkehren und Gesellschaft pflegen?

Da steht ein Mensch ebenso hoch im Wandel, in Vertiefung und in Einsicht: mit einem solchen Menschen soll man umgehen, verkehren und Gesellschaft pflegen. Und warum? Weil man weiß: ,Die wir gleich hoch im Wandel stehen, werden uns über den Wandel unterhalten: das wird uns zur Freude gereichen, das wird uns zum Fortschritte dienen. Die wir gleich hoch in Vertiefung stehen, werden uns über die Vertiefung unterhalten: das wird uns zur Freude gereichen; das wird uns zum Fortschritte dienen. Die wir gleich hoch in Einsicht stehen, werden uns über die Einsicht unterhalten: das wird uns zur Freude gereichen; das wird uns zum Fortschritte dienen. Darum soll man mit einem solchen Menschen umgehen, verkehren und Gesellschaft pflegen.

Mit welchem Menschen soll man voll Ehrfurcht und Achtung umgehen, verkehren und Gesellschaft pflegen?

Da steht ein Mensch höher im Wandel, in Vertiefung und in Einsicht. Mit einem solchen Menschen soll man voll Ehrfurcht und Achtung umgehen, verkehren und Gesellschaft pflegen. Und warum? Weil man weiß: ,Insofern die Satzung des Wandels, die Satzung der Vertiefung, die Satzung der Einsicht noch unerfüllt ist, werde ich sie erfüllen; insofern sie aber erfüllt ist, werde ich sie hier und da durch Einsicht stützen.‘ Darum soll man mit einem solchen Menschen voll Ehrfurcht und Achtung umgehen, verkehren und Gesellschaft pflegen.

Der Verkehr (II)

Welchen Menschen soll man verabscheuen, im Umgang und Verkehr meiden und nicht zum Gefährten machen?

Da ist ein Mensch sittenlos, dem Bösen ergeben, unrein, von argwöhnischem Wesen, von versteckter Tat, ein falscher Asket, sich als Asketen ausgebend, ein falscher Jünger, sich als Jünger ausgebend, innerlich verdorben, befleckten Herzens, voll von Unrat. Einen solchen Menschen soll man verabscheuen, im Umgang und Verkehr meiden und nicht zum Gefährten machen. Und warum? Selbst wenn man dem Beispiele eines solchen Menschen nicht folgt, so verbreitet sich dennoch das üble Gericht über einen: ,Üble Freunde besitzt dieser Mann, üble Gefährten, üble Genossen!‘ Wie nämlich eine mit Kot beschmierte Schlange, selbst wenn sie nicht beißt, einen dennoch beschmutzt: ebenso auch verbreitet sich, selbst wenn man dem Beispiele eines solchen Menschen nicht folgt, dennoch das üble Gerücht über einen: ,Üble Freunde besitzt dieser Mann, üble Gefährten, üble Genossen!‘ Darum also soll man einen solchen Menschen verabscheuen, im Umgang und Verkehr meiden und nicht zum Gefährten machen.

Welchen Menschen soll man ganz unbeachtet lassen, im Umgang und Verkehr meiden und nicht zum Gefährten machen?

Da ist ein Mensch jähzornig und äußerst erregbar. Wenn man ihm auch nur das Geringste sagt, so wird er ärgerlich, gerät in Zorn und Wut, wird eigensinnig, legt Verstimmung, Groll und Mißtrauen an den Tag. Gleichwie ein schlimmes Geschwür, mit einem Stück Holz oder einer Scherbe angestoßen, heftig Eiter absondert,—oder wie ein Ebenholzfeuer, mit einem Stück Holz oder einer Scherbe aufgestört, heftig zischt und knistert,—oder wie eine Dunggrube, mit einem Stück Holz oder einer Scherbe aufgestört, heftig stinkt: ebenso ist da ein Mensch jähzornig und äußerst erregbar. Wenn man ihm auch nur das Geringste sagt, so wird er ärgerlich, gerät in Zorn und Wut, wird eigensinnig, legt Verstimmung, Groll und Mißtrauen an den Tag. Einen solchen Menschen soll man ganz unbeachtet lassen, im Umgang und Verkehr meiden und nicht zum Gefährten machen. Und warum? Beschimpfen möchte er einen, schmähen möchte er einen, Schaden möchte er einem antun: darum soll man einen solchen Menschen ganz unbeachtet lassen, im Umgang und Verkehr meiden und nicht zum Gefährten machen.

Mit welchem Menschen aber soll man umgehen, verkehren und Gesellschaft pflegen.

Da ist ein Mensch sittenrein, dem Guten ergeben. Mit einem solchen Menschen soll man umgehen, verkehren und Gesellschaft pflegen. Und warum ? Selbst wenn man dem Vorbilde eines solchen Menschen nicht folgt, so verbreitet sich dennoch das gute Gerücht über einen: ,Edle Freunde besitzt dieser Mann, edle Gefährten, edle Genossen!‘ Darum soll man mit einem solchen Menschen umgehen, verkehren und Gesellschaft pflegen.

Wandel, Vertiefung und Einsicht

Welcher Mensch ist vollkommen im Wandel, aber nur teilweise vollkommen in der Vertiefung, teilweise vollkommen in der Einsicht?

Der „in den Strom Eingetretene“ und der „Einmal-Wiederkehrende“: diese Menschen, sagt man, sind vollkommen im Wandel, aber nur teilweise vollkommen in der Vertiefung, teilweise vollkommen in der Einsicht.

Welcher Mensch aber ist vollkommen im Wandel, vollkommen in der Vertiefung, aber nur teilweise vollkommen in der Einsicht?

Der „Nie-Wiederkehrende“: dieser Mensch, sagt man, ist vollkommen im Wandel, vollkommen in der Vertiefung, aber nur teilweise vollkommen in der Einsicht.

Welcher Mensch aber ist vollkommen im Wandel, vollkommen in der Vertiefung, vollkommen in der Einsicht?

Der „Vollkommen-Heilige“: dieser Mensch, sagt man ist vollkommen im Wandel, vollkommen in der Vertiefung, vollkommen in der Einsicht.

Die drei Meister (I)

Was sind da die drei Meister?

Da lehrt ein Meister die Durchschauung der Sinnlichkeit, aber nicht lehrt er die Durchschauung der Formen, nicht die Durchschauung der Gefühle.

Da lehrt ein Meister sowohl die Durchschauung der Sinnlichkeit als auch die Durchschauung der Formen, aber nicht lehrt er die Durchschauung der Gefühle.

Da lehrt ein Meister die Durchschauung der Sinnlichkeit, lehrt die Durchschauung der Formen, lehrt die Durchschauung der Gefühle.

Unter jenem Meister nun, der die Durchschauung der Sinnlichkeit lehrt, aber nicht die Durchschauung der Formen, nicht die Durchschauung der Gefühle, da hat man einen solchen Meister zu verstehen, der die Errungenschaften der Formsphäre erlangt hat.

Unter jenem Meister, der sowohl die Durchschauung der Sinnlichkeit lehrt, als auch die Durchschauung der Formen, aber nicht die Durchschauung der Gefühle, da hat man einen solchen Meister zu verstehen, der die Errungenschaften der formlosen Sphäre erlangt hat.

Unter jenem Meister aber, der die Durchschauung der Sinnlichkeit lehrt, die Durchschauung der Formen lehrt, die Durchschauung der Gefühle lehrt, da hat man den „Vollkommen-Erleuchteten“ zu verstehen.

Diese drei Meister gibt es.

Die drei Meister (II)

Was gibt es da für fernere drei Meister?

Da lehrt ein Meister das Selbst (attā) in eben dieser sichtbaren Erscheinung als wahr und wirklich, und er lehrt das Selbst in der Zukunft als wahr und wirklich.

Da lehrt ein Meister das Selbst in eben dieser sichtbaren Erscheinung als wahr und wirklich, aber er lehrt nicht das Selbst in der Zukunft als wahr und wirklich.

Da lehrt ein Meister weder das Selbst in dieser Erscheinung als wahr und wirklich, noch lehrt er das Selbst in der Zukunft als wahr und wirklich.

Unter jenem Meister nun, der das Selbst in eben dieser Erscheinung als wahr und wirklich lehrt, und der das Selbst in der Zukunft als wahr und wirklich lehrt: da hat man den Lehrer des „Ewigkeitsglaubens“ (sassata-vādo) zu verstehen.

Unter jenem Meister, der das Selbst in eben dieser Erscheinung als wahr und wirklich lehrt, der aber nicht das Selbst in der Zukunft als wahr und wirklich lehrt: da hat man den Lehrer des „Vernichtungsglaubens“ (uccheda-vādo) zu verstehen.

Unter jenem Menschen aber, der weder das Selbst in eben dieser Erscheinung als wahr und wirklich lehrt, noch das Selbst in der Zukunft als wahr und wirklich lehrt: da hat man den „Vollkommen-Erleuchteten“ zu verstehen.

Diese drei Meister gibt es.