­Das Buch der Charaktere

Vierer-Darstellung

Die fünf Sittenregeln

Wer gilt als schlechter Mensch? Da ist einer ein Mörder, ein Dieb, ein Ehebrecher, ein Lügner, frönt dem Genusse von Wein und berauschenden Getränken. Den nennt man einen schlechten Menschen.

Wer aber gilt als schlechterer Mensch ? Da ist einer selber ein Mörder, und zum Morde verleitet er die anderen; ist selber ein Dieb, und zum Diebstahl verleitet er die anderen; ist selber ein Ehebrecher, und zum Ehebruch verleitet er die anderen; ist selber ein Lügner, und zur Lüge verleitet er die anderen; frönt selber dem Genusse von Wein und berauschenden Getränken, und zum Genusse von Wein und berauschenden Getränken verleitet er die anderen. Den nennt man einen schlechteren Menschen.

Wer aber gilt als guter Mensch? Da meidet einer Mord, Diebstahl, Ehebruch, Lüge, sowie den Genuss von Wein und berauschenden Getränken. Den nennt man einen guten Menschen.

Wer aber gilt als besserer Mensch? Da meidet einer selber den Mord, und vom Morde rät er den anderen ab; meidet selber den Diebstahl, und vom Diebstahl rät er den anderen ab; meidet selber den Ehebruch, und vom Ehebruch rät er den anderen ab; meidet selber die Lüge, und von der Lüge rät er den anderen ab; meidet selber den Genuss von Wein und berauschenden Getränken, und vom Genusse von Wein und berauschenden Getränken rät er den anderen ab. Den nennt man einen besseren Menschen.

Zehnfache Tat

Wer gilt als gemeiner Mensch? Da bringt einer lebende Wesen um; nimmt, was ihm nicht gehört; übt unrechten Geschlechtsverkehr; huldigt der Lüge, der Afterrede, den rohen Worten, dem unnützen Plappern; ist habgierig, gehässig gesinnt, bösen Ansichten verfallen. Den nennt man einen gemeinen Menschen.

Wer aber gilt als gemeinerer Mensch? Da bringt einer selber lebende Menschen um, und zum Umbringen lebender Wesen verleitet er die anderen. Er selber stehlt,—übt unrechten Geschlechtsverkehr,—lügt,—verleumdet,—gebraucht rohe Worte,— ist unnützem Plappern ergeben,—ist habgierig,— gehässig gesinnt,—bösen Ansichten verfallen, und zu bösen Ansichten verleitet er die anderen. Den nennt man einen gemeineren Menschen.

Wer aber gilt als edler Mensch? Da meidet einer Töten, Stehlen, unrechten Geschlechtsverkehr, Lügen, Verleumden, rohe Rede, unnützes Plappern, ist selbstlos, wohlwollend gesinnt, guten Ansichten ergeben. Den nennt man einen edlen Menschen.

Wer aber gilt als edlerer Mensch? Da meidet einer selber das Töten, und vom Töten rät er den anderen ab; meidet selber das Stehlen, — den unrechten Geschlechtsverkehr,—die Lüge,—die Afterrede,— die rohe Rede,—das unnütze Plappern,— ist selbstlos, — wohlwollend gesinnt, — guten Ansichten ergeben, und zu guten Ansichten spornt er die anderen an. Den nennt man einen edleren Menschen.

Obige zehn Taten bestehen aus Taten in Werken (1—3), Taten in Worten (4–7) und Taten in Gedanken (8–10).

Der Gute und der Böse

[Diese Rede folgt der genauen Analogie der vorhergehenden.]

Sündhafte und sündlose Tat

Welcher Mensch ist ein Sünder?

Da huldigt ein Mensch sündhafter Tat in Werken, sündhafter Tat in Worten, sündhafter Tat in Gedanken. Diesen Menschen nennt man einen Sünder.

Welcher Mensch aber ist mit vielen Sünden behaftet?

Da huldigt ein Mensch häufig sündhafter Tat in Werken, zuweilen aber sündloser; huldigt häufig sündhafter Tat in Worten, zuweilen aber sündloser; huldigt häufig sündhafter Tat in Gedanken, zuweilen aber sündloser. Diesen Menschen nennt man mit vielen Sünden behaftet.

Welcher Mensch aber ist mit wenigen Sünden behaftet?

Da huldigt ein Mensch häufig sündloser Tat in Werken, zuweilen aber sündhafter; huldigt häufig sündloser Tat in Worten, zuweilen aber sündhafter; huldigt häufig sündloser Tat in Gedanken, zuweilen aber sündhafter. Diesen Menschen nennt man mit wenigen Sünden behaftet.

Welcher Mensch aber ist sündlos?

Da huldigt ein Mensch sündlosen Taten in Werken, sündlosen Taten in Worten, sündlosen Taten in Gedanken. Diesen Menschen nennt man sündlos.

Die Durchschauung der Wahrheit

Welcher Mensch gilt als „ein das Enthüllte unmittelbar Erkennender“ (ugghatitaññú)?

Wer noch während der Darlegung die Wahrheit durchschaut, diesen Menschen bezeichnet man als einen das Enthüllte unmittelbar Erkennenden.

Welcher Mensch gilt als „ein nach ausführlicher Erklärung zur Erkenntnis Gelangender“ (vipacitaññú)?

Wer nach ausführlicher Erklärung des in Kürze Gesagten die Wahrheit durchschaut, diesen Menschen bezeichnet man als einen nach ausführlicher Erklärung zur Erkenntnis Gelangenden.

Welcher Mensch gilt als „ein der Anleitung Bedürftiger“ (neyyo)?

Wer durch Belehrung und Befragung, durch weises Nachdenken und dadurch, daß er mit edlen Freunden verkehrt, umgeht, sich ihnen zugesellt, also allmählich zur Durchschauung der Wahrheit gelangt, diesen Menschen bezeichnet man als einen der Anleitung Bedürftigen.

Welcher Mensch gilt als „einer, dem die Worte die Hauptsache sind“ (padaparamo)?

Wer, obgleich er viel gehört hat, viel redet, viel auswendig kann, viel vorträgt, nicht in diesem Leben die Wahrheit durchschaut, diesen Menschen bezeichnet man als einen, dem die Worte die Hauptsache sind.

Viererlei Antworten

Welcher Mensch ist ein treffender aber kein schlagfertiger Beantworter?

Da gibt ein Mensch auf eine Frage hin eine richtige aber keine schnelle Antwort. Dieser Mensch, sagt man, ist ein treffender aber kein schlagfertiger Beantworter.

Welcher Mensch ist ein schlagfertiger aber kein treffender Beantworter?

Da gibt ein Mensch auf eine Frage hin eine schnelle aber keine treffende Antwort. Dieser Mensch, sagt man, ist ein schlagfertiger aber kein treffender Beantworter.

Welcher Mensch ist sowohl ein treffender als auch ein schlagfertiger Beantworter?

Da gibt ein Mensch auf eine Frage hin eine treffende und schnelle Antwort. Dieser Mensch, sagt man, ist sowohl ein treffender als auch ein schlagfertiger Beantworter.

Welcher Mensch ist weder ein treffender noch ein schlagfertiger Beantworter?

Da gibt ein Mensch auf eine Frage hin weder eine treffende noch eine schnelle Antwort. Dieser Mensch, sagt man, ist weder ein treffender noch ein schlagfertiger Beantworter.

Viererlei Lehrredner

Was sind da die vier Lehrredner?

Da spricht ein Lehrredner wenig und verkehrt, und die Menge ist nicht imstande, das Richtige vom Verkehrten zu unterscheiden. Dieser Lehrredner gilt einer solchen Versammlung als Lehrredner.

Da spricht ein Lehrredner wenig aber richtig, und die Menge ist imstande, das Richtige vom Verkehrten zu unterscheiden. Dieser Lehrredner gilt einer solchen Versammlung als Lehrredner.

Da spricht ein Lehrredner viel aber verkehrt, und die Menge ist nicht imstande, das Richtige vom Verkehrten zu unterscheiden. Dieser Lehrredner gilt einer solchen Versammlung als Lehrredner.

Da spricht ein Lehrredner viel und richtig, und die Menge ist imstande, das Richtige vom Verkehrten zu unterscheiden. Dieser Lehrredner gilt einer solchen Versammlung als Lehrredner.

Diese vier Lehrredner gibt es.

Die Gleichnisse von den Wolken

Was sind da die vier den Wolken ähnlichen Menschen?

Viererlei Wolken gibt es: die Wolke, die donnert aber nicht regnet; die Wolke, die regnet aber nicht donnert; die Wolke, die sowohl donnert als auch regnet; die Wolke, die weder donnert noch regnet. Ebenso nun auch sind vier den Wolken ähnliche Menschen in der Welt anzutreffen: welche vier? Der Mensch, der donnert aber nicht regnet; der Mensch, der regnet aber nicht donnert; der Mensch, der sowohl donnert als auch regnet; der Mensch, der weder donnert noch regnet.

Wie nun donnert ein Mensch aber regnet nicht?

Da redet ein Mensch, aber er handelt nicht: so donnert ein Mensch aber regnet nicht. Und jener Wolke, die donnert aber nicht regnet, der ist dieser Mensch zu vergleichen.

Wie nun regnet ein Mensch aber donnert nicht?

Da handelt ein Mensch aber redet nicht: so regnet ein Mensch aber donnert nicht. Und jener Wolke, die regnet aber nicht donnert, der ist dieser Mensch zu vergleichen.

Wie nun donnert sowohl ein Mensch als auch regnet er?

Da redet ein Mensch und handelt: so donnert sowohl ein Mensch als auch regnet er. Und jener Wolke die sowohl donnert als auch regnet, der ist dieser Mensch zu vergleichen.

Wie nun donnert weder ein Mensch noch regnet er?

Da redet ein Mensch nicht und handelt nicht: so weder donnert ein Mensch noch regnet er. Und jener Wolke, die weder donnert noch regnet, der ist dieser Mensch zu vergleichen.

Diese vier den Wolken ähnlichen Menschen sind in der Welt anzutreffen.

Die Gleichnisse von den Mäusen

Was sind da die vier den Mäusen ähnlichen Menschen?

Viererlei Mäuse gibt es: die Maus, die eine Höhle baut, sie aber nicht bewohnt; die Maus, die eine Höhle bewohnt, aber keine baut; die Maus, die eine Höhle baut und sie bewohnt; die Maus, die eine Höhle weder baut noch bewohnt. Ebenso nun auch sind vier den Mäusen ähnliche Menschen in der Welt anzutreffen: welche vier? Der Mensch, der eine Höhle baut, sie aber nicht bewohnt; der Mensch, der eine Höhle bewohnt, aber keine baut; der Mensch, der eine Höhle baut und sie bewohnt; der Mensch, der eine Höhle weder baut noch bewohnt.

Wie nun baut ein Mensch eine Höhle, aber bewohnt sie nicht?

Da eignet sich einer die Lehre an: Lehrreden, gemischte Prosa, Exegese, Verse, Freudengesänge, Aussprüche, Geburtslegenden, Wunderdinge und Erklärungen.*) Doch: ,Dies ist das Leiden‘ versteht er nicht der Wirklichkeit gemäß. ,Dies ist die Entstehung des Leidens‘ versteht er nicht der Wirklichkeit gemäß. ,Dies ist die Aufhebung des Leidens‘ versteht er nicht der Wirklichkeit gemäß. ,Dies ist der zur Aufhebung des Leidens führende Pfad‘ versteht er nicht der Wirklichkeit gemäß. So baut ein Mensch eine Höhle, aber bewohnt sie nicht. Und jener Maus, die eine Höhle baut, sie aber nicht bewohnt, der ist dieser Mensch zu vergleichen.

Wie nun bewohnt ein Mensch eine Höhle, aber baut keine?

Da eignet sich einer nicht die Lehre an: Lehrreden, gemischte Prosa, Exegese, Verse Freudengesinge, Aussprüche, Geburtslegenden, Wunderdinge und Erklärungen. Doch: ,Dies ist das Leiden‘ versteht er der Wirklichkeit gemäß. ,Dies ist die Entstehung des Leidens‘ versteht er der Wirklichkeit gemäß. ,Dies ist die Aufhebung des Leidens‘ versteht er der Wirklichkeit gemäß. ,Dies ist der zur Aufhebung des Leidens führende Pfad‘ versteht er der Wirklichkeit gemäß. So bewohnt ein Mensch eine Höhle, aber baut keine. Und jener Maus, die eine Höhle bewohnt, aber keine baut, der ist dieser Mensch zu vergleichen.

Wie nun baut ein Mensch eine Höhle und bewohnt sie?

Da eignet sich einer die Lehre an: Lehrreden, gemischte Prosa, Exegese, Verse, Freudengesänge, Aussprüche, Geburtslegenden, Wunderdinge und Erklärungen. Und: ,Dies ist das Leiden‘ versteht er der Wirklichkeit gemäß. ,Dies ist die Entstehung des Leidens‘ versteht er der Wirklichkeit gemäß. ,Dies ist die Aufhebung des Leidens‘ versteht er der Wirklichkeit gemäß. ,Dies ist der zur Aufhebung des Leidens führende Pfad‘ versteht er der Wirklichkeit gemäß. So baut ein Mensch eine Höhle und bewohnt sie. Und jener Maus, die eine Höhle baut und sie bewohnt, der ist dieser Mensch zu vergleichen.

Wie nun weder baut noch bewohnt ein Mensch eine Höhle?

Da eignet sich einer nicht die Lehre an: Lehrreden, gemischte Prosa, Exegese, Verse, Freudengesänge, Aussprüche, Geburtslegenden, Wunderdinge und Erklärungen. Und: ,Dies ist das Leiden‘ versteht er nicht der Wirklichkeit gemäß. ,Dies ist die Entstehung des Leidens‘ versteht er nicht der Wirklichkeit gemäß. ,Dies ist die Aufhebung des Leidens‘ versteht er nicht der Wirklichkeit gemäß. ,Dies ist der zur Aufhebung des Leidens führende Pfad‘ versteht er nicht der Wirklichkeit gemäß. So weder baut noch bewohnt ein Mensch eine Höhle. Und jener Maus, die eine Höhle weder baut noch bewohnt, der ist dieser Mensch zu vergleichen.

Diese vier den Mäusen ähnlichen Menschen sind in der Welt anzutreffen.

Die Gleichnisse von den Mangofrüchten

Was sind da die vier den Mangofrüchten ähnlichen Menschen?

Vielerlei Mangofrüchte gibt es: die unreife, reif aussehende; die reife, unreif aussehende; die unreife, unreif aussehende; die reife, reif aussehende. Ebenso nun auch sind vier den Mangofrüchten ähnliche Menschen in der Welt anzutreffen: welche vier? Der Unreife, reif Aussehende; der Reife, unreif Aussehende; der Unreife, unreif Aussehende; der Reife, reif Aussehende.

Wie nun ist ein Mensch unreif und sieht reif aus? Da besitzt ein Mensch Anmut beim Gehen und Kommen, beim Hinblicken und Wegblicken, beim Beugen und Strecken, beim Tragen der Almosenschale und des Gewandes. Doch: ,Dies ist das Leiden‘ erkennt er nicht der Wirklichkeit gemäß. ,Dies ist die Entstehung des Leidens‘ erkennt er nicht der Wirklichkeit gemäß. ,Dies ist die Aufhebung des Leidens‘ erkennt er nicht der Wirklichkeit gemäß. ,Dies ist der zur Aufhebung des Leidens führende Pfad‘ erkennt er nicht der Wirklichkeit gemäß. So ist ein Mensch unreif und sieht reif aus. Und jener unreifen Mangofrucht, die reif aussieht, der ist dieser Mensch zu vergleichen.

Wie nun ist ein Mensch reif und sieht unreif aus? Da besitzt ein Mensch keine Anmut beim Gehen und Kommen, beim Hinblicken und Wegblicken, beim Beugen und Strecken, beim Tragen der Almosenschale und des Gewandes. Doch: ,Dies ist das Leiden‘ erkennt er der Wirklichkeit gemäß. ,Dies ist die Entstehung des Leidens‘ erkennt er der Wirklichkeit gemäß. ,Dies ist die Aufhebung des Leidens‘ erkennt er der Wirklichkeit gemäß. ,Dies ist der zur Aufhebung des Leidens führende Pfad‘ erkennt er der Wirklichkeit gemäß. So ist ein Mensch reif und sieht unreif aus. Und jener reifen Mangofrucht, die unreif aussieht, der ist dieser Mensch zu vergleichen.

Wie nun ist ein Mensch unreif und sieht unreif aus? Da besitzt ein Mensch keine Anmut beim Gehen und Kommen, beim Hinblicken und Wegblicken, beim Beugen und Strecken, beim Tragen der Almosenschale und des Gewandes. Und: ,Dies ist das Leiden‘ erkennt er nicht der Wirklichkeit gemäß. ,Dies ist die Entstehung des Leidens‘ erkennt er nicht der Wirklichkeit gemäß. ,Dies ist die Aufhebung des Leidens‘ erkennt er nicht der Wirklichkeit gemäß. ,Dies ist der zur Aufhebung des Leidens führende Pfad‘ erkennt er nicht der Wirklichkeit gemäß. So ist ein Mensch unreif und sieht unreif aus. Und jener unreifen Mangofrucht, die unreif aussieht, der ist dieser Mensch zu vergleichen.

Wie nun ist ein Mensch reif und sieht reif aus? Da besitzt ein Mensch Anmut beim Gehen und Kommen, beim Hinblicken und Wegblicken, beim Beugen und Strecken, beim Tragen der Almosenschale und des Gewandes. Und: ,Dies ist das Leiden‘ erkennt er der Wirklichkeit gemäß. ,Dies ist die Entstehung des Leidens‘ erkennt er der Wirklichkeit gemäß. ,Dies ist die Aufhebung des Leidens‘ erkennt er der Wirklichkeit gemäß. ,Dies ist der zur Aufhebung des Leidens führende Pfad‘ erkennt er der Wirklichkeit gemäß. So ist ein Mensch reif und sieht reif aus. Und jener reifen Mangofrucht, die reif aussieht, der ist dieser Mensch zu vergleichen.

Diese vier den Mangofrüchten ähnlichen Menschen sind in der Welt anzutreffen.

Die Gleichnisse von den Krügen

Was sind da die vier den Krügen ähnlichen Menschen?

Viererlei Krüge gibt es: den leeren, verschlossenen; den vollen, unverschlossenen; den leeren, unverschlossenen; den vollen, verschlossenen. Ebenso nun auch sind vier den Krügen ähnliche Menschen in der Welt anzutreffen: welche vier? Der einsichtslose, verschlossene; der einsichtsvolle, unverschlossene; der einsichtslose, unverschlossene; der einsichtsvolle, verschlossene.

[Die Beschreibung dieser vier Menschen ist dieselbe wie in der vorigen Rede.]

Die Gleichnisse von den Teichen

Was sind da die vier den Teichen ähnlichen Menschen?

Viererlei Teiche gibt es: den seichten, tief aussehenden; den tiefen, seicht aussehenden; den seichten, seicht aussehenden; den tiefen, tief aussehenden. Ebenso nun auch sind vier den Teichen ähnliche Menschen in der Welt anzutreffen: welche vier? Der seichte, tief aussehende; der tiefe, seicht aussehende; der seichte, seicht aussehende; der tiefe, tief aussehende.“

Die Gleichnisse von den Stieren

Was sind da die vier den Stieren ähnlichen Menschen?

Viererlei Stiere gibt es: den Stier, der gegen die eigene Herde wütet, nicht gegen die fremde; den Stier, der gegen die fremde Herde wütet, nicht gegen die eigene; den Stier, der sowohl gegen die eigene Herde wütet als auch gegen die fremde; den Stier, der weder gegen die eigene Herde wütet noch gegen die fremde. Ebenso nun auch sind vier den Stieren ähnliche Menschen in der Welt anzutreffen: welche vier? Der Mensch, der gegen die eigene Herde wütet, nicht gegen die fremde; der Mensch, der gegen die fremde Herde wütet, nicht gegen die eigene; der Mensch, der sowohl gegen die eigene Herde wütet als auch gegen die fremde; der Mensch, der weder gegen die eigene Herde wütet noch gegen die fremde.

Wie nun wütet ein Mensch gegen die eigene Herde, nicht gegen die fremde?

Da quält einer seine eigene Umgebung, nicht aber die anderen. So wütet ein Mensch gegen die eigene Herde, nicht gegen die fremde. Und jenem Stiere, der gegen die eigene Herde wütet, nicht gegen die fremde, dem ist dieser Mensch zu vergleichen.

Wie nun wütet ein Mensch gegen die fremde Herde, nicht gegen die eigene?

Da quält einer die anderen, nicht aber seine eigene Umgebung. So wütet ein Mensch gegen die fremde Herde, nicht gegen die eigene. Und jenem Stiere, der gegen die fremde Herde wütet, nicht gegen die eigene, dem ist dieser Mensch zu vergleichen.

Wie nun wütet ein Mensch sowohl gegen die eigene Herde als auch gegen die fremde?

Da quält einer sowohl seine eigene Umgebung als auch die anderen. So wütet ein Mensch sowohl gegen die eigene Umgebung als auch gegen die anderen. Und jenem Stiere, der sowohl gegen die eigene Herde wütet als auch gegen die fremde, dem ist dieser Mensch zu vergleichen.

Wie nun wütet ein Mensch weder gegen die eigene Herde noch gegen fremde?

Da quält einer weder seine eigene Umgebung noch die anderen. So wütet ein Mensch weder gegen die eigene Herde noch gegen die fremde. Und jenem Stiere, der weder gegen die eigene Herde wütet noch gegen die fremde, dem ist dieser Mensch zu vergleichen.

Diese vier den Stieren ähnlichen Menschen sind in der Welt anzutreffen.

Die Gleichnisse von den Schlangen

Was sind da die vier den Schlangen ähnlichen Menschen?

Viererlei Schlangen gibt es: die Schlange, die häufig Gift speit, deren Gift aber nicht gefährlich ist; die Schlange, deren Gift gefährlich ist, die aber nur selten Gift speit; die Schlange, die häufig Gift speit, und deren Gift gefährlich ist; die Schlange, die selten Gift speit, deren Gift aber nicht gefährlich ist. Ebenso nun auch sind vier den Schlangen ähnliche Menschen in der Welt anzutreffen: welche vier? Der Mensch, der häufig Gift speit, dessen Gift aber nicht gefährlich ist; der Mensch, dessen Gift gefährlich ist, der aber nur selten Gift speit; der Mensch, der häufig Gift speit, und dessen Gift gefährlich ist; der Mensch, der selten Gift speit, dessen Gift aber nicht gefährlich ist.

Wie nun speit ein Mensch häufig Gift und ist sein Gift nicht gefährlich?

Da gerät ein Mensch häufig in Zorn, aber der Zorn hält nicht lange bei ihm an. So speit ein Mensch häufig Gift, und sein Gift ist nicht gefährlich. Und jener Schlange, die häufig Gift speit, deren Gift aber nicht gefährlich ist, der ist dieser Mensch zu vergleichen.

Wie nun ist das Gift eines Menschen gefährlich und speit er nur selten Gift?

Da gerät ein Mensch nur selten in Zorn, aber der Zorn hält lange bei ihm an. So ist das Gift eines Menschen gefährlich, aber er speit nur selten Gift. Und jener Schlange, deren Gift gefährlich ist, die aber nur selten Gift speit, der ist dieser Mensch zu vergleichen.

Wie nun speit ein Mensch häufig Gift und ist sein Gift gefährlich?

Da gerät ein Mensch häufig in Zorn, und der Zorn hält lange bei ihm an. So speit ein Mensch häufig Gift, und sein Gift ist gefährlich. Und jener Schlange, die häufig Gift speit, und deren Gift gefährlich ist, der ist dieser Mensch zu vergleichen.

Wie nun speit ein Mensch selten Gift und ist sein Gift nicht gefährlich?

Da gerät ein Mensch nur selten in Zorn, und der Zorn hält nicht lange bei ihm an. So speit ein Mensch selten Gift, und sein Gift ist nicht gefährlich. Und jener Schlange, die selten Gift speit, und deren Gift nicht gefährlich ist, der ist dieser Mensch zu vergleichen.

Diese vier den Schlangen ähnlichen Menschen sind in der Welt anzutreffen.

Verkehrtes Urteil

Wie lobt ein Mensch, ohne erkannt und geprüft zu haben, einen, der Tadel verdient?

Da lobt ein Mensch die auf schlechtem und verkehrtem Pfade wandelnden Irrlehrer und Anhänger der Irrlehrer: ,Diese freilich wandeln auf dem guten Pfade, diese freilich wandeln auf dem rechten Pfade!‘ So lobt ein Mensch, ohne erkannt und geprüft zu haben, einen, der Tadel verdient.

Wie aber tadelt ein Mensch, ohne erkannt und geprüft zu haben, einen, der Lob verdient?

Da tadelt ein Mensch die auf dem guten und rechten Pfade Wandelnden, die Erleuchteten und Jünger der Erleuchteten: ,Diese freilich wandeln auf dem schlechten Pfade, diese freilich wandeln auf dem verkehrten Pfade!‘ So tadelt ein Mensch, ohne erkannt und geprüft zu haben, einen, der Lob verdient.

Wie aber hat ein Mensch, ohne erkannt und geprüft zu haben, Gefallen, woran man Mißfallen haben sollte?

Da findet ein Mensch an dem schlechten und verkehrten Pfade Gefallen: ,Dieses ist freilich der gute Pfad, dieses ist freilich der rechte Pfad!‘ So hat ein Mensch, ohne erkannt und geprüft zu haben, Gefallen, woran man Mißfallen haben sollte.

Wie aber hat ein Mensch, ohne erkannt und geprüft zu haben, Mißfallen, woran man Gefallen haben sollte?

Da findet ein Mensch an dem guten und rechten Pfade Mißfallen: ,Dieses ist freilich der schlechte Pfad, dieses ist freilich der verkehrte Pfad!‘ So hat ein Mensch, ohne erkannt und geprüft zu haben, Mißfallen, woran man Gefallen haben sollte.

Rechtes Urteil

204 Wie tadelt ein Mensch, nachdem er erkannt und geprüft hat, einen, der Tadel verdient?

Da tadelt ein Mensch die auf schlechtem und verkehrtem Pfade wandelnden Irrlehrer und Anhänger der Irrlehrer: ,Diese freilich wandeln auf dem schlechten Pfade, diese freilich wandeln auf dem verkehrten Pfade!‘ So tadelt ein Mensch, nachdem er erkannt und geprüft hat, einen, der Tadel verdient.

Wie aber lobt ein Mensch, nachdem er erkannt und geprüft hat, einen, der Lob verdient?

Da lobt ein Mensch die auf dem guten und rechten Pfade Wandelnden, die Erleuchteten und Jünger der Erleuchteten: ,Diese freilich wandeln auf dem guten Pfade, diese freilich wandeln auf dem rechten Pfade!‘ So lobt ein Mensch, nachdem er erkannt und geprüft hat, einen, der Lob verdient.

Wie aber hat ein Mensch, nachdem er erkannt und geprüft hat, Mißfallen, woran man Mißfallen haben soll?

Da findet ein Mensch an dem schlechten und verkehrten Pfade Mißfallen: ,Dieses ist freilich der schlechte Pfad, dieses ist freilich der verkehrte Pfad!‘ So hat ein Mensch, nachdem er erkannt und geprüft hat, Mißfallen, woran man Mißfallen haben soll.

Wie aber hat ein Mensch, nachdem er erkannt und geprüft hat, Gefallen, woran man Gefallen haben soll?

Da findet ein Mensch an dem guten und rechten Pfade Gefallen: ,Dieses ist freilich der gute Pfad, dieses ist freilich der rechte Pfad!‘ So hat ein Mensch, nachdem er erkannt und geprüft hat, Gefallen, woran man Gefallen haben soll.

Lob und Tadel.

Wie tadelt ein Mensch, was Tadel verdient, der Wahrheit und Wirklichkeit gemäß, zur rechten Zeit, lobt aber nicht, was Lob verdient, der Wahrheit und Wirklichkeit gemäß, zur rechten Zeit?

Da hat ein Mensch Vorzüge und hat Fehler. Was da nun Fehler sind, das sagt er der Wahrheit und Wirklichkeit gemäß, zur rechten Zeit. Was da aber Vorzüge sind, das sagt er nicht, der Wahrheit und Wirklichkeit gemäß, zur rechten Zeit. So tadelt ein Mensch, was Tadel verdient, der Wahrheit und Wirklichkeit gemäß, zur rechten Zeit, aber er lobt nicht, was Lob verdient, der Wahrheit und Wirklichkeit gemäß, zur rechten Zeit.

Wie nun lobt ein Mensch, was Lob verdient, der Wahrheit und Wirklichkeit gemäß, zur rechten Zeit, tadelt aber nicht, was Tadel verdient, der Wahrheit und Wirklichkeit gemäß, zur rechten Zeit?

Da hat ein Mensch Vorzüge und hat Fehler. Was da nun Vorzüge sind, das sagt er, der Wahrheit und Wirklichkeit gemäß, zur rechten Zeit. Was da aber Fehler sind, das sagt er nicht, der Wahrheit und Wirklichkeit gemäß, zur rechten Zeit. So lobt ein Mensch, was Lob verdient, der Wahrheit und Wirklichkeit gemäß, zur rechten Zeit, tadelt aber nicht, was Tadel verdient, der Wahrheit und Wirklichkeit gemäß, zur rechten Zeit.

Wie nun tadelt ein Mensch, was Tadel verdient, der Wahrheit und Wirklichkeit gemäß, zur rechten Zeit, und lobt, was Lob verdient, der Wahrheit und Wirklichkeit gemäß, zur rechten Zeit?

Da hat ein Mensch Vorzüge und hat Fehler. Was da Vorzüge sind, das sagt er, der Wahrheit und Wirklichkeit gemäß, zur rechten Zeit. Und auch was da Fehler sind, das sagt er, der Wahrheit und Wirklichkeit gemäß, zur rechten Zeit. Er kennt die Zeit, um eine darauf bezügliche Frage zu beantworten. So tadelt ein Mensch, was Tadel verdient, der Wahrheit und Wirklichkeit gemäß, zur rechten Zeit, und lobt, was Lob verdient, der Wahrheit und Wirklichkeit gemäß, zur rechten Zeit.

Wie nun weder tadelt ein Mensch, was Tadel verdient, der Wahrheit und Wirklichkeit gemäß, zur rechten Zeit, noch lobt er, was Lob verdient, der Wahrheit und Wirklichkeit gemäß, zur rechten Zeit?

Da hat ein Mensch Vorzüge und hat Fehler. Was da Vorzüge sind, das sagt er nicht, der Wahrheit und Wirklichkeit gemäß, zur rechten Zeit. Und auch was da Fehler sind, das sagt er nicht, der Wahrheit und Wirklichkeit gemäß, zur rechten Zeit. Gleichmütig verweilt er, besonnen, klar bewußt. So weder tadelt ein Mensch, was Tadel verdient, der Wahrheit und Wirklichkeit gemäß, zur rechten Zeit, noch lobt er, was Lob verdient, der Wahrheit und Wirklichkeit gemäß, zur rechten Zeit.

Die Früchte der Arbeit und die Früchte eines guten Wandels

Wer zehrt von den Früchten der Arbeit, nicht von den Früchten eines guten Wandels?

Wem aus Arbeit, Mühe und Anstrengung sein Lebensunterhalt erwächst, nicht aus einem guten Wandel: der, sagt man, zehrt von den Früchten der Arbeit, nicht von den Früchten eines guten Wandels.

Wer zehrt von den Früchten eines guten Wandels, nicht von den Früchten der Arbeit?

Von den „über die Erzeugnisse der anderen verfügenden Göttern“ ab zehren alle darüber stehenden Götter von den Früchten eines guten Wandels, nicht von den Früchten der Arbeit.

Wer zehrt sowohl von den Früchten der Arbeit als auch von den Früchten eines guten Wandels?

Wem sowohl aus Arbeit, Mühe und Anstrengung als auch aus einem guten Wandel sein Lebensunterhalt erwächst: der, sagt man, zehrt sowohl von den Früchten der Arbeit als auch von den Früchten eines guten Wandels.

Wer zehrt weder von den Früchten der Arbeit noch von den Früchten eines guten Wandels?

Die Bewohner der Hölle zehren weder von den Früchten der Arbeit noch von den Früchten eines guten Wandels.

Unter dem guten Wandel sind hier die in einem früheren Leben begangenen guten Taten zu verstehen.

Licht und Finsternis

Wie eilt ein Mensch von Finsternis zu Finsternis ?

Da ist einer in einer niedrigen Menschenklasse wiedergeboren, unter den Ausgestoßenen oder in der Jägerkaste, der Korbmacherkaste, der Wagnerkaste oder der Fegerkaste, in einer armen Familie, die knapp ist an Speise und Trank und kümmerlich ihr Dasein fristet, in der man nur mühsam die nötige Nahrung erhält. Dabei ist er häßlich, von abstoßendem Äußern, verwachsen, siech; ist blind, verkrüppelt, hinkend oder lahm. Speise, Trank, Kleidung, Wagen, Blumen, Wohlgerüche, Salben, Bett, Wohnung und Beleuchtung werden ihm nicht zu teil. Und er führt einen schlechten Wandel in Werken, einen schlechten Wandel in Worten, einen schlechten Wandel in Gedanken. Indem er aber in Werken, Worten und Gedanken einen schlechten Wandel führt, gelangt er bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, auf einen Abweg, eine Leidensfährte, in verstoßene Welt, zur Hölle. So eilt ein Mensch von Finsternis zu Finsternis.

Wie aber eilt ein Mensch von der Finsternis zum Licht?

Da ist einer in einer niedrigen Menschenklasse wiedergeboren, unter den Ausgestoßenen oder in der Jägerkaste, der Korbmacherkaste, der Wagnerkaste oder der Fegerkaste, in einer armen Familie, die knapp ist an Speise und Trank und kümmerlich ihr Dasein fristet, in der man nur mühsam die nötige Nahrung erhält. Dabei ist er häßlich, von abstoßendem Äußern, verwachsen, siech; ist blind, verkrüppelt, hinkend oder lahm. Speise, Trank, Kleidung, Wagen, Blumen, Wohlgerüche, Salben, Bett, Wohnung und Beleuchtung werden ihm nicht zuteil. Doch er führt einen guten Wandel in Werken, einen guten Wandel in Worten, einen guten Wandel in Gedanken. Indem er aber in Werken, Worten und Gedanken einen guten Wandel führt, gelangt er bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, auf glückliche Fährte, in himmlische Welt. So eilt ein Mensch von der Finsternis zum Licht.

Wie aber eilt ein Mensch vom Licht zur Finsternis?

Da ist einer in einer vornehmen Familie wiedergeboren, in einer mächtigen Adelsfamilie oder einer mächtigen Brahmanenfamilie oder einer mächtigen Bürgersfamilie, einer reichen, hochbegüterten, hochvermögenden, die Überfluß hat an Gold und Silber, an Hab und Gut, an Geld und Getreide. Dabei ist er von stattlicher Gestalt und Erscheinung, mit Anmut und außergewöhnlicher Schönheit begabt. Er erhält Speise, Trank, Kleidung, Wagen, Blumen, Wohlgerüche, Salben, Bett, Wohnung und Beleuchtung. Doch er führt einen schlechten Wandel in Werken, einen schlechten Wandel in Worten, einen schlechten Wandel in Gedanken. Indem er aber in Werken, Worten und Gedanken einen schlechten Wandel führt, gelangt er bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, auf einen Abweg, eine Leidensfährte, in verstoßene Welt, zur Hölle. So eilt ein Mensch vom Licht zur Finsternis.

Wie aber eilt ein Mensch von Licht zu Licht?

Da ist einer in einer vornehmen Familie wiedergeboren, in einer mächtigen Adelsfamilie oder einer mächtigen Brahmanenfamilie oder einer mächtigen Bürgersfamilie, einer reichen, hochbegüterten, hochvermögenden, die Überfluß hat an Gold und Silber, an Hab und Gut, an Geld und Getreide. Dabei ist er von stattlicher Gestalt und Erscheinung, mit Anmut und außergewöhnlicher Schönheit begabt. Er erhält Speise, Trank, Kleidung, Wagen, Blumen, Wohlgerüche, Salben, Bett, Wohnung und Beleuchtung. Und er führt einen guten Wandel in Werken, einen guten Wandel in Worten, einen guten Wandel in Gedanken. Indem er aber in Werken, Worten und Gedanken einen guten Wandel führt, gelangt er bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, auf glückliche Fährte, in himmlische Welt. So eilt ein Mensch von Licht zu Licht.

Hoch und niedrig

[Diese Rede folgt der genauen Analogie der vorhergehenden.]

Die Gleichnisse von den Bäumen

Was sind da die vier den Bäumen ähnlichen Menschen?

Viererlei Bäume gibt es: den schwachen Baum, der von starken Bäumen umgeben ist; den starken Baum, der von schwachen Bäumen umgeben ist; den schwachen Baum, der von schwachen Bäumen umgeben ist; den starken Baum, der von starken Bäumen umgeben ist. Ebenso nun auch sind vier den Bäumen ähnliche Menschen in der Welt anzutreffen: welche vier? Der Schwache, von Starken umgeben; der Starke, von Schwachen umgeben; der Schwache, von Schwachen umgeben; der Starke, von Starken umgeben.

Wie nun ist ein Mensch schwach, von Starken umgeben?

Da ist einer sittenlos, dem Bösen ergeben; seine Umgebung aber ist sittenrein, dem Guten ergeben. So ist ein Mensch schwach, von Starken umgeben. Und jenem schwachen Baum, der von starken Bäumen umgeben ist, dem ist dieser Mensch zu vergleichen.

Wie nun ist ein Mensch stark, von Schwachen umgeben?

Da ist einer sittenrein, dem Guten ergeben; seine Umgebung aber ist sittenlos, dem Bösen ergeben. So ist ein Mensch stark, von Schwachen umgeben. Und jenem starken Baum, der von schwachen Bäumen umgeben ist, dem ist dieser Mensch zu vergleichen.

Wie nun ist ein Mensch schwach, von Schwachen umgeben?

Da ist einer sittenlos, dem Bösen ergeben; und auch seine Umgebung ist sittenlos, dem Bösen ergeben. So ist ein Mensch schwach, von Schwachen umgeben. Und jenem schwachen Baum, der von schwachen Bäumen umgeben ist, dem ist dieser Mensch zu vergleichen.

Wie nun ist ein Mensch stark, von Starken umgeben?

Da ist ein Mensch sittenrein, dem Guten ergeben; und auch seine Umgebung ist sittenrein, dem Guten ergeben. So ist ein Mensch stark, vom Starken umgeben. Und jenem starken Baum, der von starken Bäumen umgeben ist, dem ist dieser Mensch zu vergleichen.

Diese vier den Bäumen ähnlichen Menschen sind in der Welt anzutreffen.

Wahrheit und Schein

Welcher Mensch nimmt die äußere Erscheinung zum Maßstab, findet an der äußeren Erscheinung Gefallen?

Da gewahrt ein Mensch die Höhe, den Umfang, die Gestalt oder die Fülle, und das zum Maßstab nehmend findet er Gefallen daran. Dieser Mensch, sagt man, nimmt die äußere Erscheinung zum Maßstab, findet an der äußeren Erscheinung Gefallen.

Welcher Mensch nimmt das Gehörte zum Maßstab, findet am Gehörten Gefallen?

Da nimmt ein Mensch die von den anderen geäußerte Lobpreisung, Verherrlichung, Anerkennung und Beifallsbezeugung zum Maßstab und findet Gefallen daran. So nimmt ein Mensch das Gehörte zum Maßstab, findet am Gehörten Gefallen.

Welcher Mensch nimmt die Herbheit zum Maßstab, findet an der Herbheit Gefallen?

Da sieht ein Mensch das herbe Gewand, die unflätige Almosenschale, die rauhe Lagerstatt oder die mannigfache Schmerzensaskese, und das zum Maßstab nehmend, findet er Gefallen daran. Dieser Mensch, sagt man, nimmt die Herbheit zum Maßstab, findet an der Herbheit Gefallen.

Welcher Mensch aber nimmt die Wahrheit zum Maßstab, findet an der Wahrheit Gefallen?

Da sieht ein Mensch den Wandel, oder er sieht die Vertiefung, oder er sieht die Einsicht, und das zum Maßstab nehmend, findet er Gefallen daran. Dieser Mensch, sagt man, nimmt die Wahrheit zum Maßstab, findet an der Wahrheit Gefallen.

Eignes und fremdes Heil

Wie wirkt ein Mensch zum eignen Heile, nicht zum Heile der anderen?

Da hat ein Mensch selber Tugend gewonnen, aber zur Gewinnung der Tugend spornt er nicht die anderen an. Er hat selber Vertiefung gewonnen, aber zur Gewinnung der Vertiefung spornt er nicht die anderen an. Er hat selber Einsicht gewonnen, aber zur Gewinnung der Einsicht spornt er nicht die anderen an. Er hat selber die Erlösung gewonnen, aber zur Gewinnung der Erlösung spornt er nicht die anderen an. Er hat selber den Erkenntnisblick der Erlösung gewonnen, aber zur Gewinnung des Erkenntnisblickes der Erlösung spornt er nicht die anderen an. So wirkt ein Mensch zum eignen Heile, nicht zum Heile der anderen.

Wie aber wirkt ein Mensch zum Heile der anderen, nicht zum eignen Heile?

Da hat ein Mensch selber keine Tugend gewonnen, aber zur Gewinnung der Tugend spornt er die anderen an. Er hat selber keine Vertiefung gewonnen, aber zur Gewinnung der Vertiefung spornt er die anderen an. Er hat selber keine Einsicht gewonnen, aber zur Gewinnung der Einsicht spornt er die anderen an. Er hat selber nicht die Erlösung gewonnen, aber zur Gewinnung der Erlösung spornt er die anderen an. Er hat selber nicht den Erkenntnisblick der Erlösung gewonnen, aber zur Gewinnung des Erkenntnisblickes der Erlösung spornt er die anderen an. So wirkt ein Mensch zum Heile der anderen, nicht zum eignen Heile.

Wie aber wirkt ein Mensch sowohl zum eignen Heile als auch zum Heile der anderen?

Da hat ein Mensch selber Tugend gewonnen, und zur Gewinnung der Tugend spornt er auch die anderen an. Er hat selber Vertiefung gewonnen, und zur Gewinnung der Vertiefung spornt er auch die anderen an. Er hat selber Einsicht gewonnen, und zur Gewinnung der Einsicht spornt er auch die anderen an. Er hat selber die Erlösung gewonnen, und zur Gewinnung der Erlösung spornt er auch die anderen an. Er hat selber den Erkenntnisblick der Erlösung gewonnen, und zur Gewinnung des Erkenntnisblickes der Erlösung spornt er auch die anderen an. So wirkt ein Mensch sowohl zum eignen Heile als auch zum Heile der anderen.

Wie aber wirkt ein Mensch weder zum eignen Heile noch zum Heile der anderen?

Da hat ein Mensch selber keine Tugend gewonnen, und zur Gewinnung der Tugend spornt er auch die anderen nicht an. Er hat selber keine Vertiefung gewonnen, und zur Gewinnung der Vertiefung spornt er auch die anderen nicht an. Er hat selber keine Einsicht gewonnen, und zur Gewinnung der Einsicht spornt er auch die anderen nicht an. Er hat selber nicht die Erlösung gewonnen, und zur Gewinnung der Erlösung spornt er auch die anderen nicht an. Er hat selber nicht den Erkenntnisblick der Erlösung gewonnen, und zur Gewinnung des Erkenntnisblickes der Erlösung spornt er auch die anderen nicht an. So wirkt ein Mensch weder zum eignen Heile noch zum Heile der anderen.

Selbstqual und Nächstenqual

Wie ist einer ein Selbstquäler, der Übung der Selbstqual ergeben?

Da ist einer ein Unbekleideter, ein Ungebundener, ein Handablecker, folgt keinem Anruf, wartet nicht ab, nimmt keine dargebrachten Gaben an, keine Vergünstigung, keine Einladung. Er nimmt nichts vom Rande eines Topfes oder einer Schüssel an, nichts über die Schwelle, nicht wo sich Stämme oder Pfähle im Wege befinden, nicht wo zwei zusammen speisen, nicht von einer Schwangeren oder Säugenden, nicht von einer, die sich gerade unter Männern befindet, nicht auf Ankündigung hin, nicht wo ein Hund wartet, nicht wo Fliegen umherschwärmen. Er ißt weder Fisch noch Fleisch, trinkt keinen Wein und Branntwein, kein Gerstenwasser. Er nimmt nur von einem Hause Almosen an und begnügt sich mit einer Hand voll Reis; oder er nimmt von zwei, drei, vier, fünf, sechs oder sieben Häusern Almosen an und begnügt sich mit zwei, drei, vier, fünf, sechs oder sieben Händen voll Reis. Er lebt nur von einer Darreichung, von zwei, drei, vier, fünf, sechs oder sieben Darreichungen. Er nimmt nur ein über den anderen Tag Nahrung zu sich oder nur nach jedem zweiten, dritten, vierten, fünften, sechsten oder siebenten Tag. So pflegt er auf diese Weise der Reihe nach die halbmonatliche Fastenübung.—Er lebt von Kräutern und von Hirse, von wildem Reis oder Abfällen des Reises, von Moosarten, von Samenkörnern, von Reisschaum, von Ölkuchen, von Gräsern, von Kuhmist, nährt sich von Wurzeln und Früchten des Waldes, lebt von abgefallenen Früchten.—Er trägt Gewänder aus Hanf oder Flechtwerk, Gewänder, die er auf dem Leichenfelde oder einem Kehrichthaufen gefunden hat; kleidet sich in Rinde, Felle oder Häute, in Geflechte, die aus Gras oder aus den Fasern der Bäume und Früchte verfertigt sind, in härene Decken, in Gewänder aus Roßhaaren oder Eulenflügeln. Er rauft sich Haar und Bart aus, befolgt die Regeln der Haar- und Bartausraufer; ist ein Stetigsteher, verschmäht das Sitzen; ist ein Fersensitzer, befleißigt sich eifrig des Fersensitzens; ist ein Dornenschläfer, auf dornigem Lager ruht er sich aus; allabendlich steigt er zum dritten Male ins Büßerbad. Also übt er sich auf gar vielfache Weise in körperlicher Kasteiung und Schmerzensaskese. So nun ist einer ein Selbstquäler, der Übung der Selbstqual ergeben.

Wie aber ist einer ein Nächstenquäler, der Übung der Nächstenqual ergeben?

Da ist einer ein Schaf- oder Schweineschlächter, ein Vogelsteller, ein Wildjäger, ein Weidmann, ein Fischer, ein Räuber, ein Henker, ein Kerkermeister oder was es da sonst noch an grausamem Handwerk gibt. So ist einer ein Nächstenquäler, der Übung der Nächstenqual ergeben.

Wie aber ist einer ein Selbstquäler, der Übung der Selbstqual ergeben, und ein Nächstenquäler, der Übung der Nächstenqual ergeben?

Da ist einer ein gesalbter Khattiyakönig oder ein mächtiger Brahmane. Der hat im Osten vor der Stadt eine neue Opferhalle (yaññāgāram) errichten lassen. Und mit geschorenem Haar und Bart, in ein rauhes Fell gekleidet, den Körper mit Butter und Öl bestrichen, den Rücken mit einem Hirschhorne reibend, tritt er zusammen mit der Königin und dem Oberpriester in die Opferhalle ein. Dort läßt er sich auf dem unbedeckten, (an-attharahitāya) bloß mit Gras bestreuten (haritupalittāya) Boden nieder. Einer Kuh, die ein ihr gleichendes Kalb bei sich hat, wird an einem Euter die Milch ausgemolken und damit der König bedient. Mit der Milch vom zweiten Euter wird die Königin bedient, mit der Milch vom dritten der Oberpriester; die Milch vom vierten Euter wird dem Feuer geopfert; den Rest trinkt das Kalb. Und der König befiehlt: ,So viele Stiere sollen zum Opfer erschlagen werden, so viele Farren, so viele Färsen, so viele Ziegen, so viele Widder; so viele Bäume sollen gefällt werden, um als Opferpfosten zu dienen; so viel Gras soll gemäht werden, um als Opfergras zu dienen. (‚barihisa‘tthāya) Und seine Knechte, Diener und Arbeiter führen aus Furcht vor Strafe, vor Angst zitternd, weinend und klagend die Arbeiten aus. So nun ist einer ein Selbstquäler, der Übung der Selbstqual ergeben, und ein Nächstenquäler, der Übung der Nächstenqual ergeben.

Wie aber ist einer weder ein Selbstquäler, der Übung der Selbstqual nicht ergeben, noch ein Nächstenquäler, der Übung der Nächstenqual nicht ergeben, und ist ohne Selbstqual, ohne Nächstenqual schon bei Lebzeiten gestillt, erloschen, abgekühlt, in seligem Gefühle heilig gewordenen Herzens verweilend?

Da erscheint der Vollendete in der Welt, der Heilige, völlig Erleuchtete, der Wissens- und Tugendreiche, der Gesegnete, der Welt Kenner, der unvergleichliche Lenker der unbezähmten Menschheit, der Meister der Engel und Menschen, der Erleuchtete, der Erhabene. Er erklärt diese Welt mit ihren Engeln, Teufeln und Göttern, mit der Schar der Asketen, Priester, Geister und Menschen, nachdem er sie selber erkannt und durchschaut hat. Er weist die Lehre, die im Anfang erhabene, in der Mitte erhabene, am Ende erhabene, dem Sinne wie dem Wortlaut nach, verkündet ein ganz und gar vollkommenes, geklärtes Asketentum. Jene Lehre vernimmt ein Hausvater oder der Sohn eines Hausvaters oder der in irgend einem anderen Stand Wiedergeborene. Nachdem er aber jene Lehre vernommen hat, gewinnt er Vertrauen zum Vollendeten, und von jenem Vertrauen erfüllt überlegt er bei sich: ‚Beengend ist die Häuslichkeit, eine Stätte des Schmutzes: frei wie der Himmel die Pilgerschaft! Nicht leicht ist es, wenn man im Hause lebt, das gänzlich vollkommene, gänzlich geklärte Asketentum in seiner ganzen Reinheit (wörtl. „einer geschliffenen Muschel ähnlich“; „sankhalikhitan‘ti liktitasankhasadisam dhotasankhasappatibhāgam. Aus Atth.) zu erfüllen. Wie, wenn ich nun, mit geschorenem Haar und Bart, mit dem gelben Gewande bekleidet, fortzöge von Hause in die Hauslosigkeit?‘ Und nach kurzer Zeit verläßt er einen kleineren oder größeren Besitz, einen kleineren oder größeren Verwandtenkreis, schert sich Haar und Bart, legt das gelbe Gewand an und zieht von Hause fort in die Hauslosigkeit.

Also Pilger geworden erfüllt er die Ordensregeln der Mönche. Dem Töten hat er entsagt, vom Töten steht er ab. Ohne Stock, ohne Schwert, zartfühlend, von Liebe erfüllt, ist er auf das Wohl aller lebenden Wesen bedacht. Nichtgegebenes zu nehmen liegt ihm fern, vom Nehmen des Nichtgegebenen steht er ab. Was man ihm gibt, das nimmt er; die Zeit des Gebens wartet er ab, ehrlich und lauter gesinnt. Der Unkeuschheit hat er entsagt; keusch lebt er, treu der Entsagung, steht ab von dem Geschlechtsverkehr, dem gemeinen. Dem Lügen hat er entsagt, vom Lügen steht er ab. Die Wahrheit spricht er, der Wahrheit ist er verbunden, zuverlässig, vertrauenswürdig, kein Betrüger der Menschen. Den Afterreden hat er entsagt, von Afterreden steht er ab. Was er hier gehört hat, erzählt er dort nicht wieder, um jene zu entzweien; und was er dort gehört hat, erzählt er hier nicht wieder, um diese zu entzweien. So einigt er Entzweite, festigt Verbundene. Eintracht liebt er, an Eintracht findet er Freude und Gefallen, Eintracht fördernde Worte spricht er. Rohen Worten hat er entsagt, von rohen Worten steht er ab. Edle Worte, die dem Ohr wohltun, liebevolle, zum Herzen dringende, höfliche, die viele erheben, viele erfreuen, solche Worte spricht er. Dem unnützen Plappern hat er entsagt, von unnützem Plappern steht er ab. Zur rechten Zeit spricht er, den Tatsachen gemäß, einem Zwecke angepaßt, spricht über Wahrheit und Zucht. Seine Rede ist denkwürdig, gelegentlich mit Gleichnissen geschmückt, abgemessen, dem Gegenstande angepaßt.

Er meidet die Zerstörung von Keim- und Pflanzenleben. An einem Male lebt er des Tages, und des Nachts bleibt er nüchtern. Des unzeitigen Essens enthält er sich. Er meidet Tanz, Gesang, Spiel und den Besuch von Schaustellungen, verwirft Blumenkränze, Wohlgerüche, Salben sowie jederart Schmuck, Zierat und Schönheitsmittel. Hohe und vornehme Betten benutzt er nicht. Gold und Silber nimmt er nicht an. Rohes Getreide und Fleisch nimmt er nicht an. Frauen und Mädchen nimmt er nicht an. Er besitzt keine Diener oder Dienerinnen, keine Ziegen, Schafe, Hühner, Schweine, Elefanten, Rinder oder Pferde, keinen Grund und Boden. Er übernimmt keine Aufträge, tut keine Botendienste. In Kauf und Verkauf läßt er sich nicht ein. Er macht sich nichts zu schaffen mit falschem Maß, Metall und Gewicht. Die schiefen Wege der Bestechung, Täuschung und Betrügerei hat er verworfen. Stechen, Erschlagen, Binden, Überfallen, Plündern und Vergewaltigen liegen ihm fern.

Er begnügt sich mit dem Gewande, das seinen Körper schützt, mit der Almosenspeise, womit er sein Leben fristet. Wohin er auch immer zieht, da ist er eben nur mit diesen beiden Dingen versehen. Gleichwie ein beschwingter Vogel, wohin er auch immer fliegt, stets nur seine Flügel mit sich trägt, gerade so auch begnügt sich der Mönch mit dem Gewande, das seinen Körper schützt, mit der Almosenspeise, womit er sein Leben fristet. Und wohin er auch immer zieht, da ist er eben nur mit diesen beiden Dingen versehen.

Durch die Befolgung dieser heiligen „Tugendsatzung“ (síla-kkhandho) empfindet er in seinem Innern ein sündenreines Glück.

Erblickt er nun mit dem Auge eine Form, so haftet er weder am Ganzen noch an den Einzelheiten. Da ihn, unbewachten Auges weilend, Begehrsucht und Kummer, üble unheilsame Dinge überkommen möchten, so befleißigt er sich dessen Bewachung, hütet er das Auge, hält er das Auge im Zaume. Vernimmt er mit dem Ohr einen Ton, — riecht er mit der Nase einen Duft, — schmeckt er mit der Zunge einen Saft, — fühlt er mit dem Körper eine Tastung,—erkennt er im Geiste ein Ding, so haftet er weder am Ganzen noch an den Einzelheiten. Da ihn, unbewachten Geistes weilend, Begehrsucht und Kummer, üble, unheilsame Dinge überkommen möchten, so befleißigt er sich dessen Bewachung, hütet er den Geist, hält er den Geist im Zaume.

Durch die Ausübung dieser heiligen „Sinneszügelung“ (indriya-samvaro) empfindet er in seinem Innern ein unbeflecktes Glück.

Klar bewußt ist er beim Kommen und Gehen, klar bewußt beim Hinblicken und Wegblicken, klar bewußt beim Beugen und Strecken, klar bewußt beim Tragen des Gewandes und der Almosenschale, klar bewußt beim Essen und Trinken, Kauen und Schmecken, klar bewußt beim Entleeren von Kot und Urin, klar bewußt beim Gehen, Stehen und Sitzen, beim Einschlafen und Aufwachen, beim Sprechen und Schweigen.

Ist er nun mit diesem heiligen Tugendwandel ausgerüstet, ausgerüstet mit dieser heiligen Sinneszügelung, erfüllt von dieser heiligen Wissensklarheit (sati-sampajaññam), so wählt er sich einen abgeschiedenen Wohnort, im Walde, am Fuße eines Baumes, auf einem Berge, in einer Kluft, einer Felsenhöhle, auf dem Leichenfelde, in der Einsamkeit des Waldes, unter freiem Himmel oder auf einem Strohhaufen. Nach dem Mahle, wenn er mit dem Einnehmen der Almosenspeise fertig ist, setzt er sich mit gekreuzten Beinen nieder, den Körper gerade aufgerichtet, gewärtigen Geistes.

Weltliche Begierde hat er verworfen; begierdelosen Herzens verweilt er; von Begierde läutert er sein Herz.

Groll und Mißmut hat er verworfen; sein Herz ist frei von Groll; auf das Wohl aller lebenden Wesen bedacht, läutert er sein Herz von Groll und Mißmut.

Geistige Schlaffheit und Mattigkeit hat er verworfen; frei von Schlaffheit und Mattigkeit verweilt er; hellen Geistes, besonnen, klar bewußt, läutert er sein Herz von Schlaffheit und Mattigkeit.

Aufregung und Gewissensunruhe hat er verworfen; frei von Unruhe verweilt er, und von innerem Frieden erfüllt, läutert er sein Herz von Aufregung und Gewissensunruhe.

Zweifelsucht hat er verworfen; zweifelentronnen verweilt er; er zweifelt nicht am Guten, läutert sein Herz von Zweifelsucht.

Er hat nun diese fünf „Hemmungen“ (nivarana) beseitigt, die Befleckungen des Geistes kennen gelernt, die lähmenden; der Sinnlichkeit entrückt, dem Schlechten entronnen, erreicht er sinnend und nachdenkend die in der Loslösung geborene, von Verzückung und Glückseligkeit erfüllte erste „Selbstvertiefung“ (jhānam).

Nach Aufhebung des Sinnes und Nachdenkens gewinnt er den inneren Frieden, die Einheit des Geistes, die von Sinnen und Nachdenken freie, in der Ruhe geborene, von Verzückung und Glückseligkeit erfüllte zweite Selbstvertiefung.

Nach dem Schwinden der Verzückung aber verweilt er gleichmütig, besonnen, klar bewußt, und er fühlt in sich jenes Glück, von dem die Heiligen sprechen: ,Glückselig der Gleichmütige, der Besonnene!‘ —so gewinnt er die dritte Selbstvertiefung.

Nach dem Schwinden von Wohlgefühl und Schmerz, durch die Unterdrückung der früheren Freude und des Kummers gewinnt er einen leidlosen, freudlosen Zustand, die gleichmütig-geistesgeklärte vierte Selbstvertiefung.

Also im Geiste gesammelt, geläutert, rein, fleckenlos, ungetrübt, nachgiebig, geschmeidig, fest, unerschütterlich, richtet er seinen Geist auf die erinnernde Erkenntnis früherer Daseinsformen. Er erinnert sich an manche verschiedene frühere Daseinsform, als wie an ein Leben, dann an zwei Leben, dann an drei Leben, dann an vier Leben, dann an fünf Leben, dann an zehn Leben, dann an zwanzig Leben, dann an dreissig Leben, dann an vierzig Leben, dann an fünfzig Leben, dann an hundert Leben, dann an tausend Leben, dann an hunderttausend Leben, dann an die Zeiten während mancher Weltuntergänge, dann an die Zeiten während mancher Weltentstehungen, dann an die Zeiten während mancher Weltuntergänge und Weltentstehungen: ,Dort war ich, solchen Namen hatte ich, solcher Familie und solchem Stand gehörte ich an, solche Nahrung ward mir zuteil, solches Wohl und Wehe habe ich erfahren, solches Lebensalter erreichte ich. Von da abgeschieden, trat ich dort wieder ins Dasein: dort hatte ich solchen Namen, solcher Familie und solchem Stande gehörte ich an, solche Nahrung ward mir zuteil, solches Wohl und Wehe habe ich erfahren, solches Lebensalter er reichte ich. Von dort abgeschieden, trat ich hier wieder ins Dasein.‘— So erinnert er sich an manche verschiedenen früheren Daseinsformen mit ihren Merkmalen, ihren Kennzeichen.

Also im Geiste gesammelt, geläutert, rein, fleckenlos, ungetrübt, nachgiebig, geschmeidig, fest, unerschütterlich, richtet er seinen Geist auf die Erkenntnis des Abscheidens und Wiedererscheinens der Wesen. Mit dem himmlischen Auge, dem geklärten, übermenschlichen, sieht er die Wesen abscheiden und wiedererscheinen, gemeine und edle, schöne und häßliche, glückliche und unglückliche. Er erkennt, wie die Wesen, je nach den Taten, wiedererscheinen: ,Diese Wesen wahrlich führen einen schlechten Wandel in Werken, Worten und Gedanken, beschimpfen Heilige, sind bösen Ansichten ergeben, und böse Ansichten verleiten sie zu ihren Taten; bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, gelangen sie auf einen Abweg, eine Leidensfährte, in verstoßene Welt, zur Hölle. Jene Wesen aber führen einen guten Wandel in Werken, Worten und Gedanken, beschimpfen die Heiligen nicht, sind guten Ansichten ergeben, und gute Ansichten veranlassen sie zu ihren Taten; bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, gelangen sie auf glückliche Fährte, in himmlische Welt.‘—So sieht er mit dem himmlischen Auge, dem geklärten, übermenschlichen, die Wesen abscheiden und wiedererscheinen, gemeine und edle, schöne und häßliche, glückliche und unglückliche, erkennt, wie die Wesen, je nach den Taten, wiedererscheinen.

Also im Geiste gesammelt, geläutert, rein, fleckenlos, ungetrübt, nachgiebig, geschmeidig, fest, unerschütterlich, richtet er seinen Geist auf die Erkenntnis der Wahnversiegung. ,Dies ist das Leiden‘—erkennt er der Wirklichkeit gemäß. ,Dies ist die Entstehung des Leidens‘—erkennt er der Wirklichkeit gemäß. ,Dies ist die Aufhebung des Leidens‘ — erkennt er der Wirklichkeit gemäß, ,Dies ist der zur Aufhebung des Leidens führende Pfad‘—erkennt er der Wirklichkeit gemäß. ,Dies ist der Wahn‘—erkennt er der Wirklichkeit gemäß. ,Dies ist die Entstehung des Wahns‘—erkennt er der Wirklichkeit gemäß. ,Dies ist die Aufhebung des Wahns‘—erkennt er der Wirklichkeit gemäß. ,Dies ist der zur Aufhebung des Wahns führende Pfad‘—erkennt er der Wirklichkeit gemäß.

Also erkennend, also schauend, wird sein Herz erlöst von dem Begierdewahn, erlöst vom Daseinswahn, erlöst vom Wahn der Verblendung. ,Ich bin erlöst‘ —diese Erkenntnis steigt auf in dem Erlösten; er weiß: ,Versiegt ist das Leben, erfüllt die Heiligkeit; was zu tun war, ist getan; nichts gibt es mehr zu tun für diese Welt.‘

So ist einer weder ein Selbstquäler, der Übung der Selbstqual nicht ergeben, noch ein Nächstenquäler, der Übung der Nächstenqual nicht ergeben, und ist, ohne Selbstqual, ohne Nächstenqual, schon bei Lebzeiten gestillt, erloschen, abgekühlt, in seligem Gefühle, heilig gewordenen Herzens verweilend.

Begehren, Haß, Verblendung, Eigendünkel

Welchem Menschen haftet das Begehren an? In wem das Begehren nicht erloschen ist, diesem Menschen, sagt man, haftet das Begehren an.

Welchem Menschen haftet der Haß an?

In wem der Haß nicht erloschen ist, diesem Menschen, sagt man, haftet der Haß an.

Welchem Menschen haftet die Verblendung an? In wem die Verblendung nicht erloschen ist, diesem Menschen, sagt man, haftet die Verblendung an.

Welchem Menschen haftet der Eigendünkel an? In wem der Eigendünkel nicht erloschen ist, diesem Menschen, sagt man, haftet der Eigendünkel an.

Gemütsruhe und Einsicht

Wie besitzt ein Mensch die innere Gemütsruhe, nicht aber das hohe Wissen des Wahrheitsblickes?

Da erlangt ein Mensch die formhaften oder formlosen Errungenschaften, aber er erlangt weder den überweltlichen Pfad noch das Ziel: so besitzt ein Mensch die innere Gemütsruhe, nicht aber das hohe Wissen des Wahrheitsblickes.

Wie besitzt ein Mensch das hohe Wissen des Wahrheitsblickes, nicht aber die innere Gemütsruhe? Da erlangt ein Mensch den überweltlichen Pfad oder das Ziel, aber er erlangt weder die formhaften noch die formlosen Errungenschaften: so besitzt ein Mensch das hohe Wissen des Wahrheitsblickes, nicht aber die innere Gemütsruhe.

Wie besitzt ein Mensch sowohl die innere Gemütsruhe als auch das hohe Wissen des Wahrheitsblickes?

Da erlangt ein Mensch die formhaften oder formlosen Errungenschaften, und er erlangt den überweltlichen Pfad oder das Ziel: so besitzt ein Mensch sowohl die innere Gemütsruhe als auch das hohe Wissen des Wahrheitsblickes.

Wie besitzt ein Mensch weder die innere Gemütsruhe noch das hohe Wissen des Wahrheitsblickes?

Da erlangt ein Mensch weder die formhaften noch die formlosen Errungenschaften, und er erlangt weder den überweltlichen Pfad noch das Ziel: so besitzt ein Mensch weder die innere Gemütsruhe noch das hohe Wissen des Wahrheitsblickes.

Der Strom

Wie schwimmt ein Mensch mit dem Strome? Da folgt ein Mensch den Begierden und verübt böse Tat. Dieser Mensch, sagt man, schwimmt mit dem Strome.

Wie aber schwimmt ein Mensch gegen den Strom? Da folgt ein Mensch nicht den Begierden, verübt keine böse Tat. Unter Leiden und Qualen stöhnend, mit tränen bedecktem Antlitz, befolgt er das vollkommene, lautere Asketentum. So schwimmt ein Mensch gegen den Strom.

Welcher Mensch aber hat festen Fuß gefaßt? Da erscheint ein Mensch nach Vernichtung der fünf niederen Fesseln unter den geistgeborenen Wesen wieder, und dort erlischt er vom Wahn, kehrt nicht mehr zurück von jener Welt. Dieser Mensch, sagt man, hat festen Fuß gefaßt.

Welcher Mensch aber hat den Strom durchkreuzt, das andere Ufer erreicht und steht, ein Heiliger, auf fester Erde? Da hat ein Mensch durch Vernichtung des Wahns noch bei Lebzeiten die wahnlose Gemütserlösung und Weisheitserlösung erreicht, selber erkannt und verwirklicht. Dieser Mensch, sagt man, hat den Strom durchkreuzt, das andere Ufer erreicht und steht, ein Heiliger, auf fester Erde.

Der Nutzen des Wissens

Wie hat ein Mensch geringes Wissen und von seinem Wissen keinen Nutzen?

Da hat ein Mensch wenig gelernt an Lehrreden, gemischter Prosa, Exegese, Versen, Freudengesängen, Aussprüchen, Geburtslegenden, Wunderdingen und Erklärungen. Und den Sinn und Wortlaut des Wenigen, was er weiß, kennend, kämpft er nicht nach der Lehre. Dieser Mensch hat ein geringes Wissen und von seinem Wissen keinen Nutzen.

Wie aber hat ein Mensch geringes Wissen und von seinem Wissen Nutzen?

Da hat ein Mensch wenig gelernt an Lehrreden, gemischter Prosa, Exegese, Versen, Freudengesängen, Aussprüchen, Geburtslegenden, Wunderdingen und Erklärungen. Aber den Sinn und Wortlaut des Wenigen, was er weiß, kennend, kämpft er nach der Lehre. Dieser Mensch hat geringes Wissen und von seinem Wissen Nutzen.

Wie aber hat ein Mensch großes Wissen und von seinem Wissen keinen Nutzen?

Da hat ein Mensch viel gelernt an Lehrreden, gemischter Prosa, Exegese, Versen, Freudengesängen, Aussprüchen, Geburtslegenden, Wunderdingen und Erklärungen. Aber den Sinn und Wortlaut des Vielen, was er weiß, kennend, kämpft er nicht nach der Lehre. So hat ein Mensch großes Wissen und von seinem Wissen keinen Nutzen.

Wie hat ein Mensch großes Wissen und von seinem Wissen Nutzen?

Da hat ein Mensch viel gelernt an Lehrreden, gemischter Prosa, Exegese, Versen, Freudengesängen, Aussprüchen, Geburtslegenden, Wunderdingen und Erklärungen. Und den Sinn und Wortlaut des Vielen, was er weiß, kennend, kämpft er nach der Lehre. So hat ein Mensch großes Wissen und von seinem Wissen Nutzen.

Die vier wahren Asketen

Welcher Mensch gilt als unerschütterlicher Asket?

Da ist ein Mensch nach Vernichtung der drei Fesseln „in den Strom eingetreten“ dem Verderben entronnen, gesichert, der vollen Erleuchtung gewiß. Diesen Menschen bezeichnet man als unerschütterlichen Asketen.

Welcher Mensch gilt als ein der roten Lotus gleichender Asket?

Da kehrt ein Mensch nach Vernichtung der drei Fesseln und nach äußerster Abschwächung von Begehren, Haß und Verblendung nur noch einmal wieder. Und nur noch einmal zu dieser Welt zurückgekehrt, macht er dem Leiden ein Ende. Diesen Menschen bezeichnet man als einen der roten Lotus gleichenden Asketen.

Welcher Mensch gilt als ein der weisen Lotus gleichender Asket?

Da erscheint ein Mensch nach Vernichtung der fünf niederen Fesseln unter den geistgeborenen Wesen wieder, und dort erlischt er vom Wahn, kehrt nicht mehr zurück von jener Welt. Diesen Menschen bezeichnet man als einen der weisen Lotus gleichenden Asketen.

Welcher Mensch gilt als der Unvergleichliche unter den Asketen?

Da hat ein Mensch durch Vernichtung des Wahns noch bei Lebzeiten die wahnlose Gemütserlösung und Weisheitserlösung erreicht, selber erkannt und verwirklicht. Diesen Menschen bezeichnet man als den Unvergleichlichen unter den Asketen.