Petavatthu

Buch 1

6. Die Menschenfresserin der fünf Kinder

Mönch:
Nackt bist du, unschön anzuschau’n,
riechst übel, hauchst Verwesung aus,
von Fliegen bist du übersät:
Wer bist du, der du also weilst?

Petī:
Bin eine Petī ja, o Herr,
ging abwärts, kam in Yamas Welt.
Nachdem ich böses Werk gewirkt,
gelangt ich in die Petawelt.

Fünf Kinder morgens ich gebär,
fünf weitere am Abend dann.
Geboren kaum, da fress ich sie,
doch nimmer werde ich da satt.

Mein Herz von Hunger wird verzehrt,
es brennet und es raucht davon,
zu trinken ich bekomme nichts.
Sieh, welches Unglück mir beschert!

Mönch:
Was hast du Böses denn getan
in Werken, Worten und im Geist?
Für welches Wirken reift es dir,
dass du das Fleisch der Kinder frisst?

Petī:
Die Mitfrau, die war schwanger einst,
und ich war böse ihr gesinnt,
verderbt im Geiste brachte ich
die Leibesfrucht zur Abtreibung.

Der Embryo nach Monden zwei
ist blutig da hinweggeströmt,
und seine Mutter, aufgebracht,
rief die Verwandten schnell herbei.
Sie hieß mich schwören einen Schwur,
nachdem sie mich gescholten hat.

Ich leistet einen furchtbar’n Schwur,
ich log und wurde meineidig:
„Will essen eig’ner Kinder Fleisch,
wenn ich so etwas hätt verübt.“

Als Reife dieses Wirkens dann
und für die Lüge ebenfalls
fress ich hier meiner Kinder Fleisch,
von Eiter und mit Blut beschmiert.