Petavatthu

Buch 1

7. Die Menschenfresserin von sieben Kindern

Mönch:
Nackt bist du, unschön anzuschau’n,
riechst übel, hauchst Verwesung aus,
von Fliegen bist du übersät:
Wer bist du, der du also weilst?

Petī:Bin eine Petī ja, o Herr,
ging abwärts, kam in Yamas Welt.
Nachdem ich böses Werk gewirkt,
gelangt ich in die Petawelt.

Früh sieben Kinder ich gebär,
am Abend sieben weit’re dann.
Geboren kaum, da fress ich sie,
doch nimmer werde ich da satt.

Mein Herz von Hunger wird verzehrt,
es brennet und es raucht davon,
ich finde Branderlöschung nicht,
von inn’rer Feuersglut gequält.

Mönch:
Was hast du Böses denn getan
in Werken, Worten und im Geist?
Für welches Wirken reift es dir,
dass du das Fleisch der Kinder frisst?

Petī:
Ich hatte einst der Söhne zwei,
mit Jugendschönheit reich begabt,
ich, durch diese Fruchtbarkeit betört,
verachtete den Gatten mein.

Da wurde böse mein Gemahl
und nahm sich eine andre Frau,
und als sie von ihm schwanger ward,
da wurde ich ihr bös gesinnt.

Verderbt im Geiste brachte ich
die Leibesfrucht zur Abtreibung,
der Embryo nach Monden drei
in faulem Blute ging dahin.

Und seine Mutter, aufgebracht,
rief die Verwandten schnell herbei.
Sie hieß mich schwören einen Schwur,
nachdem sie mich gescholten hat.

Ich leistet einen furchtbar’n Schwur,
ich log und wurde meineidig:
„Will essen eig’ner Kinder Fleisch,
wenn ich so etwas hätt verübt.“

Als Reife dieses Wirkens dann
und für die Lüge ebenfalls
fress ich hier meiner Kinder Fleisch,
von Eiter und von Blut beschmiert.