Saṃyutta Nikaya 11

Von Sakka

4. Vepacitti (oder Geduld)

Der Erhabene weilte in Sāvatthī, im Jetahaine, im Parke des Anāthapindika. Der Erhabene sprach also: „In früherer Zeit einmal, ihr Bhikkhus, stand ein Kampf bevor zwischen den Göttern und den Dämonen.

Da nun sprach, ihr Bhikkhus, der Dämonenfürst Vepacitti zu den Dämonen: ‚Wenn, Verehrte, bei dem bevorstehenden Kampf der Götter mit den Dämonen die Dämonen obsiegen und die Götter unterliegen, dann sollt ihr Sakka, den Fürsten der Götter mit den Fesseln, von denen die fünfte die um den Hals ist, fesseln und vor mich in die Stadt der Asuras bringen.‘

Und auch Sakka, ihr Bhikkhus, der Fürst der Götter, sprach zu den Tāvatimsa-Göttern: ‚Wenn, Verehrte, bei dem bevorstehenden Kampf der Götter mit den Dämonen die Götter obsiegen und die Dämonen unterliegen, dann sollt ihr den Dämonenfürsten Vepacitti mit den Fesseln, von denen die fünfte die um den Hals ist, fesseln und ihn vor mich in die Versammlungshalle Sudhammā bringen.‘

In jenem Kampfe nun, ihr Bhikkhus, obsiegten die Götter, die Dämonen unterlagen.

Da nun, ihr Bhikkhus, fesselten die Tāvatimsa-Götter den Dämonenfürsten Vepacitti mit den Fesseln, von denen die fünfte die um den Hals ist, und brachten ihn vor Sakka, den Fürsten der Götter, in die Versammlungshalle Sudhammā.

Da aber schmähte und verkleinerte, ihr Bhikkhus, der Dämonenfürst Vepacitti, mit den Fesseln gefesselt, von denen die fünfte die um den Hals ist, Sakka, den Fürsten der Götter, wenn er in die Versammlungshalle Sudhammā eintrat oder sie verließ, mit gemeinen, rohen Worten.

Da nun, ihr Bhikkhus, redete der Wagenlenker Mātali Sakka, den Fürsten der Götter, mit der Strophe an:

‚Erträgst du es, erhabener Sakka, aus Furcht oder aus Schwäche
Die rohen Worte aus Vepacitti’s Mund anzuhören?‘

‚Nicht dulde ich das von Vepacitti aus Furcht, noch aus Schwäche.
Wie soll denn ein Weiser meinesgleichen mit einem Toren sich einlassen?

‚Nur noch mehr werden die Toren sich erzürnen,
wenn niemand da ist, der sie abwehrt:
Darum soll der Kraftvolle mit der härtesten Strafe den Toren abwehren.‘

‚Dies eben, meine ich, ist die Abwehr des Toren,
Wenn einer, der den andern erzürnt sieht, besonnen in Ruhe verharrt.‘

‚Darin, daß du solches erträgst, sehe ich einen Fehler; o Vāsava !
Wenn der Tor denkt: aus Furcht erträgt er das von mir
Wird der Verblendete noch dreister,
wie ein Rind es immer mehr wird gegen den, der davon läuft.‘

‚Nach Belieben mag er denken oder nicht: aus Furcht erträgt er das von mir
Es gibt nichts höheres als die Geduld, den Segen,
der der höchste Segen für den Guten ist.

Wahrlich, wenn einer, der stark ist, von dem Schwachen (etwas) erträgt,
Das nennt man die höchste Geduld; immer duldet (sonst) der Schwache.

Schwäche nennt man die Stärke, wenn jemandes Stärke die Stärke der Torheit ist;
Für die Stärke, die vom Recht geschützt ist, gibt es keinen Widersacher.

Es ist für einen nur noch schlimmer, wenn man dem Erzürnten wieder zürnt;
Wer aber dem Erzürnten nicht wieder zürnt, der siegt im Kampfe,
wo schwer der Sieg zu erringen.

Für beider Segen, für den eignen wie für den des andern, wirkt
Wer, wenn er den andern erzürnt sieht, besonnen in Ruhe verharrt.
Ihn, der beiden Heilung bringt, sich selber und dem andern,
Halten für einen Toren nur die Leute, die unkundig sind der wahren Lehre.‘

Sakka, der Fürst der Götter, ihr Bhikkhus, wird ja freilich, den Lohn seines eignen Verdienstes auslebend, unter den Tāvatimsa-Göttern die Obmacht, die Herrschaft, die Königswürde ausübend, einer sein, der Geduld und Güte preist. Hier (in unserem Orden), ihr Bhikkhus, werdet ihr glänzen, wenn ihr, die ihr in der so wohl verkündeten Lehre und Regel der Zeremonie der Weltabkehr euch unterzogen habt, geduldig seid und gütig.“