Saṃyutta Nikaya 12

Von den Ursachen

24. Die Andersgläubigen

Ort der Begebenheit: Rājagaha im Veluvana.

Da nun kleidete sich der ehrwürdige Sāriputta zur Vormittagszeit an, nahm Almosenschale und Obergewand und begab sich, Almosen zu sammeln, nach Rājagaha.

Da nun kam dem ehrwürdigen Sāriputta der Gedanke: „Es ist noch zu früh am Tage, um in Rājagaha Almosen zu sammeln. Wie wäre es, wenn ich mich dorthin begäbe, wo der Garten der andersgläubigen Bettelgänger sich befindet?“

Da nun begab sich der ehrwürdige Sāriputta dorthin, wo der Garten der andersgläubigen Bettelgänger sich befand. Nachdem er sich dorthin begeben, begrüßte er sich mit den andersgläubigen Bettelgängern, und nachdem er mit ihnen die (üblichen) Begrüßungen und Höflichkeiten ausgetauscht, setzte er sich zur Seite nieder. Zu dem zur Seite sitzenden ehrwürdigen Bettelgänger also:

„Es gibt, verehrter Sāriputta, etliche Samanas und Brāhmanas, Anhänger der Lehre vom Kamma, die verkünden, daß das Leiden selbst verursacht sei. Es gibt aber auch, verehrter Sāriputta, etliche Samanas und Brāhmanas, Anhänger der Lehre vom Kamma, die verkünden, daß das Leiden von einem anderen verursacht sei. Es gibt (ferner), verehrter Sāriputta, etliche Samanas und Brāhmanas, Anhänger der Lehre vom Kamma, die verkünden, daß das Leiden sowohl selbst verursacht als auch von einem anderen verursacht sei. Es gibt aber auch, verehrter Sāriputta, etliche Samanas und Brāhmanas, Anhänger der Lehre vom Kamma, die verkünden, daß das Leiden nicht selbst bewirkt, auch nicht von einem anderen bewirkt, sondern durch Zufall entstanden sei.

Was aber sagt hierüber, verehrter Sāriputta, der Samana Gotama und was lehrt er? Wie müssen wir Bescheid geben, damit wir das, was der Samana Gotama behauptet hat, richtig wiedergeben und nicht gegen den Samana Gotama fälschlich einen Vorwurf erheben, damit wir seiner Lehre gemäß Bescheid geben, und damit nicht irgend eine logisch begründete Verfolgung seiner Behauptungen zu einem Punkt gelangt, aus dem man einen Tadel ableiten muß ?“

„Ursächlich entstanden, verehrte Herrn, ist das Leiden, so hat der Erhabene behauptet. Aus welcher Ursache? Aus Ursache der Berührung. Wenn man so sagt, wird man das, was der Erhabene behauptet hat, richtig wiedergeben und nicht gegen den Erhabenen fälschlich einen Vorwurf erheben; wird man seiner Lehre gemäß Bescheid geben, und keine logisch begründete Verfolgung seiner Behauptungen wird zu einem Punkt gelangen, aus dem man einen Tadel ableiten muß.

Wenn nun da, verehrte Herrn, Samanas und Brāhmanas, Anhänger der Lehre vom Kamma, verkünden, daß das Leiden selbst verursacht sei, so (ist) dieses (Leiden) aus der Berührung als Ursache (entstanden). Und wenn ferner Samanas und Brāhmanas, Anhänger der Lehre vom Kamma, verkünden, daß das Leiden von einem anderen verursacht sei, so (ist) dieses (Leiden) gleichfalls aus der Berührung als Ursache (entstanden). Und wenn ferner Samanas und Brāhmanas, Anhänger der Lehre vom Kamma, verkünden, daß das Leiden sowohl selbst verursacht als auch von einem anderen verursacht sei, so (ist) dieses (Leiden) gleichfalls aus der Berührung als Ursache (entstanden). Und wenn endlich Samanas und Brāhmanas, Anhänger der Lehre vom Kamma, verkünden, daß das Leiden nicht selbst bewirkt, auch nicht von einem anderen bewirkt, sondern durch Zufall entstanden sei, so (ist) dieses (Leiden) gleichfalls aus der Berührung als Ursache (entstanden).

Wenn da, verehrte Herrn, Samanas und Brāhmanas, Anhänger der Lehre vom Kamma, verkünden, daß das Leiden selbst verursacht sei, können diese Leute anders empfinden als durch Berührung? Nein, dieser Fall kommt nicht vor. Und wenn ferner Samanas und Brāhmanas, Anhänger der Lehre vom Kamma, verkünden, daß das Leiden von einem anderen verursacht sei, können diese Leute anders empfinden als durch Berührung? Nein, dieser Fall kommt nicht vor. Und wenn ferner Samanas und Brāhmanas, Anhänger der Lehre vom Kamma, verkünden, daß das Leiden sowohl selbst verursacht als auch von einem anderen verursacht sei, können diese Leute anders empfinden als durch Berührung? Nein, dieser Fall kommt nicht vor. Und wenn ferner Samanas und Brāhmanas, Anhänger der Lehre vom Kamma, verkünden, daß das Leiden sowohl selbst verursacht als auch von einem anderen verursacht sei, können diese Leute anders empfinden als durch Berührung? Nein, dieser Fall kommt nicht vor. Und wenn endlich Samanas und Brāhmanas, Anhänger der Lehre vom Kamma, verkünden, daß das Leiden nicht selbst bewirkt, auch nicht von einem anderen bewirkt, sondern durch Zufall entstanden sei, können diese Leute anders empfinden als durch Berührung? Nein, dieser Fall kommt nicht vor.

Es hatte aber der ehrwürdige Ānanda der Unterredung des ehrwürdigen Sāriputta mit den andersgläubigen Bettelgängern zugehört.

Nachdem nun der ehrwürdige Ānanda seinen Almosengang in Rājagaha beendigt hatte, begab er sich nach der Mahlzeit, vom Almosengang zurückgekehrt, dahin, wo der Erhabene sich befand. Nachdem er sich dorthin begeben und den Erhabenen ehrfurchtsvoll begrüßt hatte, setzte er sich zur Seite nieder. Zur Seite sitzend berichtete nun der ehrwürdige Ānanda dem Erhabenen die ganze Unterredung, die der ehrwürdige Sāriputta mit den andersgläubigen Bettelgängern gehabt hatte.

„Gut, gut, Ānanda! Auf solche Weise wird Sāriputta richtigen Bescheid geben. Ursächlich entstanden, Ānanda, ist das Leiden, so habe ich behauptet. Aus welcher Ursache? Aus Ursache der Berührung. Wenn er so sagt, wird er das, was ich behauptet habe, richtig wiedergeben und nicht gegen mich fälschlich einen Vorwurf erheben; er wird meiner Lehre gemäß Bescheid geben und keine logisch begründete Verfolgung meiner Behauptungen wird zu einem Punkt gelangen, aus dem man einen Tadel ableiten muß.

Wenn nun da, Ānanda, Samanas und Brāhmanas, Anhänger der Lehre vom Kamma, verkünden, daß das Leiden selbst verursacht sei, so (ist) dieses (Leiden) aus der Berührung als Ursache (entstanden) usw. usw. (= 8) ... Und wenn endlich Samanas und Brāhmanas, Anhänger der Lehre vom Kamma, verkünden, daß das Leiden nicht selbst bewirkt, auch nicht von einem anderen bewirkt, sondern durch Zufall entstanden sei, so (ist) dieses (Leiden) gleichfalls aus der Berührung als Ursache (entstanden).

Wenn da, Ānanda, Samanas und Brāhmanas, Anhänger der Lehre vom Kamma, verkünden, daß das Leiden selbst verursacht sei, können diese Leute anders empfinden als durch Berührung? Nein, dieser Fall kommt nicht vor usw. usw. (= 9). .. Und wenn endlich Samanas und Brāhmanas, Anhänger der Lehre vom Kamma, verkünden, daß das Leiden nicht selbst bewirkt, auch nicht von einem anderen bewirkt, sondern durch Zufall entstanden sei, können diese Leute anders empfinden als durch Berührung? Nein, dieser Fall kommt nicht vor.

Einstmals, Ānanda, weilte ich auch hier in Rājagaha, im Veluvana, beim Kalandakanivāpa.

Da nun, Ānanda, kleidete ich mich zur Vormittagszeit an, nahm Almosenschale und Obergewand und begab mich, Almosen zu sammeln, nach Rājagaha.

Da nun kam mir, Ānanda, der Gedanke:,Es ist noch zu früh am Tage, um in Rājagaha Almosen zu sammeln. Wie wäre es, wenn ich mich dorthin begäbe, wo der Garten der andersgläubigen Bettelgänger sich befindet?‘

Da nun, Ānanda, begab ich mich dorthin, wo der Garten der andersgläubigen Bettelgänger sich befand. Nachdem ich mich dorthin begeben, begrüßte ich mich mit den andersgläubigen Bettelgängern und nachdem ich mit ihnen die (üblichen) Begrüßungen und Höflichkeiten ausgetauscht, setzte ich mich zur Seite nieder. Zu mir, während ich zur Seite saß, sprachen nun die andersgläubigen Bettelgänger also:

,Es gibt, verehrter Gotama, etliche Samanas und Brähmanas, Anhänger der Lehre vom Kamma, die verkünden, daß das Leiden selbst verursacht sei. Es gibt aber auch, verehrter Gotama, etliche Samanas und Brāhmanas, Anhänger der Lehre vom Kamma, die verkünden, daß das Leiden von einem anderen verursacht sei. Es gibt (ferner), verehrter Gotama, etliche Samanas und Brāhmanas, Anhänger der Lehre vom Kamma, die verkünden, daß das Leiden sowohl selbst verursacht als auch von einem anderen verursacht sei. Es gibt aber auch, verehrter Gotama, etliche Samanas und Brāhmanas, Anhänger der Lehre vom Kamma, die verkünden, daß das Leiden nicht selbst bewirkt, auch nicht von einem anderen bewirkt, sondern durch Zufall entstanden sei.

Was aber sagt uns hierüber der ehrwürdige Gotama und war lehrt er? Wie müssen wir Bescheid geben, damit wir das, was der ehrwürdige Gotama behauptet hat, richtig wiedergeben und nicht gegen den ehrwürdigen Gotama fälschlich einen Vorwurf erheben? Damit wir seiner Lehre gemäß Bescheid geben, und damit nicht irgend eine logisch begründete Verfolgung seiner Behauptungen zu einem Punkt gelangt, aus dem man einen Tadel ableiten muß?‘

So angeredet, erwiderte ich, Ānanda, den andersgläubigen Bettelgängern folgendes: Ursächlich entstanden, verehrte Herrn, ist das Leiden, so habe ich behauptet. Aus welcher Ursache? Aus Ursache der Berührung. Wenn man so sagt, wird man das, was ich behauptet habe, richtig wiedergeben und nicht gegen mich fälschlich einen Vorwurf erheben; wird man meiner Lehre gemäß Bescheid geben, und keine logische Verfolgung meiner Behauptungen wird zu einem Punkt gelangen, aus dem man einen Tadel ableiten muß.

Wenn nun da, verehrte Herrn, Samanas und Brāhmanas, Anhänger der Lehre vom Kamma, verkünden, daß das Leiden selbst verursacht sei, so (ist) dieses (Leiden) aus der Berührung als Ursache (entstanden) usw. usw. (= 8) ... Und wenn endlich Samanas und Brāhmanas, Anhänger der Lehre vom Kamma, verkünden, daß das Leiden nicht selbst bewirkt, auch nicht von einem anderen bewirkt, sondern; durch Zufall entstanden sei, so (ist) dieses (Leiden) gleichfalls aus der Berührung als Ursache (entstanden).

Wenn da, verehrte Herrn, Samanas und Brāhmanas, Anhänger der Lehre vom Kamma, verkünden, daß das Leiden selbst verursacht sei, können diese Leute anders empfinden als durch Berührung? Nein, dieser Fall kommt nicht vor usw. usw. (= 9) ... Und wenn endlich Samanas und Brāhmanas, Anhänger der Lehre vom Kamma, verkünden, daß das Leiden nicht selbst bewirkt, auch nicht von einem anderen bewirkt, sondern durch Zufall entstanden sei, können diese Leute anders empfinden als durch Berührung? Nein, dieser Fall kommt nicht vor.“

„Wunderbar, Herr, unvergleichlich, Herr, wie da mit einem einzigen Wort der ganze Gegenstand ausgesprochen ist. Es würde gewiß, Herr, dieser Gegenstand, in Ausführlichkeit dargestellt, tief sein und tief erscheinen.“

„Darum soll Ānanda“ dir selber das aufleuchten.“

„Wenn man mich, Herr, so fragen würde:,Was haben, verehrter Ānanda, Alter und Tod zur Ursache, was haben sie zum Ursprung, was zur Herkunft, was zur Entstehung?‘ So gefragt, Herr, würde ich also antworten:,Alter und Tod, Verehrter, haben die Geburt zur Ursache, die Geburt zum Ursprung, die Geburt zur Herkunft, die Geburt zur Entstehung.‘ So gefragt, Herr, würde ich also antworten.

Wenn man mich, Herr, so fragen würde:,Die Geburt aber, verehrter Ānanda, was hat sie zur Ursache, was zum Ursprung, was zur Herkunft, was zur Entstehung?‘ So gefragt, Herr, würde ich also antworten:,Die Geburt, Verehrter hat das Werden zum Ursprung, das Werden zur Herkunft, das Werden zur Entstehung. So gefragt, Herr, würde ich also antworten.

Wenn man mich, Herr, so fragen würde:,Das Werden—das Erfassen,—der Durst—die Empfindung—die Berührung aber, verehrter Ānanda, was hat sie zur Ursache, was zum Ursprung, was zur Herkunft, was zur Entstehung? So gefragt, Herr, würde ich also antworten:,die Berührung, Verehrter, hat die sechs Sinnesbereiche zur Ursache, die sechs Sinnesbereiche zum Ursprung, die sechs Sinnesbereiche zur Herkunft, die sechs Sinnesbereiche zur Entstehung. Aus dem restlosen Verschwinden aber und der Aufhebung der sechs Sinnesbereiche folgt Aufhebung der Berührung; aus der Aufhebung der Berührung folgt Aufhebung der Empfindung; aus der Aufhebung der Empfindung folgt Aufhebung des Durstes; aus der Aufhebung des Durstes folgt Aufhebung des Erfassens; aus der Aufhebung des Erfassens folgt Aufhebung des Werdens; aus der Aufhebung des Werdens folgt Aufhebung der Geburt; durch Aufhebung der Geburt werden Alter und Tod, Schmerz, Kummer, Leid, Betrübnis und Verzweiflung aufgehoben. Auf solche Art kommt die Aufhebung der ganzen Masse des Leidens zustande. So gefragt Herr, würde ich also antworten.