Saṃyutta Nikaya 16

Von Kassapa

2. Nicht feinfühlig

Also habe ich vernommen.

Einstmals weilten der ehrwürdige Mahākassapa und der ehrwürdige Sāriputta in Bārānasī, in Isipatana, im Antilopenhain.

Da erhob sich der ehrwürdige Sāriputta um die Abendzeit aus einsamer Meditation und begab sich dorthin, wo der ehrwürdige Mahākassapa sich befand, und nachdem er mit dem ehrwürdigen Mahākassapa die (üblichen) Begrüßungen und Höflichkeiten ausgetauscht, setzte er sich zur Seite nieder.

Zur Seite sitzend sprach dann der ehrwürdige Sāriputta zu dem ehrwürdigen Mahākassapa also:

„Man sagt so, verehrter Kassapa, daß einer, der nicht eifrig und nicht feinfühlig ist, unfähig sei zur vollkommenen Erleuchtung, unfähig zum Nirvana, unfähig zur Erlangung des Unvergleichlichen inneren Friedens ( 53 ); wer aber eifrig und feinfühlig ist, der ist fähig zur vollkommenen Erleuchtung, fähig zum Nirvana, fähig zur Erlangung des unvergleichlichen inneren Friedens.

Inwiefern nun, Verehrter, ist man nicht eifrig, nicht feinfühlig, unfähig zur vollkommenen Erleuchtung, unfähig zum Nirvana, unfähig zur Erlangung des unvergleichlichen inneren Friedens? Inwiefern aber ist man eifrig, feinfühlig, fähig zur vollkommenen Erleuchtung, fähig zum Nirvana, fähig zur Erlangung des unvergleichlichen inneren Friedens?“

„Da macht, Verehrter, ein Bhikkhu keine eifrige Anstrengung (indem er nicht denkt): ‚das sündhafte Böse ( 54 ), das in mir noch nicht aufgekommen ist, möchte mir, wenn es aufkommt, zum Unsegen gereichen.‘ Und er macht keine eifrige Anstrengung (indem er nicht denkt): ‚das sündhafte Böse, das in mir aufgekommen ist, möchte mir, wenn es nicht aufgegeben wird, zum Unsegen gereichen.‘ Und er macht keine eifrige Anstrengung (indem er nicht denkt): ‚das Gute, das in mir noch nicht aufgekommen ist, möchte mir, wenn es nicht aufkommt, zum Unsegen gereichen.‘ Und er macht keine eifrige Anstrengung (indem er nicht denkt): ‚das Gute, das in mir aufgekommen ist, möchte mir, wenn es wieder schwindet, zum Unsegen gereichen.‘

Auf diese Weise also, Verehrter, ist man ein Nichteifriger..

„Und wie, Verehrter, ist man ein Nichtfeinfühliger?“

„Da hat, Verehrter, ein Bhikkhu kein Feingefühl (indem er nicht denkt): ‚das sündhafte Böse, das in mir noch nicht aufgekommen ist, möchte mir, wenn es aufkommt, zum Unsegen gereichen.‘ Und er hat kein Feingefühl (indem er nicht denkt): ‚das sündhafte Böse, das in mir aufgekommen ist, möchte mir, wenn es nicht aufgegeben wird, zum Unsegen gereichen.‘ Und er hat kein Feingefühl (indem er nicht denkt): ‚das Gute, das in mir noch nicht aufgekommen ist, möchte mir, wenn es nicht aufkommt, zum Unsegen gereichen.‘ Und er hat kein Feingefühl (indem er nicht denkt): ‚das Gute, das in mir aufgekommen ist, möchte mir, wenn es wieder schwindet, zum Unsegen gereichen.‘

Auf diese Weise also, Verehrter, ist man ein Nichtfeinfühliger.

Auf diese Weise also, Verehrter, ist man nicht eifrig, nicht feinfühlig, unfähig zur vollkommenen Erleuchtung, unfähig zum Nirvana, unfähig zur Erlangung des unvergleichlichen inneren Friedens.“

„Und wie, Verehrter, ist man ein Eifriger?“

„Da macht, Verehrter, ein Bhikkhu eifrige Anstrengung (indem er denkt): ‚das sündhafte Böse, das in mir noch nicht aufgekommen ist, möchte mir, wenn es aufkommt, zum Unsegen gereichen;—das sündhafte Böse, das in mir aufgekommen ist, möchte mir, wenn es nicht aufgegeben wird, zum Unsegen gereichen;—das Gute, das in mir noch nicht aufgekommen ist, möchte mir, wenn es nicht aufkommt, zum Unsegen gereichen;—das Gute, das in mir aufgekommen ist, möchte mir, wenn es wieder schwindet, zum Unsegen gereichen.‘

Auf diese Weise also, Verehrter, ist man ein Eifriger.“

„Und wie, Verehrter, ist man ein Feinfühliger?“

„Da hat, Verehrter, ein Bhikkhu Feingefühl (indem er denkt): ‚das sündhafte Böse, das in mir noch nicht aufgekommen ist, möchte mir, wenn es aufkommt, zum Unsegen gereichen;—das sündhafte Böse, das in mir aufgekommen ist, möchte mir, wenn es nicht aufgegeben wird, zum Unsegen gereichen;—das Gute, das in mir noch nicht aufgekommen ist, möchte mir, wenn es nicht aufkommt, zum Unsegen gereichen;—das Gute, das in mir aufgekommen ist, möchte mir, wenn es wieder schwindet, zum Unsegen gereichen.‘

Auf diese Weise also, Verehrter, ist man ein Feinfühliger.

Auf diese Weise also, Verehrter, ist man eifrig, feinfühlig, fähig zur vollkommenen Erleuchtung, fähig zum Nirvana, fähig zur Erlangung des unvergleichlichen inneren Friedens.“