Saṃyutta Nikaya 22

Die Daseinsgruppen

55. Ein feierlicher Ausspruch

So habe ich gehört. Einst weilte der Erhabene in Sāvatthī, im Jeta-Hain, im Kloster des Anāthapindika.

Dort nun tat der Erhabene diesen feierlichen Ausspruch:

„‚Würde ich nicht gewesen sein, nicht würde mir (jetzt irgend etwas) sein; (nun aber:) nicht soll (künftig etwas) werden, nicht soll mir (etwas) werden !‘ Ein so entschlossener Mönch mag wohl die niederen Fesseln durchschneiden.“

Nach diesen Worten sprach ein Mönch zum Erhabenen also: „Wie nun aber, o Herr (ist dies zu verstehen): ‚Würde ich nicht gewesen sein, nicht würde mir (jetzt irgend etwas) sein; (nun aber:) nicht soll (künftig etwas) werden, nicht soll mir (etwas) werden!—Ein so entschlossener Mönch mag wohl die niederen Fesseln durchschneiden‘?“

„Es ist da, o Mönch, ein unerfahrener Weltmensch...; der betrachtet die Körperlichkeit als das Selbst oder das Selbst als Körperlichkeit besitzend oder die Körperlichkeit als im Selbst oder das Selbst als in der Körperlichkeit. Er betrachtet das Gefühl—die Wahrnehmung—die Gestaltungen—das Bewußtsein als das Selbst oder das Selbst als Bewußtsein besitzend oder das Bewußtsein als im Selbst oder das Selbst als im Bewußtsein.

Er weiß nicht der Wirklichkeit gemäß von der vergänglichen Körperlichkeit: ‚Vergänglich ist die Körperlichkeit.‘ Er weiß nicht der Wirklichkeit gemäß vom vergänglichen Gefühl—von der vergänglichen Wahrnehmung—von den vergänglichen Gestaltungen—vom vergänglichen Bewußtsein: ‚Vergänglich ist das Bewußtsein‘.

Er weiß nicht der Wirklichkeit gemäß von der leidvollen Körperlichkeit: ‚Leidvoll ist die Körperlichkeit.‘ Er weiß nicht der Wirklichkeit gemäß vom leidvollen Gefühl von der leidvollen Wahrnehmung—von den leidvollen Gestaltungen—vom leidvollen Bewußtsein: ‚Leidvoll ist das Bewußtsein‘.

Er weiß nicht der Wirklichkeit gemäß von der ichlosen Körperlichkeit: ‚Ichlos ist die Körperlichkeit.‘ Er weiß nicht der Wirklichkeit gemäß vom ichlosen Gefühl—von der ichlosen Wahrnehmung—von den ichlosen Gestaltungen—vom ichlosen Bewußtsein: ‚Ichlos ist das Bewußtsein‘.

Er weiß nicht der Wirklichkeit gemäß von der zusammengesetzten Körperlichkeit: ‚Zusammengesetzt ist die Körperlichkeit.‘ Er weiß nicht der Wirklichkeit gemäß vom zusammengesetzten Gefühl—von der zusammengesetzten Wahrnehmung—von den zusammengesetzten Gestaltungen—vom zusammengesetzten Bewußtsein: ‚Zusammengesetzt ist das Bewußtsein‘.

Er weiß nicht der Wirklichkeit gemäß: ‚Schwinden wird die Körperlichkeit.‘ Er weiß nicht der Wirklichkeit gemäß: ‚Schwinden wird das Gefühl—die Wahrnehmung—die Gestaltungen—das Bewußtsein‘.

Es ist da aber, o Mönch, ein erfahrener, edler Jünger...; nicht betrachtet er die Körperlichkeit als das Selbst oder das Selbst als Körperlichkeit besitzend oder die Körperlichkeit als im Selbst oder das Selbst als in der Körperlichkeit. Nicht betrachtet er das Gefühl—die Wahrnehmung—die Gestaltungen—das Bewußtsein als das Selbst oder das Selbst als Bewußtsein besitzend oder das Bewußtsein als im Selbst oder das Selbst als im Bewußtsein.

Der Wirklichkeit gemäß weiß er von der vergänglichen—leidvollen—ichlosen—zusammengesetzten Körperlichkeit...: ‚Vergänglich ist die Körperlichkeit...‘ Er weiß der Wirklichkeit gemäß: ‚Schwinden wird die Körperlichkeit...‘

Wegen des Schwindens der Körperlichkeit—des Gefühls—der Wahrnehmung—der Gestaltungen—des Bewußtseins ist es, daß dieser Mönch also denkt: ‚Würde ich nicht gewesen sein, nicht würde mir (jetzt irgend etwas) sein; (nun aber:) nicht soll (künftig etwas) werden, nicht soll mir (etwas) werden!‘—Ein so entschlossener Mönch mag wohl die niederen Fesseln durchschneiden.“

„So also, o Herr, mag ein also entschlossener Mönch die niederen Fesseln durchschneiden. Wie wissend, o Herr, wie verstehend, kommt es aber unmittelbar darauf zur Versiegung der Triebe ?“

„Es ist da, o Mönch, ein unerfahrener Weltmensch: in einem Falle, wo nichts zu fürchten ist, empfindet er Furcht. Denn Furcht empfindet, o Mönch, der unerfahrene Weltmensch (beim Gedanken): ‚Würde ich nicht gewesen sein...‘

Es ist da aber ein erfahrener, edler Jünger: er empfindet keine Furcht in einem Falle, wo nichts zu fürchten ist. Denn nicht empfindet, o Mönch, der erfahrene, edle Jünger Furcht (beim Gedanken): ‚Würde ich nicht gewesen ein...‘

(sind eine genaue Wiederholung von 53)

So wissend, o Mönch, so verstehend, kommt es unmittelbar zur Versiegung der Triebe.“