Saṃyutta Nikaya 22

Die Daseinsgruppen

82. Am Vollmond-Tage

So habe ich gehört. Einst weilte der Erhabene bei Sāvatthī, im östlichen Klostergarten, in dem von der Mutter Migāras errichteten großen Gebäude, zusammen mit einer großen Schar von Mönchen.

Damals nun, es war am Uposatha, am fünfzehnten Tage des Monats, in einer Vollmondnacht, da hatte sich der Erhabene, von der Mönchsgemeinde umgeben, unter freiem Himmel niedergesetzt.

Da erhob sich ein gewisser Mönch von seinem Sitz, ordnete das Obergewand über eine Schulter, faltete zum Erhabenen gewandt verehrend die Hände und sprach: „Befragen möchte ich, o Herr, den Erhabenen in einem gewissen Punkte, wenn mir der Erhabene die Gunst erweist, die Frage zu beantworten.“—„So setze dich denn, Mönch, auf deinem Platze nieder und frage nach Belieben.“

„Ja, o Herr“, antwortete jener Mönch dem Erhabenen, setzte sich auf seinem Platze nieder und sprach zum Erhabenen also: „Sind dies, o Herr, die fünf Gruppen des Anhangens: Körperlichkeit, Gefühl, Wahrnehmung, Gestaltungen, Bewußtsein?“—„Das sind, o Mönch, die fünf Gruppen des Anhangens: die Gruppe des Anhangens ‚Körperlichkeit.‘ ‚Gefühl.‘ ‚Wahrnehmung.‘ ‚Gestaltungen‘ und ‚Bewußtsein.‘.

„Vortrefflich, o Herr“, antwortete jener Mönch, über das Wort des Erhabenen erfreut und befriedigt, und stellte eine weitere Frage: „Diese fünf Gruppen des Anhangens nun, o Herr, worin haben sie ihre Wurzel?“—„Diese fünf Gruppen des Anhangens, o Mönch, im Verlangen haben sie ihre Wurzel.“

„Vortrefflich, o Herr“, antwortete jener Mönch, über das Wort des Erhabenen erfreut und befriedigt, und stellte eine weitere Frage: „Ist dieses Anhangen, o Herr, und die fünf Gruppen des Anhangens das Gleiche, oder gibt es ein Anhangen außer an den fünf Gruppen des Anhangens?“—„Nicht ist, o Mönch, das Anhangen und die fünf Gruppen des Anhangens das Gleiche, doch es gibt kein Anhangen außer an den fünf Gruppen des Anhangens: was da Willensgier (chanda-rāga) zu den fünf Gruppen des Anhangens ist, das ist dabei das Anhangen.“

„Vortrefflich, o Herr“, antwortete jener Mönch, über das Wort des Erhabenen erfreut und befriedigt, und stellte eine weitere Frage: „Mag es wohl, o Herr, eine Unterschiedlichkeit der Willensgier geben hinsichtlich der fünf Gruppen des Anhangens?“—„Das mag sein, o Mönch“, erwiderte der Erhabene; „da, o Mönch, denkt einer also: ‚Solche Körperlichkeit möchte ich künftig besitzen, solches Gefühl—solche Wahrnehmung—solche Gestaltungen solches Bewußtsein möchte ich künftig besitzen.‘ So, o Mönch, mag es Unterschiedlichkeit der Willensgier geben hinsichtlich der fünf Gruppen des Anhangens.“

„Vortrefflich, o Herr“, antwortete jener Mönch, über das Wort des Erhabenen erfreut und befriedigt, und stellte eine weitere Frage: „Inwiefern nun, o Herr, kommt den Gruppen die Bezeichnung ‚Gruppen‘ zu?“—„Was es irgend an Körperlichkeit gibt, o Mönch, vergangen, künftig oder gegenwärtig, eigen oder fremd, grob oder fein, gewöhnlich oder edel, fern oder nahe—dieses wird die Gruppe ‚Körperlichkeit‘ genannt. Was es irgend an Gefühl—Wahrnehmung—Gestaltungen—Bewußtsein gibt, vergangen, künftig, gegenwärtig, eigen oder fremd, grob oder fein, gewöhnlich oder edel, fern oder nahe—diese werden die Gruppen ‚Gefühl.‘ ‚Wahrnehmung.‘ ‚Gestaltungen‘ und ‚Bewußtsein‘ genannt.—Insofern, o Mönch, kommt den Gruppen die Bezeichnung ‚Gruppen‘ zu.“

„Vortrefflich, o Herr“, antwortete jener Mönch, über das Wort des Erhabenen erfreut und befriedigt, und stellte eine weitere Frage: „Was nun, o Herr, ist die Ursache, was ist der Grund für das Kenntlichwerden der Gruppe ‚Körperlichkeit‘—‚Gefühl‘—‚Wahrnehmung‘—‚Gestaltungen‘—‚Bewußtsein‘?“—„Die vier Grundstoffe, o Mönch, sind die Ursache, die vier Grundstoffe sind der Grund für das Kenntlichwerden der Gruppe ‚Körperlichkeit.‘ Sinnen-Eindruck ist die Ursache, Sinnen-Eindruck ist der Grund für das Kenntlichwerden der Gruppen ‚Gefühl.‘ ‚Wahrnehmung und ‚Gestaltungen.‘ Geistigkeit und Körperlichkeit ist die Ursache, Geistigkeit und Körperlichkeit ist der Grund für das Kenntlichwerden der Gruppe ‚Bewußtsein‘.“

„Vortrefflich, o Herr“, antwortete jener Mönch, über das Wort des Erhabenen erfreut und befriedigt, und stellte eine weitere Frage: „Wie nun, o Herr, besteht Persönlichkeits-Ansicht?“—„Es ist da, o Mönch, ein unerfahrener Weltmensch... Der betrachtet die Körperlichkeit als das Selbst... (= 55) So, o Mönch, besteht Persönlichkeits-Ansicht.“

„Vortrefflich, o Herr“, antwortete jener Mönch, über das Wort des Erhabenen erfreut und befriedigt, und stellte eine weitere Frage: „Wie nun, o Herr, besteht keine Persönlichkeits-Ansicht?“—„Es ist da, o Mönch, ein erfahrener, edler Jünger... Nicht betrachtet der die Körperlichkeit als das Selbst... (= 55) So, o Mönch, besteht keine Persönlichkeits-Ansicht.“

„Vortrefflich, o Herr“, antwortete jener Mönch, über das Wort des Erhabenen erfreut und befriedigt, und stellte eine weitere Frage: „Was, o Herr, ist bei der Körperlichkeit, beim Gefühl, bei der Wahrnehmung, bei den Gestaltungen, beim Bewußtsein der Genuß, was ist das Elend, was ist das Entrinnen?“—„Was da durch Körperlichkeit, Gefühl, Wahrnehmung, Gestaltungen, Bewußtsein an Glücksgefühl und Freude entsteht, das ist der Genuß bei der Körperlichkeit... “ (Fortsetzung wie in 57)

„Vortrefflich, o Herr“, antwortete jener Mönch, über das Wort des Erhabenen erfreut und befriedigt, und stellte eine weitere Frage: „Wie wissend, o Herr, wie verstehend gibt es bei diesem Körper samt dem Bewußtsein und außerhalb bei allen Vorstellungen keine Dunkel-Neigungen des Ich und Mein?“—„Was es irgend, o Mönch, an Körperlichkeit gibt, an Gefühl, Wahrnehmung, Gestaltungen, an Bewußtsein, sei es vergangen, künftig oder gegenwärtig, eigen oder fremd, grob oder fein, gewöhnlich oder edel, fern oder nahe—von jeder Körperlichkeit, von jedem Gefühl, jeder Wahrnehmung, allen Gestaltungen, jedem Bewußtsein gilt: ‚Dies ist nicht mein, das bin ich nicht, das ist nicht mein Selbst.‘ So betrachtet man dies der Wirklichkeit gemäß mit rechter Weisheit. So wissend, o Mönch, so verstehend gibt es bei diesem Körper samt dem Bewußtsein und außerhalb bei allen Vorstellungen keine Dünkel-Neigungen des Ich und Mein.“

Daraufhin stieg nun im Geiste jenes Mönches diese Erwägung auf: ‚So ist denn also Körperlichkeit Nicht-Ich, sind Gefühl, Wahrnehmung, Gestaltungen, Bewußtsein Nicht-Ich. Die von einem Nicht-Ich getanen Taten nun—wie sollten sie ein Ich treffen?‘

Der Erhabene nun, in seinem Geiste die Erwägung jenes Mönches erkennend, redete die Mönche also an: „Es ist nun möglich, ihr Mönche, daß hier ein törichter Mensch, ein unwissender, in Nichtwissen geratener, mit einem durch Begehren beherrschten Geiste über die Lehre des Meisters hinausgehen zu müssen meint (denkend): ‚So ist denn also Körperlichkeit... Nicht-Ich. Die von einem Nicht-Ich getanen Taten nun: wie sollten sie ein Ich treffen?‘—Hierbei, ihr Mönche, hinsichtlich dieser Lehren seid ihr ja von mir unterwiesen worden mit (jener) Fragenfolge:

‚Was meint ihr, o Mönche: Ist die Körperlichkeit unvergänglich oder vergänglich?‘... “ (= 59).