Saṃyutta Nikaya 35

Salāyatana

241. Das Holzstück I

Das hab ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Kosambi am Ufer des Gangesstromes. Dort nun sah der Erhabene ein großes Stück Holz stromabwärts treiben. Als der Erhabene dies gesehen hatte, wandte er sich also an die Mönche: „Ihr Mönche, seht ihr dort jenes große Stück Holz stromabwärts treiben?“—„Gewiß, o Herr.“—„Wenn dieses Stück Holz, ihr Mönche, weder hüben noch drüben hängenbleibt, wenn es nicht mitten im Strom untersinkt, wenn es nicht auf einer Sandbank strandet, wenn es weder von Menschen noch von Geistern ergriffen wird, wenn es nicht in einen Strudel gerät, wenn es auch nicht innen faul wird—dann, ihr Mönche, wird das Stück Holz zum Meere sich neigen, zum Meere sich beugen, zum Meere sich senken. Und warum? Weil ja ihr Mönche, der Gangesstrom zum Meere sich neigt, zum Meere sich beugt, zum Meere sich senkt.

Ebenso nun auch, ihr Mönche: Wenn ihr weder hüben noch drüben hängenbleibt, wenn ihr nicht mitten im Strom untersinkt, wenn ihr nicht auf einer Sandbank strandet, wenn ihr weder von Menschen noch von Geistern ergriffen werdet, wenn ihr nicht in einen Strudel geratet und wenn ihr nicht innen faul werdet—dann, ihr Mönche, werdet ihr zum Nirvāna euch neigen, zum Nirvāna euch beugen, zum Nirvāna euch senken. Und warum? Weil ja, ihr Mönche, rechte Anschauung zum Nirvāna sich neigt, zum Nirvāna sich beugt, zum Nirvāna sich senkt.“

Auf diese Worte sprach ein gewisser Mönch zum Erhabenen also: „Was, o Herr, bedeutet ‚hüben.‘ was ‚drüben.‘ was ‚mitten im Strom untersinken.‘ was ‚auf einer Sandbank stranden.‘ was ‚von Menschen oder Geistern ergriffen werden.‘ was ‚in einen Strudel geraten.‘ was ‚innen faul werden‘?“

‚Hüben.‘ Mönch, ist eine Bezeichnung für die sechs inneren Gebiete. ‚Drüben.‘ Mönch, ist eine Bezeichnung für die sechs äußeren Gebiete. ‚Mitten im Strom untersinken.‘ Mönch, ist eine Bezeichnung für die Genügensgier. ‚Auf einer Sandbank stranden.‘ Mönch, ist eine Bezeichnung für den Dünkel der Ichheit.

Und was, Mönch, bedeutet ‚von Menschen ergriffen werden.‘ Da weilt ein Mönch in Gesellschaft von Hausnern: er freut sich mit, er trauert mit, mit den Glücklichen ist er glücklich, mit den Unglücklichen ist er unglücklich. Wo immer es etwas zu tun und zu besorgen gibt, da gerät er ins Joch. Das, Mönch, bedeutet, ‚von Menschen ergriffen werden‘.

Und was, Mönch, bedeutet ‚von Geistern ergriffen werden.‘ Da führt, Mönch, irgendeiner den Brahma-Wandel mit der Absicht auf diese oder jene Götterkreise: Möchte ich doch durch diese Tugend, durch diese Gelübde, durch diese Askese, durch diesen Brahma-Wandel ein Gott werden oder ein Göttlicher! Das, Mönch, bedeutet ‚von Geistern ergriffen werden‘.

‚In einen Strudel geraten.‘ Mönch, ist eine Bezeichnung für fünf Begehrungen.

Und was, Mönch, ist ‚innen faul werden.‘ Da ist, Mönch, einer ohne Tugend, dem Bösen ergeben, unrein, von schwankendem Benehmen, ein Heimlichtuer. Er ist kein Asket, gibt sich aber als Asket aus. Er führt keinen Brahma-Wandel, gibt aber vor, es zu tun. Er ist im Innern verdorben, leck, ein Schmutzhaufen. Das bedeutet ‚innen faul werden‘.“

Damals nun stand Nando, ein Rinderhirt, unweit vom Erhabenen. Und Nando, der Rinderhirt, wandte sich also an den Erhabenen:

Ich will nicht hüben noch drüben hängenbleiben. Ich will nicht mitten im Strom untersinken, ich will nicht auf einer Sandbank stranden, ich will nicht von Menschen oder Geistern ergriffen werden, ich will in keinen Strudel geraten und nicht von innen faul werden. Möge mir der Erhabene Aufnahme gewähren, die Ordensweihe erteilen.“ „Wohlan denn, Nando, so bringe die Kühe den Eignern zurück.“

„Die werden schon gehen, aus Liebe zu ihren Kälbern.“

„Bringe sie doch erst, Nando, den Eignern zurück.“

Nachdem Nando, der Rinderhirt, die Kühe den Eignern zurückgebracht hatte, kehrte er zum Erhabenen zurück und sprach also: „Die Kühe, o Herr, sind den Eignern zurückgegeben. Möge mir der Erhabene Aufnahme gewähren, die Ordensweihe erteilen.“

So wurde nun Nando, der Rinderhirt aufgenommen, erhielt vom Erhabenen die Ordensweihe. Nicht lange aber war der Ehrwürdige Nando in den Orden aufgenommen worden, da hatte er, einsam, abgesondert, unermüdlich in heißem, innigem Ernste gar bald, was edle Söhne gänzlich vom Hause fort in die Hauslosigkeit lockt, jenes höchste Ziel des Brahma-Wandels noch bei Lebzeiten sich offenbar gemacht, verwirklicht und errungen. „Versiegt ist die Geburt, vollendet der Brahma-Wandel, gewirkt das Werk, nichts Höheres gibt es über dieses hier“, verstand er da. Auch einer war nun der Ehrwürdige Nando der Heiligen geworden.