Saṃyutta Nikaya 41

Hausvater Citto

3. Isidatto II

Bei gleicher Gelegenheit sprach Citto, der Hausvater, zu einem der ehrwürdigen Älteren:

„Mannigfaltige Ansichten, ehrwürdiger Älterer, kommen in der Welt auf: ‚Ewig ist die Welt oder Nicht ewig ist die Welt; endlich ist die Welt oder nicht endlich ist die Welt; Leben und Leib sind dasselbe oder anders ist das Leben, anders ist der Leib; der Vollendete besteht nach dem Tode oder der Vollendete besteht nicht nach dem Tode; der Vollendete besteht sowohl als auch nicht nach dem Tode; der Vollendete besteht weder nach dem Tode noch besteht er nicht nach dem Tode.‘ Was muß sein, damit die im Priesternetz (D. 1 = Brahmajāla Sutta ), geäußerten 62 Ansichten bestehen, o Herr, und was muß sein, damit sie nicht bestehen?“

Auf diese Worte schwieg der ehrwürdige Ältere. Und ein zweites und ein drittes Mal stellte Citto, der Hausvater, diese Frage. Und ein zweites und drittes Mal schwieg der ehrwürdige Ältere.

Zu jener Zeit war der Ehrwürdige Isidatto im Mönchsorden von allen der Jüngste. Da nun sagte der ehrwürdige Isidatto zu dem ehrwürdigen Älteren: „Darf ich, o Herr, Citto, dem Hausvater, diese Frage beantworten?“

„Beantworte du, Isidatto, Citto, dem Hausvater, diese Frage.“

„Du hast, Hausvater, nach den verschiedenen Ansichten In der Welt gefragt.“

„So ist es, o Herr.“

„Was diese mannigfaltigen im ‚Priesternetz‘ geäußerten 62 Ansichten betrifft, Hausvater, sie bestehen, weil Persönlichkeitsansicht besteht. Ist keine Persönlichkeitsansicht, dann bestehen sie nicht.“

„Was aber ist, o Herr, Persönlichkeitsansicht?“

„Da, Hausvater, sieht der unerfahrene gewöhnliche Mensch nicht die Edlen, er ist der Lehre der Edlen unkundig, er ist nicht erzogen in der Lehre der Edlen. Er sieht nicht die rechten Menschen, er ist der Lehre der rechten Menschen unkundig, er ist nicht erzogen in der Lehre der rechten Menschen: Er betrachtet die Form als das Selbst oder das Selbst als formhaft oder im Selbst die Form oder in der Form des Selbst. Ebenso das Gefühl, die Wahrnehmung, die Gestaltungen und das Bewußtsein. So besteht Persönlichkeitsansicht, Hausvater.“

„Wie aber, o Herr, kann Persönlichkeitsansicht nicht bestehen?“

„Da, Hausvater, sieht der erfahrene edle Jünger die Edlen, er ist der Lehre der Edlen kundig, er ist in der Lehre der Edlen erzogen. Er sieht die rechten Menschen, er ist der Lehre der rechten Menschen kundig, er ist erzogen in der Lehre der rechten Menschen: Er betrachtet nicht die Form als das Selbst, nicht das Selbst als formhaft, nicht im Selbst die Form oder in der Form das Selbst, ebenso das Gefühl, die Wahrnehmung, die Gestaltungen, das Bewußtsein. So, Hausvater besteht die Persönlichkeitsansicht nicht.“

„Woher kommt der Ehrwürdige Isidatto, o Herr?“

„Ich komme von Avanti, Hausvater.“

„Es gibt, o Herr, in Avanti einen Sohn aus guter Familie namens Isidatto, einen Freund, den ich noch nie gesehen habe. Der ist in die Hauslosigkeit gezogen. Hat der Ehrwürdige ihn gesehen?“

„Ja, Hausvater.“

„Wo nun weilt, o Herr, dieser Ehrwürdige jetzt?“

So angeredet, schwieg der Ehrwürdige Isidatto.

„Ist der Ehrwürdige der Herr Isidatto?“

„Ja, Hausvater.“

„Möchte doch, o Herr, der Ehrwürdige Isidatto in Macchikāsanda sich in diesem entzückenden Mangohain erfreuen. Ich werde eifrig bemüht sein, den Ehrwürdigen Isidatto mit Gewand und Schale, Wohnung und Arznei im Fall einer Krankheit zu versehen.“

„Das ist freundlich gesagt, Hausvater.“

Da nun war Citto, der Hausvater, über die Worte des Ehrwürdigen Isidatto erfreut und erheitert. Er bediente und versorgte die älteren Mönche eigenhändig mit erlesener fester und flüssiger Speise. Nachdem dann die älteren Mönche gegessen und ihre Hand von der Schale zurückgezogen hatten, erhoben sie sich und gingen fort. Da nun sagte der ehrwürdige Ältere zum Ehrwürdigen Isidatto: Gut ist es, Bruder Isidatto, daß du diese Frage beantwortet hast und nicht ich diese Frage beantwortet habe. Darum, Bruder Isidatto, wenn bei anderer Gelegenheit eine derartige Frage aufkommen würde, beantworte sie in gleicher Weise.

Nachdem nun der ehrwürdige Isidatto seine Lagerstatt in Ordnung gebracht hatte, nahm er Mantel und Schale und verließ Macchikāsanda. Nachdem er Macchikāsanda verlassen hatte, verließ er es für immer und kehrte nie mehr dorthin zurück.