Saṃyutta Nikaya 42

Gāmaṇi

12. Rāsiyo

Rāsiyo, der Vorsteher, begab sich zum Erhabenen, begrüßte ihn ehrfurchtsvoll und setzte sich zur Seite nieder. Zur Seite sitzend, wandte sich Rāsiyo, der Vorsteher, also an den Erhabenen:

„Gehört habe ich, o Herr: ‚Der Asket Gotamo tadelt jede Buße, und jeden Büßer, der ein rauhes Leben führt, verurteilt er einzig und schilt ihn.‘ Die da so sagen, o Herr, haben die des Erhabenen Worte gebraucht, den Erhabenen nicht zu Unrecht angeführt und der Lehre gemäß gesprochen, so daß sich kein entsprechender Folgesatz als falsch erweist?“

I.

„Die da so sagen, o Herr, die haben nicht meine Worte gebraucht, mich zu Unrecht und nicht den Tatsachen gemäß angeführt.

Zwei Extreme, Vorsteher, sind von Hauslosen nicht zu pflegen: Bei den Sinnendingen sich dem Kleben am Sinnenwohl hingeben, dem niederen, gewöhnlichen, weltlichen, unedlen, heillosen; und sich der Selbstqual hingeben, der schmerzlichen, unedlen, heillosen. Diese beiden Extreme vermeidend, hat der Vollendete das mittlere Vorgehen entdeckt, das sehend und wissend macht, das zur Beruhigung, zum Überblick, zur Erwachung, zum Nirvāna führt. Und was ist dieses mittlere Vorgehen? Es ist der edle achtfältige Pfad, nämlich rechte Ansicht, rechte Gesinnung, rechte Rede, rechtes Handeln, rechter Wandel, rechtes Mühen, rechte Achtsamkeit, rechte Einigung. Dies nun, Vorsteher, ist das mittlere Vorgehen, das der Vollendete entdeckt hat, das sehend und wissend macht, das zur Beruhigung, zum Überblick, zur Erwachung, zum Nirvāna führt.

Drei sinnlich Genießende, Vorsteher, sind in der Welt anzutreffen. Welche drei?

Da, Vorsteher, sucht ein sinnlich Genießender auf unrechte Weise und mit Gewalt Reichtum. Nachdem er auf unrechte Weise und mit Gewalt Reichtum gesucht hat, macht er sich selbst nicht glücklich und froh, teilt nicht und wirkt kein Verdienst, macht er sich selbst glücklich und froh, aber teilt nicht und wirkt kein Verdienst, macht er sich selbst glücklich und froh, teilt und wirkt Verdienst.

Da, Vorsteher, sucht ein sinnlich Genießender teils auf rechte, teils auf unrechte Weise, teils mit, teils ohne Gewalt Reichtum. Nachdem er so Reichtum gesucht hat, macht er sich selbst nicht glücklich und froh, teilt nicht und wirkt kein Verdienst, macht er sich selbst glücklich und froh, aber teilt nicht und wirkt kein Verdienst, macht er sich selbst glücklich und froh, teilt und wirkt Verdienst.

Da, Vorsteher, sucht ein sinnlich Genießender auf rechte Weise und ohne Gewalt Reichtum. Nachdem er auf rechte Weise und ohne Gewalt Reichtum gesucht hat, macht er sich selbst nicht glücklich und froh, teilt nicht und wirkt kein Verdienst, macht er sich selbst glücklich und froh, aber teilt nicht und wirkt kein Verdienst, macht er sich selbst glücklich und froh, teilt und wirkt Verdienst, aber diesen Reichtum genießt er verstrickt, betört, hingerissen, ohne das Elend zu sehen, ohne die Weisheit des Entrinnens, macht er sich selbst glücklich und froh, teilt und wirkt Verdienst und diesen Reichtum genießt er nicht verstrickt, betört, hingerissen, sondern er sieht das Elend mit der Weisheit des Entrinnens.

II.

Hierbei nun, Vorsteher, ist der erste sinnlich Genießende aus drei Gründen zu tadeln. Daß er auf unrechte Weise und mit Gewalt Reichtum suchte, aus diesem ersten Grund ist er zu tadeln. Daß er sich selber nicht glücklich und froh macht, aus diesem zweiten Grund ist er zu tadeln. Daß er nicht teilt und keine guten Werke wirkt, aus diesem dritten Grund ist er zu tadeln. Dieser sinnlich Genießende, Vorsteher, ist aus diesen drei Gründen zu tadeln.

Hierbei nun, Vorsteher, ist der zweite sinnlich Genießende aus zwei Gründen zu tadeln und aus einem Grund zu loben. Daß er auf unrechte Weise und mit Gewalt Reichtum suchte, aus diesem einen Grund ist er zu tadeln. Daß er sich selber glücklich und froh macht, aus diesem Grund ist er zu loben. Daß er nicht teilt und keine guten Werke wirkt, aus diesem zweiten Grund ist er zu tadeln. Dieser sinnlich Genießende, Vorsteher, ist aus zwei Gründen zu tadeln und aus einem Grund zu loben.

Hierbei nun, Vorsteher, ist der dritte sinnlich Genießende aus einem Grund zu tadeln und aus zwei Gründen zu loben. Daß er auf unrechte Weise und gewaltsam Reichtum suchte, aus diesem einen Grund ist er zu tadeln. Daß er sich selber glücklich und froh machte, aus diesem ersten Grund ist er zu loben. Daß er teilte und gute Werke wirkte, aus diesem zweiten Grund ist er zu loben. Dieser sinnlich Genießende, Vorsteher, ist aus einem Grund zu tadeln und aus zwei Gründen zu loben.

Hierbei nun, Vorsteher, ist der vierte sinnlich Genießende aus einem Grund zu loben und aus drei Gründen zu tadeln. Daß er auf rechte Weise und gewaltlos Reichtum suchte, aus diesem einen Grund ist er zu loben. Daß er auch auf unrechte Weise und gewaltsam Reichtum suchte, aus diesem ersten Grund ist er zu tadeln. Daß er sich selber nicht glücklich und froh machte, aus diesem zweiten Grund ist er zu tadeln. Daß er nicht teilte und keine guten Werke wirkte, aus diesem dritten Grund ist er zu tadeln. Dieser sinnlich Genießende, Vorsteher, ist aus einem Grund zu loben und aus drei Gründen zu tadeln.

Hierbei nun, Vorsteher, ist der fünfte sinnlich Genießende aus zwei Gründen zu loben und aus zwei Gründen zu tadeln. Daß er auf rechte Weise und gewaltlos Reichtum suchte, aus diesem einen Grund ist er zu loben. Daß er auch auf unrechte Weise und gewaltsam Reichtum suchte, aus diesem ersten Grund ist er zu tadeln. Daß er sich selber glücklich und froh machte, aus diesem zweiten Grund ist er zu loben. Daß er nicht teilte und keine guten Werke wirkte, aus diesem zweiten Grund ist er zu tadeln. Dieser sinnlich Genießende, Vorsteher, ist aus zwei Gründen zu loben und aus zwei Gründen zu tadeln.

Hierbei nun, Vorsteher, ist der sechste sinnlich Genießende aus drei Gründen zu loben und aus einem Grund zu tadeln. Daß er auf rechte und gewaltlose Weise Reichtum suchte, aus diesem Grund ist er zu loben. Daß er auch auf unrechte Weise und gewaltsam Reichtum suchte, aus diesem Grund ist er zu tadeln. Daß er sich selber glücklich und froh machte, aus diesem zweiten Grund ist er zu loben. Daß er teilte und gute Werke wirkte, aus diesem dritten Grund ist er zu loben. Dieser sinnlich Genießende, Vorsteher, ist aus drei Gründen zu loben und aus einem Grund zu tadeln.

Hierbei nun, Vorsteher, ist der siebte sinnlich Genießende aus einem Grunde zu loben und aus zwei Gründen zu tadeln. Daß er auf rechte Weise und gewaltlos Reichtum suchte, aus diesem einen Grund ist er zu loben. Daß er sich selber nicht glücklich und froh machte, aus diesem ersten Grund ist er zu tadeln. Daß er nicht teilte und keine guten Werke wirkte, aus diesem zweiten Grund ist er zu tadeln. Dieser sinnlich Genießende, Vorsteher, ist aus einem Grund zu loben und aus zwei Gründen zu tadeln.

Hierbei nun, Vorsteher, ist der achte sinnlich Genießende aus zwei Gründen zu loben und aus einem Grund zu tadeln. Daß er auf rechte Weise und gewaltlos Reichtum suchte, aus diesem einen Grund ist er zu loben. Daß er sich selber glücklich und froh machte, aus diesem zweiten Grund ist er zu loben. Daß er nicht teilte und keine guten Werke wirkte, aus diesem einen Grund ist er zu tadeln. Dieser sinnlich Genießende, Vorsteher, ist aus zwei Gründen zu loben und aus einem Grund zu tadeln.

Hierbei nun, Vorsteher, ist der neunte sinnlich Genießende aus drei Gründen zu loben und aus einem Grund zu tadeln. Daß er auf rechte Weise und gewaltlos Reichtum suchte, aus diesem ersten Grund ist er zu loben. Daß er sich selber glücklich und froh machte, aus diesem zweiten Grund ist er zu loben. Daß er teilte und gute Werke wirkte, aus diesem dritten Grund ist er zu loben. Daß er diesen Reichtum aber verstrickt, betört, hingerissen genießt, ohne das Elend zu sehen, ohne die Weisheit des Entrinnens, aus diesem einen Grund ist er zu tadeln.

Hierbei nun, Vorsteher, ist der zehnte sinnlich Genießende aus vier Gründen zu loben. Daß er auf rechte Weise und gewaltlos Reichtum suchte, aus diesem ersten Grund ist er zu loben. Daß er sich selber glücklich und froh machte, aus diesem zweiten Grund ist er zu loben. Daß er teilte und Verdienst wirkte, aus diesem dritten Grund ist er zu loben. Daß er diesen Reichtum nicht verstrickt, betört, hingerissen genießt, sondern das Elend sieht mit der Weisheit des Entrinnens, aus diesem vierten Grund ist er zu loben. Dieser sinnlich Genießende, Vorsteher, ist aus vier Gründen zu loben.

III.

Drei Arten von Büßern, die ein rauhes Leben führen, gibt es in der Welt. Welche drei?

Da ist, Vorsteher, irgendein Büßer, ein rauh Lebender, aus Vertrauen vom Hause fort in die Hauslosigkeit gepilgert: ‚Könnte ich doch nur ein wenig heilsame Eigenschaften erreichen, könnte ich doch nur ein wenig übermenschliche Eigenschaften, den Segen edler Wissensklarheit verwirklichen.‘ So quält er sich selbst, quält sich sehr, aber heilsame Eigenschaften erreicht er nicht, übermenschliche Eigenschaften, den Segen edler Wissensklarheit erreicht er nicht.

Da ist, Vorsteher, irgend ein Büßer, ein rauh Lebender, aus Vertrauen vom Hause fort in die Hauslosigkeit gepilgert: ‚Könnte ich doch nur ein wenig heilsame Eigenschaften erreichen, könnte ich doch nur ein wenig übermenschliche Eigenschaften, den Segen edler Wissensklarheit verwirklichen.‘ So quält er sich selbst, quält sich sehr—und heilsame Eigenschaften erreicht er. Nicht aber verwirklicht er übermenschliche Fähigkeiten, den Segen der Wissensklarheit.

Da ist, Vorsteher, irgend ein Büßer, ein rauh Lebender, aus Vertrauen vom Hause fort in die Hauslosigkeit gepilgert: ‚Könnte ich doch nur ein wenig heilsame Eigenschaften erreichen, könnte ich doch nur ein wenig übermenschliche Eigenschaften, den Segen edler Wissensklarheit verwirklichen.‘ So quält er sich, quält sich sehr. Und heilsame Eigenschaften erreicht er, und er verwirklicht übermenschliche Eigenschaften, den Segen der Wissensklarheit.

Hierbei nun, Vorsteher, ist der erste Büßer aus drei Gründen zu tadeln. Er quält sich, quält sich sehr—aus diesem Grunde ist er zu tadeln. Er erreicht keine heilsamen Eigenschaften, aus diesem zweiten Grund ist er zu tadeln. Er verwirklicht keine übermenschlichen Eigenschaften, keinen Segen edler Wissensklarheit, aus diesem dritten Grund ist er zu tadeln.

Hierbei nun, Vorsteher, ist der zweite Büßer aus zwei Gründen zu tadeln und aus einem Grund zu loben. Er quält sich, er quält sich sehr, aus diesem ersten Grund ist er zu tadeln. Er erreicht heilsame Eigenschaften, aus diesem einen Grund ist er zu loben. Er verwirklicht keine übermenschlichen Eigenschaften, den Segen edler Wissensklarheit, aus diesem zweiten Grund ist er zu tadeln.

Hierbei nun, Vorsteher, ist der dritte Büßer aus einem Grund zu tadeln, aus zwei Gründen zu loben. Er quält sich, er quält sich sehr, aus diesem Grund ist er zu tadeln. Er erreicht heilsame Eigenschaften, aus diesem ersten Grund ist er zu loben. Er verwirklicht übermenschliche Eigenschaften, den Segen der edlen Wissensklarheit—aus diesem zweiten Grund ist er zu loben.

IV.

Dreierlei, Vorsteher, ist offensichtlich, veraltet nicht, ist zeitlos, einladend, hinführend, ist dem Verständigen von selbst verständlich. Welche drei Dinge?

Daß einer voll Reiz, Abwehr und Verblendung wegen Reiz, Abwehr und Verblendung zu eigener Beschwer denkt, zu anderer Beschwer denkt, zu beider Beschwer denkt, dagegen nach Überwindung von Reiz, Abwehr und Verblendung weder zu eigener Beschwer noch zu anderer Beschwer noch zu beider Beschwer denkt, das ist offensichtlich, veraltet nicht, ist zeitlos, einladend, hinfuhrend, dem Verständigen von selbst verständlich.

Das sind, Vorsteher, die drei Dinge, die offensichtlich sind, die nicht veralten, zeitlos sind, einladend, hinführend, dem Verständigen von selbst verständlich.“ Auf diese Rede sprach Rāsiyo, der Vorsteher, also zum Erhabenen:

Vortrefflich, o Herr, vortrefflich, o Herr, als Anhänger möge mich der Erhabene betrachten, von heute an zeitlebens getreu.“