Saṃyutta Nikaya 42

Gāmaṇi

8. Das Muschelhorn

Zu einer Zeit weilte der Erhabene in Nālanda, im Mangohaine am Saume der Stadt Pāvā. Da nun begab sich der Sohn des Asibandhako, der Vorsteher, der ein Anhänger der Freien Brüder war, zum Erhabenen, begrüßte ihn ehrerbietig und setzte sich zur Seite nieder. Zur Seite sitzend, wandte sich der Erhabene an den Sohn des Asibandhako, den Vorsteher: „Wie legt denn, Vorsteher, der Freie Bruder Nātaputto seinen Jüngern die Lehre dar?“

„So legt, o Herr, der Freie Bruder Nātaputto seinen Jüngern die Lehre dar: ‚Wer auch immer Lebendiges umbringt, ein jeder solcher sinkt abwärts in die Hölle.

Wer auch immer Nichtgegebenes nimmt, ein jeder solcher sinkt abwärts in die Hölle. Wer auch immer ausschweift, ein jeder solcher sinkt abwärts in die Hölle. Wer auch immer lügt, ein jeder solcher sinkt abwärts in die Hölle.

Wie man meistens verweilt, dahin gelangt man‘.

So legt der Freie Bruder Nātaputto seinen Jüngern die Lehre dar.“

„‚Wie man meistens verweilt, dahin gelangt man.‘ Vorsteher, wenn es so wäre, dann würde niemand abwärts sinken in die Hölle, wie es der Freie Bruder Nātaputto sagt.

Was meinst du, Vorsteher, wenn da ein Mann Lebendiges umbringt—bei Tag oder bei Nacht oder nur von Zeit zu Zeit—welche Zeit ist länger: Die, während der er Lebendiges umbringt, oder die, in der er Nicht-Lebendiges umbringt?“

„Wenn, o Herr, ein Mann Lebendiges umbringt—bei Tag oder bei Nacht oder nur von Zeit zu Zeit—dann ist die Zeit, in der er Lebendiges umbringt, geringer, und länger ist die Zeit, in der er nicht Lebendiges umbringt.“

„Wenn es aber so wäre, Vorsteher, ‚Wie man meistens verweilt, dahin gelangt man.‘ dann würde niemand abwärts sinken in die Hölle, wie es der Freie Bruder Nātaputto sagt.

Was meinst du, Vorsteher, wenn da ein Mann Nichtgegebenes nimmt, ausschweift, lügt—bei Tag oder bei Nacht oder nur von Zeit zu Zeit—welche Zeit ist länger: Die, während er Nichtgegebenes nimmt, ausschweift, lügt, oder die, in der er dies nicht tut?“

„Wenn da, o Herr, ein Mann Nichtgegebenes nimmt, ausschweift, lügt—bei Tag oder bei Nacht oder nur von Zeit zu Zeit—dann ist die Zeit, in der er dies tut, geringer, und länger ist die Zeit, in der er es nicht tut.“

„Wenn es aber so wäre, Vorsteher, ‚Wie man meistens verweilt, dahin gelangt man.‘ dann würde niemand abwärts sinken in die Hölle, wie es der Freie Bruder Nātaputto sagt. Da, Vorsteher, spricht ein Meister also, hat solche Lehre: ‚Wer auch immer Lebendiges umbringt, Nichtgegebenes nimmt, ausschweift, lügt, ein jeder solcher sinkt abwärts in die Hölle.‘ Auf einen solchen Meister, Vorsteher, verläßt sich ein Jünger und er denkt also: Mein Meister spricht also, hat solche Lehre. Ich aber habe Lebendiges umgebracht, Nichtgegebenes genommen, ausgeschweift, gelogen-also sinke auch ich abwärts in die Hölle: solche Ansicht gewinnt er. Wenn er, Vorsteher, diese Lehre nicht überwindet, diese Herzensverfassung nicht überwindet, diese Ansicht nicht losläßt, dann wird er, wie er es sich bereitet hat, abwärts in die Hölle sinken.

Da aber, Vorsteher, erscheint der Vollendete in der Welt, der Heilige, Vollkommen Erwachte, der Wissens- und Wandelsbewährte, der Willkommene, der Welt Kenner, der unübertreffliche Leiter der Menschenherde, der Meister der Götter und Menschen, der Erwachte, der Erhabene. In mancherlei Weise tadelt er, Lebendiges umzubringen, Nichtgegebenes zu nehmen, auszuschweifen, zu lügen, verurteilt es und spricht: ‚Steht ab davon.‘ Auf einen solchen Meister, Vorsteher, verläßt sich ein Jünger und führt sich vor Augen: Lebendiges umzubringen, Nichtgegebenes zu nehmen, auszuschweifen, zu lügen, hat der Erhabene auf mancherlei Weise getadelt, verurteilt es und spricht: ‚Steht ab davon.‘ Aber ich habe doch Lebendiges umgebracht, Nichtgegebenes genommen, ausgeschweift, gelogen, insofern oder insofern. Das war nicht recht, das war nicht gut. Wenn ich nun auch darüber mir Vorwürfe machte, ich könnte diese schlechte Tat nicht ungeschehen machen. Indem er sich dies vor Augen führt, verwirft er eben, Lebendiges umzubringen, Nichtgegebenes zu nehmen, auszuschweifen, zu lügen und steht künftighin davon ab. Also kann man über diese schlechte Tat hinwegkommen.

Nachdem er Lebendiges umzubringen verworfen hat, liegt es ihm fern.

Nachdem er Nichtgegebenes zu nehmen verworfen hat, liegt es ihm fern.

Nachdem er Ausschweifung verworfen hat, liegt sie ihm fern.

Nachdem er Lügen verworfen hat, liegt es ihm fern.

Nachdem er Hintertragen verworfen hat, liegt es ihm fern.

Nachdem er Schelten verworfen hat, liegt es ihm fern.

Nachdem er Plappern verworfen hat, liegt es ihm fern.

Nachdem er Habsucht verworfen hat, ist er nicht mehr habsüchtig.

Nachdem er Übelwollen verworfen hat, ist er im Herzen nicht mehr übelwollend.

Nachdem er falsche Ansicht verworfen hat, hat er rechte Ansicht.

Wenn nun, Vorsteher, dieser edle Jünger Habsucht überstanden hat, Übelwollen überstanden hat, unverblendet, klar bewußt, gesammelt ist, dann strahlt er liebevollen, erbarmenden, mitfreudigen, gleichmütigen Gemütes nach einer Richtung, dann nach der zweiten, dann nach der dritten, dann nach der vierten, ebenso nach oben und nach unten: überall in allem sich wiedererkennend, durchstrahlt er die ganze Welt mit liebevollem, erbarmendem, mitfreudigem, gleichmütigem Gemüte, mit weitem, tiefem, unbeschränktem, von Grimm und Groll geklärtem.

Gleichwie, Vorsteher, etwa ein kräft‘ger Trompeter gar mühelos nach allen vier Seiten posaunen könnte, ebenso nun auch, Vorsteher, kann in also entfalteter und also häufig geübter liebreicher, erbarmender, mitfreudiger, gleichmütiger Gemüterlösung, beschränkt gewirktes Wirken nicht übrig bleiben, nicht bestehen.“

Auf diese Worte wandte sich der Sohn Asibandhakos, der Vorsteher, also an den Erhabenen: „Vortrefflich, o Herr! Vortrefflich, o Herr, als Anhänger möge mich der Erhabene betrachten, von heute an zeitlebens getreu.“