Saṃyutta Nikaya 51

Machtfährten

11. Früher

In Sāvatthi.

„Einstmals, ihr Mönche, als ich noch nicht in der vollkommenen Erwachung auferwacht war, als Erwachung erst Erringender, dachte ich also:

‚Was ist wohl der Grund, was die Bedingung für die Entfaltung der Machtfährten.‘ Da dachte ich folgendes:

‚Da entfaltet man,‘ ihr Mönche, ‚die mit der Kampfesgestaltung der Einigung des Willens, der Tatkraft, des Herzens, des Prüfens erworbene Machtfährte. So wird mein Wille, meine Tatkraft, mein Herz, mein Prüfen weder zu schlaff noch zu straff gespannt sein. Sie werden weder innen verharren noch nach außen zerstreut sein. Das Frühere und Spätere nimmt ein solcher wahr: Wie früher so später, wie später so früher, wie unten so oben, wie oben so unten, wie tags so nachts, wie nachts so tags. So entfaltet er entschleierten Gemütes, unverhüllten Gemütes ein selbstleuchtendes Herz‘.

Hat der Mönch die vier Machtfährten also entfaltet und ausgebildet, so kann er auf mannigfaltige Weise Machtentfaltung erfahren: als nur einer etwa vielfach zu werden, und, vielfach geworden, wieder einer zu sein, oder sichtbar und unsichtbar zu werden, auch durch Mauern, Wälle, Felsen hindurchzuschweben wie durch die Luft; oder auf der Erde auf- und unterzutauchen wie im Wasser, auch auf dem Wasser zu wandeln, ohne unterzusinken, wie auf der Erde; oder auch durch die Luft sitzend dahinzufahren wie der Vogel mit seinen Fittichen; auch etwa diesen Mond und diese Sonne, die so mächtigen, so gewaltigen mit der Hand zu befühlen und zu berühren; etwa gar bis zu den Brahma-Welten den Körper in seiner Gewalt zu haben.

Hat der Mönch die vier Machtfährten also entfaltet und ausgebildet, so kann er mit dem himmlischen Gehör, dem geläuterten, über menschliche Grenzen hinausreichenden, beide Arten der Töne hören, die himmlischen und die Irdischen, die fernen und die nahen.

Hat der Mönch die vier Machtfährten also entfaltet und ausgebildet, so kann er der anderen Wesen, der anderen Personen Gemüt, im Gemüt umfassend, erkennen: Das Herz mit Reiz als mit Reiz, das Herz mit Abwehr als mit Abwehr, das Herz mit Verblendung als mit Verblendung, das beharrende Herz als beharrend und das zerstreute als zerstreut, das großartige Herz als großartig und das nicht-großartige als nichtgroßartig, das übertreffliche Herz als übertrefflich und das unübertreffliche als unübertrefflich, das nicht geeinigte Herz als nicht-geeinigt und das einige als einig, das unerlöste Herz als unerlöst und das erlöste als erlöst.

Hat der Mönch die vier Machtfährten also entfaltet und ausgebildet, so kann er sich in manche verschiedene frühere Daseinsformen erinnern als wie an nur eine Geburt, an zwei Geburten, an drei, vier, fünf, zehn, zwanzig, dreißig, vierzig, fünfzig, hundert Geburten, dann an 1.000 Geburten, dann an 100.000 Geburten, dann an die Zeiten während mancher Einfaltungen eines Äons oder an die Zeiten während mancher Auseinanderfaltungen eines Äons, dann an die Zeiten während mancher Ein- und Auseinanderfaltungen von Äonen: ‚Dort war ich, jenen Namen hatte ich, jener Sippe gehörte ich an, das war mein Stand, das mein Beruf, solches Wohl und Wehe habe ich erfahren, so war mein Lebensende. Dort verschieden tauchte ich anderswo wieder auf: Da war ich nun, diesen Namen hatte ich, dieser Sippe gehörte ich an, das war mein Stand, das mein Beruf, solches Wohl und Wehe habe ich erfahren, das war mein Lebensende. Da verschieden tauchte ich hier wieder auf.‘ So erinnert er sich mancher verschiedener früheren Daseinsformen mit je den eigentümlichen Merkmalen, mit je den eigenartigen Beziehungen. Hat der Mönch die vier Machtfährten entfaltet und ausgebildet, so kann er mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten, über menschliche Grenzen hinausreichenden, die Wesen dahinschwinden und wiedererscheinen sehen, gemeine und vorzügliche, schöne und unschöne, glückliche und unglückliche, kann er erkennen wie die Wesen je nach dem Wirken wiederkehren ‚Diese lieben Wesen sind freilich in Taten dem Schlechten zugetan, in Worten dem Schlechten zugetan, in Gedanken dem Schlechten zugetan, tadeln die Edlen, haben falsche Erkenntnissen, wirken aus falschen Ansichten; beim Zerfall des Leibes, noch dem Tode, gelangen sie auf den Abweg, auf schlechte Fährte, zur Tiefe hinab, in die Hölle. Jene lieben Wesen sind freilich in Taten dem Guten zugetan, in Worten dem Guten zugetan, in Gedanken dem Guten zugetan, tadeln nicht die Edlen, haben rechte Erkenntnis, wirken aus rechter Ansicht. Beim Zerfall des Leibes, nach dem Tode, gelangen sie auf gute Fährte in himmlische Welt.‘ So kann er mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten, über menschliche Grenze hinausreichenden die Wesen dahinschwinden und wiedererscheinen sehen, gemeine und vorzügliche, schöne und häßliche, glückliche und unglückliche, kann er erkennen, wie die Wesen je nach dem Wirken wiederkehren.

Hat der Mönch die vier Machtfährten entfaltet und ausgebildet, so kann er die Triebe versiegen lassen und die trieblose Gemüterlösung, Weisheitserlösung noch bei Lebzeiten im eigenen Überblick verwirklichen und erringen.“