Saṃyutta Nikaya 55

Stromeintritt

54. Krankheit

Das hab ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene im Lande der Sakyer bei Kapilavatthu im Feigenbaumkloster. Zu jener Zeit arbeiteten einige Mönche für den Erhabenen die Kleidung auf. Es hieß: „Wenn die Kleider fertig sind, in drei Monaten, wird der Erhabene auf die Wanderschaft gehen.“ Dies hörte der Sakyer Mahānāmo, und er begab sich zum Erhabenen, begrüßte ihn und setzte sich zur Seite nieder. Zur Seite sitzend, wandte sich der Sakyer Mahānāmo an den Erhabenen:

„Gehört habe ich, o Herr, daß einige Mönche für den Erhabenen die Kleidung aufarbeiten und daß er, wenn die Kleider fertig sind, in drei Monaten auf die Wanderschaft gehen wird. Ich habe aber, o Herr, aus dem Munde des Erhabenen noch nichts darüber gehört, noch nichts darüber aufgenommen, wie ein weiser Anhänger einen weisen Anhänger, der Beschwerden hat, leidet, schwer krank ist, ermahnen soll.“

„Ein weiser Anhänger, Mahānāmo, hat einen weisen Anhänger, der Beschwerden hat, leidet, schwer krank ist, mit vier trostreichen Gedanken zu trösten: ‚Sei getrost, Verehrter. Du hast ja, Verehrter, unbeirrbare Klarheit beim Erwachten, bei der Lehre, bei der Jüngerschaft und bei den Tugenden, die den Edlen lieb sind.‘

Hat ein weiser Anhänger, Mahānāmo, einen weisen Anhänger, der Beschwerden hat, leidet, schwer krank ist, mit diesen vier trostreichen Gedanken getröstet, dann mag er folgendes sagen:

‚Hat der Verehrte Verlangen nach Vater und Mutter?‘ Wenn er da nun etwa sagt: ‚Ich habe Verlangen nach Vater und Mutter.‘ so ist ihm darauf zu erwidern: ‚Du bist, verehrter Herr, dem Tode unterworfen. Ob du, Verehrter, nun nach Vater und Mutter Verlangen hast oder nicht, du mußt sterben. Gut wär dem Verehrten, was da Verlangen nach Vater und Mutter ist, es aufzugeben.‘ Sagt er dann: ‚Was mein Verlangen nach Vater und Mutter war, das hab ich aufgegeben.‘ dann soll man weiter sagen:

‚Und hat der Verehrte noch Verlangen nach Weib und Kind?‘ Antwortet er darauf: ‚Ich habe noch Verlangen nach Weib und Kind.‘ dann hätte man ihm zu sagen: ‚Du bist, verehrter Herr, dem Tode unterworfen. Ob du, Verehrter, nun nach Weib und Kind Verlangen hast oder nicht, du mußt sterben. Gut wär dem Verehrten, was da Verlangen nach Weib und Kind ist, es aufzugeben.‘ Sagt er dann: ‚Was mein Verlangen nach Weib und Kind war, ich hab es aufgegeben.‘ dann soll man ihm weiter sagen:

Hat der Verehrte noch Verlangen nach den menschlichen fünf Wunschgenüssen?‘ Wenn er da nun sagt: ‚Ich habe Verlangen nach den menschlichen fünf Sinnesgenüssen.‘ so ist ihm darauf zu erwidern: ‚Viel besser und erlesener als die menschlichen Sinnendinge, Bruder, sind die himmlischen Sinnendinge. Gut wäre dem Verehrten, das Herz über die menschlichen Sinnendinge zu erheben und es auf die Götter der Vier-Groß—Könige (cātumahārājika) zu richten, auf die Götter der Dreiunddreißig, (tāvatiṃsa) auf die Gezügelten Götter, (yāmā) auf die Stillzufriedenen Götter, (tusitā) auf die Schaffensfreudigen Götter (nimmānaratī) auf die Selbstgewaltigen Götter‘ (paranimmita vasavattī)

Wenn er da nun sagt: ‚Ich habe mein Herz auf diese Götter gerichtet, dann soll man ihm weiter sagen: ‚Viel besser und erlesener! Bruder, als diese Götter, ist die Brahmawelt. Möge der Verehrte das Herz über diese Götter erheben und es auf die Brahmawelt richten.‘ Wenn er da nun sagt: ‚Ich habe das Herz über diese Götter erhoben und auf die Brahmawelt gerichtet.‘ dann ist ihm darauf zu erwidern: ‚Auch die Brahmawelt, Bruder, ist unbeständig, nicht dauernd, ist in Persönlichkeit gefangen. Gut wäre es dem Verehrten, das Herz über die Brahmawelt zu erheben und es auf die Auflösung der Persönlichkeit zu lenken.‘ Wenn er da nun sagt: ‚Ich habe mein Herz über die Brahmawelt erhoben und auf die Auflösung der Persönlichkeit gelenkt, dann gibt es, Mahānāmo, zwischen einem so sprechenden Anhänger und einem von den Trieben im Herz erlösten Mönch keinen Unterschied, nämlich Erlösung gegenüber Erlösung.“