Saṃyutta Nikaya 55

Stromeintritt

6. Die Kammerherren

In Sāvatthi.

Zu jener Zeit nähten einige Mönche dem Erhabenen eine Robe. Sie wußten: Wenn die Robe fertig ist, wird der Erhabene in drei Monaten auf die Wanderschaft gehen. Damals hielten sich die Kammerherren Isidatto und Purāno in Sādhuka auf, um irgendetwas zu erledigen. Es hörten die Kammerherren Isidatto und Purāno: „Die Mönche nähen jetzt dem Erhabenen eine Robe, und wenn sie fertig ist, wird er in drei Monaten auf die Wanderschaft gehen.“ Da stellten die Kammerherren Isidatta und Purāna einen Mann an der Straße auf und sagten ihm: „Lieber Mann, wenn du den Erhabenen kommen siehst, den Heiligen, Vollkommen Erwachten, dann melde es uns.“

Nachdem er zwei oder drei Tage dort gestanden hatte, sah er den Erhabenen von weitem kommen. Sowie er ihn gesehen hatte, ging er zu den Kammerherren Isidatto und Purāno und meldete: „Dieser Herr, der Erhabene, der Heilige, Vollkommen Erwachte kommt. Wie es euch nun belieben mag.“ Da gingen die Kammerherren Isidatto und Purāno zum Erhabenen, begrüßten ihn und folgten ihm Schritt für Schritt nach. Da bog der Erhabene vom Weg ab, begab sich unter einen Baum und, nachdem ihm ein Sitz bereitet worden war, setzte sich dort nieder. Die Kammerherren verbeugten sich vor ihm und setzten sich zur Seite nieder. Zur Seite sitzend, wandten sie sich an den Erhabenen:

„Als wir, o Herr, hörten, der Erhabene werde von Sāvatthi aus im Lande der Kosaler auf Wanderschaft gehen, da waren wir traurig und betrübt in Gedanken: ‚Da wird der Erhabene aber weit weg von uns sein.‘ Und als wir dann hörten, der Erhabene habe von Sāvatthi aus die Wanderschaft im Lande der Kosaler angetreten, da waren wir wieder traurig und betrübt in Gedanken: ‚Jetzt ist der Erhabene weit weg von uns.‘ Als wir dann hörten, der Erhabene werde von den Kosalern aus ins Land der Maller auf Wanderschaft gehen, auch da waren wir traurig und betrübt im Gedanken: ‚Der Erhabene wird weit weg von uns sein.‘ Als wir dann hörten, der Erhabene ist vom Lande der Kosaler ins Land der Maller auf Wanderschaft gegangen, da waren wir wieder traurig und betrübt im Gedanken: ‚Der Erhabene ist weit weg von uns.‘ Als wir dann hörten, der Erhabene werde vom Land der Maller aus in Land der Vajjjīner auf Wanderschaft gehen, da waren wir wieder traurig und betrübt im Gedanken: ‚Der Erhabene wird weit weg von uns sein.‘ Als wir dann hörten, der Erhabene sei von den Mallern zu den Vajjīnern auf Wanderschaft gegangen, waren wir wieder traurig und betrübt im Gedanken: ‚Der Erhabene wird weit weg von uns sein.‘ Als wir dann hörten, der Erhabene werde von den Vajjīnern nach Benares wandern, waren wir traurig und betrübt im Gedanken: ‚Der Erhabene wird fern von uns sein.‘ Als wir dann hörten, der Erhabene sei von den Vajjīnern nach Benares gewandert, da waren wir traurig und betrübt im Gedanken: ‚Der Erhabene ist fern von uns.‘ Als wir dann hörten, der Erhabene werde von Benares nach Magadha wandern, waren wir traurig und betrübt im Gedanken: ‚Der Erhabene wird fern von uns sein.‘ Als wir dann hörten, der Erhabene sei von Benares nach Magadha gewandert, da war unsere Trauer nicht gering, da war unsere Betrübnis nicht gering im Gedanken: ‚Fern von uns ist der Erhabene‘.

Als wir dann aber hörten, der Erhabene werde von Magadhā wieder nach Benares, von Benares zu den Vajjīnern, von den Vajjīnern zu den Mallern, von den Mallern nach Kosalo wandern und sei so gewandert, da waren wir befriedigt und froh im Gedanken: Der Erhabene wird näher zu uns kommen, ist näher zu uns gekommen.‘ Und als wir dann hörten, der Erhabene werde von den Kosalern nach Sāvatthi wandern, da waren wir befriedigt und froh im Gedanken: ‚Der Erhabene wird näher zu uns kommen.‘ Als wir gar hörten, der Erhabene sei von den Kosalern nach Sāvatthi gekommen und weile im Siegerwalde im Garten Anāthapindikas, da war unsere Befriedigung nicht gering, da war unser Frohsinn nicht gering im Gedanken: ‚Der Erhabene ist in unserer Nähe‘.“

„Daran seht ihr, ihr Kammerherren. ‚Eine Bedrängnis ist die Häuslichkeit, ein Schmutzwinkel, der freie Himmelsraum die Pilgerschaft.‘ Da ist es besonders nötig, ernsthaft zu sein.“

„Wir haben, o Herr, noch eine andere Bedrängnis, die bedrängt uns noch mehr, die verdient noch mehr den Namen ‚Bedrängnis‘.“

„Welche Bedrängnis ist das denn, die euch noch mehr bedrängt, und noch mehr den Namen ‚Bedrängnis‘ verdient?“

„Wenn da, o Herr, König Pasenadi von Kosalo in den Park ausreiten will, und wir haben die Reitelefanten gesattelt, dann müssen wir die Hauptfrauen König Pasenadis von Kosalo, die er besonders liebt und gern hat, hinaufsetzen, eine hinter ihm, eine vor ihm. Diese Schwestern, o Herr, strömen einen Duft aus wie ein frisch geöffneter Parfümbehälter: so fein duften diese königlichen Frauen. Und die Körper dieser Schwestern, o Herr, fühlen sich an wie Baumwollflocken, so wohlig sind diese königlichen Frauen. Da haben wir zu einer solchen Zeit, o Herr, auf die Elefanten aufzupassen, auf die Schwestern aufzupassen, auf uns selber aufzupassen. Wir merken aber, o Herr, bei uns nichts davon, daß uns wegen dieser Schwestern im Herzen Böses aufstiege. Dies nun, o Herr, ist also die Bedrängnis, die uns noch mehr bedrängt und den Namen ‚Bedrängnis‘ noch mehr verdient.“

„Daran seht ihr, Kammerherren: Eine Bedrängnis ist die Häuslichkeit, ein Schmutzwinkel, der freie Himmelsraum die Pilgerschaft. Und da ist es besonders nötig, ernsthaft zu sein.

Ein edler Jünger, ihr Kammerherren, der 4 Dingen nachgefolgt ist, ist ein Stromeingetretener, dem Abweg entronnen, zielbewußt der vollen Erwachung entgegeneilend. Welchen vier Dingen? Da ist, Kammerherren, der edle Jünger dem Erwachten, der Lehre, der Jüngerschaft mit unbeirrbarer Klarheit nachgefolgt. Und er lebt im Hause, im Gemüte dem Übel des Geizes entgangen er spürt das Befreiende am Zurücktreten, hat offene Hände, hat Lust am Loslassen, ist offen für Bitten, hat Lust am Verteilen von Gaben. Ein edler Jünger, ihr Kammerherren, der diesen vier Dingen nachgefolgt ist, ist ein Stromeingetretener, dem Abweg entronnen, zielbewußt der vollen Erwachung entgegengehend.

Ihr seid, ihr Kammerherren, mit unbeirrbarer Klarheit dem Erwachten, der Lehre, der Jüngerschaft nachgefolgt. Und alles, was es in euren Familien an Dingen gibt, die man geben kann, das teilt ihr mit den Tugendhaften, die treffliche Eigenschaften haben. Was meint ihr, Kammerherren, wie viele Menschen gibt es im Lande Kosalo, die euch im Verteilen von Gaben gleichkommen?“

„Ein Gewinn ist es für uns, o Herr, wohl getroffen haben wir es, o Herr, daß der Erhabene uns so erkennt.“