Saṃyutta Nikaya 56

Wahrheit

41. Nachdenken II

Zu einer Zeit weilte der Erhabene in Rājagaham im Bambushaine am Futterplatz der Eichhörnchen. Dort nun wandte sich der Erhabene an die Mönche:

„Einstmals, ihr Mönche, ging ein Mann aus Rājagaham hinaus und nahm sich vor: ‚Ich will über den Weltgedanken nachdenken.‘ Er kam zum Lotusteich von Sumāgadhā und setzte sich dort am Ufer nieder. Es sah nun dieser Mann einen viergliedrigen Heerzug in einen Lotusstengel hineinziehen. Als er das gesehen hatte, dachte er: ‚Ich muß wohl verrückt geworden sein, ich muß wohl wahnsinnig geworden sein: ‚Ich habe etwas gesehen, was es in der Welt nicht gibt‘.

Als nun, ihr Mönche, dieser Mann in die Stadt zurückgekehrt war, sagte er zu vielen Leuten: ‚Ich muß wohl verrückt geworden sein, ihr Herren, ich muß wohl wahnsinnig geworden sein: Ich habe etwas gesehen, was es in der Welt nicht gibt‘.

‚Wieso bist du denn, lieber Mann, verrückt geworden, wieso bist du wahnsinnig geworden? Was hast du denn gesehen, was es in der Welt nicht gibt?‘

Da berichtete der Mann den ganzen Vorgang und schloß: ‚Deshalb, ihr Herren, muß ich wohl verrückt geworden sein, muß ich wohl wahnsinnig geworden sein, und das war es, was ich gesehen habe, und was es in der Welt nicht gibt‘.

‚In der Tat, lieber Mann: du bist verrückt geworden, du bist wahnsinnig geworden; das gibt es in der Welt nicht, was du gesehen hast‘.

Aber dieser Mann, ihr Mönche, hatte etwas Wirkliches gesehen, nicht etwas Unwirkliches. Einstmals war nämlich eine Schlacht zwischen den Göttern und den Dämonen entbrannt. In dieser Schlacht siegten die Götter, die Dämonen unterlagen. Besiegt, ihr Mönche, flohen die Dämonen in Panik durch den Lotusstengel in die Dämonenburg aus Angst vor den Göttern.

Deshalb, ihr Mönche, denkt nicht über Weltgedanken nach wie: ‚Ewig ist die Welt‘ oder Nicht ewig ist die Welt.‘ ‚Endlich ist die Welt‘ oder ‚Nicht endlich ist die Welt.‘ ‚Wie das Leben, so der Leib‘ oder ‚Anders ist das Leben, anders der Leib.‘ ‚Der Vollendete ist nach dem Tode, ist nicht nach dem Tode, ist sowohl als auch, ist weder noch nach dem Tode‘.

Solches Nachdenken, ihr Mönche, ist nicht mit dem Heil verbunden, ist nicht urasketentümlich, führt nicht zum Nichts-dran-finden, nicht zur Entreizung, nicht zur Auflösung, nicht zur Beruhigung, nicht zum Überblicken, nicht zur vollen Erwachung, nicht zum Nirvāna.

Wenn ihr nachdenkt, ihr Mönche, dann bedenkt:

‚Das ist das Leiden, das ist die Leidensentwicklung, das ist die Leidensauflösung, das ist das zur Leidensauflösung führende Vorgehen.

Aus welchem Grunde? Solches Nachdenken, ihr Mönche, ist mit dem Heil verbunden, ist urasketentümlich, führt zum Nichts-daran-finden, zur Entreizung, zur Auflösung, zur Beruhigung, zum Überblicken, zur vollen Erwachung, zum Nirvāna.

Da habt ihr euch, meine Mönche, dafür anzustrengen.“