Saṃyutta Nikaya 56

Wahrheit

45. Das enge Loch I

Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Vesālī im Großen Walde in der Halle des Giebelhauses. Da erhob sich der Ehrwürdige Anando am Morgen, nahm Mantel und Schale und begab sich nach Vesālī um Almosen. Es sah nun der Ehrwürdige Anando viele junge Licchavier, die sich vor der Versammlungshalle im Bogenschießen übten. Sie richteten aus weiter Entfernung den Pfeil nach der Enge eines Schlüsselloches und brachten ihn Schuß um Schuß durch, jeweils den Schaft zersplitternd, ohne Fehlschuß.

Nachdem er dies gesehen hatte, dachte er: „Geübt sind, wahrlich, diese jungen Licchavier, wohl geübt sind, wahrlich, diese jungen Licchavier, daß sie aus weiter Entfernung den Pfeil nach der Enge eines Schlüssellochs richten und ihn Schuß um Schuß durchbringen, jeweils den Schaft zersplitternd, ohne Fehlschuß.“

Als nun der Ehrwürdige Anando seinen Almosengang in Vesālī beendet hatte, zurückgekehrt war und das Mahl eingenommen hatte, begab er sich zum Erhabenen, setzte sich zur Seite nieder und berichtete ihm, was er gesehen und gedacht hatte.

Was meinst du, Anando, was ist schwerer auszuführen, was ist schwerer zu vollbringen: so zu schießen oder eines siebenmal gespaltenen Haares Spitze gegen Spitze zu treffen?“

„Das wäre wohl, o Herr, schwerer auszuführen, schwerer zu vollbringen: eines siebenmal gespaltenen Haares Spitze gegen Spitze zu treffen.“

„Und doch hat man, Anando, schwerer zu Durchbohrendes durchbohrt, wenn man

‚Das ist das Leiden‘ wirklichkeitsgemäß durchbohren kann, ‚das ist die Leidensentwicklung‘ wirklichkeitsgemäß durchbohren kann, ‚das ist die Leidensauflösung‘ wirklichkeitsgemäß durchbohren kann, ‚das ist das zur Leidensauflösung‘ führende Vorgehen wirklichkeitsgemäß durchbohren kann.

Da habt ihr, Anando, euch dafür anzustrengen.“