Saṃyutta Nikaya 7

Von den Brāhmanas

1. Dhanañjānī

Also habe ich vernommen.

Einstmals weilte der Erhabene in Rājagaha, im Bambushaine, im Kalandakanivāpa.

Zu jener Zeit aber war die Brahmanin Dhanañjānī, (die Gattin) eines Brahmanen aus der Familie Bhāradvāja gläubig zugetan dem Buddha und der Lehre und der Gemeinde

Da nun sprach die Brahmanin Dhanañjānī, während sie dem Brahmanen aus der Familie Bhāradvāja die Mahlzeit auftrug, dreimal den feierlichen Spruch: „Verehrung dem Erhabenen, dem Vollendeten, dem Vollkommen Erleuchteten; Verehrung der Lehre; Verehrung der Gemeinde.“

Auf dieses Wort hin sprach der Brahmane aus der Familie Bhāradvāja zu der Dhanañjānī folgendes: „So pflegt dieses Schandweib bei jeder möglichen Gelegenheit den kahlköpfigen Samana zu preisen. Jetzt will ich aber einmal, du Schandweib, deinem Meister den Mund stopfen.“

„Ich sehe, o Brahmane, in der Welt mit ihren Göttern, mit ihren Māras, mit ihren Brahmans, in dem Volke mit seinen Samanas und Brāhmanas niemanden, der dem Erhabenen, dem Vollendeten, dem Vollkommen Erleuchteten den Mund stopfen könnte. Geh‘ nur auch du hin, Brahmane; wenn du hingegangen bist, wirst du es erkennen.“

Da nun begab sich der Brahmane aus der Familie Bhāradvāja zornig und mißmutig dorthin, wo sich der Erhabene befand. Nachdem er sich dorthin begeben hatte, begrüßte er sich mit dem Erhabenen, und nachdem er mit ihm die (üblichen) Begrüßungen und Höflichkeiten ausgetauscht, setzte er sich zur Seite nieder.

Zur Seite sitzend redete dann der Brahmane aus dem Hause Bhāradvāja den Erhabenen mit der Strophe an:

„Was muß man abschneiden, um glücklich zu leben?
Was muß man abschneiden, um keinen Kummer zu leiden?
Was ist das einzige, dessen Vernichtung du billigst, o Gotama?“

„Den Zorn muß man abschneiden, um glücklich zu leben;
den Zorn muß man abschneiden, um keinen Kummer zu leiden.
Die Vernichtung des Zornes, dessen Wurzel Gift
und dessen Gipfel süß ist, o Brahmane,
Preisen die Edlen; denn hat man ihn abgeschnitten,
leidet man keinen Kummer mehr.“

Auf dieses Wort hin sprach der Brahmane aus der Familie Bhāradvāja zu dem Erhabenen also: „Wundervoll, Herr Gotama! Wundervoll, Herr Gotama ! Wie wenn man, Herr Gotama, etwas Umgestürztes aufrichtet oder etwas Verhülltes entschleiert, oder einem Verirrten den rechten Weg zeigt, oder in einen finsteren Raum eine Lampe bringt in der Absicht: es sollen die, die Augen haben, die Gegenstände sehen—ganz ebenso ist von dem Herrn Gotama durch mancherlei Erörterung die Wahrheit aufgeklärt worden. Darum nehme ich zu dem Herrn Gotama meine Zuflucht und zu der Lehre und zu der Gemeinde der Bhikkhus. Möge ich bei dem Herrn Gotama die Zeremonie der Weltabkehr und die der Aufnahme in die Gemeinschaft gewährt erhalten.“

Es bekam auch der Brahmane aus der Familie Bhāradvāja bei dem Erhabenen die Zeremonie der Weltabkehr und die der Aufnahme in die Gemeinschaft gewährt.

Nachdem aber der ehrwürdige Bhāradvāja noch nicht lange in die Gemeinschaft aufgenommen war, da war er, der allein und einsam, unermüdlich, eifervoll, mit gesammelter Seele lebte, binnen kurzem schon an das höchste Ziel heiligen Wandels, um dessen willen Söhne aus gutem Hause völlig aus dem Heimleben übertreten in die Heimlosigkeit, durch eigenes Begreifen und Verwirklichen gelangt. Er wußte: Aufgehoben ist die Geburt; gelebt ist der heilige Wandel; vollbracht ist, was zu vollbringen war; nichts mehr habe ich fürderhin zu tun mit dem weltlichen Dasein.

Es war aber der ehrwürdige Bhāradvāja einer von den Vollendeten geworden.