Sutta Nipāta 1.4

Der Pflüger Bhāradvāja (Kasi-Bhāradvāja-Sutta)

So habe ich gehört. Einstmals weilte der Erhabene im Lande Māgadha, beim Südberg, im Brahmanen-Dorfe Ekanālā. Damals nun, es war zur Zeit des Säens, hatte dort der Pflüger Bhāradvāja, der Brahmane, fünfhundert Pflüge anschirren lassen.

Der Erhabene nun hatte sich am Morgen angekleidet und, mit Schale und Gewand versehen, begab er sich zu der Stelle, wo der Pflüger Bhāradvāja seine Arbeit verrichtete. Zu dieser Zeit fand da gerade beim Pflüger Bhāradvāja, dem Brahmanen, die Speisen-Verteilung statt. Der Erhabene begab sich dorthin, wo die Speisen Verteilung stattfand, und blieb seitwärts stehen. Es sah nun der Pflüger Bhāradvāja, der Brahmane, den Erhabenen um Almosenspeise stehen, und er sprach zu ihm: „Ich, o Asket, pflüge und säe; und habe ich gepflügt und gesät, dann esse ich! Auch du, o Asket, solltest pflügen und säen; und hast du gepflügt und gesät, dann magst du essen!“—„Auch ich, o Brahmane, pflüge und säe; und habe ich gepflügt und gesät, dann esse ich.“—„Wir sehen doch aber beim Herrn Gotama weder Joch noch Pflug, weder Pflugschar, noch Treibstock und Gespann. Und doch spricht der Herr Gotama: ‚Auch ich, o Brahmane, pflüge und säe; und habe ich gepflügt und gesät, dann esse ich!‘“ Und der Pflüger Bhāradvāja redete den Erhabenen mit diesem Verse an:

Ein Feldbebauer gibst du an zu sein,
Dein Feldwerk aber sehn wir nicht!
Das Feldwerk, zeige es uns an,
Damit dein Feldwerk wir verstehn!

DER ERHABENE

Vertrauen ist das Saatkorn und Askese ist der Regen;
Die Weisheit: Joch und Pfluggestell.
Scham ist die Deichsel und der Geist die Bindung;
Die Achtsamkeit ist Pflugschar und der Treibstock.

Bewacht in Taten und bewacht im Wort;
Der Leib gezügelt bei der Nahrung;
Die Wahrheit nutze ich zum Jäten;
Der Innere Frieden ist des Joches Lösung.

Die Willenskraft ist mein Gespann,
Das, hin zur Bürdenfreiheit führend,
Dahingeht ohne umzukehren,
Wohin gegangen man nicht sorgt.

Vollendet ward dies Feldwerk so:
Todlosigkeit ist seine Frucht!
Wer solches Feldwerk hat vollbracht,
Erlöst wird er von allem Leid!

Da füllte der Pflüger Bhāradvāja, der Brahmane, eine große metallene Schale mit Milchreis und brachte sie dem Erhabenen dar: „Genießen möge der Herr Gotama den Milchreis! Ein Feldbebauer ist ja der Herr! Übt doch der Herr Gotama ein Feldwerk aus, das die Todlosigkeit als Frucht bringt!“

DER ERHABENE

Was mir ein Lied ersungen, kann ich nicht verzehren.
Das ist nicht Sitte, Priester, derer, die erkennen.
Was durch ein Lied ersungen, das verschmähen Erwachte.
So ist es Brauch, o Priester, wo sich wahre Lehre findet!

Doch sonst magst du vollkommnem Weisen,
In dem der Trieb versiegt und Unrast Ruhe fand,
Mit Speise dienen und mit Trank.
Dies ist das Feld für den, der nach Verdienst begehrt.

„Wem nun, o Herr Gotama, soll ich diesen Milchreis geben?“

Nicht sehe ich jemanden, o Brahmane, in der Welt mit ihren himmlischen Geistern, mit ihren Mara- und Brahma-Göttern, mit ihren Scharen von Asketen und Brahmanen, Göttern und Menschen, der, diesen Milchreis zu sich nehmend, ihn vollkommen verdauen könnte, es sei denn der Vollendete oder ein Jünger des Vollendeten. So schütte denn, o Brahmane, diesen Milchreis auf eine grasfreie Stelle, oder wirf ihn in ein Wasser ohne Lebewesen!“

Es schüttete da der Pflüger Bhāradvāja, der Brahmane, den Milchreis in ein Gewässer ohne Lebewesen. Und der ins Wasser geworfene Milchreis brodelte und zischte, rauchte und dampfte. Gleichwie ein tagsüber erhitzter Eisenstab, ins Wasser geworfen, brodelt und zischt, raucht und dampft, ebenso, auch brodelte und zischte, rauchte und dampfte dieser Milchreis. Da begab sich der Pflüger Bhāradvāja, der Brahmane, voll Entsetzen, mit gesträubtem Haar zum Erhabenen und, mit seinem Haupte dem Erhabenen zu Füßen fallend, sprach er zu ihm also:

„Vortrefflich, Herr Gotama! Vortrefflich, Herr Gotama! Wie wenn man Umgestürztes aufrichtet, Verdecktes enthüllt, einem Verirrten den Weg weist, in die Finsternis eine Leuchte bringt, auf daß Sehende die Dinge erkennen können,—ebenso ward vom Herrn Gotama in mannigfacher Weise die Lehre verkündet. So nehme ich denn meine Zuflucht zum Herrn Gotama, zur Lehre und zur Mönchsgemeinde. Empfangen möchte ich beim Erhabenen die Weihe der Weltabkehr, empfangen möchte ich die volle Ordensweihe!“

Und es empfing der Pflüger Bhāradvāja, der Brahmane, die Weihe der Weltabkehr, empfing die volle Ordensweihe. Bald nach seiner vollen Weihe aber lebte der Ehrwürdige Bhāradvāja allein, abgesondert, unermüdlich, eifrig und entschlossen. Jenes Ziel, um dessentwillen Söhne aus edler Familie gänzlich vom Hause fort in die Hauslosigkeit ziehen,—diese höchste Vollendung des heiligen Wandels hatte er schon nach kurzer Zeit, bei Lebzeiten noch, selber erkannt, durchschaut und verwirklicht: „Versiegt ist Wiedergeburt, vollendet der heilige Wandel, getan das Werk, nichts weiteres nach diesem hier!“,—so hatte er erkannt. So war auch der Ehrwürdige Bhāradvāja ein Heiliger geworden.