Sutta Nipāta 2.14

Dhammika (Dhammika-Sutta)

So habe ich gehört. Einst weilte der Erhabene zu Sāvatthi, im Jeta-Hain, im Kloster Anāthapindikas. Es begab sich da der Laienjünger Dhammika zusammen mit fünfhundert Laienjüngern zum Erhabenen. Beim Erhabenen angelangt, verehrte er ihn ehrerbietig und setzte sich zur Seite nieder. Seitwärts sitzend redete der Laienjünger Dhammika den Erhabenen mit diesen Versen an:

DHAMMIKA

Ich frage dich, o Gotama, du Weisheitsreicher:
Wie handelnd werden die zu rechten Jüngern,
Die aus dem Hause ziehn und Mönche werden
Und die als Laienjünger leben in der Welt?

Du kennst für diese Welt mit ihren Göttern
Den Weg ins Dasein und den Weg zum Andern Ufer!
Als tiefsten Sinnes Kenner bist du unvergleichlich,
Den „Höchsten Buddha“ nennt man dich zu recht!

Nachdem du alles Wissen hast durchdrungen,
Aus Mitleid mit den Wesen zeigtest du die Lehre.
Der Schleier-Lüfter bist du, allsehend Auge!
Du leuchtest makellos durch alle Welt!

Hin zu dir kam der Elefanten-Fürst,
Erāvana genannt, vom Leidbesieger hörend.
Auch er, um Rat dich fragend, war gekommen;
Beglückt dir Beifall spendend, als er dich gehört.

Vessavana Kuvera auch, der Himmelskönig,
Kam zu dir, um die Lehre dich befragend.
Auf seine Fragen gabst auch ihm du Antwort.
Er auch, dich hörend, war beglückt.

All die Sektierer, die gern Streitgespräche führen,
Ob sie Ājīvakas, ob sie Niganther auch,
Sie alle können dich an Weisheit nicht erreichen,
Wie schnellen Wanderer nicht erreicht, wer stille steht.

All jene Priester, die gern Streitgespräche führen,
Selbst wenn's bejahrte Priester sind,
Von dir erwarten sie die Klärung ihrer Fragen;
Und so auch andere, die sich „Philosophen“ dünken.

Tiefgründig und beglückend ist ja diese Lehre,
Die du, Erhabener, so gut verkündest!
Begierig sind wir alle, sie zu hören.
So spreche nun zu uns, o Höchster Buddha!

All diese Mönche und auch Laienjünger,
Die hier zusammensitzen, um zu lauschen,
Wie Götter auf des Götterkönigs Wort,—
Lass' sie die Lehre hören, die der Makellose fand.

DER ERHABENE

So hört auf mich, o Mönche! Kund machen will ich euch
Die läuterungskräftige Lehre! Ihr alle möget sie bewahren
Des Körpers Haltung sei, wie für Asketen es sich ziemt.
Dies soll ein Weiser, der sein Heil erkennt, befolgen.

Zur Unzeit ziehe nicht umher der Mönch;
Um Brockenspeise gehe er zum Dorf beizeiten.
Den Wanderer zur Unzeit mögen Schlingen fangen;
Daher zur Unzeit wandern nicht Erwachte.

Die Formen, Töne, Säfte, Düfte, die Berührung auch,
An denen sich die Wesen so berauschen,
Hat er von diesen Dingen abgelöst den Willen,
Dann gehe um sein Frühmahl er beizeiten.

Hat seine Brockenspeise dann der Mönch erhalten,
Allein geh' er zurück, und abgesondert setze er sich nieder.
Nach innen richte er sein Denken, und nicht nach außen schweifen
Lasse er den Geist. Sein ganzes Wesen fass' er fest zusammen!

Doch wenn Gespräch er führt mit einem Jünger,
Mit irgend andern Leuten oder einem Mönch,
Von der erhabenen Lehre soll er reden,
Doch nicht verleumden, nicht den Nächsten tadeln.

Es lassen manche sich auf Streitgespräche ein;
Nicht können wir sie loben, die gering an Einsicht.
In Schlingen fangen sie sich hier und dort,
Denn weithin lassen sie ihr Denken schweifen.

Die Brockenspeise, Klause und das Ruhelager,
Das Wasser, abzuspülen des Gewandes Schmutz,
Ein Jünger hoher Weisheit nütze dies besonnen,
Als Hörer jener Lehre, die der Meister wies.

Daher an Brockenspeise und am Ruhelager,
Das Wasser, abzuspülen des Gewandes Schmutz,—
An diesen Dingen soll der Mönch nicht haften,
Wie Wassertropfen nicht am Lotus hängt.

Von Hausners Regel will ich euch nun sprechen.
Befolgend sie, wird man ein rechter Jünger.
Doch nicht ist's möglich, mit Besitz behaftet
Des Mönchtums ganze Satzung zu erfüllen.

Kein atmend Wesen soll er töten oder töten lassen
Und billige es nicht, wenn andere töten.
Er lasse von Gewalt bei allen Lebewesen,
Bei starken und bei schwachen in der Welt.

Dann soll ein Jünger gänzlich meiden
Was irgend er als Nicht-Gegebenes weiß.
Er stehle nicht und billige nicht das Stehlen.
Was nicht gegeben, soll er gänzlich meiden.

Unkeuschen Wandel meide der Verständige,
Wie eine Kohlengrube, die in Flammen steht.
Doch ist er nicht imstande, völlig keusch zu leben,
An eines andern Weib soll er sich nicht vergehen.

In der Gerichtsversammlung oder anderen Zusammenkünften,
Auch einer zu dem anderen allein, soll Falsches nimmer sprechen.
Zu falscher Rede stifte er nicht an und stimme solcher auch nicht zu.
Alles, was unwahr, soll er gänzlich meiden.

Berauschendes Getränk soll er nicht zu sich nehmen,
Der Hausner, welcher dieser Lehre anhängt,
Zum Trinken lade er nicht ein und stimme nicht den Trinkern zu.
Denn er weiß wohl, daß dies in Wahnsinn endet.

Im Rausche nämlich tun die Toren Übles,
Verführen andere auch, die leicht sich gehen lassen.
Man meide daher diese Quelle vieler Schuld,
Solch Wahnsinn und Verblendung, die der Toren Freude.

Kein atmend Wesen soll der Jünger töten,
Und Ungegebenes eign' er sich nicht an.
Nicht sprech' er Lüge, trinke keinen Rauschtrank,
Von Unkeuschheit und Paarung halte er sich fern.
Ein Abendmahl zur Unzeit soll er nicht genießen.

Nicht schmück' er sich, mit Blumenkränzen,
Und Wohlgerüche soll er nicht benutzen.
Sein Ruhelager spreit' er auf dem Boden.
Dies gilt als achtfaches Gebot am Feiertag,
Wie es vom Leidbeender ward gekündet.

Der vierzehnte, der fünfzehnte und achte Tag
Des halben Monats sei als Feiertag begangen.
Auch der Halbmonats-Tag der als „Besonderer“ gilt.
Andächtig möge er sie sämtlich feiern,
Die Tage dieses achtfachen Gelübdes.

Wenn der Verständige den Feiertag begeht,
Soll er mit Speis und Trank am Morgen
Gebührend sorgen für die Mönchsgemeinde,
Vertrauenden Gemütes, frohen Sinns.

In rechter Weise soll er für die Eltern sorgen,
Und rechtlichem Erwerbe geh' er nach.
Ein Hausner, dieser Regel unablässig folgend,
Geht zu den Göttern ein, die „Selber-Leuchtend“ heißen.