Sutta Nipāta 2.2

Anrüchig (Āmagandha-Sutta)

EIN BRAHMANE

Wenn Hirse, Körner- und auch Hülsenfrucht,
Gemüseblätter, Wurzelknollen, Früchte,
Rechtens erlangt, die Edlen verzehren,
Nicht brauchen sie dann Lüge reden aus Genußgier.

Doch wer verzehrt, was fein bereitet, fein gekocht,
Von anderen dargereicht, ansprechend und erlesen,
Solch Reisgericht wer zu sich nimmt,
Anrüchiges genießt er, Kassapa!

‚Anrüchiges gilt mir als unerlaubt!‘,
So sprichst du,—nur dem Namen nach ein Priester!
Und nimmst doch zu dir solch ein Reisgericht,
Das lecker zubereitet mit dem Fleisch von Vögeln!
Wie dieses sich verhält, das frag' ich dich, o Kassapa!
Anrüchig gilt dir welche Art von Dingen?

KASSAPA, ein Buddha der Vorzeit

Lebendiges töten, schlagen, es misshandeln, fesseln,
Diebstahl und Lügenwort, Betrug und Hintergehung,
Heuchelnde Hinterlist und Ehebruch,—
Anrüchig ist wohl dies, nicht aber Fleischgenuss!

Wenn Menschen zügellos in Lüsten sind,
Geschmackversessen und gemein sich machen,
Auch Alles-Leugner, sittenlos und unbelehrbar,
Anrüchiges ist dies, nicht aber Fleischgenuss!

Die roh und grausam, hinterrücks verleumden,
Untreu den Freunden, ohne Mitleid, überheblich,
Dem Schenken abhold, keinem etwas geben,—
Anrüchiges ist dies, nicht aber Fleischgenuss!

Zorn und Betörung, Starrsinn, Widersetzlichkeit,
Das Trügen, Neiden und die Prahlsucht,
Dünkel und Eitelkeit und der Verkehr mit Schlechten,—
Anrüchiges ist dies, nicht aber Fleischgenuss!

Die sittenlos sind, Schuldenpreller und Verleumder,
Die Rechtsverdreher sind und Gleißner,
Gemeine Menschen, die hier Freveltat begehen,—
Anrüchiges ist dies, nicht aber Fleischgenuss!

Solch Menschen, welche rücksichtslos sind zu den Wesen,
Die andere berauben und auf Schaden sinnen,
Die herzlos, rauh und grob und ohne Freundlichkeit,—
Anrüchiges ist dies, nicht aber Fleischgenuss!

Die nur mit Gier, mit Feindschaft und Gewalt den Wesen nahen,
Die darauf nur bedacht, in Dunkle Welt gehen sie nach ihrem Tod.
Kopfüber stürzen solche Menschen in die Hölle.
Anrüchig ist wohl dies, nicht aber Fleischgenuss!

Nicht Fisch und Fleisch vermeiden, nicht das Fasten,
Nicht Nacktheit, Kahlheit, Haar in Flechten tragen,
Nicht Schmutz und raues Fell, nicht Dienst am Feueropfer
Und vielerlei Kasteiung um Unsterblichkeit;
Nicht Sprüche, Weihegabe, große Opferspenden,
Auch nicht die Jahreszeiten für Askese nutzen,—
Dies alles macht den Sterblichen nicht rein,
Der sich vom Zweifel noch nicht losgelöst.

Bewachend, was da einströmt; gut beherrscht die Sinne;
Fest in der Lehre sein und Geradheit lieben wie auch Milde;
Fessel-entledigt dann und allem Leid entgangen.
Bleibt unbefleckt der Weise durch Gesehenes, Gehörtes.

So hat hierüber häufig der Erhabene gelehrt,
Und diesen Sinn verstand der Vedenkenner wohl.
In mannigfachen Versen hat der Muni es erklärt,
Der unanrüchig, ohne Hangen und unlenkbar.

Als er das wohlgesprochene Buddha-Wort gehört,
Das unanrüchig, alles Leiden bannt,
Voll Demut den Vollendeten verehrte er,
Ihn unverzüglich um die Weihe bittend.