Sutta Nipāta 3.2

Der Kampf (Padhāna-Sutta)

Als an dem Ufer der Neranjara dem Kampf ich hingegeben war;
Um Bürdenfreiheit zu gewinnen, in starkem Mühen tief ich sann,

Da nahte sich Namuci mir und sprach gar mitleidvolles Wort:
„Hager bist du, häßlich anzusehen! Dem Sterben bist du nahe schon!

Zu tausend Teilen bist du schon des Todes, dein Leben mißt nur einen Teil!
So lebe, Herr! Denn besser ist ja Leben, und lebend kannst Verdienst du wirken!

Wenn du den Reinheitswandel führst und darbringst auch die Feuerspende,
Gar reich Verdienst mag wachsen dir! Was kannst du durch den Kampf erwirken?

Schwer gangbar ist der Weg des Kampfs, ist schwierig, schwer auch zu vollenden!“
Māra, diese Verse sprechend, nahe bei dem Buddha stand er.

Und als Māra so geredet, sprach zu ihm dann der Erhabene:
„Du Freund der Lässigen, du Böser! Wenn dies ist deines Kommens Sinn,

Auch noch so winziges Verdienst, nicht hat es für mich fürder Zweck.
Für die noch Zweck erfüllt Verdienst, die anzureden mag es Māra lohnen!

Vorhanden ist Vertrauen, Tatkraft; auch Weisheit findet sich in mir.
Der also ich entschlossen bin, was redest du vom ‚Leben‘ mir?

Der Wind hier trocknet selbst der Flüsse Strömung,
Wie sollt' nicht Blut in mir Entschlossenem trocknen!

Doch wenn auch Blut mir trocknet aus, auch Galle trocknet und der Schleim,
Ob mir die Muskeln auch erschlaffen, nur stärker klärt sich mir der Geist;
Die Achtsamkeit, die Weisheit und die Sammlung, nur stärker wurzeln sie in mir!

Mir, der ich so entschlossen weile, ob auch der Schmerzen stärkste mich befallen,
Nicht schaut mein Geist nach Lüsten aus! Erkenne hier die Reinheit eines Wesens!

Die Sinnendinge sind dein erstes Heer, das zweite ‚Unlust‘ wird genannt;
Ein drittes ist der Hunger und der Durst; das vierte dann Begehren heißt.

Starrheit und Müde sind das fünfte, das sechste ist die Furchtsamkeit;
Der Zweifel ist das siebte Heer, der Heuchel-Trug das achte dann.

Gewinn und Ehre, Ruhm und falsch erworbenes Ansehen,
Wer selber hoch sich rühmt und andere verachtet,—

Das, o Namuci, ist dein Heer, die Kämpferschar der finstern Macht!
Wer ohne Heldenmut, der kann sie nicht besiegen.
Wer aber siegte, der gewinnet Glück!

Dies Munja-Gras trag' ich als Zeichen,
daß ich Verachtung hege für dies Leben hier:
Denn besser ist's, daß ich im Kampfe sterbe, als weiter leben, doch besiegt!

Zwar gibt es auch Asketen und Brahmanen,
in deinem Heer versunken, sind sie gar nicht sichtbar!
Der Pfad ist ihnen nicht bekannt, auf dem die Tugendhaften gehn.

Von allen Seiten seh' die Streitmacht ich gerüstet.
Es nahet Māra und sein Heergefolg.
Zum Kampfe will ich ihm entgegengehen,
damit er nicht verdränge mich von meiner Stätte.

Dein mächtig Heer, das unbesiegt von dieser Welt mit ihren Göttern,
Mit Weisheitskraft werd' ich's zerschmettern,
wie ungebrannten Krug mit einem Stein.

Nachdem gefügig mir das Denken, gefestigt gut die Achtsamkeit,
Will wandern ich von Land zu Land und auferziehen viele Jünger mir.

Die werden unermüdlich und entschlossen Ausübende der Satzung sein.
Sie werden gehen, gegen deinen Willen, dorthin wo alles Leiden endet!“

MARA

„Durch sieben Jahre Schritt für Schritt bin dem Erhabenen ich gefolgt.
Doch Einlaß finden konnt' ich nicht bei dem Erwachten, der voll Achtsamkeit.

Um einen Stein, für ein Stück Fett gehalten, bewegt ein Rabe sich herum:
‚Ob da nicht etwas Weiches wir gefunden? Ob das nicht etwas Leckeres ist?‘

Doch da er Leckeres nicht erlangt, verließ der Rabe jenen Ort.
Dem Raben gleich, der sich am Stein versucht,
enttäuscht verlassen wir nun Gotama.“

So ließ die Laute unter seinem Arme betrübt er auf den Boden fallen.
Und unverzüglich war entschwunden von diesem Ort der mißgestimmte Geist.