Sutta Nipāta 4.15

Gewalt (Attadanda-Sutta)

Gewalt zeugt Schrecken: seht die Menge hier im Kampf!
Von der Erschütterung will sprechen ich, wie sie empfunden ward von mir.

Erzittern sah ich dieses Volk,
den Fischen gleich, wenn seicht ist das Gewässer.
Einander sich bedrängen sah ich sie,—da hat mich Schrecken heimgesucht.

Vollkommen kernlos ist die Welt, all ihre Teile sind durchzittert von Bewegung.
Ich suchte Heimstatt für mich selbst, nicht sah ich eine unbewohnt.

Als dann am Ende ich die Wesen in Bedrängnis sah, da kam der Ekel mir!
Den Stachel sah ich dann, der, schwer erkennbar, hier im Herzen steckt.

welchem Stachel man durchbohrt umher nach allen Seiten läuft,
Hat diesen Stachel man entfernt, dann läuft man nicht, versinkt man nicht.

Was in der Welt an Fesselwerk besteht,
Nicht gebe man hiermit sich ab.
Ist gänzlich man hindurchgedrungen durch die Sinnenlüste.
Soll man zum eigenen Nibbāna hin sich schulen.
Es künden ihre Schulung an,
die noch gefesselt sind an diese Welt.
Nicht gebe man sich ab mit solchen . . .

Man sei wahrhaftig, ohne Dreistigkeit und Trug,
Auch kein Verleumder sei man und vom Zorne frei.
Das Übel des Begehrens und die Habsucht,
Die möge überwinden ganz der Muni.

Den Schlaf mög' er besiegen, Trägheit, Mattigkeit;
In Lässigkeit verbring' er nicht sein Leben.
Auch Hochmut hege nicht der Mensch,
Dess' Geist nach dem Nibbāna hingewandt.

Zu Lügenworten sei er nicht verleitet;
Zur Körperwelt erzeug' er kein Gelüsten.
Den Dünkel, ihn durchschau' er ganz;
Gewalttat meidend lebe er.

Am Früheren sei er nicht ergötzt,
Am Neuen find' er kein Genügen.
Um Schwindendes soll er nicht trauern,
Sei nicht gebunden an Begehrlichkeit.

Dies Gieren nenn' ich eine mächtige Flut;
Ansaugen nenne ich's und Süchten.
Haltsuchen heiße ich's, Verlangen;
ein Sumpf der Lüste ist es, schwer zu kreuzen.

Der Muni aber steht auf festem Grund,
die Wahrheit nicht verlassend als ein wahrer Priester.
Er, der von allem sich entäußert, als friedvoll kann er wahrlich gelten.

Er, der ein Wissender, ein Wissensmeister,
die Lehre kennend ist er unabhängig.
Vollkommen wandert er durch diese Welt, in der er niemanden beneidet.

Wer hinter sich gelassen all die Sinnenlüste,
die Fessel in der Welt, die schwer zu lösen,—
Nicht Klage kennt er, und er sorgt sich nicht;
die Strömung hielt er an, ist bandenfrei.

Was früher war, das trockne aus! Nicht sei dir künftig irgendwas!
Wenn in der Mitte du nicht greifen wirst, befriedet wirst du leben dann!

Für wen bei allem, was da Geist und Körper,
es nichts mehr gibt, was er als ‚Mein‘ noch liebt,
Wer über nicht Vorhandenes nimmer klagt,—
der leidet nimmer in der Welt Verlust.

Für wen es nichts dergleichen gibt:
ein „Dies ist mein“ und „Dies gehört den andern“,
Wer Eigentum nicht finden kann, der klagt nicht also: „Ich besitz' es nicht!“

Mißgünstig nicht und nicht begehrlich, entsüchtet sein, im Gleichmaß stets,—
Dies ist, so künde ich auf eure Fragen,
die Segensfrucht für unerschütterliche Wesen.

Für den Entsüchteten, der klar erkennt, kein Weiterbauen gibt es (an der Welt);
Wer einzugreifen hat gelassen, der sieht sich überall in Sicherheit.

Nicht zählt zu Gleichen sich der Muni,
auch nicht zu Minderen oder Überlegenen;
Befriedet ist er, ohne Selbstsucht: nicht greift er auf, verwirft auch nicht.