Sutta Nipāta 4.16

Sāriputta (Sāriputta-Sutta)

SARIPUTTA

Nicht habe vorher ich gesehen,
Noch ward gehört von irgendwem
Ein Meister, der so herrlich spricht.
Vom Tusita gekommen als ein Lehrer

Für diese und die Götterwelt,—
So wie er (uns hier) sichtbar ist.
Der Klargeäugte, alle Finsternis verscheuchend,
Allein gewann er höchste Wonne sich.

Ihm, dem Erwachten, der da nun gekommen,
Dem haftensfrei Vollkommenen, Lehrer ohne Trug,
Ihm gilt die Ankunft der Befragung willen
So vieler, die ihm hier ergeben sind.

Für einen Mönch, den Abscheu hat ergriffen,
Der aufsucht leere Klausen, eines Baumes Fuß,
Die Leichenstätte oder lebt in Bergeshöhlen,

In solchem mannigfachen Aufenthalt
Wieviel Gefahren gibt es dort für ihn,
Bei denen nimmer schwanken soll der Mönch
Auf seiner stillen Lagerstatt?

Für den, der geht nach ‚unbetretenem Land‘,
Wie viele Fährnisse gibt's in der Welt,
Die überwinden soll der Mönch
Auf abgeschiedener Lagerstatt?

Von welcher Art soll seine Redeweise sein?
Was sein Bereich, in dem er sich bewegt?
Welch Regeln und Gelübde soll befolgen er,
Als Mönch, der ernst entschlossen ist?

Welch Übung auf sich nehmend,
Mag er einig, weise, achtsam,
Gleichwie der Schmied beim Silber,
Die Flecken seines eigenen Geistes tilgen?

DER ERHABENE

Was heilsam ist für ihn, den Abscheu hat ergriffen,
Wenn einsam Weilen er sich hat erwählt;
Was dem Gesetz gemäß für ihn, der die Erleuchtung wünscht,—
Das will ich künden dir, wie es von mir erkannt.

Vor fünf Gefahren sei der Weise nicht in Furcht,
Ein Mönch, der achtsam innerhalb der Regel wandelt:
Stechfliegen, Mücken und die Schlangen,
Vierfüß'ge Tiere, störender Kontakt mit Menschen.

Auch Andersgläubige möge er nicht fürchten,
Obwohl von ihnen vielerlei Gefahr erwartend.
Es möge diese und auch andere Fährnis,
Wer nach dem Heil sucht, völlig überwinden.

Wenn Siechtum ihn befällt und Hunger,
Kälte und Hitze auch,—er möge es erdulden.
Als Heimatloser hiervon oft betroffen,
Tatkraft und Streben mach' er in sich stark.

Diebstahl begeh' er nicht und spreche keine Lüge.
Umfassen möge seine Güte Schwache wie auch Starke.
Das was als Trübung er erkennt in seinem Geiste,
Er möge es vertreiben als ‚des Dunklen Teil‘.

Nicht in die Macht von Zorn und Hochmut mög' er fallen;
Was deren Wurzel ist, die grab' er aus.
Als lieb empfinden etwas oder unlieb,
Das gänzlich meisternd, mög' er's überwinden.

Geführt durch Weisheit und erfüllt von edler Freude,
All jene Fährnis möge er verwinden,
Besiegen auch den Überdruß am abgeschiedenen Leben,
Besiegen mög' er vierfaches Sich-Sorgen:

„Was werd' ich essen? Wo werd' ich essen?
Schlecht ruhte ich! Wo werd' ich heute ruhen?“
Solche Gedanken, welche Sorgen bringen,
Soll abtun, wer da strebt und ohne Heimstatt wandert.

Wenn er zu Zeiten Speise und Gewand erhalten,
So kennt er da das Maß, zufriedenes Glück im Sinn.
Hierin bewacht, geh' er durch's Dorf gezügelt.
Wenn auch gekränkt, soll er nicht grob erwidern.

Den Blick gesenkt, nicht schweif' umher sein Schritt.
Die Schauung pflegend, stark in Wachsamkeit;
Mit einem Herzen, das durch Gleichmut Sammlung fand,
Die Grübelsucht und innere Skrupel schneid' er ab.

Worte des Tadels heiße achtsam er willkommen,
Und das Verstocktsein zu den Brüdern lös' er auf.
Die Worte, die er äußert, seien treffend, nicht zur Unzeit,
Und nicht beacht' er Dinge, die die Menge redet.

Dann ferner noch: den Staub der Welt, der fünffach,
Ihn zu entfernen, möge achtsam er sich üben:
Zu Formen, Tönen, Düften und Geschmäcken,
Auch zu Berührung möge er die Lust besiegen.

Von diesen Dingen, wenn er abgewandt den Willen,
Ein Mönch, der achtsam, abgelösten Geistes,
Zu Zeiten auch ergründend tief die Lehre,
Mag, eins geworden, alles Dunkel er verscheuchen.