Sutta Nipāta 4.4

Rein (Suddhatthaka-Sutta)

„Ich schaue einen Reinen, völlig Siechtumsfreien!
Durch dessen Anblick wird dem Menschen Reinheit!“
Gewiß darüber so, es für das Höchste haltend,
Reines betrachtend, glaubt man's als Erkenntnis.

Wenn durch das Sehen dem Menschen Reinheit würde,
Wenn er durch (solch) Erkennen Leiden aufgibt,
So würde einer, der am Leben hängt,
Durch anderes (als den Heiligen Pfad) gereinigt werden.
Doch bloße Ansicht ist dies derer, die so sprechen.

Nicht sagt ein wahrer Priester, daß die Reinheit
Aus anderem komme (als dem Heiligen Pfad),
Sei's durch Gesehenes, Gehörtes, anderswie Erfahrenes,
Sei es durch Regeln oder auch Gelübde.
Von Gutem und von Bösem unbefleckt,
Hat er von dem gelassen, was er (einst) ergriff
Und läßt sich nicht mehr ein auf (neues) Wirken.

Das Frühere lassend, sich an Neues hängend:
Den Süchten folgend, nicht entgehen sie dem Sich-Binden.
Sie greifen auf, verwerfen wieder, wie ein Affe,
Der losläßt einen Ast und einen anderen packt.

Ein Mensch, der sich Gelübden hingegeben,
Hierhin und dorthin wird ein solcher schweifen,
Der im Bereich der Wahrnehmung gefangen.
Doch wer durch den Gewinn der Hohen Wissen
Die Lehre als ein Weiser hat durchdrungen,
Kein Schweifen kennt er mehr nach hierhin oder dorthin.

Von all den Dingen keinem sich verbindend,
Was auch gesehen ward, gehört und anderswie erfahren:
Ihn, der da wirklich sieht, in Klarheit wandelt,
Worin hier in der Welt könnt' man ihn einbegreifen!

Ergrübelnd nichts und nicht Idolen folgend,
Nicht sprechen sie von ‚Höchster Reinheit‘.
Nachdem des Greifens fest geknüpfte Bande sie gelöst,
Sehnsucht erzeugen sie nach nichts mehr in der Welt.

Begrenzung überschritten hat der wahre Priester.
Wenn er erkannt hat, klar geschaut die Dinge,
Dogmen ergreifen gibt es nicht für ihn.
Er ist nicht gierentbrannt und nicht erregt durch Abscheu.
Nicht gibt es das für ihn: nach einem Jenseits greifen!