Sutta Nipāta 5.1

Verse der Erzählung (Vatthugāthā)

Von Kosalas prächtiger Stadt zog nach Indiens südlichem Land
Ein Priester, hochgelehrt, der unbehelligt dort zu leben wünschte.

In Āssakas Gebiet, ganz nahe dem des Ālaka, am Ufer der Godhāvari,
Dort lebte er von Nahrungsspenden und von Früchten.

In seiner Nachbarschaft, da war ein stattlich Dorf;
Vom Zins aus ihm ein Großes Opfer bracht' er dar.

Nachdem das Große Opfer er vollbracht, zu seiner Klause kehrte er zurück.
Und als er gerade sie betrat, ein anderer Priester kam heran.

Mit wunden Füßen, ausgedörrtem Leib,
mit schmutzigen Zähnen und bestaubtem Haupt,—
So kam er auf ihn zu, fünfhundert Münzen Geldes fordernd.

Als Bāvari ihn sah, vorerst zum Sitzen fordert' er ihn auf,
Fragt ihn nach seinem Wohlergehen und sprach dann dieses Wort:

„Was mir an schenkenswerten Dingen war, all dessen hab' ich mich entäußert.
O glaub' es mir, du heiliger Mann, fünfhundert, die besitz' ich nicht!“—

„Wenn mir, der ich zu bitten kam, der Herr es nicht gewähren will,
So soll am siebten Tage dann sich spalten siebenfach dein Haupt!“

Beschwörung treibend sprach der Magier diesen Fluch.
Und Bāvari, sein Wort vernehmend, in tiefes Leid verfiel er da.

Den Sorgen-Stachel in sich tragend, nichts essend siechte er dahin.
Doch wenn in solchem Zustand das Gemüt,
kann der Vertiefung es sich nicht erfreun.

Den Angst-Erfüllten und von Leid Gequälten sah eine Göttin wohlgesinnt.
Sie näherte sich Bāvari und ließ verlauten dieses Wort:

„Nichts weiß vom Haupt der Magier, der nach Reichtum süchtig.
Nicht hat vom Haupte Wissen er, noch von des Hauptes Spaltung.“—

—„Weiß es die Herrin wohl? Dann künd' es mir auf meine Fragen,
Was Haupt ist und des Hauptes Spaltung! Gewärtig bin ich deines Worts!“—

—„Ich selber weiß es nicht, nicht hab' ich davon Kenntnis.
Den Geistes-Siegern nur ist solche Kunde vom Haupte und von seiner Spaltung.“

—„Und wer nun hat auf diesem Erdenrund das Wissen
Vom Haupte und von seiner Spaltung? Das wolle künden mir, o Göttin!“—

—„Der Weltenherr ist ausgegangen von jener Stadt, Kapilavatthu heißend,
Vom Königs-Stamm Okkākas stammt er ab,
der Sakyer Sohn, der uns das Licht gebracht.

Er, wahrlich, Priester, ist der Voll-Erwachte,
in allen Dingen zur Vollkommenheit gelangt.
Durchschauend alles, hat er Kraft erlangt, in allen Dingen sieht er klar.
Erreicht hat er das Ende aller Dinge,
und durch der Daseins-Stützen Endung ist er ganz befreit.

Ein Buddha in der Welt ist der Erhabene,
der Klargeäugte zeigt die Wahrheits-Lehre.
Zu ihm magst gehen du und fragen, Erklärung geben wird er dir!“—

Als er das Wort gehört ‚Ein Buddha‘, gehobenen Geistes wurde Bāvari.
Sein Kummer schwand, und Fülle des Entzückens überkam ihn.

Und Bāvari, erfreut, gehobenen Geistes,
Er fragte jene Göttin, froh entzückt:
„In welchem Dorfe oder welcher Stadt,
In welchem Lande weilt der Weltenherr?
Dorthin gegangen, wollen wir verehren
Den Voll-Erwachten, höchsten aller Menschen!“

—„In Sāvatthi, der Königsstadt von Kosala, dort lebt der Sieger,
Der reich an Weisheit und voll mächt'gen Scharfsinns,
Der Sakyersohn, der Bürdenlose, Triebversiegte,
Der Menschenfürst, der von des Hauptes Spaltung weiß.“

Da rief er zu sich seine Schüler, die Priester, Kundige der Veden:
„Kommt zu mir, Jünger, hört, was ich euch sage!

Der selten nur in dieser Welt erscheint,
Erstanden ist er jetzt in dieser Welt,
Als Voll-Erwachten rühmt man ihn.
Schnell gehet hin nach Sāvatthi,
Zu sehen ihn, den Höchsten aller Menschen!“—

DIE JÜNGER

Wie denn sollen wir, ihn sehend, wissen, ob wirklich er ein Buddha ist?
Uns, die nicht wissen, künde es, wie wir ihn wohl erkennen sollen.

BAVARI

In unseren Sprüchen sind sie überliefert, die Zeichen eines Großen Manns;
Vollständig sind der Reihe nach als zweiunddreißig sie dort aufgezählt.

An wessen Leibe sie vorhanden, die Zeichen eines Großen Manns,
Für den gibt es zwei Fährten nur, nicht gibt es eine dritte noch:

Wenn er im Hause bleibt, wird er dies Erdenreich besiegen.
Gewalt- und waffenlos, durch's Recht nur wird er es beherrschen!

Doch wenn er aus dem Hause zieht, ein hauslos' Leben sich erwählt,
Ein Buddha, der den Schleier hebt, ein Heiliger, ohnegleichen wird er sein!

Nach (meiner) Abkunft und Geburt, nach Zeichen,
Wissenschaft der Veden, Schülerschaft,
Nach Haupt und Hauptes Spaltung,—im Geist nur stellt ihm diese Fragen!

Als ungehindert Schauender, wenn wirklich er ein Buddha ist,
Wird die im Geist gestellten Fragen im Worte er dann lösen euch!

Die Worte Bāvaris vernahmen seine Schüler,
Die Priesterjünger, sechzehn an der Zahl:
Ājita, Tissa-Metteyya, Punnaka und Mettagū;

Dhotaka und Upasīva, Nanda und auch Hemaka;
Todeyya, Kappa, diese zwei und Jatukanni hochgelehrt;

Bhadrīvudha und Udaya, Posāla auch, der Priester dann,
Mogharāja, voller Scharfsinn und Pingiya, der große Seher.

Mit eigener Schülerschar ein jeder, gar wohl bekannt in aller Welt,
Besinnlich, Schauung liebend, weise, durch früherer Leben Einfluß vorbereitet.

Nachdem sie Bāvari verehrt, die Rechtsumwandlung ausgeführt,
Nach Norden brachen sie dann auf,
die Flechtenträger mit dem Antilopen-Fell.

Von Patitthān, im Lande Ālakas, zur alten Stadt Māhîssati,
Ujjeni und Gonaddha dann, nach Vedisa, das ‚Waldstadt‘ ward benannt.

Nach Kosambi und Saketa, nach Sāvatthi, der schönen Stadt,
Nach Setavi, Kapilavatthu, zur Feste Kusināra dann.

Nach Pāva, zu der Bhoger Stadt, zur Hauptstadt Māgadhas (Rājagaha), Vesālī,
Bis zu der ‚Felsen-Dagoba‘, die so entzückend, lieblich ist.

So wie der Durstige nach kühlem Wasser und wie der Kaufmann nach Gewinn,
Wie der von Hitze Überwältigte nach Schatten,—
so eilten sie, um auf den Berg zu steigen.

Zu jener Zeit nun der Erhabene, zu Häupten seiner Mönchsgemeinde,
Die Lehre zeigte er den Mönchen,
dem Löwen gleich im Walde dröhnte seine Stimme.

Ajita sah den Voll-Erwachten, der leuchtend-goldenem Strahle gleich,
Dem Mond um Monatsmitte gleichend, wenn volle Rundung er erreicht.

Und als er des Erwachten Glieder und völlig alle Zeichen sah,
Da stand er seitwärts hocherfreut, im Geiste stellt' er Fragen dann:

„Sag an und künde mir Geburt, den Stamm, die Zeichen (Bāvaris),
Auch seine Meisterung der Veden und wieviel Schüler er belehrt!“-

DER ERHABENE

Sein Alter: hundertzwanzig Jahre, sein Stammesname: Bāvari:
Am Leibe sind drei Zeichen ihm; er meistert die drei Veden ganz.

Die Zeichenkunde kennt er und der Vorzeit Sage,
der Veden Wortschatz und den Priesterdienst;
Fünfhundert sind es, die er unterweist, in eigener Lehre Meister so.

AJITA

Die Zeichen einzeln gib nun an des Bāvari, du Höchster aller Menschen!
Laß' nicht in Zweifel uns, der du Entwurzler des Begehrens bist!

DER ERHABENE

Das Antlitz kann bedecken er mit seiner Zunge
Und zwischen seinen Brauen wächst ihm eine Flocke Haars;
Das Schamglied ist verborgen in der Hülle,
Dies wisse als die Zeichen, Priesterjünger!

Nicht hörend irgendwelche Frage,
doch hörend, wie die Frage ward erklärt,
Voll Freude ihm Verehrung bringend,
verwundert sann das ganze Volk:

„Welch' Himmelswesen ist es, Brahma oder Indra, ist's Sahampati,
Der da im Geiste stellte jene Fragen? Wer ist es, dem die Antwort galt?

AJITA

Nach Haupt und Hauptes Spaltung fragt dich Bāvari.
Auch dies, Erhabener, erkläre! Beseitige den Zweifel uns, o Seher!

DER ERHABENE

Nichtwissen ist das Haupt, versteh' dies wohl!
Und Wissen ist das Spalten dieses Haupts.
Wissens Begleiter sind: Vertrauen und die Sammlung,
Achtsamkeit und willensstarke Tatkraft.

Freude übergroß ward da der Priesterjünger überwältigt.
Vom Fell entblößt er eine Schulter und fiel, das Haupt am Boden, nieder.

AJITA

Der Priester Bāvari, samt seiner Schülerschar, o Herr,
Froh und gehobenen Herzens verehrt er deine Füße, Klargeäugter!

DER ERHABENE

Beglückt sei Bāvari der Priester und ebenso auch seine Schüler!
Und du auch mögest glücklich sein, lang mögst du leben, Priesterjünger!

All das, was Bavari und dir und allen anderen zweifelhaft,
Erlaubnis ist gegeben euch zu fragen, was irgend ihr im Herzen wünscht!

Als so ihm der Erwachte die Erlaubnis gab,
Saß nieder, Hände faltend, Ājita
Und stellte dem Vollendeten die erste Frage.