Sutta Nipāta 5.5

Mettagū

METTAGU

Dies frag ich dich, o künd' es mir, Erhabener!
Als Wissensmächt'gen acht' ich dich,
Als einen, dessen Wesen voll entfaltet!
Woher entstanden sind hier diese Leiden,
Die in der Welt so mannigfach gestaltet?

DER ERHABENE

Des Leidens Ursprung, danach fragst du mich.
Ich will ihn künden dir, wie er von mir erkannt:
Bedingt durch Daseins-Stützen bilden sich die Leiden,
Die in der Welt so mannigfach gestaltet.

Unwissend, wer sich Daseins-Stützen schafft,
Stets neu gerät in Leid solch Tor.
Daher soll, wer erkennt, nicht Daseins-Stützen schaffen.
Er, der des Leids Geburt und Ursprung schaut.

METTAGU

Das, was wir fragten, hast du uns verkündet.
Ein anderes frag' ich dich, o künd' auch dies:
Wie überschreiten Weise wohl die Flut:
Geburt und Alter, Sorge und den Kummer?
Dies, Muni, mögest ganz du mir erklären,
Denn wahrhaft hast erkannt du diese Lehre!

DER ERHABENE

Die Lehre will ich dir verkünden, die hier schon sichtbar,
Frei von Überlieferungsglauben,
In der, ward sie erkannt, besonnen lebend,
Man überwinden mag das Haften an der Welt.

METTAGU

So freu' ich mich, o Großer, dieser höchsten Lehre,
In der, ward sie erkannt, besonnen lebend,
Man überwinden mag das Haften an der Welt!

DER ERHABENE

Was immer auch du wahrnimmst,
Sei es oben, unten oder quer inmitten,
Ergötzen hieran meide und das Eingewöhnen!
Verwinde das Bewußtsein, bleibe nicht im Dasein

Also verweilend, achtsam, unermüdlich,
Wenn dann der Mönch in solchem Wandel
All das als ‚Mein‘ Geliebte hat verwunden,
Geburt und Alter, Sorge und den Kummer
Hier schon erkennend, wird er lassen Leiden.

METTAGU

Voll Freude bin ich über dieses Wort des Großen.
Die Stätte, die von Daseins-Stützen frei,
Hast gut gekündet du, o Gotama!
Gewiß, Erhabener, du hast das Leid gelassen,
Denn wahrhaft hast erkannt du diese Lehre!

Auch die gewiß können das Leid verlassen,
Die du zu ihrem Heil ermahnst, o Muni!
Daher, mich nahend dir, verehr' ich dich, o Hehrer!
Auch mich mög' der Erhabene zu meinem Heil ermahnen!

DER ERHABENE

Den man als wissenskundigen Priester weiß,
Entledigt, nicht am Sinnen-Dasein hängend,
Er wird gewiß durchkreuzen diese Flut,
Zum Anderen Ufer ist er hingelangt,
Von Geistes-Schlacken und von Zweifel frei.

Ein Mensch, der wissend, der ein Wissensmeister hier,
Den Hang zu immer neuem Dasein hat er abgetan.
Der von Begehren frei, der unverstört und wunschlos,
Er hat Geburt und Alter überwunden, künd' ich!