Udāna 4.1

Meghiya

Meghiya

So habe ich gehört: Einst weilte der Erhabene bei Cālikā am Berge Cālika. Damals aber war der ehrwürdige Meghiya der Versorger des Erhabenen, Und der ehrwürdige Meghiya begab sich hin zum Erhabenen, begrüßte den Erhabenen ehrfurchtsvoll und trat zur Seite. Zur Seite stehend sprach nun der ehrwürdige Meghiya zum Erhabenen also: „Herr, ich wünsche nach Jantugāma wegen Almosenspeise zu gehen.“—„Tue, Meghiya, was dir an der Zeit zu sein scheint.“—Und der ehrwürdige Meghiya kleidete sich zur Zeit des Vormittags an und ging, mit Napf und Gewand versehen, nach Jantugāma wegen Almosenspeise. Als er in Jantugāma betteln gegangen war, begab er sich nach dem Mahle, vom Almosengange zurückgekehrt, an das Ufer des Flusses Kimikālā, und während er dort am Ufer des Flusses Kimikālā zu Fuß wandernd umherstreifte, sah er einen anmutigen, entzückenden Mango-Hain, und als er ihn sah, dachte er bei sich: „Anmutig fürwahr ist dieser Mango-Hain, entzückend; wahrlich, er ist für einen Sohn aus guter Familie, der nach der geistlichen Übung Verlangen trägt, zur geistlichen Übung wie geschaffen. Wenn der Erhabene es mir erlauben sollte, möchte ich in diesen Mango-Hain zurückkehren, um der geistlichen Übung obzu1iegen.“

Und der ehrwürdige Meghiya begab sich hin zum Erhabenen, begrüßte den Erhabenen ehrfurchtsvoll und setzte sich ihm zur Seite nieder. Zur Seite sitzend sprach nun der ehrwürdige Meghiya zum Erhabenen also: „Was diese Angelegenheit betrifft, Herr, so ging ich, nachdem ich mich zur Zeit des Vormittags angekleidet hatte, mit Napf und Gewand versehen, nach Jantugāma wegen Almosenspeise. Als ich in Jantugāma betteln gegangen war, begab ich mich nach dem Mahle, vom Almosengange zurückgekehrt, an das Ufer des Flusses Kimikālā, und während ich dort am Ufer des Flusses Kimikālā zu Fuß wandernd umherstreifte“ sah ich einen anmutigen, entzückenden Mango-Hain, und als ich, ihn sah, kam mir folgender Gedanke: ‚Anmutig fürwahr ist dieser Mango-Hain, entzückend; wahrlich, derselbe ist für einen Sohn aus guter Familie, der nach der geistlichen Übung Verlangen trägt, zur geistlichen Übung wie geschaffen. Wenn der Erhabene es mir erlauben sollte, möchte ich in diesen Mango-Hain zurückkehren, um der geistlichen Übung obzuliegen.‘ Herr, wenn der Erhabene es mir erlaubt, möchte ich in jenen Mango-Hain gehen, um der geistlichen Übung obzuliegen.“—Auf diese Worte hin sprach der Erhabene zum ehrwürdigen Meghiya also: „Warte einstweilen, Meghiya, solange wir allein sind, bis noch ein anderer Mönch kommt.“—Auch ein zweites Mal sprach der ehrwürdige Meghiya zum Erhabenen also: „Herr, der Erhabene braucht fürderhin nichts mehr zu wirken oder das Gewirkte immer wieder zu durchforschen; ich aber, Herr, muß fürderhin noch wirken, muß das Gewirkte immer wieder durchforschen. Herr, wenn der Erhabene es mir erlaubt, möchte ich in jenen Mango-Hain gehen, um der geistlichen Übung obzuliegen.“ Auch zum zweiten Mal sprach der Erhabene zum ehrwürdigen Meghiya also: „Warte einstweilen, Meghiya, solange wir allein sind, bis noch ein anderer Mönch kommt.“—Auch ein drittes Mal sprach der ehrwürdige Meghiya zum Erhabenen also: „Herr, der Erhabene braucht fürderhin nichts mehr zu wirken oder das Gewirkte immer wieder zu durchforschen; ich aber, Herr, muß fürderhin noch wirken, muß das Gewirkte immer wieder durchforschen. Herr, wenn der Erhabene es mir erlaubt, möchte ich in jenen Mango-Hain gehen, um der geistlichen Übung obzuliegen.“—„Da du die geistliche Übung betonst, Meghiya, was sollen wir da noch sagen? Tue, Meghiya, was dir an der Zeit zu sein scheint.“—Da erhob sich der ehrwürdige Meghiya von seinem Sitz, grüßte den Erhabenen ehrfurchtsvoll, umwandelte ihn rechter Hand und begab sich nach jenem Mango-Haine. Als er dahin gegangen und in den Mango-Hain eingetreten war, setzte er sich unter einem Baume zur Mittagsruhe nieder. Und während nun der ehrwürdige Meghiya in jenem Mango-Haine verweilte, überkamen ihn in einem fort drei böse, unheilsame Vorstellungen, nämlich die Vorstellung der Sinnenlust, die Vorstellung des Übelwollens, die Vorstellung der Gewalttätigkeit. Da dachte der ehrwürdige Meghiya bei sich also: ‚O außerordentlich fürwahr, o wunderbar fürwahr!—ich bin doch im Glauben vom Hause fort in die Hauslosigkeit gegangen, und dennoch werde ich verfolgt von diesen drei bösen, unheilsamen Vorstellungen, nämlich von der Vorstellung der Sinnenlust, von der Vorstellung des Übelwollens, von der Vorstellung der Gewalttätigkeit!‘

Und als sich der ehrwürdige Meghiya nun zur Abendzeit aus seiner sinnenden Ruhe erhoben hatte, begab er sich hin zum Erhabenen, begrüßte den Erhabenen ehrfurchtsvoll und setzte sich ihm zur Seite nieder. Zur Seite sitzend sprach nun der ehrwürdige Meghiya zum Erhabenen also: „Herr, was diesen Fall anbetrifft, so überkommen mich, während ich in jenem Mango-Haine verweilte, in einem fort drei böse, unheilsame Vorstellungen, nämlich die Vorstellung der Sinnenlust, die Vorstellung des Übelwollens, die Vorstellung der Gewalttätigkeit. Ich, Herr, dachte bei mir also: O außerordentlich fürwahr, o wunderbar fürwahr!—ich bin doch im Glauben vom Hause fort in die Hauslosigkeit gegangen, und dennoch werde ich verfolgt von diesen drei bösen, unheilsamen Vorstellungen, nämlich von der Vorstellung der Sinnenlust, von der Vorstellung des Übelwollens, von der Vorstellung der Gewalttätigkeit !“—

„Fünf Dinge, Meghiya, führen die noch nicht völlig zur Reife gelangte .Geisteserlösung zu völliger Reife: Welche fünf? In diesem Falle, Meghiya, hat ein Mönch einen trefflichen Freund, (einen trefflichen Gefährten,) einen trefflichen Genossen. Die noch nicht völlig zur Reife gelangte Geisteserlösung, Meghiya, führt dieses erste Ding zu völliger Reife.—Ein Mönch ist ferner voll sittlicher Zucht, Meghiya; er lebt in Zurückhaltung gemäß den durch das mönchische Sittengesetz gezogenen Schranken; im Bereich des guten Wandels vollkommen, in den kleinsten zu vermeidenden Dingen Gefahr erblickend, übt er sich in den Geboten, die er auf sich genommen hat. Die noch nicht völlig zur Reife gelangte Geisteserlösung, Meghiya, führt dieses zweite Ding zu völliger Reife.—Ein zur Reinigung dienendes, den Segen der Geisteserschließung gebendes Gespräch ferner, Meghiya, das zum völligen Überdruß—(an allem)— zur Gierlosigkeit, zur Aufhebung, zur Beruhigung, zum höheren Wissen, zur Erwachung, zum Nibbāna führt,—nämlich Gespräch über die Bedürfnislosigkeit, Gespräch über die Zufriedenheit, Gespräch über die Einsamkeit, Gespräch über das Leben der Zurückgezogenheit, Gespräch über die Anspannung der Energie, Gespräch über die sittliche Zucht, Gespräch über die Konzentration, Gespräch über die Weisheit, Gespräch über die Erlösung, Gespräch über die klare Einsicht in—(das Wesen der)—Erlösung,—durch derartiges Gespräch bekommt er Gefallen und wird frei von Beschwerde und Mühe. Die noch nicht völlig zur Reife gelangte Geisteserlösung, Meghiya, führt dieses dritte Ding zu völliger Reife.—Ferner, Meghiya. lebt ein Mönch, indem er seine Energie anspannt, um unheilsame Eigenschaften loszuwerden und heilsame Eigenschaften zu erlangen, entschlossen, ernst strebend, willig in guten Dingen. Die noch nicht völlig zur Reife gelangte Geisteserlösung, Meghiya, führt dieses vierte Ding zu völliger Reife.—Ferner, Meghiya, ist ein Mönch weise, ausgestattet mit der Weisheit, die das Entstehen und Vergehen schaut, der hohen, durchdringenden, die zur völligen Vernichtung des Leidens führt. Die noch nicht völlig zur Reife gelangte Geisteserlösung, Meghiya, führt dieses fünfte Ding zu völliger Reife.—Diese fünf Dinge, Meghiya, führen die noch nicht völlig zur Reife gelangte Geisteserlösung zu völliger Reife.

„Von einem Mönche, Meghiya, der einen trefflichen Freund, einen trefflichen Gefährten, einen trefflichen Genossen hat, muß man dies erwarten, daß er die sittliche Zucht pflegen wird, daß er in Zurückhaltung gemäß den durch das mönchische Sittengesetz gezogenen Schranken leben, und daß er, im Bereiche des guten Wandels vollkommen, in den kleinsten zu vermeidenden Dingen Gefahr erblickend, sich in den Geboten üben wird, die er auf sich genommen hat.—Von einem Mönche, Meghiya, der einen trefflichen Freund, einen trefflichen Gefährten, einen trefflichen Genossen hat, muß man dies erwarten, daß er durch ein zur Reinigung dienendes, den Segen der Geisteserschließung gebendes Gespräch, das zum völligen Überdruß, zur Gierlosigkeit, zur Aufhebung, zur Beruhigung, zum höheren Wissen, zur Erwachung, zum Nibbāna führt,—nämlich Gespräch über die Bedürfnislosigkeit, Ge­spräch über die Zufriedenheit, Gespräch über die Einsamkeit, Gespräch über das Leben der Zurückgezogenheit, Gespräch über die Anspannung der Energie, Gespräch über die sittliche Zucht, Gespräch über die Konzentration, Gespräch über die Weisheit, Gespräch über die Erlösung, Gespräch über die klare Einsicht in—(das Wesen der)—Erlösung,—daß er durch derartiges Gespräch Gefallen bekommen und frei werden wird von Beschwerde und Mühe.—Von einem Mönche, Meghiya, der einen trefflichen Freund, einen trefflichen Gefährten, einen trefflichen Genossen hat, muß man dies erwarten, daß er mit Anspannung seiner Energie, um unrechte Eigenschaften loszuwerden und rechte Eigenschaften zu erlangen, entschlossen, ernst strebend, willig in guten Dingen leben wird.—Von einem Mönche, Meghiya, der einen trefflichen Freund, einen trefflichen Gefährten, einen trefflichen Genossen hat, muß man dies erwarten, daß er weise sein wird, ausgestattet mit der Weisheit, die das Entstehen und Vergehen schaut, der hohen, durchdringenden, die zur völligen Vernichtung des Leidens führt.—

„Deshalb aber, Meghiya, muß ein in diesen fünf Dingen feststehender Mönch noch vier Dinge aufs äußerste pflegen: (die Betrachtung über) das Unreine muß er pflegen, um die Gier loszuwerden; das Wohlwollen muß er pflegen, um das Übelwollen loszuwerden; das klare Bewußtsein hinsichtlich des Einatmens und Ausatmens muß er pflegen, um die Ge­dankenregungen abzuschneiden; die Wahrnehmung der Unbeständigkeit muß er pflegen, um den Ich-bin-Dünkel zu vertilgen. Denn, Meghiya, für den, der die Unbeständigkeit wahrnimmt, steht fest die Wahrnehmung des Nicht-Ich; wer das Nicht-Ich wahrnimmt, erreicht noch im gegenwärtigen Leben das den Ich-bin-Dünkel aufhebende Nibbāna.“

Da tat der Erhabene, nachdem er erkannt, was dies zu bedeuten hatte, bei jener Gelegenheit folgenden feierlichen Ausspruch:

„Die leisen Gedanken, die feinen Gedanken, die noch nicht offenbaren Wallungen des Geistes,—wer diese Gedanken nicht erkannt hat, eilt unsteten Geistes von Existenz zu Existenz. Aber der Eifrige, klar Bewußte, der diese Gedanken erkannt hat, hemmt sie; der Buddha hat—(auch)—diese noch nicht offenbaren Wallungen des Geistes restlos von sich getan.“