Udāna 5.6

Der Ordensältere Sona

Sona

So habe ich gehört: Einst weilte der Erhabene bei Sāvatthi im Jeta-Haine, im Klostergarten des Anāthapindika. Dama1s aber weilte der ehrwürdige Mahā-Kaccāna in Avanti bei Kuraraghara am Berge Pavatta. Damals aber war der Laienanhänger Sona Kotikanna der Versorger des ehrwürdigen Mahā-Kaccāna. Und während nun der Laienanhänger Sona Kotikanna einsam sinnend weilte, erhob sich in seinem Geiste folgende Erwägung: ‚Nach der Art (zu urteilen), wie Ehrwürden Mahā-Kaccāna immer wieder die Lehre darlegt, ist es für einen, der im Hause lebt, nicht leicht, den ganz vollkommenen, ganz lauteren, ganz makellosen reinen Wandel zu führen. Wie wäre es, wenn ich mir Haar und Bart scherte, gelbe Gewänder anlegte und vom Hause fort in die Haus1osigkeit ginge?‘

Und der Laienanhänger Sona Kotikanna begab sich hin zum ehrwürdigen Mahā-Kaccāna, begrüßte den ehrwürdigen Mahā-Kaccāna ehrfurchtsvoll und setzte sich zur Seite nieder. Zur Seite sitzend sprach nun der Laienanhänger Sona Kotikanna zum ehrwürdigen Mahā-Kaccāna a1so: „Herr, als ich einsam sinnend weilte, erhob sich in meinem Geiste folgende Erwägung: ‚Nach der Art (zu urteilen), wie Ehrwürden Mahā-Kaccāna immer wieder die Lehre darlegt, ist es für einen, der im Hause lebt, nicht leicht, den ganz vollkommenen, ganz lauteren, ganz makellosen reinen Wandel zu führen. Wie wäre es, wenn ich mir Haar und Bart scherte, die gelben Gewänder anlegte und vom Hause fort in die Hauslosigkeit ginge?‘ Möge mir, Herr, Ehrwürden Mahā-Kaccāna die Noviziatsweihe erteilen.“ Nach diesen Worten sprach der ehrwürdige Mahā-Kaccāna zum Laienanhänger Sona Kotikanna also: „Schwer, Sona, ist es, für Lebenszeit den reinen Wandel bei einem (täglichen) Mahle und gesonderter Lagerstätte zu führen. Ich bitte dich, Sona, betätige, während du dort das häusliche Leben weiterführst, die Lehre der Erwachten zeitweilig bei einem täglichen Mahle, gesonderter Lagerstätte und keuschem Wandel.“ Da kam der Gedanke an die Weltentsagung, mit dem sich der Laienanhänger Sona Kotikanna trug, zur Ruhe.

Auch ein zweites Mal erhob sich im Geiste des Laienanhängers Sona Kotikanna, während er einsam sinnend weilte, folgende Erwägung: ‚Nach der Art (zu urteilen), wie Ehrwürden Mahā-Kaccāna immer wieder die Lehre darlegt, ist es für einen, der im Hause lebt, nicht leicht, den ganz vollkommenen, ganz lauteren, ganz makellosen reinen Wandel zu führen. Wie wäre es, wenn ich mir Haar und Bart scherte, gelbe Gewänder anlegte und vom Hause fort in die Hauslosigkeit ginge?‘ Und zum zweiten Male begab sich der Laienanhänger Sona Kotikanna hin zum ehrwürdigen Mahā-Kaccāna ... usw. ... Zur Seite sitzend sprach nun der Laienanhänger Sona Kotikanna zum ehrwürdigen Mahā-Kaccāna also: „Herr, als ich einsam sinnend weilte ... usw. ... Möge mir, Herr, Ehrwürden Mahā-Kaccāna die Noviziatsweihe erteilen.“ Auch zum zweiten Male sprach der ehrwürdige Mahā-Kaccāna zum Laienanhänger Sona Kotikanna also: „Schwer, Sona, ist es, für Lebenszeit den reinen Wandel bei einem (täglichen) Mahle und gesonderter Lagerstätte zu führen. Ich bitte dich, Sona, betätige, während du dort das häusliche Leben weiterführst, die Lehre der Erwachten zeitweilig bei einem (täglichen) Mahle; gesonderter Lagerstätte und keuschem Wandel.“ Und auch zum zweiten Male kam der Gedanke an die Weltentsagung, mit dem sich der Laienanhänger Sona Kotikanna trug, zur Ruhe.

Auch ein drittes Mal erhob sich im Geiste des Laienanhängers Sona Kotikanna, während er einsam sinnend weilte, folgende Erwägung: ‚Nach der Art (zu urteilen), wie Ehrwürden Mahā-Kaccāna immer wieder die Lehre darlegt, ist es für einen, der im Hause lebt, nicht leicht, den ganz vollkommenen, ganz lauteren, ganz makellosen reinen Wandel zu führen. Wie wäre es, wenn ich mir Haar und Bart scherte, gelbe Gewänder anlegte und vom Hause fort in die Hauslosigkeit ginge?‘ Und zum dritten Male begab sich der Laienanhänger Sona Kotikanna hin zum ehrwürdigen Mahā-Kaccāna, begrüßte den ehrwürdigen Mahā-Kaccāna ehrfurchtsvoll und setzte sich zur Seite nieder. Zur Seite sitzend sprach nun der Laienanhänger Sona Kotikanna zum ehrwürdigen Mahā-Kaccāna also: „Herr, als ich einsam sinnend weilte, erhob sich in meinem Geiste folgende Erwägung: ‚Nach der Art (zu urteilen), wie Ehrwürden Mahā-Kaccāna immer wieder die Lehre darlegt, ist es für einen, der im Hause lebt, nicht leicht, den ganz vollkommenen, ganz lauteren, ganz makellosen reinen Wandel zu führen. Wie wäre es, wenn ich mir Haar und Bart scherte, gelbe Gewänder anlegte und vom Hause fort in die Hauslosigkeit ginge?‘ Möge mir, Herr, Ehrwürden Mahā-Kaccāna die Noviziatsweihe erteilen.“

Da erteilte nun der ehrwürdige Mahā-Kaccāna dem Laienanhänger Sona Kotikanna die Noviziatsweihe.

Zu jener Zeit aber war die südliche Gegend, Avanti, arm an Mönchen. Und nachdem nun der ehrwürdige Mahā-Kaccāna im Verlauf von drei Jahren mit vieler Mühe und Schwierigkeit eine zehn Mönche umfassende Gemeinde von hier und dort zusammengebracht hatte, erteilte er dem ehrwürdigen Sona die volle Weihe.

Und während nun der ehrwürdige Sona (als er die Regenzeit verbrachte), einsam sinnend weilte, erhob sich in seinem Geiste folgende Erwägung: ‚Ich habe doch den Erhabenen noch nicht von Angesicht gesehen, wenn ich auch gehört habe, der Erhabene sieht so und so aus. Wenn es mir der Unterweiser erlauben sollte, möchte ich gehen, den Erhabenen zu sehen, den Heiligen, völlig Erwachten.‘

Und als sich der ehrwürdige Sona zur Abendzeit aus seiner sinnenden Ruhe erhoben hatte, begab er sich hin zum ehrwürdigen Mahā-Kaccāna, begrüßte den ehrwürdigen Mahā-Kaccāna ehrfurchtsvoll und setzte sich zur Seite nieder. Zur Seite sitzend sprach nun der ehrwürdige Sona zum ehrwürdigen Mahā-Kaccāna also: „Herr, als ich einsam sinnend weilte, erhob sich in meinem Geiste folgende Erwägung: ‚Ich habe doch den Erhabenen noch nicht von Angesicht gesehen, wenn ich auch gehört habe, der Erhabene sieht so und so aus. Wenn es mir der Unterweiser erlauben sollte, möchte ich gehen, diesen Erhabenen zu sehen, den Heiligen, völlig Erwachten.‘“—„Gut, gut, Sona! Gehe, Sona, diesen Erhabenen zu sehen, den Heiligen, völlig Erwachten. Du wirst diesen Erhabenen sehen, Sona, den Anmutreichen, Glückverheißenden, dessen Sinne und Geist sanft sind, der höchste Selbstdisziplin und Ruhe erlangt hat, den beherrschten, bewachten Sinneszügler, den Gewaltigen, und wenn du ihn siehst, dann verehre in meinem Namen mit dem Haupte die Füße des Erhabenen und erkundige dich, ob (der Herr) bei leidlicher Gesundheit ist, sich leidlich wohlfühlt, einen angenehmen Aufenthalt hat, bei guten Kräften ist und bequem zu leben hat: (‚Herr, mein Unterweiser, der ehrwürdige Mahā-Kaccāna verehrt mit dem Haupte die Füße des Erhabenen und erkundigt sich, ob (der Erhabene) bei leidlicher Gesundheit ist, sich leidlich wohlfühlt, einen angenehmen Aufenthalt hat, bei guten Kräften ist und bequem zu leben hat‘).“

Der ehrwürdige Sona gab durch die Worte: „So sei es, Herr!“ seinem Beifall und seiner Freude über die Worte des ehrwürdigen Mahā-Kaccāna Ausdruck, dann erhob er sich von seinem Sitz, grüßte den ehrwürdigen Mahā-Kaccāna ehrfurchtsvoll und umwandelte ihn rechter Hand. Nachdem er seine Lagerstätte weggeräumt hatte, wanderte er, mit Napf und Gewand versehen, nach Sāvatthi.

Von Ort zu Ort wandernd gelangte er nach Sāvatthi zum Jeta-Haine, in den Klostergarten des Anāthapindika, wo der Erhabene sich aufhielt. Als er dort angekommen war, begrüßte er den Erhabenen ehrfurchtsvoll und setzte sich zur Seite nieder. Zur Seite sitzend sprach nun der ehrwürdige Sona zum Erhabenen also: „Herr, mein Unterweiser, der ehrwürdige Mahā-Kaccāna, verehrt mit dem Haupte die Füße des Erhabenen und erkundigt sich, ob (der Erhabene) bei leidlicher Gesundheit ist, sich leidlich wohlfühlt, einen angenehmen Aufenthalt hat, bei guten Kräften ist und bequem zu leben hat.“—„Geht es dir auch gut, Mönch? Fühlst du dich gesund? Hast du keine Beschwerden auf deiner Reise gehabt und keine Not mit den Almosen?“—„Es geht mir gut, Erhabener; ich fühle mich gesund, Erhabener; ich habe keine Beschwerden auf meiner Reise gehabt, Herr, und keine Not mit den Almosen.“

Und der Erhabene richtete nun das Wort an den ehrwürdigen Ananda: „Bereite, Ananda, für diesen neu angekommenen Mönch die Lagerstätte.“ Da dachte der ehrwürdige Ananda bei sich: ‚Bei welchem Jünger der Erhabene mir den Auftrag gibt: Bereite, Ananda, für diesen neu angekommenen Mönch die Lagerstätte, mit dem wünscht der Erhabene in einer Behausung zu wohnen; es wünscht der Erhabene (also) mit dem ehrwürdigen Sona in einer Behausung zu wohnen.‘ Und er bereitete in demselben Kloster, in welchem der Erhabene wohnte, für den ehrwürdigen Sona die Lagerstätte.

Und der Erhabene verbrachte einen großen Teil der Nacht unter freiem Himmel sitzend, dann wusch er sich die Füße und ging ins Kloster. Auch der ehrwürdige Sona verbrachte einen großen Teil der Nacht unter freiem Himmel sitzend, dann wusch er sich die Füße und ging ins Kloster.

Und der Erhabene erhob sich zur Zeit der nächtlichen Dämmerung und ging den ehrwürdigen Sona mit der Bitte an: „Möge es dir gefallen, den Mönchen die Lehre vorzutragen!“—„So sei es, Herr!“ antwortete der ehrwürdige Sona dem Erhabenen, und er trug alle sechzehn Kapitel des Atthaka mit lauter Stimme vor. Und der Erhabene gab bei Beendigung der Rezitation des ehrwürdigen Sona seinem wohlgefälligen Danke Ausdruck: „Gut, Mönch, gut! Gut erfaßt, Mönch, hast du die sechzehn Kapitel des Atthaka, hast sie dir wohl vergegenwärtigt, sie gut erforscht. Du bist mit einer angenehmen, deutlichen, klangvollen Stimme begabt, die den Sinn wohl erkennen läßt. Wieviel Jahre, Mönch, bist du (Mitglied der Gemeinde)?“—

„Ein Jahr, Erhabener, bin ich es.“—„Warum aber, o Mönch, hast du so lange verzogen?“—„Lange schon, o Herr, habe ich das Elend gesehen, das in den Sinnenlüsten liegt; das häusliche Leben, das eine Bedrängnis ist, bringt zudem viele Geschäfte, viele Obliegenheiten mit sich.“

Da tat der Erhabene, nachdem er erkannt, was dies zu bedeuten hatte, bei jener Gelegenheit folgenden feierlichen Ausspruch:

„Wenn der von den Beilegungen Befreite das Elend in der Welt gesehen und die Lehre verstanden hat, findet der Edle keinen Gefallen am Bösen, es findet am Bösen der Reine keinen Gefallen mehr.“