Udāna 6.5

Die Blindgeborenen

Die Andersgläubigen (1)

So habe ich gehört: Einst weilte der Erhabene bei Sāvatthi im Jeta-Haine, im Klostergarten des Anāthapindika. Damals, aber wohnten bei Sāvatthi viele Asketen und Brahmanen, Wanderasketen verschiedener Richtungen, welche verschiedene Ansichten vertraten, an verschiedene Dinge glaubten, an verschiedenen Dingen Gefallen fanden und in verschiedenen Ansichten, auf die sie sich stützten, ihre Zuflucht suchten.

Es waren etliche Asketen und Brahmanen, die glaubten und verkündeten: ‚Ewig ist das Ich und die Welt; dies ist wahr, anderes töricht.‘

Es waren hinwiederum etliche Asketen und Brahmanen, die glaubten und verkündeten: ‚Nicht ewig ist das Ich und die Welt; dies ist wahr, anderes töricht.‘

Es waren etliche Asketen und Brahmanen, die glaubten und verkündeten: ‚Ewig und nicht ewig ist das Ich und die Welt; dies ist wahr, anderes töricht.‘

Es waren hinwiederum etliche Asketen und Brahmanen, die glaubten und verkündeten: ‚Weder ewig noch nicht ewig ist das Ich und die Welt; dies ist wahr, anderes töricht.‘

Es waren etliche Asketen und Brahmanen, die glaubten und verkündeten: ‚Durch sich selbst gemacht ist das Ich und die Welt; dies ist wahr, anderes töricht.‘

Es waren hinwiederum etliche Asketen und Brahmanen, die glaubten und verkündeten: ‚Von einem andern gemacht ist das Ich und die Welt; dies ist wahr, anderes töricht.‘

Es waren etliche Asketen und Brahmanen, die glaubten und verkündeten: ‚Durch sich selbst gemacht und von einem anderen gemacht ist das Ich und die Welt; dies ist wahr, anderes töricht.‘

Es waren hinwiederum etliche Asketen und Brahmanen, die glaubten und verkündeten: ‚Ohne sich selbst zu machen, ohne daß ein anderer der Schöpfer wäre, ist das Ich und die Welt durch Zufall entstanden; dies ist wahr, anderes töricht.‘

Es waren etliche Asketen und Brahmanen, die glaubten und verkündeten: ‚Ein ewiges Glück und Leid ist das Ich und die Welt; dies ist wahr, anderes töricht.‘

Es waren hinwiederum etliche Asketen und Brahmanen, die glaubten und verkündeten: ‚Ein nicht ewiges Glück und Leid ist das Ich und die Welt; dies ist wahr, anderes töricht.‘

Es waren etliche Asketen und Brahmanen, die glaubten und verkündeten: ‚Ein ewiges und nicht ewiges Glück und Leid ist das Ich und die Welt; dies ist wahr, anderes töricht.‘

Es waren hinwiederum etliche Asketen und Brahmanen, die glaubten und verkündeten: ‚Ein weder ewiges, noch nicht ewiges Glück und Leid ist das Ich und die Welt; dies ist wahr, anderes töricht.‘

Es waren etliche Asketen und Brahmanen, die glaubten und verkündeten: ‚Ein durch sich selbst gemachtes Glück und Leid ist das Ich und die Welt; dies ist wahr, anderes töricht.‘

Es waren hinwiederum etliche Asketen und Brahmanen, die glaubten und verkündeten: ‚Ein von einem andern gemachtes Glück und Leid ist das Ich und die Welt; dies ist wahr, anderes töricht.‘

Es waren etliche Asketen und Brahmanen, die glaubten und verkündeten: ‚Ein durch sich selbst gemachtes und von einem andern gemachtes Glück und Leid ist das Ich und die Welt; dies ist wahr, anderes töricht.‘

Es waren hinwiederum etliche Asketen und Brahmanen, die glaubten und verkündeten: ‚Ohne sich selbst zu machen, ohne daß ein anderer der Schöpfer wäre, ist das Ich und die Welt ein durch Zufall entstandenes Glück und Leid; dies ist wahr, anderes töricht.‘

Und diese zänkischen, hadernden, in Streitrede geratenen (Leute) schlugen und verletzten sich gegenseitig mit scharfen Worten: „So ist die Wahrheit, die Wahrheit ist nicht so; nicht so ist die Wahrheit, die Wahrheit ist so.“

Und viele Mönche kleideten sich zur Zeit des Vormittags an und gingen, mit Napf und Gewand versehen, nach Sāvatthi wegen Almosenspeise. Als sie in Sāvatthi betteln gegangen waren, begaben sie sich nach dem Mahle, vom Almosengange zurückgekehrt, hin zum Erhabenen, begrüßten den Erhabenen ehrfurchtsvoll und setzten sich zur Seite nieder. Zur Seite sitzend sprachen nun jene Mönche zum Erhabenen also:

„Herr, hier bei Sāvatthi wohnen viele Asketen und Brahmanen, Wanderasketen verschiedener Richtungen, welche verschiedene Ansichten vertreten, an verschiedene Dinge glauben, an verschiedenen Dingen Gefallen finden und in verschiedenen Ansichten, auf die sie sich stützen, ihre Zuflucht suchen.

„Es sind etliche Asketen und Brahmanen, die glauben und verkünden: ‚Ewig ist das Ich und die Welt; ... usw. ....‘

„Und diese zänkischen, hadernden, in Streitrede geratenen (Leute) schlagen und verletzen sich gegenseitig mit scharfen Worten: ‚So ist die Wahrheit, die Wahrheit ist nicht so; nicht so ist die Wahrheit, die Wahrheit ist so.‘“—

„Ihr Mönche, blind und augenlos erkennen die Wanderasketen verschiedener Richtungen nicht, worauf es ankommt und worauf es nicht ankommt; sie erkennen nicht die Wahrheit und was nicht die Wahrheit ist. In Unkenntnis dessen, worauf es ankommt und worauf es nicht ankommt, und in Unkenntnis der Wahrheit und dessen, was nicht die Wahrheit ist, schlagen und verletzen sich diese zänkischen, hadernden, in Streitrede geratenen (Leute) gegenseitig mit scharfen Worten: ‚So ist die Wahrheit, die Wahrheit ist nicht so; nicht so ist die Wahrheit, die Wahrheit ist so.‘“

Da tat der Erhabene, nachdem er erkannt, was dies zu bedeuten hatte, bei jener Gelegenheit folgenden feierlichen Ausspruch:

„So hört man es: Es klammern sich manche Asketen und Brahmanen an diese (Dinge), und auf dem Wege gehen sie unter, sie, die das Nibbāna nicht erreicht haben.“