Udāna 6.8

Die Blindgeborenen

Die Dirne

So habe ich gehört: Einst weilte der Erhabene bei Rājagaha im Bambus-Haine beim Kalandakanivāpa. Damals aber waren zwei Parteien, die von Leidenschaft und Liebe zu einer Dirne entbrannt waren, in Zank, Streit und Wortwechsel geraten. Mit Fäusten und Erdklumpen, mit Stöcken und Schwertern gingen sie aufeinander los; da kamen sie zu Tode, zu tödlichem Weh.

Und viele Mönche kleideten sich zur Zeit des Vormittags an und gingen, mit Napf und Gewand versehen, nach Rājagaha wegen Almosenspeise. Als sie in Rājagaha betteln gegangen waren, begaben sie sich nach dem Mahle, vom Almosengange zurückgekehrt, hin zum Erhabenen, begrüßten den Erhabenen ehrfurchtsvoll und setzten sich zur Seite nieder. Zur Seite sitzend sprachen nun jene Mönche zum Erhabenen also: „Herr, hier in Rājagaha sind zwei Parteien, die von Leidenschaft und Liebe zu einer Dirne entbrannt waren, in Zank, Streit und Wortwechsel geraten. Mit Fäusten und Erdklumpen, mit Stöcken und Schwertern gehen sie aufeinander los; da kommen sie zu Tode, zu tödlichem Weh.“

Da tat der Erhabene, nachdem er erkannt, was dies zu bedeuten hatte, bei jener Gelegenheit folgenden feierlichen Ausspruch:

„Für den, der als Ringender in peinvoller Askese sich müht, ist beides: was man erreicht hat und was noch erreicht werden soll, mit Schmutz besudelt; und so ist auch der Kern seiner Schulung. Kasteiung und geschlechtliche Enthaltsamkeit bilden den Kern seines sittlichen Strebens. Dies ist das eine Extrem.

„Und wer da verkündet: ‚In den Sinnengenüssen liegt nichts Arges,‘ dies ist das andere Extrem.

„So vermehren diese beiden Extreme die Leichenstätten, und die Leichenstätten fördern die irrigen Ansichten. Ohne diese beiden Extreme erkannt zu haben, bleiben die einen unten hängen, die anderen laufen über das Ziel hinaus. Jene aber, die diese (Extreme) erkennend nicht in ihnen befangen sind und nicht also vermeinen, für die gibt es keine Fortführung des Daseinslaufes mehr.“